Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 305 — ~($Mb»crt, Lehrerfach, Bank- und sonstige« Geschäften) ent- I lasse« «orden. . U« 17 Oktober vor. Jahre« fand dl« Einweihung der! Vergrößerten Räum« der Anstaltt-Synagoge «nd Mädcheu-? schule durch den seitdem verstord.nen Äln'er Rabbiner Dr. Schwarz s. L. statt. Trotz dr« Wohlwollen«, dessen sich da« Waisenhau« von so vielen Seiten zu erfreuen hat, reichen di« Mittel doch nicht hin, um alle die verlassenen jüd Waisenkinder auszunehmen, di« au» den Provinzen Rheinland und .Westfalen um Rettung flehen. Sir Einnahmen i. I. 1874 detiesen sich auf SS47 Thtr., die «»«gaben aus rund 9320 Lhlr. Mögen Private und Gemeinden e« an nachdrücklichen Unterstützungen nicht fehlen lassen. Al« nachahmen«werth sei da« Beispiel der Frau Elia« Me per au» Aachen «psoh- -1««, die seit Jahren eia Waisenmädchen auf eigen« Kosten »erpflrgen und erziehen läßt. Sie zahlt dafür jährlich an die Anstalt 120 Thlr. R. Feuilleton. Die Silben im Äöufafu«. (Schluß.) Der Inhalt der Gebete und die Art und Weise de» Gotte«di?nste« sind fast ganz dieselben, wir bei den Juden aller Orten,*) ein Unterschied läge nur darin, daß die Versammlung selbst einen eben nur sehr geringen Antheil daran nimmt. Stehend oder sitzend auf der Erde nach orientalischer Sitte und bedeckt mit dem bekannten Brtmanlel (Talith), chtzn der jüdisch« Kaukasutbewobner schweigend dem vom Borsinger verrichtete» Gebete zu. Wenn aber da« Gebet, von dem 'Adriaen« die Andächtigen nicht« verstrhen, dem Einen Wst"^tn^'Anderen von ihnen etwa« zu lange anzudauern scheint, so nimmt er keinen Anstand, sich mit seinem Rachbar »ach de« Hofe zu entfernen, wo man seine Zeit mit Würfelspiel vertreibt. Lzzßer den ->-reinzeiten Belhäusern in der Aula giebt f# in den größeren Städten de« Kaukasus auch eigentliche Synagogen, von denen die in Tifli« wegen der reizenden Lage «n Fuße de« au historischen Erinnerungen reichen Berge« „Sumja Xrjepost“ (Sllsestung), sowie ihrer Geräumigkeit und schönen Bauart, besonder« hervorgehoben zu iverden verdient. ' 'Diese Synagoge wird hauptsächlich von den in und um Äfft« stationirten jüdischen Soldaten, denen ein meur oder -Weniger im dftligen,Gesetze und im Ritu« unterrichteter Ka- .»erab au» ihrer Mitte al« Rabbiner vorsteht, sowie in de» hohen Feiertagen von einer ansehnlichen Menge Andächtiger, di« au« ihren Aule« hergepilgert konime», besucht. Diese Pilger, i« den verschiedensten Ratioltrachten festlich gekleidet »nd mit allerlei Auszeichnungen für Waffenlhaten g-schmückt. Vergegenwärtigen die leibhaftigen babylonische Sprachenoer- *) Hierin dürste vielleicht «in weiterer Beweis dafür zu erblicken sei», daß der «vesentliche Inhalt de« täglichen tßebete« der Juden auch »trtlich, wie die Uebrrlieferung angiebt, noch vom ersten babylonischen . OzU und den Männern de« sogenannten „Seoßen Käthe»" (^rwetr« k’awnh dagaetolad) berührt. ...... - «irrung, da fast je «ine Familie ein besonders Idiom spricht, wie üb^haupt diese Sprachmelheit im Kaukasus bekanntermaßen übertriebe» au»geblld«t ist. Iß der Mitte de« genannten verae«, auf einen stellen Abhänge, ragt noch ein anderer, aber schon seit Jahrhunderten verfallener, ruinenarttg »»«sehender jüd Tempel hervor, au de» sich im Lande viele merkwürdige Legenden knüpfen und dessen gothisch« Architektur für sein hohe« Alter zeugt. Dir verheirathung der Fraueu erfolgt meist in sehr jugendlichem Alter. Der Bräutigam erkauft seine Geliebte von ihre« Eltern; die so bezahlte Summe wird aber da« au«schließltche Eigenthum der Frau und fällt ihr im Falle der