Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935045-5937964--2687-5372143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
> Htaak» Protrstanti»«»»? Daun, wäre allerdings di« Gleich» sdellsng der Proteftantenveretnler und der Resormjuden in O. v. Hartman«« „Selbstzersetzung de« Lhristenthums" durch die Antwort treffend widerlegt: Der erster« Haffe den Juden, der letztere nicht. Der jüdisch« Durchschnitt«charakler werde, f» «eint der «eise Berfaffer jene« Artikel«, von Grund an« ««gestaltet «erde« müssen, «olle er ander« aufhören, „dem deutschen Volk« im Allgemeinen fremdartig und unsympathisch |« sein." Selbst daß er sich die geistigen (und Materiellen) Schätze anderer Völker zu eigen mach«, wird chm «um Vorwurf gemacht. Diese bescheidene Parenthese? Lebe« Sie »och in dem Wahne, e« genüge, ein vernünftiger Mann zu sein und bedürfe nicht immer gerade der Quallfieation eine« liberalen Geistlichen, um di« Aneignung materieller Schätz« nicht denen zum Borwurf zu machen, deren religiöse Hartnäckigkeit un« Schwierigkeiten macht, oder »m nicht eine gewaltsame Entzweiung von Genoffen derselben Ziel« und derselben Ideale herbeizuwünkchen? Auf welcher Seite ist die „Bornirtheit," die „religiöse Beschränktheit" größer, da, wo man durch Richtschreiben am Sabbat Gott z« nerehren meint, oder dort, wo man di« oben charaktrristrte Gesinnung hegt? — Doch wir gehen noch weiter, wir »agen die Behauptung, der Lerfaffer heuchelt diese Gesinnung nur; e« ist ihm ja darum zu thun gewesen, „in da« religiöse Gewiffe, der heutigen Judeaschaft einen Ginblick zu gewinnen," und da hat er Mittheilungen erhalten, „die der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden brauchen." (So stilifirt der germanische Lerfaffer.) — Gewiß, der Mann ist Theologe «ad hat ein wohlbegründete« Jntereffe an solche» Studien. Sich beim Theologen oder sonst an kompetenter Stell« nach detgleichea zu erkundigen, hält er für wellig zweckmäßig; er könnte ja dann vielleicht Aufschlüffe erhalten, die seinen Neigungen weniger entsprächen und die daher »der Oeffentlichkeit vorenthalteo werden brauchen." — Inch darüber nachznbenken, ob nicht doch vielleicht ein in der Ratur der Sach« begründeter Unterschied zwischen Schreiben «ch Handarbeiten am Sabbat vorhanden sei, ei» Unterschied, den Christ»« aufrecht zu erhalten wahrscheinlich „bornirt und beschränkt" genug gwesen war, hält der Lerfaffer für uunöthig. (Um auch unsrerstit« ein« Paranthese zu haben, wolle« wir den Herrn Lerfaffer in derselben belehren, daß Handarbeit zu der gewerblichen Thätigkeit gerechnet wird, wa» bei« Schreiben nicht der Fall ist.) Der Herr Beobachter macht nielmehr seine Studien an Lindern, und nicht nur die Eltern, sondern di« jüdisch« Religion dafür verantwortlich, wa« dies« thun. Di« Lategorien, di« er in Bezug auf die Lheilnahm« am Schreib- und Handarbeitsunterricht angeblich bemerkt hat, und „deren Zahl noch zu vermehren ist" — angeblich fügen wir hinzu — sind neue, unter denen einige der Lerfaffer als Geistlicher und, wie er selber von sich rühmt, als Pädagoge ehrlicher Weise nicht gelten lassen wird. So z. B. die fünfte, „solche, welch« an den Arbeiten nicht theil- «eh»«n, aber die häuslichen Arbeite» eigenhändig in ihr Ausgabenbuch eintragen." Für ungezogene Linder und psticht- «rrgeffene christlich« Lehrer wird der Herr Berfaffer doch nicht da« jüdische Sesammtgewtffen verantwortlich machen wollen? Meiner Meinung »ach mußte ein Lehrer, welcher weiß, daß V de» Usern daran Um!, daß ihr Lind am,Sabbat nicht schreitat, schon trat der «chrhaftigkett willen «d nt tat Gehör¬;v - . .. . sa« gegen die Ater« zu erhalten, ei« Lind, das dies Gebot Übertritt, zurechtweisen. Auf di« andere» fast namögliih«, Faseleien in den Lategorien einzugehen, erübrigt wohl; nur so viel will ich dem Herrn Berfaffer noch bemerken, daß ich hoffe, daß er nach der oben in Paranthese gegebenen Belehrung die Unmöglichkeit einsehen wird, im Grnst von einer Lategorie z. sprechen, „solcher, welche an de» Handarbeiten, aber nicht an den schriftlichen Arbeiten thrilnehmen." (Lat. 4.), und daß eS einer Sscamotage ähnlich steht. Lat. K u. 7 zu trennen. (Lat. k: Geschwister verhallen sich «rschieden, und 7) ein Lind folgt dem freier» Vater, das andere der strenggläubigen Mutter. — Beiläufig gesagt, mir ist diese Sitte neu, und bei näherem Zusehen wird auch da» bloß eine Finte sein, um den Umstand zu erklären, daß da» eine Lind folgsani ist, da» andre nicht). — Doch genug davon. Nicht zu schreiben und nicht Handarbeiten am Sabbat zu machen sind nur äußerliche Documentirungen de» religiösen Leben»; wenn nun der Herr Lri. au» der Stellung gewöhnlicher Leut« zu diese« Dingen eine» Rückschluß auf da» „religiöse" Gewissen der heutige» Judenschaft" macht, iva» mag er wohl vom „religiösem Gew'ffen" der heutigen Ehristenheit denken, wenn er dir gewiß mehr als 9 zählenden Lategorien der protestantischen Auffaffung christlicher Dogmen Seitens protestantischer Geistlicher in Erwägung zieht? — Wenn er ferner „die ganze Aeußerlichkeit de« jüd. Religionswesen« nicht beffer illustriren kann" al« durch das Beispiel eine« „naiven" Juden, der ihm erklärt, „er schreibe Sonnabend de» Geschäfte« wegen, sein di« Realschule besuchender Sohn desgleichen; dafür sei er um so strenger bei seinen Töchtern, die nicht schreiben dürfen": so wird er wohl consequenterweise die christliche Moral nicht beffer zu illustriren wiffen, al» durch da» Beispiel jener Bravi, die vor jedem Mord zur Mutter Gotte» beten und von jedem Raub ihr einen Theil geloben, oder durch da» von Geistlichen, welche im Namen der Religion Lieb« im Muad« führen, Gift und Geiser aber im Herzen gegen alle, di« ander» zu glaube« wagen als sie. BreSlau, den l4. Juni 1875. 8. Berichte und Torrejpoudeüjei». D-«tfchleu»d. Stettin, 16. Juni. (Zwei Redactiontbemerkungen.) Zn der in Nr. 21 diese« Blatte« enthaltene« „Erklärung" in Betreff der Atederbesetzung der Directorstellr am vre«laiter Seminar, brachte Nr. 32 der „Jüd Pr." vom 2. d. M. «ine „Gegenerklärung." Des dazwischen getretenen Wochrnfeite» wegen hierauf erst heute einige Worte. E» ist richtig, daß ich meinem grschätzten Lollegen und Mtarbeiter, Herrn Rabbiner vr. Rahmer, dessen Unterschrift R. in dem Zusammenhang« der volle» Namen«unterschrist gleich steht, da« Wort in der Seminaraagelegenheit überlasse» Hab«. Die Gründe liegen in dem Verhältnisse, in tem derselbe als einer der ältesten Schüler de» Breslauer Seminar zu diesem steht, und in dem Umstande, d-ß ich zu der Anstalt in gar keiner eigentlich persönlichen Beziehung stehe, klar vor. — Daß der Berfaffer de» Artikel» in der „Jüd. Pr." nicht mit dem des mir eingesendel gewesene» identisch ist, wird richtig sei», e» kam auch mir so vor, al» seien beide Artikel nicht aleichlautend, ich fand indeffen keine Beranlaffung, di« Erklärung de» Herr» vr. R. in diese« Pariste