Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 38.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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- Malbim 2× ep/1002711
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druckte l^otiofpatten füllenden Artikel. Sicherlich hat »«» mancher Leier nach unserer Einleitung viel Schlimmere» erwartet. ino denkt bei fichr da« ist doch nicht so arg! — Allerdiug», auch wir ha!-ea, lcivrr, jchou tausenvmal zehnfach Schlimm« re» gelescn, adrr gerade die« Beispiel kam un» gelegen, da r» Da», wa« wir damit belege» wollte», genügend illuftrirt, ohne recht giftigen Hohn über jüdisch« Ding« ausjuschütlea. «eiipiele letzterer Art in Aufsätzen, die ebenso offenbar von Juden herrühren, lesen wir ja'oft genug, aber w»r könne» die Stelle» mchl advrucken, da wir unser Blatt doch »ich u«it Unst-ith füllen können. Die obigen Sätze sind eben so, dag wir sie gerade noch al« Probe mittheilen konnten! Die Absicht, pikant zu schreiben und da« Judenthum lächerlich zu mache», rst au« de» kleinen Proben vollkommen ertennda». L->ig»derg in Pr. Die ruffisch-poinischen hier wohn' haste» Irden habe« schon feit langer Zell ihre Synagogen oder Bet mben für sich gehabt, in denen sie theil« nach MinhaA Achkena», theil» nach Minhag Sefarad (wie sie da» euphemistisch n mnen,) d. h. nach polnischer" oder chasfidischer Weise ihren Sttle-dienft gehalten haben. Seitdem nun durch die retch»gesezlich. gewährte Freizügigkeit „Polen offen ist," ist die Zahl der au» Rußland gebürtigen, in Königsberg ansässig Gewordenen so gewachsen, daß sie Gemeinden für sich bilde« konnten. Wir sagen Gemeinden, well di« Ehasfidim mst den Mi»nagdim ja nicht zusammengehen. Die Synagogengemeinde Kö«ig»be:g hat die Leute ruhig gewähren lasten, well man einsichtig genug ist, um zu misten, daß ein Hereinziehen jener Eleneme in die städtische Stammgemeinde ganz unmöglich ist. Au Stelle der Betstuben find nun auch ordemlich« Synagogen getreten, oder man bereitet di« Erbauung von solchen vor. Erst einiger Zeit halten sie, d. h. der nicht chasstdiich« 2 Heil derselben, auch einen Rabbiner au» Rußland ausgenommen; nun aber ist nicht uur „die Weit", sondern sicherlich auch der größte Theil der «ethelligten selbst durch die Nachischr üoerra,chl worden, daß R. Meier L Malbim Rabbinei (der russische» Gemeinde) in Königsberg geworden fct „Man wußie nicht, woher er kam." Die Sache ist höchst geheimniswoll betrieben worden, beinahe so, wie seiner Zeit der RegiwungSantrüt Carl» von yohenzollern in Rumänien. Beinahe! denn wa» bedeutet diplomatische Feinheit „dummer Deutsche»" gegen die Feinbell russischer Köpfe? Man erzählt von Jnttiguen, Depeschen u. s. w. vielerlei. Wer^ kann'» ergründen! Der bisherige russische Rabbiner ist einfach vor dt« Zchür geletzt. — Rabbiner Malbim hat bisher wenig Frieden in den lilenteinden gehabt, die ihn seiner unbestrittenen talmudtschen Snlehrsamkeit wegen berufen hatten. Er amtirte zuerst in slempen, dann in Bukarest; wa» chn von dort verlrieben, ist nicht recht klar. Nachdem er eine Zeitlang prioatistrt hat^, wurde er von einer großen Gemeind« in Rußland berufen, und, wie e» heißt, von der Regierung au»- und über die Grenze gewiesen. Wie sich'» in Königsberg gestalten wird? Qui en sache? Schäeßllch sei noch wohl zum Ueberfluß bemerkt, daß di« rusfisch-oclhodoxen und chrssidischen Geineinden mst den deutsche» sogrnannrrn Onhodoxen, tvelche sich in Königsberg einen besondere» Gottesdienst eingerichtet haben, nicht zu verwechseln find. Nut Schirwindt in Ostpreußen geht un» folgender „Aufruf zur Woblthätiakeit" ru. der vom dortigen Magistrat al» durchau» der Wahrheit entsprechend empfohlen wird: ^J, Anlaß der Zeitverhältniste sind die wohlhabenden Mitglied, r der hiesigen Synagogengemeind« durch Verziehen au» derselben geschieden und haben ihr ein, vor 12' Jahren zu LultuSzwecken angekauste» Grundstück, besten zwei Gebäude jetzt Höch t reparaturbedürftig, mst einer Hypothkkenschuld von 900 THIr. Hinterlasten. Die« Schuld ist gekündigt. Die