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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Suttntt zu erkläre». Der Kirchenvorstand stellt« daher in dürren und trockenen Dänen an den Magistrat der Stadt da» Ansinnen, die Commune möchte als Kirchen Patron die abzuzahlenv« Schuld auf ihren Etat übernehmen. Da nun der größte Theil der Slädloerordnete» und der Magistrat zur Domgemeinde gehört, so ging der Antrag natürlich durch, und Juden und Katholiken haben nun richtig jetzt eine Schuld mü abzuzahlen, die eine evangelische Gemeinde der andern schuldet. Und auf demselben Wege ist fast gleichzeitig auch di« 'ehr kostspielige Restauration der Domtirche ebenfalls der Stalit, also auch den Juden, mit zur Last gelegt worden. — Diese Fabel lehrt nun, daß die Zukunft, wenn die LaSker'sch« Reiclution Fleisch und Blut des Gesetze» geworden sein wird, in Preußen zwar kein Jude mehr gezwungen werden können, zu Synagogendauten und andern jüdischen Jnstitutioitin beizutragen oder jüdische Gemeinoeschuldcn abzuzahl, n. Dagegen aber wird sich kein Jude der Last entziehen können, zu Kirchenbauten und Abtragung von Kirche n s ch u l d e n beitragen zu müssen. Wo liegt hier aber der größere Gewissenszwang? Wo sind die berechtigteren religiösen Bedenken? Der große Haufe, der nach Aufhebung des StenerzwangeS schreit und in die Gemeinbe'Einheit der Juden in Preußen blindlings Bresche legen inöchle, wird freilich auch durch solche Konflikte nicht belehrt. Aber der einsichuge prinzipiengetreue Abgeordnete, Hr. Dr. LaSker, mög> uns doch belehren und Antwort auf diel« Frage geben! Elberfeld, den SS. Juli 1875. Ihrem betreffenden Wunsche entsprechend, erlaube auch ich mir, der ich seit mehreren Jahren den Religionsunterricht an den hiesigen höheren Scyllen erlheile. Ihnen meine Ansicht über die Art und W«i e dieses Unterrichtes, insbesondere aber über die Frage, ob da» Hebräische von der specifljchen Religionslehre in den öffentlichen Lehranstalten zu trennen sei, müzulheilen. Diese Fraj,e die in Ihrer Wochen-Schrift wiederholt und in der jüngsten Ruminer wieder von Herrn vr. Goldschmidt bejahend beantworlet ist, glaube ich nämlich aus einem triftigen Grunde vernrinen zu müssen. Ich befürchte nämlich, daß, wenn der hebräische Unterricht von den» Religionsnnterrichte in der öffentlichen Schule getrennt ist. in vieleu Gemeinden eine große Lnzchl der Kinder ohne jede Kennlniß de» Hebräischen und somit ohne jedes Berstänbniß für unseren Gottes dienst heranwachjen wrrd. Gar manche Eltern, die heule noch ihre Kinder sreiwillig in die ReligionSschule» schicken, werden sich mit der deutschen Religionslehre chrer Kinder begnügen und dazu noch ihre Gleichgültigkeit gegen die herlige Sprache damit zu entschuldigen suchen, daß ja letztere gar nicht zum Religionsunterricht gehöre. Run versteht eS sich allerdings von selbst, daß der Lehrplan für die wenigen Stunden, die die Schule uns gewähren kann, sich auf ein ganz geringes Maß der Anfuderungen beschränken muß. Allein ich glaube, daß die Ellern, die ihre Kinder nebenher in eine hebräische UnterrichtSaustalt, wie sie Herr vr. G. vorschlägt, schicken würde«, auch ebenso bereit sein werde«, sie noch an einem besondere», den ganzen ReligionSuntericht ergänzenden und er weit-rdernden Unterrichte in der Religionsschul« theilnehmen zu lassen.*) Ich will hierbei nur bemerken, daß hierftlbf; bereits mehrere Schüler der höheren Lehranstalten gleichzeitig die Gemeinde-ReligionSschule besuchen Bon der dargelegten Ansicht geleitet, habe ich da» Hebräische in meinen Lehrplänen mü ausgenommen, und find letztere auch in dieser liöeise von den Schulbehörden bestätigt wordeu. Besonderei» hebräischen Sprachunterricht kann ich freilich in den detreffendrn Schulen nicht «rtheilen, und Hab« ich daher ’) Snotitmtr Unterricht in der Aeligimwschut« — hebe. Unterrichts «statt — *» scheint doch nur ein anderer Kam« für dieselbe Sach« tu sen. Für di« Unertastlichkett hebräischen Unterricht« tritt «ach Herr Vr. ttotdsch«. ans« «ärmste «in; di« Besorgnitz, daß Eltern den „fMu ,ions unterricht" ohne Hebräisch für genügen» halten «erden, bteitt «uh »et len Vorschlag« de« Herrn vr. «euerbuch bestehen; flTVTl v-q;?: Ml Hebräisch« ist noehwendig, aber «ir «an* Mm» Z««n, «»«>«». Ae». 