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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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in halb knieender, halb schwebender Stellung, sie »agte e« »ich, chr Haupt au« der eingenommene« Etelsrn^g, pl erheben. Plötzlich eutraug sich ei« schwerer SeuKer der Prust der Leidende», ein he »zerreißende« Flehen ließ sich vernehmen: „O erlöse un«, Rabbi! o laß dein« himmlisch« rettende Kra^t über un« ruhen!" Der Zadik schien beim Eintritte der «eidlichen HUfesuchendeu Gäste «inen AiGflug in di« delrl ffenoen Himmel-Departement« behuf« der Realistrung seimr gütlichen, de« Erfolge« sicheren Machinationen Sm,lcht i» haben, denn lautlo«, unbeweglich, einer bleichen rb ose» Statur ähnlich, lag er in seine» Fauteul da. Jetzt erst, al« ein unheimlicher Seufzer sein Ohr gestreift, sprang er hastig von seinem Sitze auf, er richtete stch hoch zu den Häupter» de« weiblichen Paare«, da« «och immer seine urft»rü »gliche Stellung inuehielt, auf. seine Wangen färbten sich, in Ixn höheren übernatürliche« Regionen ver Legristerung versenk, warf er sein bi« zur Unkenntlichkeit entstellte« Haupt lauselenv, forschend nach alle» Windrichtungen vorwärt«, rückmürt», seilwärt«, al« wollt« er den Natur-Elementen etwa« entlocken, — nun war ein Wunder anvermeidlich! — Und steh' da, der Himmel verfinfterte stch, ein heftige« Gewitter entlud sich, e« donnerte unv blitzte, di« Fenster de« Audienz- Gemiche« wechselte« ibre Farbe, bald durchzuckte« dunkle düste:e Strahlen die Räume de« Gemache«, e« erdröhnte der Boden — und ein schmerzliche«, halblaute« Lechzen erfüll»« da« Gemach. War e» da« Lechze« de« draußen heulenden Winde« »der de« bösen Geiste», der nun sein« Macht über die weibliche« Lrideiidea für immer verlieren sollte? Roch einmal fuhr ein leuchtender Blitz vorbei, begleitet von einem tumultuarischen heftige« Donner, nun erhob stch der sitabbi hastig, er schritt mit den Miene« eine» LebensfroheDankbaren, Zufriedene« zu einem nahestedenden Wasserbecken, tauchte darin seine Finger, schaut« zum Fenster hinan« »nd sprach den Gegen, auch die weiblichen Gestalte« erhob«»! sich froh und leichten Muthe« bald, fie betete« bald zum Himmel, bald zum Rabbi voller Seligkeit aufdlickend, de« segentspruch über da« Gewitter «ach, — jetzt sprach der Rabbi zu den «och immer wanenden weiblichen Besucherinnen: „gehet getrosten Muthe« heim, eure Bitten sollen in Erfüllung gehen", er sprach'«, und die Elemente draußen sprachen chr Amen dazu, und wirfiich, al« ein« Reih« von Monden in« Land gegangen waren, da gena« die blind« Magd eine« sröhlchen, munter«, hellblickend«« Knäblein», und die Atara fuhr fort — zu sehen, und trotzdem wagte e» Niemand, an der »nfet lbaren Wundertraft de« Rabbi« zu zweifeln; Alle« einigle sich lechi«, daß hier eine kleine arglose Verwechselung unterlaufe» sei; nun mußte sich die Lkara glücklich schätzen, nicht blind geworden zu sei«. Ich null mit meiner Skizzirung der jüdischen Wundermänner mich vorläufig auf die Gauen Galizien« beschränken, hier gibt e« sactisch keine einzige Stadt, di« nicht irgend eine« Heilizen oder angehenden Zadik aufznweisen hätte. Diese angelieteten fleischliche« Kälber find al« der Unstern und der Urquell alle« verflossenen und gegrnwärtige« Uedel«, namentlich Imrch ihren auf die LuSbildung der Jugend sehr verderblich wirkenden Einfluß anzusehen. Eineu jeden solcher Wundermänner umgibt eine Schaar von Blindlingen, Ehaffidim gena int. Diese Lnbeter recrutirr« sich nicht bloß au« den Kreil e» erwachsener Personen, sonder« auch au« dem der zarteste» Jugend; kaum hat die Phantafie eine« noch im Kuadeua ter steckenden chaffidischen Jüngling« die rechte« Wundermärchen über eine« Zadik eingesogeu, so fühlt er fich bereit« vor einer hinreißenden Leidenschaft zur persönlichen Rückprache mit de« Heiligen heimgesucht, und fall« chm die auf >»em Wege de« Eiuverftändniffe« mit seinen Elter« al« unrralifirbar erscheint, so leert er um Mitternacht seinem Pater die Börse, um de« Morgen« eine Wallfahrt unternehmend, die