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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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An-drücke n verschiedenen Synonyme« finden wir auch bei den verbot« nen Ehen, den fleischlichen Greueln und sonstige« Abirrungen von re tu er menschlicher ^Natürlichkeit S. Mos« 18, 34 mi foGrnde» und vorhergehenden Bersen; SO, ebenso und 5. Iviose 12,^21. Plle sHtsHhe^Mens^« iverden all« die da aufgezählten Dinge heut Auz ebenso al« Greuel Säugelhierin und Vögeln, die in der Bibel „unrein" heiße», „die Seel« verunreinigen" u. s w? Wir recapituliren. Wir haben den Beweis zu führen versucht, dcß der Mensch von Natur, nach Instinkt, nur gewiffe aminnlische Nahrungsstoffe genießt, vor anderen Wider» «rillen empindet, und daß nur Roth, durch Roth erzeugt« Gewöhnung, oder Rohheit, oder Neugier und krankhafte- Gelüsten, oder die durch Hypercultur und Blafirtheit erzeugte Lust am Unnatürlichen und Widernatürlichen den Menschm dahin bringe», daß er Allegenießt, daß ihm nichtmehr zuwider ist, taß danaturgemäß Ekelhafte am meisten seinen Appetit reizt. Sol« der Mensch aber seinen Instinkten zuwider hand:ln, wird e» gut sein, wenn er fich von ihnen emanzipirt? Und zweiten-: findet zwischen diese« auf da« Sinnliche fich beziehenden Instinkten und der Sittlichkeit zwischen dem leiblich- und dem geistig-fittlich Reinen resp. Unreinen, zwischen Leib ilnd Seele überhaupt, zwischen Esten und Deilken unl> Fühlen insbesondere, eine Wechselwirkung statt? Wir gerächt» da allerdings auf Gebiete, die heut, nach vieltausenbjlhrigem Forschen, noch ebenso unergrünSet find, auf denen i)«»t noch ebensowenig ganz Sicherefeftgestellt ist, wie vor alter Zeit, ja die Begriffe Instinkt, Seist, Seele, Leib, sind heute mehr von Grund au» umstritten denn je. Dakann c.ber nicht hindern, daß wir, um Wort» und Schulstreit un« nicht kümmern, gewiste Thalsachen und gewist« Wahrnehmr.ngen de» gesunden Menschenverstände« al« feststehend aniiehmen und von ihnen Gebrauch machen. Speise und Trank wirken auf da« Intellektuelle im Menschen, ob auf Geht"« ober auf Geist, da« kümmert un« nicht — die Sache steht fest; sollten sie aus da« Wollen, auf die Sittlichkeit keinen Einfluß haben? Wir reden von „schmutzigen" Menschen und Thaten, beziehen „rein und unrein" aus Hand und Gewand so gut wie auf Herz und Seele; ist da» finnenibehr nd« Metapher? Da ist ein oielcitine«, auch wohl gerühmte« Wort: „dem Reinen ist alle« rein." E« kann nicht« Berlehrlere« geben! Rein, dem Unreinen istt allerem, er ikelt sich vor nicht«, er scheut sich vor nicht«, er schreckt vor nicht« zurück. Der Reine ist empfindlich, er will nicht« Unreines anrühren, sich mit nicht»BerdLchligem, Zweideutigen! lesudrln. Gilt da« vom leiblich Schmutzigen, vom Unflächigeu für den Mund, für die Hand, oder vom sittlich Gemeinen, Unedlen — oder gilt evon beiden (Gebieten? über die Antwort wird Niemand in Zweifel sein; egilt auf beiden Gebieten. Findet nicht in einem Zusammenhang eine Wechselbezichung statt? fragen wir hier wieder. Wenn wir unüber alle» DiSputiren über Moni«mu- und Dualirmu« hinweg an Feststehende» halten, so wissen wir, daß k e« Menschen Bewußtsein, Wollen und Rönnen, ein einheitlicheist. Wenn wir von allem Streit überAehnlichkest, Gleichartigkeit oder Grundverschieden-it