Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935045-5937962--2673-5372131
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fteiillelf«. Die Jnd«n in Abessinien. (Fortsetzung.) o. Astaserit (Jom Kippur) wird am 10. Tage nach dem Reumond im September mit strengem Fallen. Be en und Knteebeugen gefeiert und da« Buch Mazhasa astaserit (AnSz lg au« dem alten Testament) verlesen. (Ob an diesem Tage der Priester da« Allerheiligste betritt und dort besondere Verrichtungen Hai, wetb ich nicht.) d. Bala Mazaleth (Guttor). Vom S. Tage nach dem vorigen Feste an wird 7 Tag« lang in dem Meegid niche» aesäuerte«, sondern nur ungesäuerte« Weizenbrod gegessen und 8. Mos. 23, Ps. 89, 90, 91 verlesen. Laubhütten werden nicht errichtet. e. Amata Gauw (BolkS^ ersammlung) ain Neumond im November. Tie Falascha versanimeln sich aus einem Berge, wo zuerst Gebete verrichtet werden. Sodaim werde» Stelle» au« der Thora verleim und erklärt. Nachmittags brin ien alle Anwesenden ihre Opfer und Liede-gaben, welche in Früch ten, Salzstücken (die in Abessinien al» Scheidemünze dienen). Kleidungsstücken und Thalern (die in Abessinien geltenden Maria Theresia Thaler) bestehen. Bon dein Getreide wird rin Thetl auf dt« Felsen für die Böael gestreut, da» übrige verzehren die N'sirim (Mönche), welche sich nach der Zierlichkeit in eine Wtldnist zurückziehen und 7 Tage im Getute zudringe», wobei ste auster Schtmbrra und Wasser nicht« ge» «testen. In jedem bedeutenden MeSgtd werden an die>em Tage Vrandovfer dargebracht und 5. Mos. Cap. fi, ü, 28. 29, 30, 31, 32 verlesen. f. Taskar Abraham (Gedenktag Abraham») am 1 >. Tage nach dem Neuinond im Juli. Die Vermögenden bringen Brod und Bier zu Ehren Abrahamin den Mesgtd, wo es von der ganzen Gemeinde verzehrt wird. Auster diesen Feiertagen werden Monat-sene gefeiert, am Neumond, am 10., 12.. 16, und 18. jede» Monat». Am 16. da« Fest Kedu» 'Michael, zu Ehren de» Erzengel« Michael, am 18. zu Ehren eine« frommen Maune« (Heiligen) Arsaierit. Bon diesen Festtagen sind nur der erste und der siebente Tag an Pestach und der Jom Kippur ganz, die übrigen Haldfeiertage, an denen Keine Hausarbeiten erlaubt sind. Rosch haschanai, scheint nicht besonder« gefeiert zu werde», auch wird da« Schosar nicht geblasen. Die Fasten werden sehr streng mit Enthaltung aller Speisen dt« nach Sonnenuntergang, und zwar vom siebenten Lebensjahre an. gehalten. Auster dem Jom Kippur und dem Erew Pesach wird jeden Montag unb Donnerstag und jeden Neumond gefastet. Unsere Fasttage wie Tisch'a b'aw u. s. w. scheinen den Falascha nicht bekannt zu sein. Ihre Zeitrechnung ist dieselbe, wie die der abessinischen Ehrtstrn, ste haben demitach nicht da« Mondjahr und den 19jährigen Eyclu». Da« Neujaht trifft auf den 10. und bei einem Schaltjahre auf den 11. September. Jeder Monat hat 30 Tage und werden am Ende de« Jahre» 6, im Schaltjahre 6 Tage angehängt. Der Nastrtm (Mönche nennt sie Flad) gibt e» eine graste Anzahl. Sie führen einen streng asketischen Lebenswandel, legen sich schwere Fasten auf, so daß, namentlich bei denjenigen, weiche sich in die Wildnist zurückztehen und nur von Kräutern und Wurzeln leben, Fälle von Hungertod Vorkommen solle». Sie genießen nur, wa» vor Rasirim zubereitet ist und darf Niemand, der nicht gleichfalls Nafir ist, ihre Wohnungen betteten. Auster dem Dienste in dem MeSgid beschäftigen sie sich mit Ackerbau und Viehzucht sowie mit der Anfertigung hölzerner Schüffeln und Löffei Sodann sind sie die Lehrer der Jugend, das heißt der Knaben, da, wie im ganzen Orient, die Mädchen nicht unterrichtet zu weiden pflegen. Knabe«, welche^ Rasirim, Lahe» (Priester) oder Debtera «erden «oll«», «lüffent da« Buch Sanas«», «in« Art altäthiopischer Grammatik «Nd Wörtrrtmche« lern«, um daran» dt« Adschnüte der Thora, 'bttS: -A.