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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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manu* auf offner Straße arretirt war, wa« er eigentlich ge» than habe. Der Reservist, ein Pol«, an demselben Tag« wegen Insubordination tm Dienst« bestraft, antwortete: „ich Hab« einen Juden geprügelt/' Hierauf rief der Major mit gehobener Stimme, so daß ti von der ganzen Eompagnie, ca. 180 M., meisten« Polen, gehört werde» konnte: „Haut di« Juden wenn ihr cmßer Dienst seid, so viel ihr wollt, ich kann die Juden auch nicht leiden, ab« nur nicht, wenn ihr de« Röntg« Rock anhatt." Zu erwähnen ist noch, daß diese Reservisten an demselben Tage entlasten worden sind. In der Eompagnie befanden sich al» Ohrenzeugen auch mehrere Juden, von denen einer ein Avancirter ist. Da« Vorstehend« bedarf keine« Kommentars; bedauern«- «erth ist jedoch Herr Major JohnSton, daß er — da er vor- „aurfichtliöi" de« König« Rock lebenslänglich tragen wird — nie dazu kommen kann, seinen Heldenmuth aus den Gebiet« de« Juden chum» höchst eigenhändig zu beweisen. Es bleibt dem Herrn Major also weiter nicht» übrig al» sein Müthchen nur geschehenermaßen zu kühlen. (Mit diesem Bonmot ist di« Sache nicht abgetran, umsoweniger, da da» Faktum «licht so ganz vereinzelt dasteht. Sollte man nicht meinen, e« gehe seft Klirzem eine Epidemie des Religionsfanatismus und damit and) des hier und da neu anflodernden Judenhaffe«, durch manh« Landstrich«? Uebrigen» hoffen wir, daß di« höheren Behörden von dem oben Veröffentlichten Notiz nehmen und einige Renrdur «intreten lasten werden. Oeffentlichkeit, offener Besprechen und offene Nennung der betreffenden Personen ist et« treffliche« Heilmittel. Red.) Damig, 4. Juni (OrCorr.) Der verfloffene Sonntag war fir die hiesige jüdische Bevölkerung ein echter Festtag. Rach ziveijäbriger Unterbrechung ward un» der Anblick einer Eonfirmation wieder e«nmal geboten. Er war die» die dritte derartige Feierlichkeit, welche seit der Lmtirnng unsere« Rabbiners, Herrn l)r. Wallerftein, stattfaad. Während früher 4 oder 6 Tonfirmandinnen zu diesem weihevollen Acte geführt «ourdra, waren die« Mal 10 Mädchen (zwei andere Schülerinnen waren wegen plötzlich eingetretcner Trauer au der Theilnahme verhindert.) Die Feierlichkeit, welche etwa anderthalb Stunden in Anspruch nahm, machte auf alle Anwesenden «in n erhebenden und, wie erwartet werden darf, lange «achwirkrnden Eindruck Muß ja schon der Umstand segensreich wirkin, daß arme und reiche Kinder in so unmittelbarer Nähe und Berührung um den „Tisch vor Gott" stehen, daß arme und reiche Eltern und Verwandte. um ihre Kinder sitzend, nicht bloß vor Gott, sondern auch im Gotte-Hause im Anblick der Menschen als gleich, in denselben edlen menschlichen Empfindungen verbunden erscheinen. Wie tief ergrei» send diese Feierlichkeit gewirkt hat. zeigte sich darin, daß viele Ellern gleich folgenden Tages ihre Kinder zum Eintritt in di« Religionsschule anmeldeten Durch die Gründung dieser ReligionS'chule hat sich unser Herr l)r. Wallerstein ein nicht gering zu schätzende« Verdienst erworben, indem durch seine Bemühunzen dafür gesorgt ist, daß jedes jüdische Kind in Danzig U nterricht sowohl im Hebräischen wie in den anderen religiösen Fächern erhalten kann — (Wir erhalten gleichzeitig ein Ecrkular de« Herrn ve. Wallerfteiu in Betreff der Religion« ichule. Die Berhältniffe liegen in Danzig, wie man sich erinnern wird, ganz rigrnthümlich und erschweren jede» Wirken ftir di« Gesammljudenschaft außerordentlich. ES bestehen dort fünf ganz getrennte Gemeinden; der genannte H«r Rabbiner fungirt offiziell nur bei einer derselben und hat mit Ii« übrigen nicht« zu thun. Er kann beit Angehö rigen derselben seine Dienste nur al« Privatmann anbi.ten, nährend seine Gemeinde keine Verpflichtung hat, für die vier anderen «in« Schule zu erhalten. Um so mehr ist der Eifer anzuerkennen, mit dem Hr. Dr. W auch den übrigen seine Kraft, seine Zeü, ja wie auS dem Eirccular hervorgeht, selbst pecuniär« Opfer zur Verfügung stellt. Red.) Müwhen, den 