Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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V| «j* deffeu Nachfolger auf di« erst« Klaffe präsentirt, und all die Negierung die Anstellung verweigerte, hat dieser wahrhaft tolerante Stavirath sich dabei nicht beruhigt, sonder« die Sach« dt» in de« bayrischen Landtag versolgt und endlich darchgesetzt. Er hat die Stelle, um seinen festen Wille« zu docummmtiren, in jüdischen Blättern mit dem Zasatz«: »nur mit einem jüdischen Ährer zu besetzen", veröffentlicht. Ehre diese«.Bürgermeister (Sellsam ist sein Name) und einem solchen Stadtrathe! Er versteht die Forderungen de» Rechte» und unserer Zeit. Möchten doch die hesstschen Ge- «eindevorftänd« anfragen, ob diese jüdischen Lehrer weniger geschick., tüchtig und pflichtgetreu find, ai« ihre christlichen College», mit denen sie — und da» ist doch auch bemerken«- wenh — in bestem Einvernehmen lebe», während wir hier in Hessen e» leider so oft erleben, daß unter drei Lehrern — drei mit einander Streit haben! Möchten sie doch anfragen, ob da» Ehriftenthuui und da« christliche Leben dadurch von irgend welch« Einbuße erlitten hat, daß jüdische Lehrer christliche Kinder im Deutschen, in Realien, im Rechnen unterrichten l Obwohl in Preußen die Schule gesetzlich noch confesstonell geschieden ist, hat doch Eultuiminister vr. Falt »lcht allein in Schlesien, in Posen und in Berlin selbst viele (?) Jaden an städtischen Schulen ang.'stellt, sondern vor Kurzem eine rein christliche Schule ndes Laa«phe) einem jüdischen Lehrer übertrage» und ebenso die Leitung der Gemeindeichule zu Rheine. Sollen wir tragen, wo bleibt Hessen? Wir wollen hoffen, daß auch in Hesse» bas» einige wahrhaft freisinnige'Gemeindevorftände ihren jüdischen Mitbürgern gerecht zu «erden suche» und — jüdische Lehrer fordern und anstelle» . . . Wir fordern die jüdischen Gemeinden auf, in dieser Beziehung ihr Recht mitRachdruck!u »erlangen, wenn man ihnen mit Intoleranz hr« anderweitige Recht« verkürzt." Run fehlt e» aber vor allem an jüdischen qualisicirtenLehrern, welch« zugleich den Aufforderungeader Elementarschule genügen und jüd. Religion»-Unlerricht ertheilen könne». Man hat daher von Offenbach und Friedberg au« «in« Agitation in» Werk gesetzt, um eine«t eil« die Anstellung eine» jüdischen Lehrer» am Schullehrer-Seminar zu Friedberg von der Regierung zu erlangen, anderntheil» Fond« zu sammeln, um jüd. Lehramt»-Aipirant«n zu unterstützen, d. h. jüdische Zöglinge zu ermulhigen, daß sie sich dem Lehramt widmen. Die Wichtigkeit und Rothwenoigkeit beider Maßregeln bedarf keiner Au»einandersetzung; möchten wir bald aber recht günstige Resultat« berichte« können! An» Württemberg. Der »Schwäbische Merkur" bringt folge-beu Bericht: Stuttgart, den 16. August. Heut« tagt« hier der i«raelitische Ährerverein de« Lande», 81 Mitglieder, fast zwei Drittheile fämmtlicher Mitglieder waren anwesend. Die Lage« orbnung erfteckte sich über di« Gestaltung de» Religton»unter rtchl» für di« iörael. Schuljugend an Volk«- und Gelehrten schulen. Seitdem die Israeliten maffenhaft in den Städlei^^I i nieder lassen, mindern sich die i»ra«l. Bolt»schulen auf Laad«, und in den Städten werden solche überflüssig, weil die Schulpflichtige» die höheren Lehranstalten besuchen. Dadurch wird ein« Resor n de» Ziele» und der Methode de» Rellgiontunterrtcht» nöthtg, weil di« im Normallehrplan dafür vorgesehene Zeit, nicht mehr auf denselben verwendet werden kann. Herr HauSvater Stern an der Wilhelmtpflege in . Eßlingen «ntwickelte in einem freien Vortrag« sein« Thesen, dt« «ine Kritik der Anforderungen de» Rormallehrplane» begründeten und ein« Vereinfachung de« Lehrstoffe« unbeschadet der geistigen und gemüthlichen Verinnerlichung dr«selben an- ' streben. Rach eingehender Debatte wurde beschloffen, die be- - gründete« und besprochenen Thesen' dem B«r«tn»au»schuffe Kl» Referate zu übergeben und dem e» zu überlaffen, da»- Um für «in« spätere Versammlung so oorzubereite», daß di« -Wünsch« und Vorschläge den zustehenden Behörden« zür Berück- 1 sicht tgung übergeben werden können. Rach wetteren Mütheilungen au» dem Gebiete der praktischen Schulkunde für dt« Reltgionöschule«, wurde nach eine« Resum« de« Vorsitzen!