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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ft« Nt. S7 i» de« SHtartibl »bk ultromoKtaiten H«tz«eien gegen die Jude«" gesagt uxb beklagt habe». Bit habe» »nt »äinlich bäht» ausgesprochen, daß die fragliche» Hchartikel zwar a»ge«scheinlich auf ein« Weisung von der Lentralstelle «rüchzuführen seien, und daß der Zweck derselben klar vor» liege, daß fern« fanatisch« Haß g«ne di« Kriegen heit ergreife, um sich Luft zu machen, daß ab« auch viel Schuld a» den fortwährenden Provoealionen liege, welche diejenigen Katholiken, di« nun einmal römisch gestaut find, in Zor» versetzen müssen. Diese Provoealionen, haben wir gesagt, gehe« n»n leider vielfach von Juden au», ab« von solche», welch« eigentlich keine Juden find, e» auch oftenfibet garaicht sei« «ollen, und darum ihre gehässigen Angriffe ebenso -ege« die israelitische Religion, wie gegen die römisch-katholische richten und so de« Judenthum doppelten Schaden zusügrn. Sie ziehe» ihm den Haß d« Ultramontanen zu, der un« durch- «in» nicht gleichgültig sein kann, sie schüre» chu durch die verletzendsten Autfälle, und fie geben andr«seit» da« Judenthum der Verhöhnung preis! Wir kennen »un die Redafteure und Mitarbeit« de» »B. B.-E." und der »Station" nicht, ab« wir erkennen fie an ihren »Federn". Diejenigen, di« wir hi« im Auge habe», find Juden, ob getaufte oder noch wlgetaufte, gilt die»- »al gleich. L» find Juden von der für un« gefährlichste» »nd g häsfigften Sorte. E« find ehemalige Bachurim oder st« haben wenigften« etwa« Jüdische« gelernt, gehört, aufg« »ommea, dann de« Judenthum den Rücken gewrudet und ' »erwerlhen nun ihr« Kenntniß der jüdischen Schriften, Sebrüuch«, Sagen, Gebete, ja der Anekdote» und Witze in der frivolsten, skurile» Weise. Sie erreiche» dadurch v«schiede»e Zweck« zugleich. Sie schreiben pikant, d« abgedroschenste Ghetto- und Bachur-Witz ist dem großen Publikum noch neu; fie gewinnen einen Freibrief für ihr« Ausfälle gegen Sott, Religio», Vtbel, indem fie sich zunächst gegen den »Judengolt", Judenthu», Alte« Testament wenden; sie dokumentire» dadurch ihr« vollständige »verurthetl»lostgkeit und Kreifinnigkeit" — im» wen« ftt recht bissig gegen jüdisch« Dinge schreibe», so weine« fie es auch zu «reichen, daß man fie nicht für Jude» hält. Un« können fie nicht täuschen, wollen da» auch nicht, rechnen im Gegenthetl auf den veifall von Juden und finden ihn auch. Da ist also in dem «wähnten Blatte, d« »Station", vorn eine »Plauderet" über Lagr«neuigkeiten, in d« zunächst üb« die Entweichung de« Bischof« von Paderborn Witze gewacht «erden. Die Geschichte geht un« nicht» an, aber da ist eine ganz klein« Parenthese, welch« uns de« Schleier lichtet, d« üb« dem Gesichte de« Feullletoniften liegt, Konrad, heißt «», hat sich davon gemacht, »freilich nicht wie jener von de« Ehristrn bedrängte Rabbi zu Prag, der plötzlich in die Wand hinein verschwand (man zeigt in d« alten Prag« Synagoge «och den Ort, wo die« sich einst begab), sonder» fein säuberlich durch die offen« Thür." — Her verfass« hat offenbar einmal »a« von R. Jehuda Ha-Ehakfid'« Manen in Worm« gehön, den« in Prag wird nicht» d«artige« gezeigt oder erzählt; di« verwech«lung ist gleichgültig, auch di« Anspielung im Grund« ganz »»schuldig, wir erkennen ab« »eine« von unsern Leuten", und während gar mancher Jude thöricht genug ist, üb« den witzigen Spötter zu lachen, sagen wir un» mit Verdruß, daß man bei der Redaktion der »Germania" ohne Zweiftl da« Rationale de« Fruilletonisten kennt, und gestehe» ihr daherehrlich da» Recht zu üb« »de« frechen Juden", d« üb« de» Bischof seine schlechten Witze reißt, zu ärgern. Läßt fie dann ihren Aerg« an alle» Jude» au«, so ist da« unrecht, unvernünftig, ad« — erklärlich; man läßt sich einen SpoU über Eigene« allenfalls gefallen, aber nicht von Fremde«. An anderer groß« Artikel de« Blatte«, »der Ghetto von Rewyork", giedt denn «ine reichhaltige Prob« von der oben geschilderten Art, jüdisch« Dinge lächerlich zu machen. Dt« Leichtfertigkeit, da« frivol« Hchbwtffea, »wiche« n» so frecher auftritt, J* weniger n» dazu berechtigt ist, charakterifirt sich köstlich gleich im et Tin Satze. »Dir schmachvollen Seenen, welche stch kürzlich, in Nen-S»nd«c, einim kleinen Städtchen in Kletn-Afieu, abgespielt haben, und bei denen eine Anzahl fanatischer, rechtgläubiger Israeliten über einen Klauben«genoffen. der Nennungen in dem socialen Leben eiuführen wollte, herfiel und den armen Menschenbeglücker fast dem Tod« nah« brachte" u. s. w Reu-Snndec (SuNdec) in Klein-Afien! E« ist offenbar ei,.