Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937973--2744-5372193- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
G» HUft nicht»; wir «üffen «ach de« «ar,m ftage»; «a» ist «»ter un« ander» geworden? L» genügt uns nicht, bb allgemeinen Ursachen auszählen zu hören, wer wüßte da» nicht? Gesteigerte Genuß- und Lrwerdsucht, Schwindel »nd Krach, Matrrialitmut, sociale Krankhaftigkeit. Ja daran haben Juden Lhetl, nollgerüttrlte» Maaß, da« ftappirt, da« verletzt un» nicht; aber da» jüdisch« Herz, da» Mitleid verloren — daun Sille« verloren, dann mögt chr Herren, un« gegenüber, da« SrdLchtniß der Akedah, da« „Sechuß Owo«" da« Denkmal Zion« «nd Jerusalem« au« dem Gebetbuch streichen; streicht'«, denn e« ist dann an« dem Herzen gestrichen, »ns soll'« auf dem Papier, wa» soll dann da« Plappern oder Singe« davon. Belehre un« eine« Besseren, wer e« vermag, wir wollen »n« gern belehre« laste». Wir aber glauben, d. h. wir setz««, daß da« Lockerwerdea der Bande de» jüdisch-religion«- gesetzltchen Leben« die Schuld an dem drohenden verderben trägt. Da« Religion»-Besetz ist'«, welche« die Leidenschaften niederhält, die Wallungen de« Blute« — im Juden fließt da«f«lbe Blut, wie in allen Menschen, flehe Shylock« Reden — dämpft, gemessener die Herzen schlagen läßt. Bricht der Dam», dann ist enlseffelt dir Fluth, verheerend. Der Talmnd sagt'«: „da« Gesetz der Torah soll den harten Sinn beuge«, de« Herzen« Härte brechen." — Die Erfahrung hat'« bestätigt «ach der eine«, sie bestätigt e« leider jetzt nach der «der«« Seite. Berichte und Lorrespoudeuzeu. Deutschland. Magdebirg, Ende Juli. Da» Euratorinm de« jüd.- ttzeol. Seminar« hat an die Absender de« seiner Zeit gemeldete« Memorandum» eine« großen Theile« amtirendrr Schüler Krankel'« folgende« Antwortschreiben ergehen lasten: „Ew. Ehrwürden benachrichtigen wir ergebenst, daß wir den Rabbiner Dr. Lazaru« in Prenzlau zum Direktor de« jüdisch-theologischen Seminar« gewählt haben. Gleichzeitig nehmen wir Veranlassung, unter Bezugnahme auf die von Ihnen im Ramen einer Anzahl ftüherer Schüler de« Seminar« überreicht« Borstrllnng vom 4. Mai er. ergebenst zu erwidern, daß wir dieselbe mit lebhaftem Danke für da« de« Seminar bewiesene Jntrreffe entgegen- Kmen «nd den in chr enthaltenen Vorschlag einer sorg- » Prüfung unterzogen habe«. Wenn wir hierbei trotzdem z» einem ander» Resultat gekomm n find, so war die« der Ausdruck unserer, von einer großen Anzahl sachkundiger WUfoAtv getheiltrn Ueberzengung, daß dem Seminar nicht allrtu dt« Sorg« für «in« stetige Belebung der jüdische,» Wistensthaft, sondern in mindesten« gleich hohem Grad« die für dt« Heranbildung tüchtiger Rabbiner ob'.ieat, daß dasselbe nach nuferer Meinung sowoht «in« Pflanzstätte der jüdisch«« Wissenschaft, ai« auch de« praktischen Rabbinat» sein fol. Rut di« Leitung eine» mU tüchtigen Fachkenntniffea »nd lstugjähriger AmtSerfahrnng ausgerüsteten, für die Hriligkett feine« Berufe« warm empfindenden Rabbiner« wird bU Lbfuug dieser doppelten Aufgabe ermöglichen. Auch Sie »nd Ihr» Herren Amtscollegen befinden stch in dieser Hinsicht ckit «n» in Ueberetaftimmung, und nur die Befürchtung, doch «»«gezeichnete «nd bewährte Lehrkräfte dem Seminar bei »t»«r Renbrsetzustg de« Direktorat« möglicherweise verloren g«tz«n könnten/ scheint Ihnen da« durch Ihren Vorschlag astägrdrückle Jnterimisticmn aimebmbar «Ä ««pfthlrnttoenh gemacht 1« häbe«. Da diese Befürchtung, ststr Mir mit Se- «NtzttznUng mitthetle» kü««t«, jeder tharfaehltche« BegtündUag entbehrt, der bisherige Bestand dc» Lehrer-8ollegii vielmehr vollständig gestchrrt ist, so dürfe» wir der Hoffnung Rau« geben, daß da« Gedeihen be» Seminar« unter Gotte« gnädigem Beistand auch für di« Zukunft gewährleistet und sein« weitere Entwicklung «ine gleich günstige sein werde, rc U-" — Wir wollen e« wünschen und hoffen! * Berit», 26. Juli. Die heutig« „Rarion.