äi ' ' welche stet« in dieser Sprach« verlesm ward«, dem Volk« erklären zu können. Da« Rasirat, welche« schon in der Thora mehr geduldet al« begünstigt zu sein scheint, ist in Abessinien sehr entartet. Zur Aufnahnle in diesen Orden ist nämlich, nach Flad, di« Entmannung erforderlich, dt« nach ihrer Einweihung an ihnen vorgeiummen wurde. Planche sollen an dieser Operation sterben. *) E« soll auch Nasiräerinnen (Nonnen) geben, die ein völlige« Einsiedlerleben führen, und sich dem Beten, Aasten uno Almosengeben widmen. Ste sollen, um sich nicht zu verunreinigen, nie da« Hau» «ine» Falascha betreten. Priester (Kahen) findet man in »dem Dorfe, welche« keine Stasirim hat. Sie sind alle verheirathei, dürfe» aber nur einmal und nach dem Tod« ihrer Frau nicht wieder heiralhen. Sie erlhetlen, wie die Siastrim, de» Knaben Unterricht und ernähren sich sonst von der Weberei, welche« Gewerbe sie alle betreibe», und vom Schlachten. Sie sind nämlich die Schochtim der Falascha. Da« Schlachten scheint in ähnlicher W>ts« u erfolgen, wie bei un«, nur wirb dem Thier« der Hal« ganz dnrchgeschnitien. Der SegenSspruch beim Schlachten l iutek: „Gelobt sei der Gott Abraham«, Isaak« und Jakob«.* Magen und Eingeweide »«erden aus da« sorgsältigsi« untersucht und wenn sich Lederfetzen oder Lumpen in dem'elden vorstiide», **) so ist das Fleisch „Reknr* (tresa) und wirb d,n Hunden vorgeworsen. Die Spanneder, welche sie »iivrnm >ä inm*d“ nennen, wird sorgistl.tg ausgelüst und gewöhnlich die Katzen mit ihr geiüit.rt. Ai« Schäcdterlohn erhält der Kahen den Hal«, bei Opfertliteren den Bordersust und die :ru|t. Für die Nastrtm darf nur ein Nasir schlachten, da ste da« von einem Kahen geschlachtete Fletsch nicht essen. Ein Ahronid« braucht, wie e« scheint, der Kahen nicht zu sein, da.egen dürfen nur solche Männer von de» hierzu berufenen Nastrtm zu Priestern erwählt werden, an denen und an deren Vorfahren kein Makel Haftel, so daß sogar jemand, deffen Ärohvaier bet einem Ehristen oder Muhamedaner gegessen oder getrunken hat, nicht Kahen werden soll. Der Oberpriester sämmtlicher abessinischer Juden (er hieß in den 00er Jahren diese« Jahrhundert« Aba Simon) der dt« Oberprtener t er einzelne» Provinzen zu eritenne» hat, wohnt stet« in der Provinz Goira. Diese Provinz gilt auch heute noch al« dt« eigentlich« Heima.h und der Stammsitz der Falascha. Obgleich sie in vielen Provinzen de« Lande« angeiessen i.nb und Ackerban treiben, haben sie doch ihr eigentliche« Erbgut (Rest), da« M* ner Familie entrissen werden kann in Goara. Ob sie hinsich lich dieieS Erbgutes die biblischen Borschriften befolgen, habe ich »ich: ermitteln können. Auster den Nasirim und Kahen gibt er noch Gelehrte (Tebtera oder Deslerah), die kein besondere« Amt bekleiden, aber die Priester bei de» Gebeten in dem MeSgid durch Gesang und Vorlesen der Thora unterstützen und gleichfalls Jugendunterricht ertheilen.') J-deS Falafchadorf hat feinen eigenen Richter (Schum oder Schumur), der aber unter d.m abessinischen Bezirktrichter (Belata), in den Städten unter beni Bürgermeister steht. Da die Falascha sehr prozestsüchtig sind und ihre RechtSstreitigkeilrn mit grobem Eifer unv mit Hitze vor dem Richter au«- fechten, so haben diese viel zu thun. (Forts, folgt.) -) «»»m« über dies«, von der Lhara so streng verpönte» «tränet, s«»i« Uder »a« ganz« Rasirat wir» der Anhang bringen. **) Ob die Untersuchung sich auch aus Krankheiten erstreckt, weit ich nicht. >) Fiad erzählt wn Zauberer» und falschen Propveren, dt« zuweilen unter de» statascha aus»«»«». Näher«« hierüber i« Anhang.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.