Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Sprach« veröffentlicht; eiltet derselben, unter der Ueberschrift B'Tl rrrv rerfpottete Jude« und Judeuthu«, in besonderen Broschüren ^0'MV inx «nd 131 *ipn) zog er den Talmud und die La mudtsten durch. Dann wurde er Mitarbeiter de« „Solo«- und deponirte hier seine Feindseligkeit gegen seine Glaubensgenossen Darauf hin wurde er bei der Peiertbur» Jier Diskont-bank mit 1SOO Rubel Jahresgebalt angestelii, älschte mit einem Genoffen gleichen Schlage« Wechsel auf die Moskauer Bank in Höhe des oben angegebenen Betrage« und ging durch. Er soll ergriffen worden sein. Da« ist also einer von den „Gebildeten" de« „Solos", den zwar ungtaufteu Juden, „zwischen Venen und ihren in talmudisyer Unwiss.nheil dahinlebenoen Slan»»e«ge»off»n jedoch eine weite Kluft besteht" — wie wir in, Leitartikel Rr. 22 erörtert habe«. Solle» die russischen Inden, nach des „Solos" Herzenswunsch, diesen edlen Borbilde» nochzueifern suchen? Allerdings sind nicht alle „Gebildeten" de» Golos insgesau ml Fälscher und Diebe, aber da« ist jedensull» richtig, daß zwischen diesen r u s s i j ch-judische» gebildete» Lieblingen de« Solo« und den gebildeten, auch den vom jüdischen Religionsgesitz emancipirren, Juden de» Weste»« eine duich nicht« auezu'üllende Kluft besteht. Wer letzteren ohne Weiteres moralische Verworfenheit zulrauen wollt.', wäre ei» hirnloser Fanatiker, wer aber jenen traue» wollte, der ist ein Thor. — Roch ein«! Die Schlimmsten unter jenen russischen Gebieten und Aufgeklärten sind stet« diejenigen, welche mit hebraiicher Schriftstellerei im aultlalmudischeu Sinne »no in mehr oder weniger elegantem Stil begonnen haben Traurig, ja unsinnig, wen» nun der Trost der russischen Jude» schon die hebräische Grammatik und ein reine« Hebräisch für des Abfall« Anfang erklärt. Ader ist dieser Wahn nicht dennoch einigermasten erklärlich? Ursache und Wirkung richtig auseinander abzuleiten, ist nicht Jebermann» Sache. 0M|Mta»aien. cb. Belfast, im Mat. (Or.-Lorr) (Schtust.) Vor einiger Zeit hat sich :n London ei» Verein gebildet, an deren Spitze ein Herr Walter Joseph« steht, der den Zweck har, „eine Modifikation in der Liturgie der deutschenglische« Juden zu bewirken" und wird Jeder als Mitglied betrachtet, der einen jährlichen Beitrag von w.uigsten» fünf Schillingen der Vereinakaffe zufliesteu lastt. Bekanntlich bilden in den hiej. englischen, nicht resormirlen, Geinelnden solche Sebeistlicke und Piuiim, die selbst in vielen onhodoxeii Gemeinden d>« Lonlinenl» bereit« ein überwundener Standpunkt sind, lisch immer einen inlegrirenden Thetl de« Gottesdieuste« an Sabbalh- und Festtagcn, welche diesen nicht allein allzusehr in die Länge ziehen, sondern auch die Zeit vollauf in Anlpruch nehmen, welche sonst mir einer Predigt au»- gesüllj worden wäre. Der Grund hiervon dürste vielleicht darin zu sind»-» sein, dast die meisten unserer Prediger ihre theologische uiib wissenschaftliche Larriere unter der Leilung irgend eine« Lanlor« zurückgelegr habe» und in Folge dessen sich da besonder« in ihrem Elemente fühlen, ivo e« viel zu fingen giel't. Daher die rigorose Beibehaltung der Singftücke und Vernachlässigung der Fähigkeit und Anstrengung erfordernden Predigt. Run giebr e« aber — Dank dem Fortschritte der Zeu — auch unter une Leute, die, wenn sie singen, und gut singen hören wollen, sich ein Biller sür die Oper beschaffen, wenn sie aber in« Gotteshaus gehen, daselbst belehrt und erbaut werden wollen. Vermischte »uft neueste Nachrichten. Magdedtirg, 1. Juni. (Or.