Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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autzuposauaen, wozu also sich echausfire»? Wo» würde ein Referat über solche Zustände nützen? Werden die Gemeinden «r Erkenntniß kommen, die Vorstände au» ihrer Lethargie sich ausraffen, wenn sie lesen, wo «» fehlt und wir weit der Verfall schon eingeriffen ist? sie siikd ja so indifferent, daß sie nicht einmal eine jüdische Zeilschrifl, von welcher Farbe immer, lesen. Was thu» denn die Rabbinen? werden Sie fragen, wa» m-cht die LanvrSrepräsentanz? Die Rabbinen — nun manche habeil nur den Romen usurpirt; die Gemeinde, in weicher er Lehrer oder Cantor ist, thut ihm den Gefallen, ihn Rabbiner zu schelten, ohne ihm rabbimsche Aulori.äl zuzuerkeunen, manche sind alt und dcS Kampfes müde, manche wieder sind nur niJTJ jvaS -i-rnp späht» herum, Ivo irgend eine rabbinische Fuuciion zu erhaschen ist, und die KreiSrabbinen — noch 9 an der Zahl — die, ivenn sie mit Ernst ouflrelen würde», noch etwas leisten könnte», sie wiffen, sie sind auf das Aus sterde-Elal gefetzt und kümmern sich um nichts, kriechen auS ihrer Bchauiuug gar nicht hcruaS; sie haben zum großen Theil den anarchischen Zustand in den kleineren Gemeinden auf ihrciil Gewissen. Wer würbe cs glauben, daß ei» gewöhnlicher Schoch'el sich heraus nimmt, eine Katholikin, die von einem Rabbiner abgewieje» wurde, ohne Kenntniß des Jndenthunis, ohne Belehrung und oh»e V3 in das Judenlhum aufzunehme» und zugleich die Trauung derselben oor- Snehmen. Der Vorstand, der auf d.iS llugesetzliche ausnierk- >» gemacht wurde, schwieg, und auch der .lkreiSrabbiner schwieg. Ist das nicht eine Charivari Wirlhjchast in den religiösen Zuständen der böhmischen Judenheii? (Wird fortgesetzt.) Lemberg. Bei der Rabbinerwahl hat sich fast die gesammte »Fortschrittspartei" der Abstimmung enthalten; der Verein Schomer Israel hat im Sinne der Erhaltung des Gemeindefriedens zu ivirken gejucht. E» wird jedoch jetzt stark gegen den Verein agitirt. Das Organ desselben, der „Lemberger Israelit" berichtet darüber Folgendes: „Die Majorität in der Lemberger Gemeinde, welcher die Minorität ohne Kampf den Platz räumte, sollte die Lehre schöpsen, wie sehr Mäßigung überall Roth thut, während die Minorität sich zu ihrer Haltung Glück wünschen kann. Obgleich unser Verein sich da» Hauptverdienst zufchr.iben kann, daß die Sache hier so friedlicher Weise endete, in dem das von ihm gewählte Comite zunächst den FriedenSgedanken betonte, und eine Differenz in der Personenfrage nicht auskouimen ließ, können eS doch einige Perjönlichkeüen nicht verwinden, daß der Verein überhaupt in dieser ganzen Angelegenheit dem Anstand und der Mäßigung da» Wort gesprochen, und ihrem Terrorismus einen Damm entgegengestelll hat. Ohnehin einem Vereine bitterböse, welcher «S gewagt hatte, das Wucherunwksen unter de» Juden öffentlich zu geißeln — entladen sie jetzt ihre» bisher furchtsain verhaltenen Grimm, weil sie an den wegen der Rabbinerwahl terrorisirte» Anhängern zum Theil willenlose Nachbeter zu finden erwarteten. „Auflösung de» Vereines" heißt die längst beschlossene Losung, welche sie jetzt auStheilen und mit seltener Verbissenheit zu realisire» trachten. Wir werden diesen» Rachestreten die einmüthigeste Entschlossenheit entgegensetzen, uniern Verein aufrecht zu erhalten und werde»» uns durch die thörichten Angriffe dieser Stürmer nicht abhalten lalsen, die hohen Zwecke unsere» Verbandes zu verfolgen und gegen jede Ungehörigkcit bei unfern GlaubenSgenoffen Front zu machen. Gegenüber den gedruckte» und ungedrucklen Verdächtigungen unserer Gegner brauchen wir jeden Unparteilichen nur auf unser faktische» Verhalten hinzuivrisen, welche» bester als die geistreichste VertheidigungSfchrift jeden Angriff widerlegt." Frankreich. Pari»: (AuS den, Allianz-Bericht von» Monat Mai) Reue Beitrittserklärungen 131. — Türkei. Da» L-Comitce erhielt nachstehend« Mittheilungen über