Ehescheidung mit allem durch diese« Geld Erworbenen anheim. Dt« Hochzeittgebräuche sind recht sonderbar; sie gehen in folgender Weise vor sich. Dir beiderseitige« Eltern, so wie di« Berwandten und Bekannten versammeln sich im Hause de» Bräutigam«, wo sie unter AmlPfeife» und Klappern mit hölzernen Stäbchen auf kupfernen Geschirren, welche musikalische Aufführung gewöhnlich den alte» Weibern überlassen wird, einige Zeit mit einander tanzen Ihr Rationaltanz, nur von Männern auSgeführt, stellt verschiedene Sprünge über einen Zaun vor, ferner Umdrehungen im Kreise mit lebhafter Geberoensprache und einig« Waffeusalven. vor deren Abfeuerung Niemand da« Hau« verläßt. Ihr LitblingStanz ist jedoch die sog. Le«ghinta, ein bekannter persischer Tanz, an welchem auch Weiber Thril nehmen. Der Bräutigam selbst, der in einen besonderen Zimmer sitzt, de» wirthet einen jeden mit den verschiedensten Getränken und Leckerspeisen Bor ihm liegt eine vollständige KriegSrüstung, selbst Rritsattel und Panzerhemde nicht an«genomcien: ferner „Tschrrereken" (ein Art Kuchen au« Mai«), besetzt mit «inex Meng« Wachskerzen, und ein gebratene« Huhn, welche« jedoch Niemand flließt. Am Hochzeitstag« sitzt beständig neben dem Bräutigam die 14—15 jährige Brau«, welch« alle feine Bewegungen nachahmen muß. Die Bedeutung diese« Eeremoniel« wissen sie selbst nicht anzugeben, sie betrachten e« eben al« einen überkommenen Gebrauch der Borfahrrn, welchen sie in Ehren hatten zu müssen glauben. R ich erfolgter Trauung führt einer der Bertrauten de« Bräutigam«, der sich dazu in der Näh« bereit hält, chm die Neuvermählte auf einem Wagen zu. Mit ihnen treten alle Gäste gemeinschaftlich in die B.hausung de« neuen Ehepaare«, wo die Belustigung nach ihrer Art wieder von Stallen geht. Im ersten Jahre nach der Heirath darf die Frau u»ter allen Umständen sich Niemanden zeigen; nach Verlaus diese« Zeitraum« ist e« ihr schon erlaubt, auf di« Slraße zu gehen, jedoch nur mit tief verhülllem Gesichte. . Die Trauer um einen Verstorben 'dauert «in ganze« Jahr. Wenn eia Mitglied der Familie stirbt, so versammeln »ch täglich während eine« Monat« alle Verwandte» im Hause de« Dahingeschiedenen, wo sie bitterlich 'we neu, schreie» und ihrer Trauer über den Verlust de« Blutsverwandten dadurch Ausdruck gehen, indem sie sich da« Haar au« dem Kopf« ausraufe», oder sonst aus irgend eine W. sie sich oerftümmei»; eine Sitte, welche wiederum von ihrer tiefen Unkennlniß der mosaischen Relmion Zeugniß avlegr, da die Bibel diesen vom Heidenthume herstammenden rohenGebrauch ausdrücklich verbietet. Inserate. I'iM] Die biester Schichter-, Ceetvr.im ^lUell»to» «lehr erstelle soll iw» l.Juur -1876 «» uderwest besetzt »erde», »)i fich VMßcittr bei ul atttu »ölte». ' Hiltzrtlches tbümmn drt» 600 Dhlr. f'. '«»»»«i|ti» i» Srstprritzr», u» 7. |c|pahi 1876. k-Der Borst»»» der Sh>«g»ge»-<Se»ri»de. ^Stütze» m» VMitoL «>ch strzicheriwwn 'IIIM •»j»*n»«u*.W»rt«» Ikatzn t» »«,»«»» » Vaeanz. 802) Mit Bezug auf die in den letzten Nummern d. Bl ausgeschriebenen Bacanz der hiesigen LehrerEelle, machen wir hiermit bekannt, daß wir nachträglich da« Honorar für den zu «rtheUendeu Elewe nt ar-Unterrichl Vormittag«, und hebräischen Unterricht bi« 4 Uhr Nachmittag«, statt früher 900, ans 1900 Mark festgesetzt habe». Refleetanien »ollen chrr Meldungen »ud Zr»gniffe dem unterzeichnet»» Vorstand einfchicken. Schmiegel (Posen), 5. Sept. 1875. Der Vorstand der jüdische» Schule. 7M] Für <00 Atzlr. jützrlich stnd«» st>e»st«uürt>»« 1» eiio gtHlKU* jüdisch«» gcwtlic in »»««!,» «»P. simgmu, Rt«Ui( i» «MuMtn «n» t» «Uim Mi«