von Mensch und Thier wegsehen, so steht fest, daß Thier und Mensch in leibliche» Dinge«, in Effen und Trinken, Gehe« «nd Stehen u. s. w gleichmäßig von natürlich« Sritijg, Instinkten gelchef, werden, dpß p^nigffe«.MV Mensch auch tzpchische >xäd ethPhe (griffige »nd fiMtchS^lriebe, Instinkt« Mißt. (H« RaHe ijhut gar. nicht« MAMzche.) Dann endlich: wenn wir von allen «och nicht gelösten theologischen, qhilojPhischen^u^d Pädagoatz^e, über mrtür^ gnte und biss« Anlage am Menschen» ‘«uil Wllrntsretyett und Abhängigkeit von gegebenen leiblichen, geistigen oder äußeren Lerhältniffen absehen, so bleibt ein« fest, ^aß der Mensch eff» sittliche« Vermögen besitzt, «nd daß die« vornehmlich darin besteht, daß er sich selber beherrsch«. Jeder weiß, a»a« unter diesem Sichselbstbeherrschen zu vrrstehen ist Vielerlei; aber zwei grundverschiedene, entgegengesetzte Ding« dürfen dabei nicht verwechselt werden. Sogenannter böser Trieb, Neigung, Leidenschaft sollen gezügelt, wenn nüthig unterdrückt werde«, aber nicht die edlen, reinen, Etlichen Erlebe, Unkagen, Neigungen. Instinkte. Wir ziehen da« Endergebniß au« dem Vorstehenden. ®* ist nicht gut, wenn der Mensch, seinen Jnstinfte» zuwider, fich an Widerliche«, natürlich Ekle« in Hinsicht nnf Speise und Trank und Leibliche« überhaupt gewöhnt, seinen Widerwillen überwindet, denn e« ist die Gefahr naheliegend, daß er ebenso seine guten Instinkte, seinen Widerwillen gegen Gemeinheit, Rohheit, Unredlichkeit und Unehrenhafte« überwinden lernt und fich an diese Dinge gewöhnt, sie ohne zu zucken „herunterwürgt." Den« der Mensch ist ein .einheitliche» Wesen in seinem Leiblichen «nd Geistigen, in seinen natürliche« sinnlichen Instinkten^ 4» feinen Anlagen «nd Trieben zum Guten, «nd seine« Abschenvor Schlechtem, in der Beherrschung seiner selbst, und in de« Sichhinwegsetzen über die Schranken de« leiblich Widerstrebenden und de« sittlich Zurückschreckendea. Diese Einheit ist vorhanden, sie wird wohl von keinem bestritten. Und da«, glauben wir, ist der Sinu de« „Unreinen" «nd de« „Seelenveruureinigen" bet den Speisegesetzen der Bibel. Wir wissen, daß wir die« nicht evident bewiesen haben, und daß nach wie vor nicht jeder vor der von uu« dargrihanen Möglichkeit (— vielleicht gestatten einige Leser auch, daß wir Wahrscheinlichkeit sagen—) der Wechselwirkung zwischen leiblicher Beschmutzung und Gefährdung der s i t t l i ch e n Reinheit und Sauberkeit zurückgrschreckt werden wird. E« wird Bielen auch da« Unreine rein bleiben; aber auch aus dem Gebiete de« Sittlichen wird e« nicht ander» sein; und damit, daß die« letzter« zugegeben werden muß, haben wir doch immer wieder eine Bestätigung de» Schriftworte«: „heiligt euch, haltet euch rein, sauber, lernt unterscheiden zwischen Reinem und Unreinem, zwischen Edlem und Gemeinem, haltet euch fern von alle», wa« ich euch al« unrein und greurlhaft bezeichnet habe." Berichte und Correspoudenzeu. Deutschland. Stettin, 8. Septdr. Der „Berliner Vörsen-Lourier" hat eine feuilletonistisch« Sonntagsbeilage „die Station". Wir lese» beide nicht, aber man theilt un» zuweilen di« eine oder die andere Rümmer «it, well st« Artikel enthält, welche da« Judenthum betreffe». So liegt auch dt« Nummer vom SS. v. R. vor. an». Sie erinnert un« au ta», wa« wir in nn»

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