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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Ji, der päpstliche» Gemeinschaft muß diese Lehr« jetzt all nmmtastbare Wahrheit, und die veha»pl«»g der Freiheit de» Gemssen« i» religiöse» Dinge» als Setzerei angesehen «erde». 2>;t Zusammenhang dieser Lehre mit den vatikanischen Dogmen ist gar nicht zu bestreiten. Die Jesuiten haben schon vor 18'W in vielen Schriften die Lehre oorgelragen, daß die vehauptuag der GewisseuSfreihet ketzerisch sei, und sie haben «» deutlich genug ausgesprochen, daß die Aufstellung der Un1 ehlbarkeit de« Papste« auch den Zweck Hab«, diese ihre Behauptung zu bestätigen und die Lehre von der Zulässigkeit oder P'lichtmäßigkeit der Anwendung von Gewalt gegen Ander«glä rbig« zum Glaubenssatz zu machen Man wird jetzt auch di« Bedeutung von zwei Thatsachen au» den letzten Jahren vor dem Vatikanum verstehen. Der Erzbischof Josephat von Plock war im 16. Jahrhundert da« Hanplwerkzeug zur Unterdrückung der Anhänger der griechischen Kirche m Polen. Er wurde einige Jahre vor dem Vatikanum kanonifirt, nachdem man die Umstände seine« Tode« genau geprüft. Damit da» Abenland nicht zurückstehe, hat mar um dieselbe Zeit den Peter Arbuez heilig gesprochen, einen außerhalb Spaniendamals kaum bekannten Mann, »er im Anfang des 16. Jahrhundert« wegen seiner Härte in der Verfolgung von Setzern von Berwanoren seiner Opfer i.etodtet wurde. Diese Heiligsprechungen stehen offenbar i« Zusammenhänge mit der Gutheißung der Lehre von der Znäsfigkeit von Sewaltmaßregeln gegen Andersgläubige durch d e Beschlüsse der letzten römischen Sirchenoersammlung." Sn Dölllngcr. Zum Uebcrfluß erinnern wir noch daran, daß Ariuez sich besonders al« Berdrenner der Juden heroorgrihan hat und al» solcher von Suulbach verherrlicht worden ist. ll».d au» allem dem folgt fteilich noch nicht, daß e« für un» nt thtg oder besonder« rälhlich ist, die Unfehlbarkeit«» lehre zu bekämpfen, aber wir wiffen nun wenigsten«, daß sie un» nicht ganz gleichgültig, daß sie kein bloßer Lehrsatz ist, der auch indireft, in seinen Folgen, un« gar nicht berühre» könnte. P. Flat»», W.-Pr., 2ö August. (Or.-Lorr.) Eine der letzten Kümmern der i«rael. Wochenschrift bracht« un» die Rachrick,t, daß die ultraniontanen Zeitungen an ihren Haß und Geiser, den fie dem Staate und seinen Organen gegenüber ersticken müffen, über die Juden autgießen. Der folgende Artikel, welchen ich der „Bromderger Zeitung" entnehme und der, wi: ich vermulh«, von dem zur Ueberwachung der ultramontanen (polnischen) Blätter in Pose« und Westpreußen bestellten RegierungS-Eommiffar Rex herstammt, sagt: „Alle polnischen Blätter in Westpreußen gefallen sich sortgesezt darin, gegen unsere i»raelitisch«a Mitbürger dt« schamloseften Verdächtigungen zu schleudern. Und dabei verlangen sie von diesen unseren Mitbürgern unausgesetzt, dieselben möchten chr« Bestrebungen unterstützen, möchten für »hrr Ee ndidaten bei de« verschiedenen Wahlen stimmen, und wunder» sich höchlich darüber, daß die JSraeliete» sich nicht zu den Polen zählen. So widerlich e« auch ist, immer diese Lngriff! auszuzähle«, so bleibt doch nicht» andere« übrig, al» da» von Zeit zu Zeü zu thun, um vielleicht dadurch zu er- »üglichm, baß die polnische Preff« sich in dieser Hinsicht einigen Zwang aufrrlegt. Heute ist der Sulmer „Przyjaciel l»du" mit feiner Hetzerei an der Reih:. Er schreibt: Galizien ist ein reiche» Laad, dran man hat dort Salzniederlagen oder Salzbergwerke; auch Raphtaquellen oder Petroleum, welche» wir in Lampen brennen; man hat dort Erdharz, welche» fü: schwere» Geld verkauft wird; man hat dort Heilquellen re.; man hat dort Akademien und Schulen, in welchen die Jugend polnisch unterrichtet wird. Ja den Aemtera find Polen und aus Polnisch werde» alle Berhaadlnagea gepflogen; ater ein» ist Von schlecht, da» wie ein Srebrschaden an der gesltnuuten Gesellschaft nagt und jeden Groschen an» de» Bolle «»»saugt — da» find die Juden. ESfind dort sehr viel« Irden zusammengehäuft und all« Schänken n»d Oberzen sind in Hände» von Jude», und