Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ten suche« ll* eine» Solchen, der ein neue« ,Hep! Hep!" in Scene setze» «olle. Verl n, ll August 1875. Otto Slogan. (Es ifi wahr, daß Juden oft übermäßig empfindlich gegen Tadel sind, der gegen ihre Gesammtheil gerichtet ist, es ist aber auch erklärlich und wird erst dann aufhören, wenn da« Tadeln der Gesammtheit ob der Fehler Einzelner aufhören wird. lr« ist auch „ein verbrauchter Kunstgriff", bei Angriffen gegen Juden zu sagen, e» gelte ja nicht die Religion, und e« sei nicht Intoleranz. Die Hauptsache ist diese: Gründer zerfallen in Schwindler und ehrliche Le le (denn e« wird wohl auch solche gebe«), in strafbare und straffreie, die Einthellung derselben in Christen und Juden ist durch nicht« motivi«; wir weisen fir ab. Ebenso wenn ein Jude ein gemeine« verbrechen begangen hat; so haben wir wahrlich nicht« dagegen, wenn >a« bekannt gegeben wird; wir wollen nur nicht, daß er dann gefliffeullich al» Jude bezeichnet werde, denn die Diebe rc rc. suhlen nicht qua Inden oder Christen, Diebstahl ist nicht consesfiouell. Daß e« unter Christen und Juden Gründer, Richtgründer, und gründlich Gegründete gibt, weiß jeder; den Bewerb, daß eb unter Elfteren 90*/, Juden gebe, möchte» wrr erst geführt sehen, bi« dahin werden wir'« nicht glauben, und daß e« gar unter den „Börsianern," also Vürsenspekulmien, Agenten, Maklern rc rc. 90*,, Juden gäbe, dagegen spricht doch der baare Augenschein. Proportional ist die Zahl Der Jad.n unter den Börfianern groß, da« läugnet niemaut; die Börsengeschäfte werden leider oft genug ebensowenig naci jüdischer wie nach christlicher Moral geführt, und nach allem dem ist die Ciiilhellniig der Börsianer in Juden und Christen nicht molivirt, fall« »« sich nicht etwa um nackte Statistik handelt; man merkt dabei die Absicht und da« muß verstimmend wirke». Red. d. J«r. W Ragdeinrg, 13. August Da« Augustheft de« Centralblatte« für der gesammte UnterrichlSverwalluug in Preußen giedt 6. 459 bi« 478 eine genaue, nach den Provinzen geordnete Leberfichl der Gymnasien nebst Vorschulen, der Progymnasien, Realschulen u. a. höherer Unterrichtsanstalten, der Zahl »drer Lehrer und Schüler u a. m Da« Material ist eben so übersichtlich dargestelll, wie sorgfältig gesichtet und dretel für den, der auch au» Zahlen lernen kann, eine Fülle de« Jnlereff inten und Belehrenden. In Betreff der religiösen Skenntuiffe fällt auch viermal wieder die überwiegende vetheiligung der jüdischen Glaubenögenoffen an den genannten Anstalten in» Auge. Thaten reden; Zahlen sprechen. E« mögen einige der wichtigeren Angaben folgen. Ostern 1874 zählte Preuße» 22V Gymnasien mit 2481 ordentlichen, 295 Wissens hafilichen Hüls« , 405 technischen Lehrern und 56,942 Schillern, nebst 7022 Schülern in den Vorschulen. 2418 Adilmienteu erhielten da« Zengntß der Reise, von ihnen ftudinen 199 evangelische, 189 katholische Theologie, -71 Jura, :)62 Medici» K. Die 80 anerkannlen Progymuasicn hatleit 228 Lehrer, welche 2900 Schüler unterrichteten, von de» Schülern der Gyntnasien waren 48,887 evangelisch, 14,844 kathulisch und 5894 jüdisch. Die Vorschulen zählten im Sommer emester 7417 evangelische, 888 katholische und 1078 jüdische, die Progymnasien 1598 evangelische, 1857 katholische und 818 jüdische Schüler. An Realschulen 1. Ordnung haue Preußen 89. Die 18 Realschulen 11 Ordnung zählten 5189, ihre Vorschulen 1781 Schüler. — Die 11528 (?) Schüler der 85 höheren Bürgerschulen wurden von 857 Lehrern unterrichtet von ihnen waren 2943 evangelisch, 850 katholisch uni» 181 jüdisch. Rach der Zählung vom 1. Der. 1871 Mie Preuven 15,987,000 evangelische, 8,271.000 katholische U td 325,540 jüdische Bewohner, außerdem etwa 80,000 DissLenten. Mit Rücksicht auf obige Angaben kam bei den Gymnasien ein evangelischer Schüler auf 384 evangelische, ein äiholischer Schüler auf 585 katholische und ein jüdischer Schüler auf — 55 jüdische Bewohner; bei den Vorschulen ist dr« «erhält,,iß 1 : 2155 : 9584 : 302 (y, bei den Progym aafien 1 : 7000 : 8090 : 1030. Ebenso auffällig ist der Unterschied bei den R-alschulen!. Ordnung,' nämlich 1 : 639 : 2379 : 113. und bei den HSßeren Bürgerschulen. nämlich 1 : 5432 : 23,630 r 0022. — I« «er» häitniß zum Bekenntniß der die döheren Uunalten besuchenden Schüler besuchten 12.18 pCt. evangelische. 