entwendete Baarschaft de« alle« Verbrechen und Laster absolutw, lirendenRaud-Lltare de« Rabbi zumOpfer darzubriage«, und bei ei reichler Selbstständigkeit ist er dann, m'mder deffe» Segen hofseich, «l» dessen die Ungläubigen treffenden Küche »nd Verwünschungen befürchtend, unwillkürlich mit Hab »nd G»t der Leibeigene de« Rabbi« geworden. Solch« frühzeitig zu» Bekenntniß der Zadtt'sche« Wundertrast gelangten Jüngling« versprechen echte chaffibistisch, Menschen zu werden. — I«, manchmal geschieht e«, daß ein solcher jugendlicher BlindUng schon den darauffolgenden Tag, nachdem er seine Braut vom Sllare heimgeführi, seiner neuen Lcben«gesährtin de« Entschluß äußerte, »r müffe auf die nächstfolgenden F«»«rtagr seiner Erbauung halber zum heiligen Zadik hinzirhen, und da fie, gegen die Trennung fich hartnäckig sträubend, ihm dt« nöthige Kleidung und erforderlichen Mittel zur Hinreise entziehen läßt (alle« Thatsach«!), da verstlberl er sein« chm übrig geblieben« Taschenuhr, um an« Ziel zu gelangen, und nach Verlaus weniger Jahre, da schweigt er in süßer, die Stund« der Ruhe nicht mehr wiffenden Seligkeit iu der llmgebu»g de« Rabbi ohne Uhr und ohne Frau! I. Freimann. ■i -V ■-J 4 Vermischte und neueste Nachrichten. Perlt», Ende August. Dieser Tage hat der Verein „Ahawath Schalom" eine neue Synaaoge oder einen große« und schönen vettaai, weicher etwa gegen 370 Männer- und Flaue»« Plätze enthält, eingewrcht Da« Lokal liegt in der Münz» straße. Am Westen»« der Stadt an den Potsdamer Brücke» wird da« ehemalige Gebäude de» landwtrrhschaftlichen Museum« in eine auf 700 Plätze berechnete Synagoge verwandelt; auch diese soll zu den bevorstehenden Feiertagen fertig gestellt werden. Die erstgenannte Synagoge ist für de« ganz unverä»»' denen alten Rltu« destimnil, di« andere für den der „Heide - reuther Synagoge", mit Lhorgesang u. s. w. und ist Dr. Lpolant dem Vernehmen nach al« Prediger für dieselbe de» fignirt. Wenn nun auch alle vorhandenen großen und kleinen Synagogen und ständigen Betlokale für da« vedürfniß der hohen Feiertag« nicht au»reich«n und demselben auch gar nicht ganz genügt werde« kann, so scheint doch Gotlseidank^ der schmählich« Mißbrauch, daß Gottesdienst in den unpassend» sie«, ja verrufensten Säle« Berlin« annoncirt und gehalten worden ist, in diesem Jahre mcht mehr Vorkommen zu solle». H«»h»rg. Äm 37. August wurde in der hiesigen Synagoge aus dem neuen Sleinweg em frecher Diebstahl au«- geführt. Zwei Almosen-Büchsen wurden ihre« Inhalt« entleert Man behauptet, daß der Dled, dem selbst der heilige Ott eine« Golle-hause« keine Ehrfurcht eingrflößt» mit de» Berhältmffen vertraut sein müsse. Denn der Schlüffel zur; Synagoge befindet fich gewöhnlich in den Händen de« Küster«, welcher ihn jedoch - diesmal an «ine«, nur für Eingeweihte bekannten Platz gelegt halte, um denselben sofort zur Hand »u habe«. (I- Pr.) (Eine alte Anekdote erzählt, daß man einst irgendwo die Lrmendüchse auSgeleert und »n derselbe« einen Zettel mit der Inschrift gesunden habe: „Roth bricht Eisen, die np*TJC wird c« beweisen." E« fand fich sehr bald, daß der Schamme« Versager diese« Gebicht» gewesen; man hatte ihn Roth leiden lasse»." E« soll aber mit dieser Anekdote nicht etwa angedeutet wer«,i den, daß in Hamburg da« SachoerhLltniß ebenso liege« könne Paderbor». War die unermüdlich anregend« THLtigb etuer Person, — und obenorein vom sogen „schwachen" Ge»j schlecht — zu vollbringen vermag, da» steht hier al« iöraell»^ tische „Waisen ErziehungS-Snstalt" verkörpert vor un«, über - welche oer eben erschienene „fiebzehnte Jahresbericht" gegeben von der Gründerin und Vorsteherin der Ans! FräuleinFannyRathan,Nähere« mitlheilt. Seit lSIah besteht diese Anstalt, von Jahr zu Jahr fester begründet und ii mehr Segen verbreitend. Am l. März 18ö6 mit 3 Waise eröffnet, zahlte dieselbe im abgelaufrnrn Jahre 4 3 Bern 31 Knaben und 31 Mädchen. Im Ganze« haben Sü fenkinder in dieser AnstaU Aufnahme u. Verpflegung i 40 von ihnen find bereit« von da au« zu nütztiche«

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