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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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post Nr 139 enthalt,« perfide Insinuation, nämlich di« infame und wenn fie begründet wäre, infamirende Behauptung, r» sei mein Austritt aus dem Judenthume ein „atheistische» Finanz gebaren" zwingt niich jedoch, mit dem Motiv meiner LoSsugung von der Kirche vor di« O.'ffentlichteit zu treten. Der von dem anonymen Einsender gebrauchte Ausdruck „atheistische» Finanzgebaren" enthält die Unterstellung, al» ob ich cu» dem Judenthume ausgetreten sei, um einige armselige Eulden Steuern zu ersparen. — WaS berechtigt den anonym:» Einsender zu vieser Annahme und zu dieser Behauptung? Doch nicht» al» seine eigene Erbärmlichkeit, die ihm wozl seine Religion al» ein Geschä st erscheinen läßt. — Solch« anonyme Geselle» haben übrigen» von Charakter, Conseqnenz und Muth der Meinung keinen Begriff, und ich werde ihnen nicht die Ehr« erweisen, mich mit ihnen darüber in DiSkussiin einzulaffen, sondern ich erkläre hiermit, daß ich au« der jüdischen Kirche geschieden bin, weil deren Glaubenssätze uni Dogmen — gleich denjenigen aller andern Kirchen — '.m Widerspruch stehen mit der ganzen modernen Wiffenschaft, und so vollzog ich mit meiner Consession»losigkeit»erklärung in ehrlicher Weis« nur eine logisch nothwendig gewordene Coasequenz und zwar eine Consequenz. zu der sich diejenigen Heuchler und Fliegenseelen, die mir hundertmal verüchera, daß sie theoretisch prinzipiell meinen Standpunkt theilen, in praxi jedoch den althergebrachten Schlendrian — an den sie nicht glauben — mitduseln, nicht aufzuschwingen vermochten. Der Versuch de« „anonymen" Linsender», eine Analogie nachzuwnsen zwischen meinem Auftreten und dem Auftreten jene» al en kranken mohamedanisch-heidnischen Juden in Frankfurt ist anstf rin verfehlter. Wenn in der zur Erbauung von Kindern, alten Betschwestern und ditto Brüdern erzählten Gruselgeschichte irgend ein alte, »schwacher Menkch. der sein letzte» Stündlein heranuahen gaubt, au«Furcht, unbrgraben zu bleiben, fich milden Judengemeinden in Simpelheim und Gimpelfingeu in Berbinduilg letzt, um sich ein Plätzletn zu reseroiren, von wo er die Ankimst de» Mesfie» und die Auferstehung brc Tobten abwarten will, so hat da» durchaus keine Aehnlichkeit „mit dem in lllm spielenden Falle." Ob man einmal meinen Kadaver begräbt oder verbrennt, oder ob keines von beiden, da» ist mir vollständig gleichgültig, u»d ich zerbreche mir wahrlich den Kopf nicht darüber, wa» man einmal mit memem tobten Körper ansangen wird. Wahrscheinlich aber wrrd« ich, um mei«n Mitbürgern di« Müh« zu sparen, sich zu fragen, ob ich würdig sei, dereinst in geweihter Lrde zu ruhen, meinen tobten Körper testamentarisch irgend euer Anatomie vermachm, wobei ich dann noch da« Bewußts.-in habe, der Wissenschaft sogar in todtem Zustande mehr noch genützt zu haben, als der „anonyme" Verfasser de» Eingesandt derselben im lebendigen. Ulm. 7. Juni 1878. Gustav Ulrich." Dbse Erklärung de« „Herrn Gustav Ulrich", Inhaber» eine» Geldgeschäft« in Mm, ist oh« Erwideruug bi» jetzt gedlieber , da duffen Eingabe an da» K. Ministerium in Stuttgart von Injurien gegen da» i»raelittsche Ktrchenvorstcheramt strotzt urd mit gotteslästerlichen Redensarten schließt, die wahr-' scheinlich Gegenstand strafrechtlicher Verhandlungen vor Gericht «erden, wid es wäre darum ein unberufene» Eindrängen in den @at:0 dieser Affatre, di« vor dem Forum einer hohen Behörde lögt, wenn man dem glaubenslosen Kadaoerverschenker antworten würde. Di« heuttge Mtttheilung ist di« Kundgebung de» objettivc» Thalbestand««, au« dein fich jeder unbefangne Leser der Charakter de« conf«sfion»losen Kultsteuerweigerer» construiren mag. — Am Dienstag, den 18. d. M., ist nach lltägigen Verhandlungen vor den Asfisen der neunzehnjährige Raubmörder Max Sänger, der in der Rächt vom 27/28. Januar d- I. di« 68jährige ledige Emilie Levinger ermordete, zum Tod« verurthelt worden. Da aber König Karl bi« jetzt noch kein Todernrthetl unterzeichnet hat, so wird der Leib de» Mörder» noch nicht einer Anatomie verfallen. V. Hamhnrg, d. 8. Juni. (Or.