-Zeit." veröffentlicht ein un sie gerichtete« Schreiben eine« Vicomte de Bulge, welche« die bayerischen Wahle» bespricht und den Gedanken »»«führt, daß die Franzosen, inSbesonverc die fravzöfischen Ultramontane», keineswegs auf den Beistand der bayerischen Reich-feind« rechneten oder aus Bünduiß mit diesen gegen Deutschland spekulirten. — Da« Schreiben selbst wiedm:- zugeben ob« zu besprechen, liegt der „J«r Wochrnfchr." fern, aber ein paar Sätze dürfen hier wohl «»ne Stelle finden. Der Vicomte sagt: „Man muß hier die Politik von den religiös« » und moralischen Fragen scheiden. In Frankreich haben tie protestantischen und jüdischen GlaubenSqenoffen an Palrioti«- mu« während de« letzten Kriege« e« nicht fehlen laffen. Die haben die Ideen der preußischen Regierung nicht unter dem Vorwände getheilt, daß König Wilhelm Protestant wäre oder daß die Mische Religion zaytreuye Anhänger i» Deutschland Hab«; ste haben in loyaler Weise ihre Pflicht grthan. Ebenso find zu jeder Zeit während de» letzten Kriege« der Math und die Hingebung an da« gemeinsame Vaterland auf Seiten der posenschen und bayrischen Katholiken nicht minder groß gewesen al« auf Seilen der Protestanten Berlin« oder DretdenS." — E« kommt nicht darauf an. ob diese Anficht uad die in dem Schreiben weiter daraus gezogenen Eonsequenzea von vielen Franzosen getheilt wird, ob der Vicomte recht von Herzen spricht, oder ob die Trauben erst jetzt sauer gefunden werde»; eine Wahrheit verliert an ihrer Geltung nicht«, wenn fie widerwillig zugestanven wird. Wa« un« hier n» den vorstehenden Sätzen interessirt, brauchen wir dem Leser nicht zu sagen; wir wollen nur registrrren, daß auch ein Franzose offen anerkennt, wie di: deutschen Juden während de« Kriege« an Patriotismus e« nicht haben fehlen taffen. Wir erinnern un«, daß die Franzosen stch anfänglich und noch im Laufe de» Kriege« mit der Idee getragen haben, duß die Sympathien der deutschen Juden ihnen zugrwendet fein müßten. Da« gegentheilige Bekenntniß hat also erhöhet:» Werth. D<e Befürchtung liegt nicht fern, daß wir über kurz oder lang Anlaß haben könnten, un« auf dasselbe zu berufen G. Eoltzerg, 20. Juli. (Or.-Torr.) Die Joülsche Broschüre hat die fast erloschene Di-Luifion über die Misch« Ge» meinde-Lerfaffungtangelegenheit in der zwölften Stund« noch einmal angesachl, — die Parteien haben noch einmal da» lesste Wort genommen, und wieder ertönte die Loosuna: „Hie Guelfen! Hie Ghibellinen!" Zur Sache selbst läßt sich Reue« freilich nicht mehr sagen, und ich möchte hier da« um so weniger, al« ich meine Anfichten bereit« ausführlich in dies«« Blatte besprochen Hab«. *) Ein kleine« Errigniß nur au« d<« Stillleben meiner Gemeinde möchte ich heule berichten, — rin Errigniß, da« freilich geeignet ist, di« Frage der jüdischen Gemeindeverfassung nach einer bisher noch nicht besprochenen Seite hin zu beleuchten.**) Innerhalb de« Weichbilde« unserer Sladlräume führt:» zwei evangelische Schwestertirchen Jahre lang mU einander einen Prozeß, der vor Kurze»» dahin entschieden wurde, diß die große Marien-Domkirche, zu der fast die ganze Stadl gehört, au di« kleinere, aber sehr reiche, Münderkirch« eine Schuld ö»a 6000 Thlr zu zahlen habe. Man hätte nun meinen sollen, daß der Vorstand der Domtirche die Zahlung dieser Schuld durch Rrportition unter seine zahlreichen uad zum Theil sehr reichen Gemeinde-Milglieder veranlassen werde; dieser Zahlungsmodus wurde jedoch nicht beliebt, weil befürchtet wurde, daß viele Mttgtieder hierdurch verleitet werden könnten, ihr:st *') total. 3a8t«onj 1873 Kr. 3L 33, U. **) Wir H0l«n «Ulßlich «in« Petition ans Mtona >«HMtst«s besprochen. (tok.)