-Lorr.) Bor.einigen Tage» kam eia hochrelagtes, schwaches Rüuercheu — das Auer konnte es selbst nicht genau augeden, zwischen 70—80 Jahren — zum hiesige« Rabbiner und bat flehentlich unter Thräue« um Aufnahme resp. Wiederaufnahme in's Judenthu«. Die alte Fra» gestand, dast sie in ihren jungen Jahre» > aus Leichtsinn in« Stäbchen G. sich habe taufen laßen, st« habe aber trotzdem, an jedem Jomtippur streng gefastet, u»d I einen Tempel besucht. Sie können jetzt deu Gedanken nicht ertrage», aus eine»! nicht-jüdischen Friedhofe beerdigt zu wer» de», sie wolle reumüthig zum Judenlhum zurückkehren und bitte, ihr eine tcharfe Buhe für ihren früheren Abfall auszulegen Bei io ansrichrlger Reue stand ihrer Wiederaus» nabme n.chl» IM Wege, mit Rücksicht aus ihren schwächlichen Geiundh.tteznst >»d ward ihr sogar vom Rabbiner jegliche äufee re Büste erl.iffe». Wir». Ein Hr H., der in seinen alte« Tagen aus pure» B.g»isterung sür da« Judenrhum eine Ehristin, mit der er seil zebn Jahren vertraut war, zur Jüdin machte und ehe.ichle, wurde von seinem eigenen Diener, aus dem Hause, welche» der atc neugebackene Eheherr seiner Frau UN» 80,000 Gulden ö. W. lauste, aus die zarteste Weise hinausaegange», nachven, berieidc sich als der erste Eheherr derselbe» offenbarte. So »»stg.uckie dem alten Herrn H. — die Proselitenmacherei. jW J«r.) (Und die Bigamie?! Red.) Prag. Im Verlage von Jacob W. Paschele« ist der „illuittiue >tr Vo.ttkaiender pro 5638" bereit« erschiene» Unter oeu Jllustralionen befindet sich da» ziemlich gut getrost, ne Bnv o.» sei Direktor« ür. Z. Franke». Die ltterar ichen Al'band.ungen in der „Gallerte jüdischer Denkwürdigkeilen" weiden »n „Jüd. Literalurdlall" deulnächst besprochen werden Raab. Die hiesigen Jude» wünschen, der Wochenmarkt möge von Samirag auf Freitag verlegt iverven und lharen beim Ministerium die dietdezuglichen Schrlrre, wa« ihnen auch b> willigt wurde, doch oer weise Gemeinderath will'« nicht,' und jo ist die Angelegenheit noch in der Schwede. (Da machte e» eine kleine böymiiche Gemeinde vor Jahre» klüger. Als deren chriftl Geinelnde auf eine dieser gleiche» Peiltion nicht eingeheu wollte, ,o beschlossen die jüo, Kaufleute den Markt nicht zu drjuchen. Man liest e« auch in der That darauf ankouiiileli, und die Juden hatte» sofort, durch diese Demonstration all ocuto», oie Satisfaktion, ihre Sache nach chrem Wille» geordilet zu sehen.) (U»g. Jsr.) Rach dem „Rap.o" war da« Gesuch der Raaber Israeliten von der Oedenburger Handel«- und Gewerbekammer »nterstutzt worden, und da« Handelsministerium hat in seine« vom Sraal«jecretalr Eo. Horn Unterzeichnete» Erlaffe „de« Gesuch der »ltyocwxen Juden beizustimiiten befunden, «eil der Handel de« Raaber Platze» and besonder» de« Raaber Eoiullal« überwiegend in den Hände» der israelitische» Bevölkerung liege." — Da« Jnierreffa,«teste für wettere Kreise, ja pikant, ist bei dieser Verhandlung der Uinstand, dast der jetzige Staatrsecietair Horn oer frühere Pester Resormpredt» ger Etilhorn ist und al« solcher den Sabbalh auf deu Sonulag verlegte! Trieft. Dr. varzilai richtete an Garibaldi in Betreff de« von Letzterem angereglen Projektes der Reguliruug des Tiberbelle» eine» Brief, welch.-,» er zugleich einen Auszug au» den „Lettre« Juives" von Bayer (1742 vand ll S. 268) beifügte. In demselben heistl es, dast die Jude« von Rom im Anfang de« 18. Jahrhundert« dem päpstltcheu Hofe die Summe von 20 Millionen (?) anbolen, »m die Erlaubnist dafür zu erhalten, die Tiber adgraben und den Lauf derselben während eine» Zeitraum» von' 8 Monaten ein« Meile vor und eine Meile hinter Rom zurückhalten zu dürfen, um daselbst nach Kostbarkeiten zu suchen, durch die sie zehnmal jene Milltoilen sich eiilzubringen hofften. Sie verlangten nur, um mir mehr Leichtigkeit diese ungeheure 'Arbeit tu Ausführung bringen lasten zu können, dast sie sie «ährend de« Sommer« vornehmen dürften. Ader gerade diese Klausel war es, wodurch »as Projekt fiel, da «au de» fürchtete, dast eine solche Arbeit währeud der heisten Jahres- - zeit deu Ausbruch von Krankheiten sehr begüustige» würde. (Eorr. isr.)'