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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— »71 — sackst« von Hrr. Oppenheimer vollzogen« v'2 ihm zu Ehr« eine Stiftung mit einem Snnckoapllal von 5600 JRmt gegründet, der« Tendenz eine dreifache: arm« Wöchnerinnen nüthtge Vethülfe zu leisten, bei Unbemittelten die Kosten de» Beschnekdungtfestck zu trag«, und für Nurbildung von hell« zu sorgen. (Weit und breit ist Hr. O. der einzige Model.) Auf Wunsch des Jubilar» und seiner Söhne vereinigt« sich Nachmittag» derselben Tage« alle Freunde und Gratulant« in der Restauration bei Lbr. v. d. Wall zu einem Diner, da« recht paffend und zu allgemeiner Zufriedenheit von einer der anwesmdm Damm arrangirt wort« war, und wobei» von den Herren Rabbinern und ander« Herr« geistreiche Toaste gesprochen wurden. Am Schluffe fand «in« Sammlung zum Besten der hier zu errichtenden Synagoge statt, di« einig« 70 Rml. ergab. Hechtnge». Am 1. August verschied hier Hr. vr. Samuel Mayer, Rabbiner und Rechtsanwalt. Er hatte im 1.1849 juristische» E.amen abgelegt und vereinte seitdem die beid» genannt« Aemter, die nach altjüdischm griffen sich eb»so leicht nüt einander vettragen, wie sie in der heutigen Wirklichkeit nur in diesem einzig« Falle in einer Person «ertret« war« Ein große» Werk „die Rechte der Israelit«, Athener und «Smer, mit Rücksicht auf dt« neuen Gesetzgebungen,^ Land l da» StaatSrecht 1862, Band ll da« Prwatrecht 1866 erschienen, «elche» eine Fülle von Material dl übersichtlicher Zusammmstelluitg enchält, sichert ihm in der Literatur «in bleibende» Airdenken. lieber die Beerdigung berichtet der „Schw. Merkur": „Die Belhetltgung an dem Leichenzuge war eine allgemeine und sehr ehrenvolle. Ein sprechender Beweis dasür, in welch' hoher Nchtung der Verstorben« hier in allen Kreis« gestanden. Biele folgt« dem Sarg« nach dem ziemllch entsemt« Friedhofe, woselbst der rogräbnißact durch dm Herrn Kirchmrath und Oberrabdtner vr. Wafferman» au» Stuttgart oorgenommen wurde. Dt« vortrefflich« Leichenrede gab ein Lebensbild de« Hingeschicken« getreu und ohne Schmuck, klar und wahr, wie der Gruudzug im Charakter de« Verstorben« gewrsen. E« war «tu Leben de» Kampfe» und rastloser Thätigkeit von der Jugend dt» zum Grabe. Die Red«, wie sie au» dem Mund« de» Freunde» und Amttdruder» geflossen, macht« «inen tief« Andruck auf die Leidtragenden und übrigen Anwesenden. Unter den Theilnehmern befand fich auch da» Rtchtercollegium de» KreiSgerichtShose» und di« Rabbiner au» Mannheim und Haigerloch. Der Berstorb«« war sett 1849, wo er die Staatsprüfungen in der Rechtswissenschaft ablegte, bei dem hiesig« Gerichtshöfe al» .üchtiger Advocat wirksam. Er hinterläßt 1» all« Kreisen einen auSgqetchneten Ruf." LüNNßatt, 11. August. Die hiesige, durch Zuzug von >»ß«n immer mehr anwachfend« israelitische Kirchengemeinde hat seit der Zeit, al» sie sich von Stuttgart tmu'tt, ihr« GotleSdirnste tm Hintergebäude eine« israetliische» Fabrikanten gehalten, in welchem der ober« durchlaufende Bodenraum nach Möglichkeit zu einer vetstube eingeruhtet wurde. Jeder Gemetndeangehörige fühlt längst schon, daß diese RSumltchtett ««der qualitativ, noch in ihrer Ausdehnung zum gedachten Zwecke genüg«. Man gelangte zu b«r vetstube auf einer am Aeu rrn de« Hintergebäude» angebrachten hohen, stellen und schmalen hölzernen Trepp«, und w«n an Festtagen dt« ganze Gemeinde erscheint, so wird die ■ Stube so überfüllt, die Luft wird so schwül, daß e» für Biele beängftigeud wird, abgesehen von der Angst, welche über dt« L«ut« kommen muß, w«a st« daran denken, wie e« gehen «ürde, wenn dt« Gemeinde bet einen Brand rc. die, vetstube schnell verlaffen müßt«. Dies« Uinftände haben dir israelitisch« Ktrchenvorstrhrr bewog«, sich nach einem Lokal für eine Synagoge nmzusehen, und sie glaubten in der Thal in dem Gartrnsaal de» Hotel Hermann ein solche» gesunden zu Hab«. Indessen fand di« gute Absicht der Kirchenvorsteher bei d«r Gemeind« kein« geneigten Eingang, und man