4. Juni. (Or^Lorr.) Sorbe» kouune ich von der .'Zeichenfeier de» seligen Herrn Hirsch Aub, früheren Rabbiner» unserer Snltu« - Semeind«, zurück. Derselbe er» reichte da« hohe Alter von 78'/, Jahren und erfreute fich Ml in seinen Tod, der vor «entgen Lagen in Nürnberg erfolgt«, einer fast ungetrübtm Gesundheit und Kraft. Dem Verblichenen ward eine bet un« — in Süddeutschland — ganz nu» gewöhnliche Ehre zu Thell, fildem man den in die Synagoge bracht«, die der Trauer angemessen autgestattet war. Rach Abfingung eine« Choral« sprach unser verehrter Rabbiner Herr vr. Perle« die Leichenrede, in welcher er mit kurzen kernigen Worten die Verdienste de« Verstorbenen um die hiesige Gemeinde, der er 48 Jahre lang — von 1828—1871 — al« Rabbiner Vorstand, schilderte. Mit Recht hob der Redner die Frieden-liebe, Biederkeit und Humanität de« Verblichenen hervor, der e» verstand in einer UebergangSpertode von» Neuen zum Alten festen Boden zu bewahren und sich von jeden Extrem gleich weit fern zu haften. Unter Begleitung einer zahlreichen Menschenmenge zu Wagen und zu Fuß wurde hierauf die Leiche nach dem Frickrhof gebracht, wo nach einer abermaligen Ansprache de« Herrn vr. Perle« und einigen anerkennenden Worten d«S BerwaltungSmitgllede« Herrn Notar'« 0r. HauSmam» di« Feier durch einen am Grabe abgesungenen Ehoral geschloffen wurde. Hervorragende Männer auallen BerufSklasten, worunter unser 1. Bürgermeister vr. Erhärt, ein Vertreter de« kgl. Polizeipräsidium«. viel« Magistrat-rälhe und Stadt-Berorduete, waren während der ganzen Feier anwesend. Von den Nach» baraemeinden hatte Nürnberg, wo der sellge Herr Rabbiner in letzter Zeü fich oft und gern aujhieft, eine Deputation entsandt. Die fast patriarchalisch« Art und Weise, wie Herr Hirsch Aub sel. Andenken» bei allen Freuden und Leiden seiner Gemeind« Thell nahm, wird noch lange bei un» in gutem Andenken bleiben. 'n'3'JMTl Oesterreich. Bih«e», v. d. Knezna, 4. Juni (Or.-Lörr.) sSchlnß.1 ES haben mehrere Factoren milgewirkt, das Wirten der Rabbiner lahm zu legen, ihren Einfluß unter Null herabfinken zu lasten: 1., die über Naibt auftauchenden metamorpho» sirten Rabdinen, die gerade keinen Glanz auf den ganze» Stand werfen; 2., die Jutriguen, welche die Ehajanim, Schochtim und Schamaschim, auch Lehrer spinnen, bestrebt, ein« Kluft zwischen dem Rabb. und der Gemeinde zu graben, seine Autorität berabznziehen, um desto pflichtvergrffener leben z» können; 3., die Ausdehnung der Autonomie der Gemeinden bi« zum Mißbrauch derselben und 4, gibt e« in der That äußerst weuige Eapacitäten unter den böhm Ravbiuen, di« iinponiren, und die religiösen Zustände bieten infolge besten einen wahrhaft traurigen und betrübenden Anblick, e« ist Alle« außer Rand und Band. Doch eine Körperschaft gibt e«, die dem anarchischen Zustand steuern, die Autonomie auf ihr berechtigte« Maß zurückiühren und den Rabbinerstand wieder zu Elnfluß und zuui freudigen, segensreiche« Wirken bringen könnte, und die, von welcher eine Befferung kommen könnte, ist die LanbeS-Repräsentauz. Die LandeS-Repräsentauz besteht au« den freigrwählten Delegirten, auS jedem Kreise Einer; e« find Ehrenmänner, Männer von Bildung, darunter auch Graduiere; sie haben selbstverständlich, da sie au» der Wahlurne mir Majorität hervorgingcu, da» Vertrauen der Gemeinden, diese Männer hätten Biele« in« rechte Geleise wieder bringen können, und doch haben sie zur Hebung der Mißftänd« noch kein Leben«- zeuhen von fich gegeben. Ei» Viertel-Jahrhundert ist bereit« oerflosten, seudem zufolge eine« herabgelaugteu' Erlasse« de« EultuS-Ministerium« eine Notabelnversammlung, au« Laien und Rabdinen bestehend, von der h. Statthalterei zur Berakhuug einer EnlluSgemeinde-Ordnung für Böhmen nach Prag einberufeu wurde; fie tagte unter dem Lorfitze eine« t l Gubernialjecretär« mehr al« g Monate; da« Elaborat konnte doch nicht leichtfertig und ohne Sachtenntuiß auSgtarbeüet fein, denn Männer wie Rapoport, vr. Lestely, Landau, Wrhli (f. X.) waren unter de» Berufene«. — Einige Jahr«

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