Kosten der Gebäude- Jnstandsttzung beziffern sich außerdem auf mehrere Hundert «TfriW Letztere müsse» sogleich, die 900 Thlr. aber di« zum 1. Oktober d. I. beschafft «erden. Die verlegetchett »ege» «eichaffnng dieser Gelder ist groß; den zeitige« 22, «niften» ,. sehr armen Mitgliedern Ist sie rein unmöglich, und die Gemeinde befindet sich in der Roth, ihr Gotteshaus zu verlieren, »oen» nicht bald Hilfe kommt. In Anbetracht dieser Berhältniff» hat da» Königl. hohe Ober-Präsidium zu KvnigSberg mittelst Reseript» vom 29. v. M. un< di« Abhaltung einer Kollekte bei den GlaudenSgenoffm gestattet. An alle «dien Menschenfreund« unserer verehrte« Glan» benSgeuoffenichäft richten wir nun die inständige Bstte, un» durch Liebesgaben in der Erhaltung und Berbesterung unserer EultuSeinrichtungen freundlichst zu unterstützen und ein Gott wohlgefällige» Wert zu üben. Zu dem bewährten WohlthättgkestSsinn der löblichen Synagogenvorstände, der Herren Rabbiner und Lultusbeamte» aber hegen »vir da» Vertrauen, daß sie durch Veranstaltung von Sammlungen dem LiebeSwerk behilflich und förderlich fein werden. Die Sendungen bitten wir an unfern erste» Vorsteher I. Silbermann zu richten. Der Synagogenvorftand. Der Eultusbeamte. I. Sllbermann. D. Bernstein. L. Lhanange. F»ld« 21. August. Der Heff. Rorg. Z. nirt> von hier geschrieben: „Die von böswilligen AuSfLllen und Verdächtigungen strotzenden Hetzartikel der ultramontane» „Alldaer Zeitung" gegen die Israeliten und die jüdische Religion habe« hier um so größer« Entrüstung hervorgerufen, al» unsere Stadt bisher als «ine tolerante bekannt war. Rellgionsstreitigkeilt» hat man früher hier niemals zu verzeichnen gehabt — Katholiken. Protestanten und Juden lebte« einträchtig nebei» einander, ohne kirchliche MeinungSverfchttt»«»- heiten je zum Ausgangspunkte von Feindseligkeiten zu mache». Erst mit dem Eindringen der Jefuilenpartei in unsere Diöeese, di« sich der edle Bischof l)r Pfaff fernzuhalten wußte, begannen di« Wühlereien, die jetzt, nach dem Tode de» fried- , liebenden Bischof» Kött, in beklagenSwerther Weife auSgeartet find. Die Jndenhetze, rote sie angenbltckltch von den Laplänen getrieben wird, erscheint aber um so schmählicher, ueenn ■ man die Thatsache berücksichtigt, daß viele der hiesige» jüdischen Familien zu den wohlthätigften tu der ganzen Stadt gehören. Dieselben geben nach alle» Sellen hi» und ohne Rücksicht auf da« Bekenntniß dt« reichlichsten Unterstützungen; bet allen Vorkommnissen find sie zum Helfe» berell und ustrten bekanntermaßen in eine« Monat «»eil mehr im Sttllen, al» unsere talmudsressenden Pharisäer ihr ganze» Lebm hindurch. Diese Leute denken auch oh« Zweifel viel zu edel, al» daß sie den vielen unterstützte« HauSarvten die Wuthausbrüche einiger Jesuitenzögltnge entgelten ließen." Wir haben über di« Ausfälle der Fuld. Z. in unserem Leitartikel Nr. 84 bis 35 berichtet und erwähnt, daß Hr. Rabb. vr. Enoch demselben entgegengetreten ist. Darauf hat die F. Z. geantrvortet, und in ihrer Weise sowohl den Rabbiner wie da» Judenthum angegriffen und nach Eisenmenger und Rohling die herkömmlichen s. g. Ettate au» dem Talmud in« Feld geführt, welche die Schlechtigkeit der Lehren de» Jndenthum« beweisen sollen. Der Rabbiner erwiderte darauf ganz kurz: „Sämmtliche von der „Fuldaer Zeitung" unter Angabe der betreffenden Follln gebrachten Stelle» au» dem Talmud kommen in demselben gar nicht vor, find demnach unwahr." Ferner erklärte der Herr Rabbiner, daß er gerne bereit sei, die betreffenden Originalien einem jeden Sachkenner zur Einsicht vorzulcgen, endlich sei er von einer Anzahl Ge» meindemllglieder ermächtigt, ein« Offerte zu machen. Er verspreche für jede Nachweisung eine» der 7 angegebenen Talmudcllatt, fall» solche, wa» er auf» bestimmttste widerstreite, al» wahr befunden würden, zum Beste» der hiesigen Arme» die Summe von je 100 Mark. Bi» jetzt hat noch Niemand diese schöne Gelegenheit benutzt, um gleichzeitig dar Talmud au» dem Feld« zu schlage» und de« Arme» eine» Dienst zu erweise». . vfc.J