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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Areunden und Verehrern de» Dahingeschiedenen eingefnnden hatte. Rach Absingung eine» Trauerchor» hielt einer der ehemaligen Schüler Frankel'», Herr vr. Ziemlich, eine ergreifende Rede,*) in welcher er der hohen Verdienste gedachte, die sich der nunmehr verklärte Lehrer um die theologische Wiffenschast wie um die Stellung der Juden erworben hat. Mit einen» Grab- und Todtengedet schloß der feierliche Act, der uu» lebhaft wieder den unersetzlichen Verlust, den die jüdische Wiffenschast und chre Pflegeftätle, da» jüdisch-theologisch« Seminar, durch den unerwarteten Hintritt de» verewigten, erlitten, zu Herzen führte. Man bemüht stch, dir Lücke au»- zusüllen, „aber fraget nur nicht wie?" Da» Euralorium soll bereit» eine Wahl getroffen haben, nrehrere Blätter nannten sogar schon Ramen (den de» Prenzlauer Rabbiner»). Authentische» verlautet jedoch »och nicht»; man hüllt stch in Schweigen. Lestätigte sich obige Angabe, dann wäre die Eollecliv-Borsteilung der älteren amtireudrn Schüler Frankel'» seitende» Curatorium» unberücksichtigt geblieben. Hierzu kommt »och die sehr beunruhigende Nachricht, man habe in Pari» die Absicht, Herrn Proseffor Grätz ein Lehramt am 6cole rabb. zu übertragen. Da» fehlte noch! Hoffentlich gelingt e» dem Curatorium, diesen vernichtenden Schlag vom Äminar fern zu halten; denn darüber dürft« doch nicht der geringste Zweifel ob- »»alten, daß so wenig für Frankel ein Nachfolger gefunden «nrde, der chm in irgend einer Beziehung gleichkommt, ebensoioenig Professor Grätz in seinem Fach« ersetzt werden kann. Knuksim a. Main, LS. Juni. Gestern Nachmittag wurde in feierlicher Weise im Beisein der Behörden und einer Anzahl geladener Zuschauer da» neu« von der Familie LönigSwarter erbaute Hospital der itraelitischen Gemeinde ringe- »»echt. Diese neue segensreich« Stiftung ist ein erfreulicher Bewei«, daß der früher hier so lebendige Geist echter Huma- «Üät in Frankfurt» Bürgern noch nicht erloschen ist. Rach einem weihevollen Gesang und einer Begrüßungsrede de» Herrn Josephsthal wurde» in den Schlußstein die üblicheu Denkzeichen eingelaffen, worauf Herr I. Lönig»warter dem Vertreter der israelitischen Gemeinde, Herrn Kreizenach, die Schenkungsurkunde übergab, die dieser unter dem Au-vrucke »ärmsten Dante» entgegennahm. Herr Polizeipräsident Hergenhahn sprach sodann im Namen de» Kaiser» Herrn I. Äö* «igSwarter den wärmsten Dank für sein längst erprobte» menschenfreundliche» Wirken au» rmd überreichte ihm die Insignien de« Lronen-Orden«. Die Weihrede hielt Herr Rabbiner vr. Brüll. De« Schluß de» feierlichen Acte» bildete die Einweihung der im Hause selbst befindlichen Synagoge, »voraus eine nähere Bestchtigung de» von Herrn Architekten Ehr. Gramm auSgeführten Spstal» stattfand. Dasselbe ist 42,85 Meter lang und 17,71 Meter tief und har Platz für rinige 50 Betten; die innere Autstattung ist nicht nur sehr praktisch, sonder» auch sehr comforlabel. Die edle That der Familie LönigSwarter rief sofort auch bei anderen Familien den Sinn fü?» Wohlthun wach; deren zwei stifteten schon Kreibetten, und die heutige Feier wird gewiß bei Manchem der Anwesenden ähnliche Entschlüsse gereist haben. Der Bau kostete 200,000 sl. und die innere Einrichtung 25,000 fi. Mt den üblichen Hammerschlägen wurden beehrthsr Stadtkommandant, der Polizeipräsident, der Bürgermeister, der Präses der Stadtverordneten (Zjsraelit), der Präses de» Vorstände» und Rabb. Brüll. 8. Hamburg, den 20. Juni. (Or.