Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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ter Bevölkerung theilnchm« uni überhaupt fett der Studienreform von 1851 Mi 1870 «in« um 190.. Percent gesteigerte Theilnahme an der höheren geistigen Bildung Nachweisen. Auch in der Bukowina überwirgt ihr Besuch an den Gymnasien um 6 Percent und an den Realschulen um 22., Percent die bezügliche Bekenntnißziffer." i Aus ftegita, 10. Januar. (Orig.-Corresp. mit Wrglaffung des über den Tod und die Beerdigung des Ober- Rabbiners Schreiber bereits im vorigen Blatt« Berichteten). Die Fortschrittspartei hatte nicht dai Glück, den seligen Ober- Rabbiner zu den Ihrigen zu zählen; er war sogar ein Gegner der Orthodoxie, die durch vr. Hildesheimer nach Ungarn verpflanzt wurde, aber er war ein Mann, dem jede Partei Achtung . zollte. Es geschieht dem Dahingeschiedenen großes Unrecht, wenn man ihn zum Parteigänger der „Gesetzeswächter" macht, «in Orthodoxer, ein strenger Orthodoxer war er, aber kein Schomre-hadathmann. Sein ganzes Leben war derThära geweiht, die vier Ellen der Halacha seine unausgesetzte Beschäftigung, ,dic zwei Dinge „Lernen und Lehren" bildeten den Inhalt seineganzen Lebens, als Lehrer einer großen Ieschibah hat er Verdienste, die weit über Ungarn sich erstrecken. Als guter Jude galt ihm nur derjenige, der die Thora pflegte, die sogenannten „frommen" Bachurim, von denen er scherzweise sagte: „sie wissen das Thilim au-wendig" erfreuten sich nie seiner Gunst, der Gradmesser der Bortrefflichkeit eines Jeschibahjüngers war bei ihm nur der Fleiß und das talmudische Wissen. Daer einer der bedeutendsten Talmudisten war, ist bekannt, man muß nur einmal seinen Schiur angehört haben, um zu wissen, wie er aus dem Meere de- Talmud erfahren war. Freilich gehörte er der alten Schule an, aber diese hat doch immer mehr Berechtigung, als gar nichts lernen und wissen, dafür aber desto eifriger verketzern. Bemerkeniwerth ist, daß er den Pesak Betdin nicht mitunterfertigt hat, ja, als der Urheber desselben seine jüdisch - deutschen Hirtenbriefe zur Popularisirung seiner Paradoxien erließ, erschien sogar auf Anregung des Verblichenen in Preßburg eine Gegenschrift. Nun ist er todt, der Mann, welcher in ganz Ungarn als große talm. Capacität galt, und daS Traurigste ist, daß mit seinem Tode solche Individuen zur Geltung kommen werden, welche, eben weil sie nichts gelernt, zur Himmelspolizei gehören; bisher war in Ungarn bei der Aufnahme eines Rabbiners das Wissen Hauptgegenstand, von nun an wird das Plus oder MinuS seiner Kampfeswuth gegen die fortschrittlichen Bestrebungen den Ausschlag geben. Bon diesem Standpunkte aus, bettachtet, ist das Hinscheiden des seligen R. S. W. Schreiber für jede Partei ein herber Verlust, denn gegen Ignoranz kämpfen selbst die Götter vergebens. Aus Ht»«ä»ie«. Die „Rum. Post" schrnbt: Der jung«, in Jassy geborene vr. weil. Leon Rosenthal hatte bei Gelegenheit der Aufstellung der Liften für die vorjährigen Iassyer Communal-Wahlen, seine Einschreibung als Wähler in dieselben verlangt, gestützt auf den Artikel 26 unseres Eommunal-Gesetzes, worin es ausdrücklich heißt, daß die eingeborenen Israeliten, welche entweder ein inländisches Gymnasium absolvirt oder im Auslande ein akademisches Diplom erworben haben rc., zur Ausübung der Eivil- und Communal- Rechte zugelassen werden solle«. Da daS permanentt Comitä diese berechtigte Forderung unter dem