Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937964--2688-5372144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zu berichtige», »eil ich meiaer Sach« nicht gewiß war, und »eil de« Publikum die Frag« nach der Person de« Verfasser« «osl gleichgültig sein kann. Die anderen Anklagen der Gegenerklärung erledigen sich ganz von selbst. Die Erklärung de« Herrn Dr. R. hatte angegeben, daß nur eine Erwiderung auf seiwn Artikel in Rr. 12 zugegangen war — folglich hat die Wochenschrift die« nicht etwa verschwiegen, es gab nicht« zu „bebunea" und nicht« zu „conflatircn" — und e« ist deutlich gesagt, warum die Erwiderung nicht ausgenommen werdcu konnte. — Daß ich es nicht für zweckdienlich hielt, «ine w« lere Debatte über die Angelegenheit, bei der die Sach» frage van den Personen getrennt zu halten rein uumöglich ist, in ter Wochenschrift führen zu lassen, glaube ich Einsicht tigen u id Wohlwollenden gegenüber mit keinen, Worte weiter moliviren zu müssen, und da die Gegenerklärung zur Sach« nicht« weiter beibriogl. so halte ich Viesen Zwischenfall eben so für >nl«digt, wie Vr. R. aus weitere Erörterung desselben recht gen« verzichtet. — Da die Wochenschrift, obgleich sie jetzt vom Donnerstag datirt ist. der buchhändlerischen Versendung wegen am Montag gedruckt, die Redaktion aber spätesten« am vorhergehenden Freilag früh abgeschloffen werde» muß, so ist mir wegen i>e« dazwischen liegenden Sonnabend und Sonntag unmäglich, für d«e Korrektur de« Blaue« etwa« zu thun. Druckfehler bleiben nicht aus, weil mehr und oft viel ärgerlicher al» mir lieb ist, manche« mag auch Flüchtigkeits-Schreibfehler fein; aber mau wird mit der Zeit abgestumpft, ärgcrt sich nicht viehr über allerlei Entstellungen, und so habe ich e« schon blogerr Zeit unterlassen, di« Druckfehler zu berichtigen. *) Liest doch kaum Einer ,m Zeitungsdlc.lt jo aufmerksam, um sich de« Fehler» zu erinnern und von der Berichtigung Rotiz zu nehmen, e« müßte denn der Berfaffer de« Artikels selbst sein. lZnoem ich also die Leser um Rachsicht bitte, ersuche uh gauz besonder« die Gegner de« Blatte«, wenigsten« in dieser Kleinigkeit mich zum Guten zu beurtheilen, jtoj rpb p zu sein und nicht au« bloßen Druckfehlern oder meinetwegen Schreltsehlern Material zu Angriffen zu rnluehmrn. So habe kg deu Fehler in Rr. 23, die Anzahl der Blinden detreffen! , berichtigt, in demselben Artikel S. 177 ist aber auch statt Bretlauer Seminar »Berliner" gedruckt, ein leicht erkeuutarer Fehler — gleich wohl sucht der Berfaffer der dort desproc-eueu Einsendung in jenen falschen Ziffern den Bewei« für »lcafinn", und in diesem Fehler die böswilligste Absicht, Entstellung, Persidie und wa« sonst noch, und droht da« allerjchürfste und gröbste Geschütz ausfahren zu wollen, da« ist wahrlich noch ärger al« mtt Kanonen nach Sperlingen schießen! 3Ui» 9rtilu erhalten wir da« »Schlesische Protestantenblatt" vom 5. Juni, enthaltend einen Artikel mit der lleberschrist »Etwa« vom Judeathum," der durch Rothstist unserer Aufm« rksamkeit empfohlen wird. Der ßlrtikel bezieht sich auf da« Borgeheu eine« Lre»lauer Schulrector«, welcher von den israelitische» Schüler» einen Rever» verlangt«, daß sie in der Schuir am Sonnabend schreiben wollten. E« ist darüber in diese» Blatte Rr. 22. unter »VreSlau" berichtet, und diese Eorre pondeaz der Wochenschrift scheint dem Berfaffer jene« Artikel« Vorgelege« zu haben Dieser sagt nun Folgend»«: ,»Soweit sich der Fall aus die Sch ule bezieht, intereffirt nur :m» hiueingelegte religiöse Moment, und da e« ua« darauf antam, i. da« »religiöse Gewiffeu" der heutigen Jude»schaft einen neuen Einblick z» gewinnen, so erkundigten wir ,at« über diese Seite der Frage und erhielte« Mittheilungea, di« der Oeffentlichkeit nicht vorrnthalten «erde» brauche«. Unter deu jüdischen Schüler» resp. SchLerinne» giebt e« in Bezug auf di« Heilighaltung de« Sonuaben« verschiedene Kategorie««: 1) Schüler (Schülerinnen), welch« *) Weit <mm1 Mn die SM« ist, sei deu» hier terichttat: aus de, erste» «eite M wt. «taue« 21«S «Um« & S UM: Mwch falsche Uest«ra«u», ist« solche). w» einist» Seite» Netter: omechm Mer er-, schwe rt (statt rersperr».) an alle» Lrb.'ir.'n Thll nehme«; 2) Schülerinneck, / »wlch« weder an schriftlichen Arbeite», z. B schriftlichem Rechnen, noch an Handarbeiten Theil nehmen; 3) solch«, welch« an schriftlichen Arbeiten, aber nicht an den Handarbeiten Theil nehmen; 4) solche, welche an den Handarbeiten, aber nicht an den schriftlichen Arbeiten Theil nehmen; 5) solch«, welche an »schriftlichen Arbeiten" nicht Theil nehmen, ab« die häuslichen Ausgaben eigenhändig in ihr Aufgabeduch eintragen; 6) solche, von denen eine Schwester schriftlich arbeitet, die andere nicht; 7) solche, deren Eltern verschiedener Ansicht in Bezug aus den Sabbaih sind, «««halb die eine Schwester sich z B nach dem Bater, die ander« »ach der Mutter richtet; 8) solche, welche in den unteren Klaffen einer Anstalt schreiben, in den oberen nicht; 9) solche, welch« erklären: eigentlich dürften sie nicht schreibe», aber wenn e« nicht ander» ginge, so könnten sie Alle» milmachen. Inwiefern ein geordnete» Schulwesen bei diesen Kategoriee», deren Zahl noch zu vermehren ist, gedeihe» kann, geht un» nicht» an. Daß aber ein Gewiffen, welche» so modulationsfähig ist, un« auch nicht den geringsten Respekt rinzuflüßen im Stande ist, bedarf keiner Begründung. Schreiber diese« hat viele Jahre in einer Knabenanstalt, di« sehr stark von Juden benutzt wurde, Untrricht ertheilt und gefunden, daß bei Knaben da» Nicht-Schreiben-Dürfen am Sonnabend seltener gewünscht wurde. Darüber eiugezogene Erkundigungen belehrten ch», daß auch dafür Erklärungen zu finden seien. »Ich schreib« de« Sonnabend« metne« Geschäfte« wegen; mein die Realschule besuchender Knabe desgleichen, dafür bin ich um so strenger bei meinen Töchtern, die nicht schreiben dürfen," erklärte höchst naiv «in Mischer Familienvater. Die ganz« Aeußerlichkeit de« jüdischen ReligionSweseu« kann gar nicht beffer al» durch dies« Beispiel« tllustrirt werden. Die Religion, de» Menschenherzen« heiligster und reinster Besitz, ist vielfach in den Dienst de« »Geschäft«" gestellt. Un« erscheint eine Borschrist, di« da» göttliche Wesen durch Richtschreiben am Sadbath verehren heißt, al« Bornirtheit, und wenn z. B. da» katholisch« Fasten noch eine» inner» Zweck hat, so ist un» ein solcher bei jenem Gebot völlig unerfindlich. Da» Judenthum, welche» auf der Höh« der Zeit zu stehen und sich mft den moderne» Eulturidealen innig befreunde» zu können behauptet, ist doch von religiösem Aberglauben reich durchzogen, und man begegnet in den Kreisen deffelben sehr oft einer, mit seinen Ansprüchen in grellem Segensatz stehenden religiösen Bejchränkihnt. ES lebt von seiner Bergangenheft, man möchte sagen auf rein mechanisch« Weise; daher klammert e» sich an die anderen Bölker an und macht fich ihre geistigen (und materiellen) Schätze zu eigen. Eine energische Erfaflung de» echt men>chlichru religiössiitlichen Lebenöidrale» wird den jüdischen Durchschnitt«-Ehai rakter von Grund au» umgestalten müffen. Dem deutschen j Bolke wird er im Allgemeinen bi» dahin fremdartig und »»- i sympathisch sein." i Wir begnügea un« mft einigen kurzen vemerkungr». d» 3 ist wahr, daß Juden heuzutage dem ReligionSgesetz gegenüber j eine sehr verschiedenartige Praxi» beobachten, und speciell wird j der Umstand, daß der eine jüdische Schüler am Sabbath \ schreibt, der andere nicht, von un» selbst aufrichtig be» j klagt. Ader da« geht die Herren de« Protestan-! tenblatte» nicht« an! Da« Judenthum ist daran e nicht Schuld. »ModulationSfähigkeit" de» Gewissen« mögen jene doch einmal unter ihren eignen ReligionSgenoffe» suchen, sie werden finde» und dann vor eigener Thür kehren. 1 Da« Gewiffen der Jude» darum modulationSfähig nenne», «eil verschiedene Juden verschieden handeln, ist unlogisch und höchst »uuchristlich". Ketzerrichter untersuche» die > Gewiffen, lieberalen Geistlichen steht e« schlecht an. Wa« aber da« jüdische Religio»«- und Eeremonial» - <i und speziell da« Sabbathgesetz betrifft, so ist e« seltsam, ■*«»*yJ (in Geistlicher so spricht, al» hört« er jetzt pun erstemnnl« J3 bau«. Daß da« Ehrtstntthum diese Dinge als »«enßnlich. A