di« Lag« der Israeliten von Diarbrktr, einer -um oitomauischea Reiche gehörig«»!, auf der Straßeooa Lleppo »»ach Bagdad gelegenen Stadt, in welcher die Israeliten von der äußerst fanatischen muselmännische« Bevölkerung auf da» Grausauiste behandelt werden. „So oft eine israelitische Leiche bestattet wird, findet man die Leiche am anderen Tage ausgegroben und enthauptet; die Türken werfen di« abgeschuittenen Köpfe in den Fluß und taffen die enthaupteten Leichname vollständig nackt liegen. Die israelitischen Gräber werden gänzlich zerstört, die Grabsteine forlgenommen und in den Fabriken der Regierung benutzt. „Sämnuliche Einwohner der Stadt waren verpflichtet, während 8 Jahren de» der Anlage eine» Canals, der au» einer ca. 8 Meilen entfernten Quelle da» Master in die Stadt leitet, miizu-irdeilen; nachdem dieser Canal hergestellt war, hatte Jedermann da» Recht, unentgeltlich aus ihm Waffer zu schöpfen mit alleiniger Ausnahme der Juden, die da« Wasser, das sie aus ihm nehmen, ih-mer bezahlen muffe», und deren Quartier außerdem sehr weit vom Canal entfernt liegt. „Der Israel Tempel hatte einen Bninnen, de» die Türke» vor 15 Jahren zerstört haben; die Israeliten baten daher um die Erlaubniß, denselben wieder Herstellen zu dürfen, indem sie sich auf einen ihnen vom Sultan Murad dieserhalb gewährten Fieman beriefen; allein dieser Firman war inzwischen in den Büreau» des Gouverneur» beseitigt worden, und die Behörde behauptet, daß sie von demselbei» niemals Kennluiß gehabt habe. £ „Zu den drückendsten Frohnarbriten, sie man ihnen sei» 4 Jahren auferlrg» hak, gehören diejenigen Arbeiten, die sie bei»» Eifeubahnbau persönlich leisten mästen, und von denen sich keiner b> freien kau», wenn er nicht pro Tag 40 Frcs. Strafe bezahlen will; selb» für Jom kippur konnte man nur in Folge einer Seitens der Pforte bieferhald eigen» erlastenen Ordre Befreiung erwirke». „In einem, 8 Slunden von diarbetir «nlsernten Städtchen, RamenS Ciormurk. wo etwa 60 jüdische Familien wohnen, halten sich dieielben die größten Opfer auferlcgk, ihre Schmucksachen ::,ld sonstige,i Werthgegenstanbe verkauft, um ihre alle baufällige Synagoge zu restaurirr». Kaum war dieselbe fertig, als die Türken sie wieder zerstörten, indem sie sagten, die Juden verdienen nicht, ein so schöne» Gebäude zu besitze». „In Ciormurk kommt es auch öfter» vor, daß. Türken einem Juden, der über die Straße geht, die Haare au» dem Barte reißen, »m sich derselben gegen da» Fieber zu bedienen. „Die Israeliten von Diarbetir und Ciormurk besitzen nicht die Mittel, um sich Rabbinen zu halten und von ihnen in oer heiligen Sprache und Schrif: unterrichlen zu lasten, sie lebe» daher in der größten Unwissenheit, einer natürlichen Folge ihres traurigen Zustandes" Man glaubt, daß es, um dieselben sowohl gegen die Mißbräuche der Behörde, als auch gegen die Gew»lithärig« keilen der Bevölkerung zu schützen, nur ein Mittel gebe, nämlich die Anstellung -i.rer zur Wahrnehmung der Jnrereffen der Jsraelirei» bevollmächliglen und offiziell anerkannten Persönlichkeit, wie die» z. B. für die dortigen Kaiholiken »ingerichlet worden, die man unter Protection eine» Patriarchen gestellt har, und die seitdem unbelästig» »lewen — Das C-Coinitee wild diese Angelegenheit dem Comite« von Constaulinopel, da» sich mit derselben dere.ts deschäsligt hat, zu weiterer Becalhung empfehle». Außerdem existirt in Diarbetir auch ein englischer Coniul, mit welchem sich die Anglo-Jewisch-Assoc. le'cht wird in Verbindung setzen könne,, Maflaufc. Petersburg Wie durch Die politischen Blätter bereit» bekannt geworden ist, ist di« Moskauer Bank durch zu»« Beamte um di« Summ« von 168,000 Rubel betrogen und di« Diebe flüchtig geworden. Di« dei»e« Subjekte find Jude», der eine nennt sich Albert Krowner. Wir nun „Hamagtd" auf» Zuverlässigste erfährt, heißt der Mann Uri Krowner und hat u»t«r dtese>nIr<t«en früher vielerlei Anfsätz« in hebräischer. l*.-! i- -: >-öe., v* j.Vtiu+’ltjjko.