Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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r VH de» vn»»fch»rt»tschr». I» der letzt» Rr. Ihre« g. Vlatle» find« ich ein« etwa» animose Erwiderung a»f meine von Ihnen ausgenommen« Lorresp. in Nr. SS, di« tch «einrrseit» nicht begreifen kann. <H konnte doch nicht in E.lferntestm d-ran gedacht werden, und wäre ja auch eitle» Unterfangen, durch diese Lorresp. den «ohlgegründeten und altbewährten Ruf de« Landrabbinrr« H. vr. Herzfeld schmälern zu wollen, vielmehr habe ich, all ich an einigen Sabbat n» die Hastarah-Borträge im Tempel zu hören Gelegenheil hatte, tofort erkannt, daß man «» hier mit keinem ge- »öhnlichea Religionslehrer, sondern mit einem Prediger zu thu» habe. Und in der That erfuhr ich nach einer Erkundigung, daß genannter Herr sogar ein vom sei. Frankel ordininer, akademisch ftudirnr Rabbiner sei und die vorher im Aktien liegende Rrligiomsschule wieder' in Schwung gebracht habe. Daß ein Leser Ihre« g. Blatte« darin eine so »sichtlich,! Entstellung" der Thatsachen finden konnte, da« muß ich bewnndern und bedauern. Auch nachträglich orrmag ich in «einer vorigen.Loiresp. keine Veranlassung für den Eifer z» finden, mit dem der Einsender jener Erwiderung für den al« Gelehrten wie al« Kauzelredner und seiner Parteinahme selbst »vthigrn Falle« keine«weg« bedürfenden vr. Herzfeld ringetreten ist. — Suum cuique! (Dir hatten auch unserseits der Lorrespondenz in Nr. SS die Absicht, Herrn vr. Herzselv zu verogirrn, durchaus nicht Unterstellen können und würden ste anderfall» sicherlich nicht anfgeaommrn haben. Dir hoffen nuit durch Abdruck der vor gen und der heutigen Lorrespondenz nach allen Seiten hin Genüge geleistet zu haben Red.) XArfei. 3nim. Da alle Augen gegenwärtig auf die nördlichen Lheile der europäische« Türkei gerichtet find, so dürfte nachstehender Paffus au» devl Berichte Mt Alliance Jsr. Univ. für August ein erhvhete« Jnterrffe gewianen- »Dte Gesammtdevölkerung von Janina beträgt 20,000 Seele», wovon 12,000 Christen (griechisch-katholisch), S000 Mnselmänner und 8000 Israeliten find. — Die Zahl von israelitischen Knaben im schulfähige» Alter beträgt ISO, wovon nur ca. ein Drittel Schaigeld bezahlen kann. — E« besteht daselbst nur eine einzige Schule, di« früher »enigftrn« für den religiösen Unterricht gut eingerichtet war, jetzt adcr im Verfall ist Dieselbe ist in eiuem ziemlich geräumigen Local von ö Sälen unterg-bracht, hat für ihre 8 Llaffen 8 Lehrer und ist bi« j.tzl von SSO Schülern besucht warben; der Unterricht an derselben de» schränkie stch bisher auf da» Lesen und Studium der Bibel und einiger Gellte Nach dem ßlerbefferungsplan, den bas Localcomtte entworfen, soll dieselbe künftig S7ö Knabe« aufnehmen, wovon ISO ein Schulgeld von je 12 Fr. jährlich zu bezahlen hätten, und der Leciionsplan derselben Hebräisch, Religionsunterricht, bibl. Ärkchichte, Griechlsch, zugleich als Unterrichtssprache für Geographie, Rechnen und Geschichte, und endlich Türkisch, al» Regierung«sprache, uni* fassen. Die Einnahmen (bestehend au« 1800 Kr. Schulgeld, 1000 Kr. Zinsen von einem durch Subscription gesammelten Capital von 18000 Fr., ferner au» 6S Sudicriptloneu von je II Fr. SO Lt. — 747 Fr., ferner au» Beiträgen von 2 Synagogen 600 Fr. und endlich au« den Sammelbüchsen her Tempel SSO Fr.) würden 4479 Fr. betragen, gegen Au«- 8oben (Gehälter für S hebräisch« Lehrer, zusammen 16S0 rt., S Religiouslehrcr 1460 Fr., 1 Griechisch-Lehrer und dessen Gehilfen 1200 Fr., 1 Hilfslehrer 200 Fr., Schnlmaterialien für arme Kinder, Möbel rc 600 Fr.) von 8000 Fr., die sich wahrscheinlich durch die bald nöthig werdende Anstellung eine» wissenschaftlichen Hebräisch- und eine» .Türkisch-Lehrers uoch weiter erhöhen dürsten. — Das Lomitr fugc hinzu, daß Angesicht« der Fortschritte, di« der Unterricht daselbst den anderen Gemeinde« und besonder» der griechischen Bevölkerung gebracht hat, die' Israeliten gewiß die Bemühuugen unterstützen werden, di« dasribft zur Ischen Hebung der jüdische« Jugend aufgebotrn werden." Fvkfchn», im August.