Vorwand« zurüSwies, daß nach Arttkel 7 der Constitution, die Israelilm keinerlei politische Rechtt in Rumänim aoHübm ttnxen, Communal- : Recht« «der politische Rechte seien, so entschloß sich vr. Rosm- { thal, gegen dieses vorgeh« der Commuo, gerichllitz zu reagi m. Er vertraute di« Vertretung dieser Frage dem «ackere», Mm, für Menschheit und Gerechtigkeit warm fühlent« Deputirtm Prof. vr. T. Livius Majoreiru an. Dieser führtt die Sach« durch zwei Instanzm und brachte sie schließllch vor unseren oberste« Gerichtshof, wo unsere gelehrtesten Juristen, unsere „unbeweglichen" Richter sitzm. Diese höchsten Vertreter unserer Justiz, diese obersten Wächter der Unveletzlichkrit und gmauen Beobachtung unserer Gesetzt, die nm das „Gesetz" als ihre oberste Autorität anzuerkmnen habenmüssen ja der eingerissmm falsch« Interpretation unserer Verfassung, vermöge welcher die eingebormen Israeliten von ihren natürlichen Rechten bis jetzt ausgeschlossen wurdm, Einhalt thun, sie müssen ja dm wahrm Inhalt der Gesetze, dm leitenden Ge- ' danken und dm Willen des Gesc^gebers, aus der ihnen anhaftenden dunkeln Hülse herauSschälen, und zu ihrem Rechte verhelfen!" Dies war die Anna-me aller Bernünfttgm — und vr. Majorescu entwickette in fast einstündiger, tiefempfundener Rede die juridischen und philosophischm Argumente^ die gegm die Urtheile der erstm Instanzen verdammend ir^dnSchrankm tteten. t „Dir Anerkennung der Rechte der e^pgeliorenen Juden, schloß Majorescu seine Rede, ist kein ^mefiüum, das wir ihnm erthrilm, sondern eS ist eine Garantie die wir uns erwerben. Wenn wir einen Israelitm, der in Rumänim geborm ward, eine» Fremden nennen, so ersticken wir mit Gewalt die natürlichen Sympathieen, die jedes menschliche Wesen für seinen Geburtsort hat; wenn wir einen Israeliten, welcher in der Gesellschaft nützliche Eigenschaften «besitzt, einen Rechtsgelehrten oder Arzt, verstoßen, so machen wir auS ihm ein fremdes Elemmt, ein unserem staatlichm und sozialen Organismus gefährliches Elemmt. Entfernen wir die Vagabunden, nicht ihrer Religion wegm, sondern weil sie der Gesellschaft schädlich sind, öffnm wir aber unsere Arme denjenigen Israelitm, die gute Bürger sind, und entfernm wir m.t ihrer wirksamen Hilfe das schädliche Elemmt. Dies ist der einzige richttge, vernünftige Weg — der andere Weg, die Propaganda \ im vollen 19. Jahrhundert gegm die Israrliten, ist eine Schmach für uns, ist ein unauslöschlicher Makel auf dem rumänischen Namen. Ich glaube, daß die vorgebrachtm Arguinente den hohm Cassationshof bewegm werdm, ein gerechtes Urtheil zu fällen und dadurch die leider irre geführtt öffmtliche Meinurg auf« zuklärrn." So schloß Herr Majoresm sein Plaidoyer und der Staats- 0 anwalt, ein noch junger Mann, Nammi PaneeScu schloß sich im Ganzm den Ausführungen des Herrn Majorescu an und verlangte die Cassation drS Urtheis des Appellhofrs. Der Gerichtshof wies jedoch den Recnrs zurück und erntete dadurch den Beifall der anwesmdm, vom Schandblatte; „Telegraful" aögesandten rumänischen Schulknaben. Wem aber der Beifall der civilisirtm Welt gehör., darüber kann kein Zweifel obwalten! Vermischte und neueste Nachrichten. R. Merkt», 19. Januar. (Orig -Corresp.). Die „Volks-- Zeitung" bringt in ihrer heutig« Nr. emm „Leitattikel", baj nicht verfehl« wird, bei« jüdisch« Publik«« gerechtes Auf-t sehe» zu erreg«, und der eine gründlich« ,Abfertiguag" tal jüdisch« Woche» und Zeitschrift« »ndimt. Der betreffende»