Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937975--2765-5372212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Dotrt« ftt faWW. fBft «oll«» fftr «Afere Her-« wedtr da» Din« »och da« Lader« Ha», «»viel znr Rechtfertigung unsere« Schweigen«. U« aoer dirjeutze» Leier, welche für bcractife Informationen lediglich auf «nser Blatt angewiesen sei« falten, von de« berichtete« Dhatfache« oder — Erfindungen in Jtamttttft ju setze«, geben wir ihnen nachstehend zwei Attungtartikel, die von «ntgegengesetzten Seite« audgehen. 4)er eine erzählt: „Iknr einiger Zeit kam ei« in den Bereinigten Staaten natural firter russischer Jude, Rabbi Ehajim Sneersohn, nach der Stadt Liberia», am See Genezareth, mit der Lbstcht, sich htei anznkansen und Oekonom zu werden und 'dabei auch sein« de« «och in Elend und Verkommenheit lebenden GlaubenSgenoffe« im Ackerbau und in der Fetdwirthschaft zu unter» richte», damü auch chnen die MSglichkeit werde, sich auf die Oekonorrie werfeu «nd so ihr Brot verdienen zu können. Im Anfang,; fand diese Idee bei den Juden in Liberia« auch allgemeinen Beifall, und sie zeigte« ftch willig, einen Lhell de» Laze« dem Feldbau zu widmen. Bald nachher aber »einte« sie, daß, wen« sie Feldbauer würden, ihre Glauben«» briider » Europa ihnen schwerlich mehr Lausende von Gulden jähtich olr ein fromme« Almosen zub-mmen laffen würden, «nr sie begannen daher gegen de« Rabbiner« Projekt« heftig Lppofition zu machen, «nd zuletzt verschrie«« sie ihn gar al» einen „gottlosen Neuerer", der sie mtttelst Pflug und Egge dem Glaube« ihrer.Bäter abtrünnig machen und zum „Fortsch ritte" verleiten wolle. Der Rabbiner in Liberia«, Rabbissuffuf SUtg, forderte daher den „Neuerer" stuf, diese Stadt schleunigst zu verlassen; wenn nicht, so werde er de« „Baun" (Lherem) über ch« verhängen. Letzterer wollte aber dieser A ufforderung durchaus nicht Folge leisten und blieb »och ferner in Liberia«. Scho« einige Tage nachher ward er eine« Abend«, al« er eben di« Synagoge verlaßen wollte, in dere, Borhof von einige« seiner Glaubensgenosse« überfalle«, k «knebelt und in die Synagoge zurückgeschleppt, um dvrt Rabbi Juffuff Slty, deffeu Worte« er nicht Folge geleistet, Relie zu stehen. Der Rabbi theilt« gleich darauf de« Auweserden mtt, daß der „Neuerer" von einem bösen Geiste deseffe« sei, und daß man ihn daher in Gewahrsam bringe« müsse. Der Unglücklich« ward nun in ein finstere« Kämmerchen »elen der Synagoge gesteckt und dort voll« fünf Tage bei Brot m d Waffer gefangen behalten. Rach Brrlaus dieser fünf Lage wrrd der angebliche Beseffenr au« der Synagoge geschleppt, und vor derselben tüchtig durchgepeitscht, worauf man ihn mit «ach rückwärts gebundenen Händen auf einen Esel setzt« und zur Stadt hinauStrieb. Der Unglücklich« wäre da- «at« genz gewiß eine Beute de« Tode» geworden, hätten sich «ich : di« FranciSkanermünch« in Liberia« seiner erbarmt »«d ch« «ieder in die Stadt zurückgebracht, wo er dann in ihre« Kloster ein« gastfreundliche Aufnahme »nd die liebevollste «lehaudluag fand. Der junge Großhrrzog von Oldenburg, der damal« auf seinen Reise« durch Palästina zufällig auch «a>h Liberia« kam, hörte von diesem traurigen Ereignisse, wirauf er den Unglückliche« nach Jerusalem bringen ließ und ch« dort in einem Prwathause unterbracht«. Kaum hatte der amerikanisch« Loasul hier von dieser infamen Behandln, z eine« Angehörigen der Union Kenntuiß erhalten, so begai er sich auch schon nach Liberia», um, dort über dt« ganze Angelegenhest genaue Erkundigungen einzuzlehen. In letzterer Stadt angekommen, erhielt er dort zu Nachricht, daß die ganz« Geschichte mtt Rabbi Ehaim Sniersohn zwar wahr sei, daß aber di« türkische Behörde dennoch kein Recht habe, die Schtüdigen zu bestrafen, well die «leisten derselben unter englischen Schutze stehen und der Hauptanstifter der Unthat gegen Rabbi Sniersohn in Liberia« di« Stelle eine« englifchen Bieeconful« bekleid«. Diese« wurde aber vom hiesigen englischen B,nerat-Eons«l auf» Entschiedenste in Abrede gestellt. Daranft i» rief der amerikanisch« Consnl avermal« die Hülfe der türkischen