*) (Ein Bild au» de« Lager der Zadikim und Lhasstdtu,) Welcher Zeituagslesrr «rinne« sich nicht Mlt Grauen de» jüngst in Suyatin begangenen Morde» a» Simon Griffel. Zwei, dem Judenthum beide angehörend« Partheien stehen einander gegenüber, der Kamvf gilt eine« neu zu iuftalltrenden Rabbiner, ein Pöbelhaufe umzingelt da» dem eben angekommene« Lanvidaten der einen Partei Gastfreundschaft dieteud« Hau», will de» Rabbiner in Stücke reiße»; und weshalb? Ich habe es ulir angelegen sein laffen, die« zu erfahren. Weil er ein llugläudiger, ein Ketzer sei; er glaubt nämlich an den Zavik in Reu-Sandec und nicht an den durch coloffalen Reichthum ui«d geivaltige Pracht höher al» alle anderen stehenden Rabbi, Zavik den Zadik, Abraham Jacob Friedmann vou Sadagora (Buckowina.) Bekanntlich betrachtet jede Lhassidimfekte oder Horde ihren auserkorenen Zadik als den allein selig machenden, einzigen wahren Dnndermann, jeder ander« aber immer von unzählichen Leuten ihre» Schlage« aagebetete Rabbi gilt ihr al« Betrüger, al» eitler Kopf; und wie oft geschieht es, daß sich zwei solche Blindlings-Parteien raufend in die Haare fallen, ein Hoch gegenfettiger Flüche und Insulten auf ihre Heilige» ausbringen. Mau sagt von den Jesuiten, daß sie den aller Moral Hohn sprechenden Grundsatz habe»: »Der Zweck heiligt die Mittel". Die Lhasfidca» aber kennen selten ei len Zweck, sondern die bloß« Leußerung eine» Dünsche«, ja selbst der un leäußecce Wunsch ihres Rabbi ist ihnen gebieterischer Befehl, hoher Auftrag, zu deffen Realistrung sie oor Berrath, Raub, Meinem, Mord u. s. w., wie un« die Erfahrung gelehrt, nicht zurückscheuen , — denn der Rabbi ist ja der gewaltige Machthaber ihrer Seelen und Leider, über welche er stet» a son godt frei verfügen kann: — Jener Gastgeber in Snyatin (Griffel) tritt, auf da» Flehen und Bitten seiner Tochter, da» Zimmer nicht zu verlaffen, nicht achtend, hinaus unter die «xaltirc« Meng«, er glaubte selb« durch sein Erscheinen beschwichtigen zu können, aber t« Nu lief di« faaalifirte Maff« wild durcheinander schreiend herab, und blutend stürzte er nach went« gen Minuten leblos zusammen! — Äa« sind da» für Leut«, für sonderbar« W sen, dies« Zadikim, um derentwillen man Mord« zu begehen fähig ist? Die sogeirannten Zadikim gehören weder zu den Gelehrten, »och zu den Handw.rkeru oder zu irgend welcher Handel treibende» Klaffe, sie heiße» Dundermäuncr. Ob ste es auch sind, wolle » wir näher erörtern. — Der Glaube ist verbreicet, daß st« einem ur-wunderlhuenden, götUicheu Jndividium eulstammm, trotzdem manchmal solch ein hoher Wuudermaun einer profanen Familie entstammt, — ihre Thäligkeit ist eine uuqualificlrbare, sie ist i,n Zunehmen und Abaehmen begriffen, je nach de» Wirkungskreise.— Der Hauptsitz dieser Wnndermänner ist Ru>- sisch'Poleu, Galizien, Butoioina, Moldau. Ja Russisch-Polen und Galizien hauptsächlich schie.eu sie wie die Pilz« aus den Boden hervor. Die Function, dir solch ein Heiliger auszuüden har, ist verschiedener Natur. Er 'kämpft in erster Reih« gegen die Leiben de« Menschengeschlechtes (natürlich für die Zahlenden) an, Heimgesuchre aller Ar«, al» sterile -rauen, blinde Mädchen, stumme Jünglinge, greisr, schwache Frauen, una rüstige, dem Mißiggange anheimgefallene Männer iuchen sei,» Lager auf, denen allen soll er radikale Hilfe bringen, wahrlich di« Arbeit ist keine geringe." — Biel Aufsehen soll eine in orr Stadt „Kisoloa" oorgefallene diesbezügliche Verwechslung erregt hadm (siehe „tzaschachar" Jahrg 1874), sie wurde in einem hebräischen Gedichte besungen. Zwei leidend« weibliche Wesen, rin« kinderlos« Frau (Akara) und eine blinde Magd erschienen zu gleicher Zeit vor dem wunderthuenden Rabbi, sie umarmen ehrfurchtsvoll seinen Fußschemel, sie wagen e» nicht, den strahlenden Glanz seine» Angesicht» mit ihren profanen Blicken zu entweihen, — die Akara (Kinderlose) wagt« es, nur verftohlme Blicke nach den Räumen de» Andienzae- «ache» hingleite» zu lassen, dir arm« Blind« aber befand sich 1 D« nflMttt früher» Artikel «»MsNch nicht «stusiNMn. (Ito*