sog« dt» Raphtaqveste» hu» 4 den fie angekauft, und da» arme Volk muß für sie ardeitm. Vielleicht wird der künftige Statthalter Lorkehruage» gegew diese» Leiden treffen." — Vielleicht, fügt der Berichterstatter hinzu, wird der künftige Statthalter von Galizien au» der Zahl der Gelehrten de« I." erwählt, und dann kan» «an sich auf „Vorkehrungen gegen da« Leiden" gefaßt mache», die in nicht» Geringerem bestehen werdrn, al» die Juden mft mittelalterlichem Druck zu verfolgen. Unserer Ansicht nach, wäre oaS Lelden zweckmäßiger zu desemgen. „Prz. ludu" und sei» Anhang ziehen nach Galizien und senden un« ebensoviel Juden an ihrer Stall. Auf dies« Weise wäre dem „P. l." und un« geholfen." Darmstadt. Da« neue Schulgesetz, über besten Hauptbeftimmungen, insofern sie jüdischen Religion-unlerricht, Lehrer und Schüler betreffen, s Z hier berichtet worden ist, ist jetzt in der Ausführung begriffen. E« werden demnach nach-' gerade überall die EonfesfionSichulen aufgelöst, Lommunal» schulen eingerichtet, und nun sollten auch jüdtscheLrhrer an diesen angeftellt werden. Da die» jedoch in die Wahl der OrlSbehörden gestellt ist, so geschieht e» nicht. Freilich«»^ dem Gesetz« zufolge, die Commune auch für den Religionsunterricht der jüd. Schulen sorgen, und fie kann die» eben dann leicht, wenn sie unter anderen auch einen jüd Lehrer an der Eommuaalschule anstellt, aber e« gejchieht nicht. Di« hier erschien«»»« „Mainzeitung" brachte hierüber eine» sehr au«sührliche» Artikel, in welchem cS heißt: „Ein» hält jedoch, trotz dem — wie wir bestimmt wiffen — besten Willen der oberften Schulbehörde deanoch schwer; und da» ist die Anstellung jüdischer Lehrer an Gemeindeschult«. BG jetzt ist nur «in jüdischer Bicar verweadel in Worm«, »nd während der Lehrermangel immer größere Dimensioile» annimmt und zu dem jedeafall» zweifelhafte» Mittel de» Jmporl» fremder Sräfte — die möglicherweise sehr schwächt Kräfte sind — gegriffen werden muß, gehen im Land« eine ziemlich« Anzahl gute, ja al» vorzüglich bewährte jüdisch« Lehrer müssig oder doch ungenügend und unwürdig beschäftigt umher und fristen ihr Leben al» ReligionSlehrer. Di« Gemeindeoorständ« mache» di« sonderbarsten Ausflüchte, wenn «» sich um Verwendung oder Anstellung «ine» jüdischen Lehrer» handelt. Wahrhaftig, da sieht man wieder, daß „nicht All« frei find, die ihrer Ketten spotten". Man verhüllt die Borurlheile und die eingefleischte Intoleranz unter allerhand Ausflüchten, und die Bürgermeister und Gemeiaderäthe, die von ihrer Freifinnigteir, ihrer Toleranz und ihre« fortschrittlichen Gesinnungen sonst am meisten Geschrei machen, werden auf einmal ganz kleinlaut und verschanze» sich hinter di« ultramontanen und muckerischen Stimmführer, wenn «» sich darum handelt, den» Principe, dem klare» Wortlaut der Gesetz« gerecht zu werde» auch gegen Juden. Diese aufgeklärten hessischen Gemeinderithe, dt« in solcher Weis« den besten Intentionen der oberften Schulbehörde entgegenwirten und dieser chr« ohnehin schwierige Anfgad« »och mehr erschweren, sollten sich schämen, mit solchen Ausflüchte» jetzt noch oorzutreren, vorgebend, dt« Vorunheil« der Bürger schonen zu müffen. Da» Volk kennt dies« Vorurtheil« nicht und — schont man diese denn anderöwo und darf man st« schonen, wenn man vorwärts kommen will? lind vorwärl» ist doch die Losung unserer Zeit! I» Bade» find viele jüdisch« Lehrer an Eommunaischulen angeftellt, in Mannheim (S), in Heidelberg, Offenburg, Emmendingen, Sippenheim «nd t» viele» kleineren Städten und Ortschaften. Man frage doch dort einmal nach, ob Uazuträglichkeiten vorgrkommen sind und ob di« Gemeinden oder Schulbehörde» trgend welchen Grund haben, mit dies-n Männern unzufrieden zu sei». Man ftag« in der bayrisch«» Pfalz, in Ludwig-Hafen, Speyer, Dürkheim, l! Landau, Germer»hetm, Saisrrlaüter», Edenkodrn, Sirchhetm- ^. bolande» und in alle» Städten der Pfalz, »0 überall da» Gleich« ist. Der Stadtrath von Grünftadt hatte »ach de« Tod« de» jüdische» Lehrer« wieder et»«» jüdische» EanmdatwtMn

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