252neben der Religionslehre nur di« Uebersetzuag »ad Erläuterung der hebr. Gebete (resp. für die jede Borke n n t n i ß entbehrenden Schüler Uebung im Herbräisch-Lese») zum Gegenstand« de» Unterrichtes daselbst gemacht. Während nach dieser Einrichtung denjenigen, di« für den Religion»»»« terricht warme Theilnahme haben, auch Gelegenheit zur weiteren Ausbildung darin gegeben ist, wird zugleich dafür gesorgt, daß auch ven Anderen va» hebräische Wort wenigst««» nicht ganz fremd wird, und daß ihnen bewußt bleibt, daß da» Hebräische mit dem jüdischen Religionsunterrichte innigst verbunden ist. Rabb. vr. Auerbach. Hambarg. Der Newyorker „Jewish Messerger" enthält Reisedrief« elneS Amerikaners auS verschieben«» Städten Europa'».' Einige Mittheilungen audem Hamburg betreffende« Briefe werden auch Ihren Lesern Interessante» bieten. Der Reisende schreibt über die verschiedenen Gotteshäuser der hiesigen israelitischen Gemeinde. Die größte und schönste Synagoge ist die auf Kohlhösen. Mil Erinnerungen an Klchz und Salomon (fährt er fort) suchte ich am Sonnabend Morgen den Tempel auf Da ich nicht recht wußte, wo derselbe liegt, so ging ich einem alten Manne nach, der ein Geberbuch trug. Er trat in ein alte» Gebäude in der Elbstraße. Auf meine Frage, ob die» der Tempel sei, erhielt ich die etwa» barsch klingende Antwort: „Rein, wir haben hier keine Reform." Die Synagoge ist ziemlich klein und brr Gottesdienst eher geräuschvoll als andächtig. In dieser Synagoge hielt der sei. BeunayS vor 30 Jahren seine Deraschah«, und Manche gedenken ihrer noch. Er war ei» Man» von gewaltigem Wissen, aber kein Prediger im modernen Sinne te» Worte». Er konnte zwei Stunden über viele Gegenständ« sprechen, da» Ganze war dann weniger eine Predigt al» eine Mannigfaltigkeit von Talmud- und Bib-lstellen. (Und tiefen Gedanken. Red j Man erzählt, daß einst ein Mann gefragt wurde, ob er Bennay»' Reden verstehe. »Was? lautete die Antwort, meint Ihr, ich hätte die Chutzpah sie zu vrr,lehe„?" Er war aber sehr beliebt, und sein Andenken wird verdientrrmaße» in Ehren gehalten. E» war nicht weil vpn da zum Tempel. Der Eingang führt durch einen Bogengang, uud da» 184V errichtet« Gebäude kann kaum imponirend genannt werden. E» hat etwa SSO Männer- und 200 Frauensitz«, und ist im Inner« sehr einfach. Ich kam ungefähr um halb Zehn. Da waren zwei Knaben auf den Sitzen; der Edor war jedoch in voller Thätigkeit, und di« Orgel hatte dazu da» Regiment ganz allein. Al» die Predigt begann, gegen hold Elf, waren sechSzehn Mannspersonen anwesend, von denen zehn gekommen waren, um Kaddisch zu sagen, indem sie zu Eitde de» GolteSdieufte» vortraten. Der Thor besteht au« Knaben und Männern. E» wird zur Thora „aufgerufen." Ein Tali» trug keiner von den SechSzehn, der Küster gab jeden von den sieben Aufgerufenen ein solche». Der Anstand, der von den IS Männern unten und den vier Frauen oben beobachtet wurde, war sehr preiSwürdig. Der Tempel hat zwei Prediger, die VVr Jona» und Sänger. Heut« war di« Reih« an vr. Jona», und er begann «ach einer Pause von fünf Minuten, welch«, durch rin Präludium der Orgel auSgesüllt wurde. Der Grundgedanke der Predigt wa; eia« Bekämpfung de» Prinzip» de» „Verdienste» unserer Borfahren" — nur eigne Thar, nicht der Ahnen Lerdienst könne den Menschen rette». Vr. Jona» spricht sehr klar und eindringlich, wenn auch nicht überzeugend — wenigsten« war di.» mit seiner diesmaligen Predigt nicht der Fall. E« girbt indeß für seinen Unglaube» an di« jüdische Idee de» Verdienste» d-r Vorfahren vielleicht ein« Entschuldigung Kley und Salrmon hatte» gedrängt volle Häuser, heutzutage ist der Teuipel verlassen; da» Verdienst seiner Vorgänger ist also nicht auf ihn üdergegangen. Die Pedigt dauerte etwa eine halbe Stund«. Gleich nach Schluß derselben rllte ein Viertel der Berfammlung hinan». Zwölf bliebe» zurück, von denen Zehn nachher nnivono Kaddisch sagten. E» war angenehm zu sehen, in welcher vrdnnnß dt«

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