7.77 katholische nnd 80.10pCt. jüdische Schüler dieselben.,'Der Procentsatz bei den Realschulen 1. Ordnung nach dem' religiösen Vekenntniß ist sogar 14 86 evangelische, 4 katholische nnd 8133 jüdische. Man sagt: Zahlen sprechen! Die Juden verstehen sich ans ihren vorrheil! meint Mancher, vorstehende Angaben gewähre» einen sicheren Anhalt, zu der nicht von Jedermann verstandene» Behauptung. (Mgd. Zeit.) Franksnrt n. M Seitdem jüngst in Reu-Sandec eine Schaar von Chassidim entfeffelten Bestien gleich gewstthet hat, sitzen fast sämmliiche Wiener Blätter über diese tycte in langen Feuilleton« zu Gericht, und e« muß nur Wunder nehmen» daß von den so allezeit antwondereiten orthodoxen Juden ' gegen die Fülle von Jrrthümern nicht protestirl worden ist. welche jene Feuilleton« bei dieser Gelegenheit zum Rachtheil der vorgenannten producirten. Jene Blätter begehen vor Allem den Brundirrthnm, die „Chassidim" mit den orthodoxen Juden zusammenzumengen, oder gar noch besser, einfach die Einen für die Andern zu halten. Run bilden aber in Wirklichkei: die Chassidim nicht nur eine gaitz für sich geschiedene Secte, sondern sie leben auch anerkanntermaßen mit den orthodoxen Inden allenthalben in traditioneller persönlicher Feindjchasl. Der Talmud, diese Grundman-r der ioraelüischeu Strenggläudigkeit, ist bei den Chassidim durchau« nicht derart in Ansehen und an deffen Stelle ist eine Kabalistik getreten, welche die Rabbiner jener Secte zu Königen und die Mitglieder derselben fast zu Sklaven macht. Die laxe Moral und die Schwelgsucht, welche an Stelle der talmudischen Entsagung in Folge deffen bei jene» Leuten eintrat, har denn auch zu den heftigsten Kämpfen mit den orthodoxen Juden geführt, und wer die Schristen der polnischen Rabbiner au« den 70er und 80er Jahren de« vocigen Jahrhundert« liest, der wird gar bald einen Begriff von den Streitigkeiten bekommen, welche damal« in dieser Angelegenheit ganz Polen durchtobten. Die Rabbiner jener Secte find einfach Schwindler, die sich die koloffalsten Betrügereien erlangen und bei der Dummheit und llnwiffeitheil in ihre« Lande nur wenigen Hinderniffen begegnen. Da diese Leute sehr zusammenhalten, so ha« die Partei allenthalben einen großen Zulauf. Die orthodoxen Inden werden von ihnen „Olamsche" genannt, d. t. Weltliche. Während ihre« Gottesdienste«, der mit dem gewöhnlichen jüdischen «eist nur die hebräische Sprache gemein hat, findet die Vertheilung einer Art Abendmahle« statt, bestehend in einem Stücke Fisch x. Die Gründling dieser jetzt über ganz Polen, Galizien, Südrußland und Rumänien auSgebreiteie» Serie datttt von dem Tode de» bekannten Sadbatht Zebi, deffen Jünger gezwungen waren, die Taufe anzunehmen, heimlich aber ihren alten Cultu» fortsetzten, welcher indeß unter diesen Umständen wesentlich andere Formen annahm und zuletzt einen ganz mysti - scheu Rahmen erhielt. Da« orthodoxe Judenthum steht aber, wie gesagt, dem Treiben dieser Menschen g iaz fremd, ja feindlich gegenüber. (Fr. Z) L. Norderney, 16. Aug. (Or.^korr.) Am 12. Aug. fand hier ein seltene« Fest statt. Herr Hirsch Opßenheftne, an« Hannover, ein in wetten Kreisen al« religiöser Mohel bekannter und geachteter Mann, beging seinen 70jährigen Geburtttag. Biele der auf dem Eilande zur Cur Anwesenden ergriffen dft Gelegenheit, dem geehrten Jubilar ihre. Wünsche und Segnungm darzubringen, und fühlte sich derselbe über diese Ovation um so mehr gerührt, al« außer seinem Ort«rabbiner, Vr. Meyer au« Hannover, auch andere Männer der Vilsenschaft, ' der Rabbiner Dr. Fränkel au« Rybnik, Rabbiner Dr. LeRn au» Kozmin, Seminarlehrer Dr. Rosin au» Bre«lau, Prediger Reischhacker au» Harburg bei ihm erschienen waren. Die Gemeinde Hannover hat bereit» früher bei Gelegenheit der tan-