Behörde» an, die diesmal fämmtliche neun Schuldige«, darmSer auch Rabbi Juffuff Alty, verhaftete«. Letzterer bat um dringend dir Behörde, ch, für einige Stünde« «ieder «ach J6a»k zttrstckkehren tz»' Wen, da » d«tt seine Papstte in Ordnung bringen walle. Di« Behörde w währt« ihm a»ch'diese«'verlangen und ließ 'ihn Ilttter ßar- ' krr Begleitung wieder «ach Hause 'zurückkehre«. Bor ßch» . Hause wartete« 'aber schon -einig« hundert Jude«, die 'de» Rabbi, kaum daß ste'chn erblickt hatten,'au« de« Hände» ftt» «er Begleiter befreiten, worauf dieser schleunigst rtn stho» bereit gehaltene« Pferd bestieg und aüf und davon ritt, und zwar flüchtete er stch in'« Gebirge bei Safed (ZePhaH. Nachher stürzten sich di« Inden mit ihren Fragen auf da« Sefängniß, worin «och dir übrigen verhaftökv^cht Juden gefangen saßen, brachen dessen Tbüre ein und führte» die Bechaftete«-unter iKibel undFrendengeschrei in ihr« Wohnungen zurück. Die Gerichtsbehörde fürchtet«, hier zu tttter» veniren, da ihr nur einige wenige Polizeisoldaten zur Lerfügung standen, und selbst diese wenige« brauchte fie, um de« anwesenden amerikanische« Eonsnl in da« Kloster zurüchuführen, wo er sein Absteigequartier hatte. Letzterer ist nur. unverrichteter Sache wieder 'htether tzurückgekehrt, um darüber' nach Konstantinopel und Washington zu berichte« und von letzterem Orte her Instructionen zu erhalten." Der entgegenstehende Bericht lautet: „Die Stadt Liberia« ist in furchtbare Aufregung, Unruhe und Furcht versetzt, hervorgerufen durch den durch seine Reisen in Amerika «nd Europa und sein Werk „Rumänien und Palästina" bekannte» Ehajim H. Sneersohn au« Jerusalem. Derselbe kehrt« in Folge einer Lähmung kopfleidend nach Palästina zurück und suchte in den heißen Bädern von Liberia» Heilwtg. Dort sei er im Wahnsinn entblößt durch di« Straße« gerannt, habe wüthend jeden ihm Begegnende« angegriffen, so daß mau gezwungen war, ihn einzuschließen. Wieder zu Sinne» gekomme», habe er seine Glaubensgenossen beim amerikanisch«» Eonsul fälschlich denuncirt, der Eonsul habe ihm vollen Glaube» geschenkt und jeden vom Sneersohn Bezeichnet««. darunter zwei Rabbinen, trotzdem dieselben englisch« Unterthane» find, ohne Berhör >md Zeugenvernehmung in Gewahrsam bringen lasse». Al« fich in Folge deffen die Bevölkerung in den Straßen zu» sammenrottete, ließ er auf die Menge mtt Waffengewalt ändringen, wobei viele Verwundungen stattsanden." — Wer kann von hier au» den Geisteszustand de« Sneersohn untersuchen? Man möchte freilich so räsonntrm: entweder ist der Mann wirklich nicht recht bei sich, bann wird doch ei» amerikanischer Eonsul nicht um eine« Tobsichtigeu willen seine Autorität mißbrauchen oder compromtttiren, — oder Sneersohn war vorübergehend gestört und ist wieder zu fich gekommen, . dann wird er doch über da«, wa« dazwischen liegt, keinen Lärm machen, oder er war nicht irrsinnig und if**» auch jetzt nicht . . . Doch wozu diese Eonjekturen? Vermischte und neueste Rachrichte«. Bresla». Dem Herr« vr. Jacob Levy, früher Rabbiner in Rosenberg, Berf. de« großen Wörterbuch«« zu den Laranmim, das'jetzt in S. Auflage erscheint, und eine« i» Druck begriffenen Lexicon« zu den Talmud««, ist da« Prädikat al« „Profeffor" ertheilt worden. Die hiesig« Unioetstkät Mt nunmehr neun jüdisch« Professoren; die Bo«n«r Universität, «ach der jüngst erfolgten Ernennung de« bisherige» Prlvatdocente« vr. Marlin Philippsohn zu« außerordentlich« Profeffor für Geschichte, im Ganzen drei: Bernay«, Zunz n»d den Genanuten. In Arefrld hat die Stadtoerordneten-Bersammlung beschloffen, di« Berwaltuug und Pflege de« ftädüschen BoW- . schulwesen« einer städtischen Eommisston zu übertrage», melch« au« dem Oberbürgermeister al« Borfitzendem und acht vän der Stadtoerordneten-Bersammlung zu wählenden Mitglieder» besteht. Zur technischen Leitung wird ein von de« Stadtverordneten zu wählender tzädtffcher Beamter al» Stadtschnltnspectvr über sämmtliche katholisch«, rvangeltsche und iSrarlttisch« Schule« angrstellt. Die Volksschule« erhalten hierdurch die längst al« «othwendig erkannte einheitliche Leitung. ' -jj