-Corr.) Die Correspondenz von hier sin Nr. 33) über da» Unternehmen eine« Synagogenbaue» im Seebad« Norderney bedarf ei«r Ergänzung und Berichtigung. E» hat sich nicht erst in diesem Jahre et» Comite zu diesem Zwecke gebildet, sonder,, bereit» im Jahr« 1867 «raten einige jüdische Kurgäste in Norderney »ukammen, erließen einen Aufruf und veranstalteten «ine Sammlung unter den dort weilenden Glauben»genoffen. Dieselbe ergab in der bereit» vorgerückten Saison, wenn auch keine bedeutende Summe, so doch wenigsten» einen zur Fortsetzung einladenden Anfang. Hierauf wurde in nachfolgenden Jahren, wenn gerade Kurgäste in Norderney waren, welche sich der Mühe unterziehen wollten, nach und nach ein Kapital zusammengebracht, welche» da» Unternehmen seiner Verwirklichung nunmehr nahe gerückt hat. Herr SB. M. Wolff in Hamburg, i F Wolff & Karpele«, welcher schon zu den Mitglieder» de» ersten Comite« gehört hat, ist Rendant der Kaffe; rin anderer Theil der Sammlungen ist bei dem Restaurateur Abr. van der Wall in Norderney verzinslich angelegt, Landrabbiner 0r. Meyer befürwortete schon vor einigen I ihren ein Gesuch de« Comite'» um unentgeltliche Ueberlaffung eine» Bauplatze» bei» Finanzministerium in Berlin. Da» Gesuch ist jedoch abschlägig beschiedeu worden. Da nuit der Grund und Boden tu Norderney immer mehr im Preise steigt, so wurde zur Sicherung de« Unternehmen« im letzten Sommer ein geeigneter Bauplatz zu mäßigem Preise ermittelt, und für Veüräg«, welche von den Gedern eigen« dazu bestimmt waren, von de» Mitgliedern de» derzeitigen Comite'«, M. Bargebuhr in Harburg und 0r. D. Rosin in BreSlau, augckauft. Behuf» der Sammlungen halte sich den Genannten Herr S. Herz au« Neustadt-Göden» angeschloffen. — Da für den projectirten Vau noch etwa 700 Thlr fehlten, und e» wünschenSwerth erschien, daß zum schnelleren Abschluß der Sammlungen solche auch außerhalb Norderney'» in größeren Gemeinden veranstallet werden, so verstärkte sich da» Comite um einflußreiche Mitglieder, welche in Hannover sich an Landrabbiner vr. Meyer, und in Hamburg an die um die Angelegenheit bereit« verdienten Männer W M. Wolff und Leoy auzu« schließen so freundlich waren. Hoffentlich wird dies« Verstärkung de» Somit«'» die Sache fördern, und werden in den wohlhabenden Gemeinden Hannover und Hamburg besonder« Erfolge erzielt werden. Wie wir vernehme», ist soeben von einem au»wärtigen Comitemitglied« au den hiesigen Rendanten ein Beitrag von hundert Thalern al« Spende von den Kindern de» jüngst verstorbenen H. PringShei« in Oppeln (Schlesien) übersandt worden. Möge die« Beispiel hochherziger Gesinnung recht Biel« zu gleicher Betheiligung anregen! Zum Schluß sei noch hinzugefügt, daß weder dem jetzigen noch dem früheren Comite, so wett wir in Erfahrung bringen konnten, je ein Platz zum Bau einer Synagoge auf Norderney unen tg e i t i ich von den dortigen Ortövorstehern oder sonst Jemande« angeboten ist. »in« solche Offert« wäre jedenfall» und mit Dank angenommen worden. Ak««ä»ten. F. Falsch«», 31. Mai. (Or.-Corr.) 8» dürfte Sie tatet» esstren, die Gründe zu erfahren» womit dt« Bukarester Primarie (Semeinderath) ,. Z. (im Febr. d. I ) die drei da» Communalrecht zum zweiten Mal« verlangenden Järaeltten. (9t Roth, M. Rosenthal, Albert Llumenfeld) abgespeist hat. Der Herr Bürgermeister, nachdem er dem Gemeinderathe di« auf den Art. 34 de» neue« Communal-Gesetze» bafirende Petition der drei Herren dargelegt, bracht« anch sofort die diesbezüglich« constituttonelle Frag«, nämlich dt« Restriktion de« Art. 7 der Constitution, auf« Tapet. Nach viele« Am», etaanderfetzuuge», wie er dies« Frage im Einklang« «tt der Constitution zu löse» müßte, wenn ihm da« Recht Mftitade, di« Constitution ne« zu wttrai, fährt er fort: „Ä«tat dieser

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