hörte da «nd dort Stimm« de» heftigste, Widerwill««» gtgcs d» neu« Plan. U« m» M« Sach« zur Entscheidung p» bringe», wurde an einem Sonntag vormittag d«r jüngst«« Zeit «im iSraeltttsch« Semilnde-Verfammlnng zusamm«berufen, »nd da- »ll Jeder fich von der Zweckmäßigkeit und Annehmlichkeit de» Lokal« überzeugen köiru«, »nide «be» der Garteasaal de» Hotel» Hermann al» Versammlungtort gewählt. Ader eben dies« Wahl ist «» gewes«, »elch« de« guigemeinten Plan der Kirchenvorsteher den Hai» brach, denn ein ganz besonderer Unstern wollte, daß gerade während der Verhandlung mehrere Visenbahazüge mit übermäßigem Pfeifen an» dem Rosensteintunnel auf den Gartensaal zufuhren und jevckmal di« Redner auffallend störten. Dieser ruheftörenb« Lärm wurde sofort von den Hauptgegnern de» Hermann'schen Gartensaal«» aus den Schlld erhoben und geschickt benu^t, daß schließlich bei der Abstimmung von »4 Anwesenden 7 für «ad 27 gegen de« Ankauf de» Garlensaal» zur Synagoge stimmten. Man wird diesen Beschluß vielleicht bereuen, wenn «» zu spät ist. Eine Synagoge muß «au haben, und di« gegenwärtige Vetstube kann nicht länger so fonbeftehen Man darf wohl annehmen, daß da» ruhestüreno« Gepferf der Lokomotivführer bald rin Ende nähme, wen» die israelitische Gemeinde fich an di« höheren Eisenbahnstellen bittend wenden würde. (St. Sk. T.) Stuttgart, 12. August. Ein wackerer Bürger und Schütz« von Berlin, der auch sonst al» ckler Menschenfreund und begeisterte Förderer humaner Bestrebung detamtt ist, hat seiner innniaen Freude über de« Bewei» von Thellaahme, den S«. Majestät der deutsche Kaiser durch Spendung eine» Ehrenpretsck dem V. deutschen BundeSschteßen gewährt, dadurch Auödruck gegeben, daß er mit diesem Preise die Gabe von 300 Mark verbunden und dabei bestimmt hat, daß di« Hälfte dieser Summe vom Eentralcomtt« für Unterstützung ttner unverschuldet in Roth gerathenen Stuttgarter Familie verweudet werden soll, während dt« andere Hälfte zu einem Lhnliichen Zweck in der Hetmathgemetnd« de» Gewinner» bestimmt ist, — gewiß ein bemerkenswert her Zug von ckler Humanität (Wir finden diesen Artikel in dem un» wegen de» vorstehenden „Cannstatt" übersendeten „St. R. Tageblatt"; wir drücken ihn mit ad, denn wir glauben „den Schützen zu' kennen und suchen keinen andern" al» den vom Solderger i»r. Ho»pltal auch unsern Lesern bekannten Herrn O. au» v. Red.) Oesterreich. Lemberg, IS August. (Or^Corr.) E» ist wohl unevel, über Dahtng«sch»ede«r ander» al» gut zu sprechen, aber heucheln gehört eben nickt zu den Tugenden eine» objecttven Berichterstatter»; daher wird man'» wohl verzeihen, wenn in diesrul den jüdr,ch«a Interessen gewidmeten Blatte auch eine« Tobten die i^u^rbeit '.achgesugt wird Ihre geehrten Leser werden den Tod da« Grafen Goluchow»ki erfahren haben, weniger aber über seinen Judenhaß, den ec nach Möglichkeit zu verwerthen sucht«. Er gehört« bezüglich seiner Toleranz gegenüber d«n Juden zu jenen «blen „Schlachten", Di« den Juden, den emanzlpirtin, den gristigbegadren, bi» in den Tod Haffen, während sie dem Faktor Letbnsch, den pudels,rvtle» Moschku au« eben demstlben Grunde oorzteh a. E» war im Jahr« 1886, al» der 4—500 jährige iörael Friedhok auf imm:r geschloffen und den Inden «in anderer vegräbnißplatz für ihr« Leichen angewiesen werden sollte. Gras GoluchowSki, der wohl wußte, wie sehr unangenehm dt« Schließung diese» oer Gem-lüd» so rheurea Begräonißplatze» den Jude» war, und e.r ihre Lrbttleruitg wohl kannte, stand nicht an. chnen vr». sogenannten Schinderberg, de» verscharrungtplutz gefallener Thier« uu« am Galgen Dahingerichterer aaznbletea. Dt« iör. EültuSvorfteher, darüber äußerst gekränkt, stellten sich dem Gewaltigen in einer Anoieuz vor, um ihm da« Eatwürvtgend« diese» Akte» vorzuhalten. — Der Gras antwortet« ihnen ganz ohne allen Rückhalt: „Wa» wollt ihr? — ihr schlammlack Botkl" und «ntließ st« ungnädig. Doch vermocht« einer feiner Armvck« ans ihn einzuwirkrn, daß d«r

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