^: die Versammlung »erlagt und trat der Au«schuß de» llnb-rftützungöoereia» für Israel. Lehrerwittwen und Wilsen zusammen, um seine angefallenen Geschäft« zu erledigen, SSV R. wurden in Quoter, von 40 bi« 80 M. an Ä ttwen und Waisen verwilligt und so wird der Verein maiuiem bekümmerten Herzen Erleichterung durch seine Spenden bring:». Die edlen Geber in unseren Israel Gemeinden werden a!»er da» gesegnete Bewußtsein fühlen, daß ihre Äolilthalen ersprießliche Verwendung gefunden haben." Bei dem eingehenden Debatten der Verhandlung wurt en besonder« auch literarische Hilf»mittel, wie di« Schriften e on vr. Rahmer. Vr. Au « rbach'» neu erschienene Biln. Gesch iä» t« für Mittelklassen, Freund'» Präparationen rc warm empfohlen. — Der Lohn be» Lehrer» und Vorsänger« Löwin» st e i n au» Hellbraun, LeopoldLöwenstrtn, ^lustizrefereudar in Stuttgart wurde in Heidelberg zum vr. beider Rechte promovirt. Oesterreich. Wie», ÄS. August. So oft di« Frage det Religion». Unterrichte« in den Mittelschule» auch schon besprcchen wurde, ^üffen wir dennoch wieder auf dieselbe zurückkommen. Ta» in der Verordnung de» llaterricht»minister» citirle Gesetz du« 20. Juni 1872 besteht nun bereit» länger al» drei Jahre, und doch hat der 2aaoe»schulralh bisher trotz der Mahnungen de« Ministerium« und der Pceffe nicht« gethan, um daffe.b« in Wien au-zuführen. E» giedt in Wien mehre re Muteifchule», an denen mehr al» 20 ntchltaihotisch« Schüler sind, in manchen zählen di« Richttacholiken »ach Huukerten. :da gebietet e» doch die Pflicht, nach dem cilirten Gesr ze für di:se Schüler Religiou»lehrer von staatSwegen zu bestellen oder, wo solche von der Gemeinde bereit» bestellt sind, sie zu I*» solden. Bi«her ist die» Alle» nicht geschehen, und diese» st«- setz steht dlo« auf dem Papiere De facto wird also »»«desondere in Wien mü ungleichem Maße gemessen. E« wäre hoch an der Zeit, daß der Landeoschulrach sich kazu bequemen wollte, nach dem Gesetz« zu handeln und für jene Mttelschulen, die 20 nichtkatholtsche Schüler zählen, Religionölehrer zu bestellen. Dem Ministerium liegt <» o)i, darüber zu wachen, daß da» Gesetz auSgefühkt werde, und zwar nutzt dlo», wie im gegebenen Fall,, zur Hälfte. Agra», 18. August. (Zum Eapitrl über dir J udeahetz!.) Im Studicaer Bezirk« standen sich bei der letzten Wahl für den Landtag zwei Eandioaren der Ratioaalpartti, Emanuel Priester und Eg«r»dorf«r, gegenüber. Da Priester eia Jude ist, leitet« der nur zu mächtige Eleru» eine flarte Ag - tation ein. Da» Wahlletlung«comste trat für Heren Egertidorfer ein. Der Eleru» beulet« diesen flmstand auf jede mögliche Weise au». Sin Pfarrer erklärt« z. v., er sei „eher berest, den Juoen-Eandidaten mit seinem Kreuz« zu erschlagen, al» zu dulden, daß di« seiner geistlichen Odhak anoeilraule Heerde einen Juden wählen würde". Derselli Diener de» Herrn wallfahrtet« auch, mit dem Kreuz« in l«r Hant, von Dorf zu Dorf -«ö ließ alle Bauern schwören, daß sie nicht für den Jude» Eauvidalen stimmen werden, lkin Dorf« notär Ueß sich zur Aeußerung hiaretßen, „eia Jude w.ckrc eher den Galgen al» da» Depurirrea-Maadat" rc tte darf nicht wundern, da» derlei bet ua« ungestraft geschehen tan«. Der Pfarrer und der Dorfnoiär schreien nur pur o rdre un> folgen dem herzerhebendea Beispiele „von Ooen". La» sol. man von Leuten, die notorisch auf einer sehr niedrigen vlldung»stufe stehen, erwarten, wenn der Wahlpräse». Feld marschaü-Lieutenant Jellacic» Bruder de» verstordenen Ba,lu»J«llacic, vom Amte resignirt, um nicht tu die Rothwendizkeit versetzt zu werden — mau höre und staun — da» Wahlprotvroll eine» Juden uuterfrrtigen zu müffea! Da» dieser Juoe für: da» Aufblühn der Hauptstavt Eroatien» mehr gethan, al« der gräflich« Wahlpräs«», daß er erst jüngst bet der Lerhandlünj, der Wafferlritung»-Frag« t« Geweuidernlh« dt« Steuerträger.