-Lorr.) E» sind jetzt über lech« Jahre verstrichen,,,seitdem unsere jüdischen Lultn«-Anstalten unter eigener Verwaltung und unabhängig von der Gemeinde begründet find. Di« Verwaltung unsere» Sy- »agogenverbande» nun hielt «» erst jetzt für angemessen, die Mitglieder desselben über, die Verhältnisse zu unterrichten, legt daher in Me« Lircularschreiben «inen kurzen, sehr all- Umein gehaltenen Bericht über chre Thätigkeil ab «ad benutzt die Gelegenheit, zu Erhöhung der Beiträge »ufzusordern. Der Bericht girbt zu verstehen, daß man mit manchen ni *) Dicht»« »tri in erscheM«. pekuniären Schwiiergkeiten zu kämpfen Hab«, daß recht viele und sehr große Ausgaben bevorstehen — von Einnahmen redet er nicht —; unter solchen Verhältnissen allein wäre e» am Platze gewesen, eine dekaillirte Abrechnung klar und deutlich vorzulegen, wie solche s gar von unserer kleinen Nachbar - gemeinde Wavd«beck alljährlich gegeben wird. So erfahren wir denn, daß von den beiden Gemeinde- Synagoge.» die Verhältnisse der älter» stch ungünstige! gestellt haben, al» bei der neuen, und daß die Gehalte de:: Beamten erhöhet wurden. Da» rituelle Badehau» erzielt nur eine kleine Einnahme, während auch da manche Reparaturen nothwendig geworden. In Betreff de« Schächtwesen» und wa» damit zusammenhängt, so hat zwar da» Geschäft der concessionirten Fleischhändler an Umfang zugenommen, worau» der Verband»-Kaffe eine bedeutende Einnahme erwächst; allein, man war auch in Folge desselben genöthigl, einen vierten Schächter auzust llen; auch dieser Angestellten Gehalt wurde erhöht, oder e» wurde ihnen auch resp. eine gewisse Einnahme garautirt. Die Anfertigung der Mazzot mag allerding» für die Lasse nicht fehr ergiebig sein; man hat bei Herstellung derselben auf den Bedarf der Armen, welche sie gratis erhclten, wie auf den der wenig Bemittelte«, die zu verschiedenartig reducirten Preisen sie kaufen, Rücksicht zu nehnrea. — Die Lommission zur Besorgung der Mazzot macht aus die Noth- »vendigkeit der Erbauung eine» eigenen Backhaus«» aufmerksam, wa« man sich indeß noch überlegen will. Der hiesige israelitische Gemeinde-Borstand ist gegenwärtig mit dem Ordnen de» Gemeinde-Archiv» beschäftigt. Er fordert daher alle EorporationSvorstände und Privatpersonen, in deren Besitz sich etwa auf di« Geuieiudevermal tung oder die darin bestandenen Lommissionen bezügliche Dokumente befinden, auf, ihm von dem Vorhandensein derselben Lenntniß zu geben oder solche ihm zugängig zu machen. Man hat schon im vorigen Jahre einen neuen Beamten angestellt? der einstweilen größern TheilS nur mit dem Archiv zu thun Hai. Rach dem Borbilde von Berlin werden auch in «n lerer Stadt Beiträge für di« Stiftung eine» Aedenkfoad« für Rontefiore erbeten, und ist zu dem Zweck xrrit» verschiedene Male ein Aufruf von Frau Oberrabbiner Stern, Tochter de» Oberrabbinen vr. Adler zu London, in hiesigen öffentlichen Blättern erlassen worden. Dieselbe hatte sich gleichfalls seiner Zeit um den zu Gunsten der Juden in Ostpreußen hier slattgehabten Bazar sehr verdient gemacht. Samter, 3. Juni. Die Beköstigung jüdischer Strasgefangeirer, die von den rituellen mosaischen Speis«esetzen nicht ab«»eich«n »vollen, ist ein Punkt, der einer gesetzlichen Regelung bedarf. Denn einerseits ist e» die Pflicht de» Staate», auch die Gewissensfreiheit de» Verbrecher» zu respektiren, andererseits würde eine dem mosaischen Ritu» entsprecheijde 8erpfleg'mg jüd. Gefangenen, bei der bi» fitzt bestehenden Einrichtung, der Inspektion manche Unbequemlichkeit bereiten. In wahrhaft liberalem Sinne hat daher der Minister de» Innern kürzlich die Veranstaltung getroffen, daß jüd. Zuchthäusler einer Provinz nach bestiinmten Zuchthäusern gebracht wecden sollen, wo sie rituell zubereitete Speisen erhalten. Auf ein au» hiesigen Kreisen an den Herrn Justizminister gerichtete» Gesuch, dieselbe Einrichtung auch für jüdische St rafgefangene zu treffen, ist folgender Bescheid eingegangen: „Berlin, den 11 Mat 1875. Auf ihre Eingabe vom 21. April d. I. erwtedere ich Ihnen, daß ich mich nicht veranlaßt finden kann, hinsichtlich der Unterbringung sämintlicher Strafgefangenen mosaischen Glaubens in bestimmte Gefängnisse einer Provinz eine Anordnung zu treffen, da eine derartige Einrichtung sich jiur für ZuchthauSsträstinge im Hinblick auf die oerhältnißmlßig geringe Zahl derselben und die mindesten» ein Jahr betragende Dauer jider Zuchthausstrafe, nicht aber für die zu Gefängnisstrafe oder Hast verurtheilten ermöglichen läßt. Beschtverveu über ungMaestdS Berücksichtigung der »nosaischen Religionsgesetzt durch die Bestimnnnlg b» 8 IS der Jnfieuk-

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