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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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An tafen, «t macht der Steuerforderung gegrnüb« skurrile Ausflüchte. Die Jngelhetmer Grmetnd« läßt ihr«» Ra»n -«»ähren; st« wird Person und Verhältnisse kennen nnd ganz vernünftig gehandelt haben. Dt« Frankfurter wollen sich von de« »Muhammedaner" Stiebel nicht »um Narren halten las« f«n, st« lassen Execution eiatreten und treiben den Mann zum formellen Lustritt an» dem Judenthum. Wer kann sie darob tadetn? — Aber Stiebet must sterben, wie bekannt, und Herrmann weist das von sich auch; beide wollen ihr« Ladaver in Sicherheit bringen; die Hrimathgemeind« wird diese nicht auf ihren Friedhof begraben, das wissen di« Helden auch, und ermart«» es nicht ander», daher wollen sie mit anderen Gemeinde« Verhandlungen anknüpfen. Denn es aber recht ist, daß eine Gemeind« sich nicht zum Spieiball der Laune eine« Individuum« gemacht wisse» will, so gebietet es auch die Ehre des Judenthum», daß di« eine Gemeind« nicht die Hand dazu biete, wen» die andere geprellt oder verhöhnt werden soll. Daher ist da» Berfahren der R a ch b a r gemeinde von Ingelheim etnschmShltchr». Da» nun aber da« verhältnistd r« Staat« zu diesen Angelegenheiten betrifft, so dürft« die Sache wohl recht Kar sein. E» steht jedem Einzelnen zu, auf eine Forderung, du der Schuldner nicht gutwillig bezahlen will, zu verzichten, desgleichen eine Beleidigung zu tgnoriren; da» Staatsgesetz must aber so beschaffen sein, vast der Gläubiger oder Beleidigte zu seinem Rechte kommen kann. Ferner, [> lange der Staat dt« Religion»gesellschafte» nicht für reine Drivatvereine erklärt, deren Existenz ihm ganz gieichgültig, so lang« er sich für verpflichtet hält, jene in chrer Würde zu schützen, so lange er also z. B. Gotte«dienst-Störung, Entwürdigung eine« Gotterhause«, Beschimpfung einer Religion ftrasgesetzlich verfolgt, so lange dürfen seine Gesetze nicht Demjenigen hülfrrich entgegen kommen, der eine Religlvnsgesellschaft »hänseln" will. Da» Letztere geschieht aber ganz zweifellos durch frivole Verweigerung der Steuern und Sch«ta-Au»tritt»«rKärung. Ganz ander« steht e« um den Ulmer »Herrn Ulrich." Dieser «rüärt öffentlich, dast er sich von dem Glauben an Gott, von jeder Religion lossage. Da» steht einer formellen Lustrittserklärung au« dem Judenthum ganz gleich. Ob in seinen schriftlichen oder gedruckten Aeusterungen etwa» Strafbares enthalten sei, geht uns in diesem Zusammenhang« nicht» an, aber die Gemeind« Mm hat mir dem Manne nicht» mehr z» schaffen, und wenn er e» sich verbittet, dast man ihn, den »starken Geist", mit den »Echwachköpfen" Stiebel und Herrman» in ein« Kategorie stelle, so Können wir ihm da» eigentlich nicht verübeln. Dast der Staat ihn zwingen solle, an Gott zu glauben oder sich zu irgend einer positiven Religion >n bekennen, da» fällt uns vollend» nicht ein. Aber wenn mir diesen starten Geist zu Mm und den deutsch-katholischen Kohen von Ingelheim als Gegensätze betrachten, so irrlichteliren kreuz und quer zwischen diesen noch gar Viele, die selbst nicht wissen, wohin st« gehören, ob sie au» der Gemeinde, an» dem Judenthum ober nur au« der Steuerrolle treten solle», jedenfalls aber nichtbezahlen wollen, so lange sie die Gemeind« und ihre Institutionen nicht direkt gebrauchen. Da« nun polemtsiren wir immer wieder gegen den LaSker'schen »Austritt au» confessionellen Bedenken". Sind die Bedenken Ulrich'» konfessionell? Haben Herrmann und Stiebel Bedenke»? Wo drückt jenen der Schuh, wo diesen der Absatz? Und ganz besonder»: wo ist der Richter, der die Eonfessionalttät oder di« Bedenüichkenit der Bedenken prüfen soll? Atgelhti», 8. Juni. Di« »Jüd BlkSztg." berichtet über et» Seiteustück zu Etiebel-Steffen» folgendermaßen: »öS gibt noch mehr ähnliche Kauze -von gleichen Reiru wie der Hagestolz Steffen». Auch hier, auch in un« jüdischen Gemeinde Ingelheim rxiftirt «in Düngersa» br ikant mit ganz ähnliche« oder gleichen religiösen Anschauungen. Der Man« glaubt« sich zusehr mit jüdischen Steuern betastet — und »er bezahlt gern« zuviel, wenn er schon we« j »tger auch nicht freiwillig gerne bezahlt? Herr w. Herrmaa, so heißt, wenn wir nicht irren, der liebe Rann, ervärte seinen Austritt aus dem Judenthume öffentlich' vor Gericht. Er trat in die deutschkatohlifche Kirche über und ließ diese Erkärung dem Vorstand« auf dem Verwaltungsweg« zukommen. Auch gut! Die jüdische Gemeinde existirte fo.'t auch ohne künstlichen Düngerfabrikanten, und wäre der Heir zweifach gewesen, oder drei« und vierfach, er hätte nicht allein deutschkatholisch, er hätte auch römischkatholisch und, wie Steffen alias Stiebel Mohamedaner werden dürfen; un» häte da» wenig oder gar nicht genirt. Eia Turban hätte dem kräftigen Manne wohl vielleicht ganz gut gekeidetI Die Gemeinden sind in dieser Beziehung oft wirklich zu ängstlich. Dec» artige Leute sind wirklich entbehrlich und ihre Steuern auch! Der Mann kam als deutschkatholischer Jude wohl nicht in tic Synagoge, — aber zuweilen vor den Friedhof; den Friedhof betrat er nicht, denn er ist Kohen, gewiß «in Monstrum. C: kam in den Trauertagen in da» Haus der Trauernden, legte fromme deutschkatholische Thephillin und hatte sogar di« Naioetät, einmal bei einer solchen Gelegenheit sich zu Äinjcm mitgerechnet wissen zu wollen. Da aber nicht noch 9 deutsihkatholische Juden da waren, ließ sich da» doch nicht thuit I Darob großer Zorn! Ueberall erklärte er: Soll Gvtt hüten, ich will nicht Kofer sein (mich nicht taufen lassen), ich bin nur zum Schein deutschkatholisch geworden. Daß die feierlich abgegebene Erklärung von dem llebertritt zur deutfchkatholischrn Kirche für das Judenthum Alle» ist, daß uns die Tauf« oter Nichltaufe sicher nicht berührt, konnte d e m Manne allerdings nicht begreiflich gemacht wrrden. — Die Geschichte war so 5 Jahre; Niemand kümmert« sich mehr darum. Da hörte )er Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde hier, daß ich Herr Herrmann in die Nachbargemeinde Gau-AlgeSheim Hab« aufnehmen lassen. Der donige Vorstand dachte wohl: Geld riecht gut, auch wenn e» von einem Düngerhaufen kommt. Aber der Vorstand der hiesigen israelitischen ReligionSgemeinde fand sich nun doch verpflichtet, Anzeige zu maä>en und stellte den Antrag, den H. Herrmann anzuhalten, zur hiesigen israelitischen ReligionSgemeind i beizusteuern, sofern er Jude sei. Da» Sr. KreiSamt erwieverte: »Der qu. Herrmann habe wiederholt die Erkärung definitiv abgegeben, er sei Mitglied der deutschkatholischen Gemeinde dahier." Wahrscheinlich zur Bekräftigung dieser Erklärung und al» Ausdruck der freundnachbarlichen Gesinnung und de» Bewußtsein» oer Solidarität der Interessen kleiner jüdischer Semeinwtsen wurde der qu. Herrmann an dem auf diese Erklärung folgenden Sabbathe in der Synagoge zu Gau-AlgeSheim zur Thora gerufen. Herr Steffen», kommen Sie nach Gau-AlgeSheim; nach Aufrufen haben Eie wohl kein Verlangen, aber Sie können sich da begraben lassen, denn — wo Hrrrmann begraben wird, da dürfen auch Sie sich begraben lassen!" Bou der oberen Donna, 20. Juni. (Or.-Sorr.) Die Ulmer Schnellvost Nr. 129 vom 6. Juni d. I. entnahm der Wochenschrift Nr. 23 den Artikel aus Frankfurt a M., den Fall »Julius Gustav Steffen» früher Stiebel" Lossagung vom Judenthum betreffend, und rechte daran folgende Mittheilung: »Ein ganz ähnlicher Fall spielt in Ulm. Ein au» Bayern eingewanderter Geldhändler verweigerte die Lultstmer und setzte seine Recurs« bi» vor» K. Mlnisterium fort. In seiner Replik sagte er sich vom Judenthum lo«, will von — -Hebräern nicht» wissen und kommt zu der Schlußerklärung, er glaube an keine» Gott oenior noch junior. Die Entscheidung d«S K. Ministerium» auf diese» atheistische Finanzgebaren steht noch au»" Daraus erscheint im Anzeigeblatt der Schnellvost Nr. 139 folgende Erklärung:") »E» ist zwar Brauch, anonyme Auslassungen vollständig zu ignoriren. Eine in dem Eingesandt der Ulmer Schnell- *1 Dir haben «ini§« nicht «tgrnüich zur Sach« gehörenden Sätze «striche», «eil »ir fit« dt« la»aath«iae» «tzveetoratione» Herr Ulrich« »och rifwtfH Mm* Stow* (ttn. (#«*.)

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