« Ottsverwechrlung zwischen der Sneer-Affaire io Liberia« und der Ameisrn-Halberstamm-Geschichte in Reu-Sandac Daß ab« dann wieder doch auch die vanngefchichte hincingemischt ist, .zeigt rin spät« folgend« Satz, der davon spricht, daß die Juden im Osten eifrig darüber wachen, daß kein fremder Richter fich in ihre inneren Streitigkeiten mische. Dann geht der Artikel auf die in Rewyork lebenden russisch-polnischen rc. rc. Juden über, schildert ihr Thun und Treiben in einer theilweise gewiß karrikirendrn Weise und fährt dann fort: »In diesem'viertel nnn blüht «ine Institution, welch, in der übrigen cultioirteu Welt ziemlich unbekannt ist. nämlich der »Veth-Hamedrach" (so wird konsequent geschrieben) oder da« Schuihau«. Diese« Institut hat unter den Juden seit den Zeiten der Propheten bereit« existirt, und wenn auch die ansgetiärten Glaubensgenoffen von demselben Nicht« wiffen wollen, so wird e« doch noch von den Altgläubigen in hohen Ehren gehalten." Wei» ter ist dann die Red« von dem Brth-Din, von dem »Daijan," von Scheidungen, welche »bekanntlich nach dem Talmud schon erfolgen können, wenn die HauSftau dreimal hintereinander die für den Hausherrn bestimmte Suppe hat verderben lassen." Dann von der »Tholizah " »Wenn nämlich ein Mann fich weigert, seine« Bruder« Wittwe zu heirathen, wie da« Gesetz Mose« vorschreibt, so gehl die Wittwe zu den, »Beth- Hamedrach" und löst in Gegenwart vor der gesammten Gemeind« von ihre« Schwager« Fuß «inen seidenen, goldgestickten Schuh, welcher zu diesem Behuf eigen« gemacht und reich verztrrl ist, und speit dem Mann dreimal in da« Angesicht rc. rc." — E« würde viel zu wett führen und verlohnte wahrlich nicht der Mühe, wenn wir all« die Albernheiten und Entstellungen, die in diesen Sätzen enthalten sind, Nachweisen wollten Man sieht, daß ein Jude sie geschrieben hat, denn ein Ehrist weiß da« entweder gar nicht, od« wenn « e« au« Büchern gelernt hat, so weiß er e« besser, d. h. richtig«. Man erkennt da« z. v. schon au» dem einen Wörtchen »Daijon"; so schreibt Jemand, der da« Wort nur au« dem Munde polnischer Juden kennt. Dann kommt di« Mitwah an die Reih«: »Mit dem „Beth-Hamedrach" steht fern« in Verbindung ein« ander« Einrichtung »Mikwah" oder da« öffentliche jüdische Bad, da« eben so zu den ältesten Institutionen de« Judrnlhum« gehört und da« von den Frauen zur Reinigung am Tage vor der Hochzeit und nach dem Kindbett gebt, acht wird. Dasselbe gelangt ebenso zur Anwendung, wenn eine Ehristin in die jüdische Gemeinschaft ausgenommen wird, rin Fall, der ebenfalls häufiger vorkommt, al« man glaubt. Bei solcher Gelegenheit faßt der älteste Rabbi die Proselytin bei den Haaren und taucht ft« dktimal in da« Wasser, während er dabri die jüdische Glaubensformel wiederholt : »Höre Israel, der Herr unser Sott ist der einige Sott!" »Mikwah" ist, wie gesagt, eine der geheiligtsten Institutionen der orthodoxen Juden, und die alten Rabbiner ford«ten de» Gebrauch mit solcher Strenge, daß in ihren alten Lehren ge« schrieben steht: »Drei Ursachen können vorn.hmlich den Tod der Frauen im Kindbett herbeisühren, ersten« wenn fie nicht zu den regelmäßigen Zeiten den »Mikwah" benutzen, zweiten« wenn fie nicht da« Sabbathbrod bereiten, uno dritten«, wenn fie nicht die Sabbath-Lamp« anzünden." Wieder ein Mixtum Eompofilum von Halbwissen und Unstnn. Frech ist namentlich die Angabe über da» eigenhändige Untertaücheu einer Proselytin, da jeder, der da« betreffende Gesetz wirklich kennt und nicht auf Frivolität autgeht, weiß, daß bei diese» Akt dt« höchst« Deceuz vorgeschriebe» ist und von «in« Verletzung de« Schamgefühl« kein« Red« sein darf. Damit übergenug der Au«züge au« de« drei kleinge-

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