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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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fangen zu tti hmen, zu opfern, auf ihren Gebrauch zu verzichten. Die Lehren de« Judenthum« widersprechen der Bernuuft nicht, in ihrer Auffassung ist nn« Freiheit gewähr,; da« ist, wie wir oben angedruter haben, die feste Position, in der wir un« befinderi, in der wir di« Frag» über die Offenbarung dieser Lehren in aller Ruhe an un« heranire'en lassen und verhandeln linnen — lotim et beliebt! -- den» auch da« stehl fest, daß »en j«bischen 8»tfc, den, groß.» Ganz.», dogmatische Streitigkeiten und Spintisirereieen stei« ferne ge. legen haben. Desto nöthiger ist e« von der Offenbarung de« Religion«- gefetze« zu reden. Können wir diese Thatsache beweisen? Wie laß, sie sich beweisen?! Deichen Gang kann dieser Beweis nehmen? E« giedt deren rhne Zweifel verschiedene; wir wollen eine» solchen hier angeben. Philosophische Beweise sind in Mißkredit gekommen, haben auch noch nie auf die Dauer irgend etwas erhärten tön,en. Beffer und jedenfalls mehr dem Zeitgeist entsprechend ist ein Erfahrungsbeweis. Man spricht ja, und mit Recht, auch von Offenbarung Gotte» in Natur und Geschichte, und demnach von Eikennt- »iß Gotte« c.us der Natur, der Goschichte und der Offenbarung. Betrc chlcn wir einmal die Methode der Offenbarung in Natur und Geschichte, sehen wir, wie sie sich da bewahrheitet. und machen wir die Anwendung auf die Bewahrheitung der Ofjenbarung de« Gesetzes. Wir erlennen Gotte« Walten aus den Gesetzen und Ordnungen der Natur; aber unter allen ihren Erscheinungen, von den allt äglichstcn, bekanntesten, jedem Kinde verständlichen, bi« zu den keheimnißoollsten, staunenerregenden, „wundervollen^, in keine einzige, die wir Menschen aus uns selbst, durch unser Nachdenken gefunden hätte». Hätten wir es nicht gesehen, so würden wir weder wiffen, daß die Lonne auf- und untergel t, daß es so sein müsse, noch würde man da ran denken, erforschen und erkennen zu wollen, welche Stoffe den Eonneaball bilden und sein Leuchten und Glühen bewirken, wenn n.cht die räthselhasten Erscheinungen der Epektraianalyse den Forschern offenbar geworden wären und den Weg der Erkenntriß ihnen gezeigt hätten. Die Vorgänge in der Natur werd, n von dem Menschen wahrgenommen, beobachtet; sie zeigen, ofenbaren, sich ihn»; nachher gilt eS, Grund und Ursache, Ortnung und Gesetz derselben zu erkennen, zu erklären; gelingt dies Werk dem Menscheugeiste — gut —; wo nicht, so bleiben die Erscheinungeil nicht minder wahr, unleugbar. Er> spricht der Prophet: „auf meiner Warte stehe ich und haue zu sehen, was Er zu mir reden wird" — so spricht auch der Erforscher der Natur; der Scheidekünstler stellt seine Varsuche an, verbindet, trennt; es schaut der Sternkundige beobacht md durchjjein Rohr;sie harren, all ihre Geisteskraft zufammensaffeitd auf den einen Gegenstand ihrer Beobachtung, ängstlich lauschend, wa« sich ihnen zeigen wird. Stimmt das Ergebniß mit ihren Berechnungen, mit ihren Voraussetzungen überein — jut — wo nicht, so har der Forscher geirrt, nie die Natur! darum blecht diese, nach de« Dichter« Wort „ge-, heimnißvoll am lichten Tag" und was sie un« „nicht offenbaren mag," da« werden, das können wir nicht ergründen, so lange wir „nur Menschenaugen besitzen, nur Sichtbare« erfassen." Wir erkennen zum Zwesten, Gotte« Walten au« der Geschichte der Menschheit, der Völker, au« den Lebealbe geben» . heilen de« Einzelnen, auch de« UnbedententzßlM. Da zetge» sich ung ewige Gesetz» der Weitheit, der Gilt«, der Gerechtlgkest s Die Menschheit schreitet chre vorgezeichneken Bahnen, die BWker kommen und gehen, steigen und fallest; die Schicksal«' de« Menschenkino«« wechseln und wandeln; wenn wir'« nicht e r l« b e n, wir können'« nicht ergründen, da« Zukünftige bleibt verborge»; dürfen wir je sagen: ft wird e« fei», so n»ß e« geschehen? zeigt sich nachher, daß wie e» getroffen haben, so haben wir c« «rrathen, nicht entdeckt! Wir stehen ans der Warte und schauen au«; so r« dann kommt, so kragen wir nach G-und und Zusammenhang; begreifen wir'« —, gut — wo nicht, da« Geschehene bleibt nicht minder wahr! Und fragen wir: „warum ist der Frevler Weg beglückt?" warum muß Der, so jung und oielverhclßend, schon erblassen, warum lebt Der, ein nutzlos Glied der Menschheit — warum steigt Der, ohne jegliche« Verdienst, empor, warum wird Der vom Unglück oerfolgt ohne sein verschulden? — vielleicht wird un« einst Antwort, vielleicht wird <« unserm Auge enthüllt, früher oder später — wo nicht, so wird der Tobte nicht erwachen, der Arme wird nicht reich werden durch unser Zweifeln und Sinnen. Da« aber ivird un« stündlich offenbar, daß Gotte« Gedanken nicht unsre Gedanken und unsre Wege nicht Seine Wege; daß „Sein ist Weisheit und Macht, bei Ihm Rath und Einsicht", aber „Er allein kennt ihre» Weg und Er weiß ihre Stätte!" Und wir erkennen, lesen Gotte« Gesetz in dem Buche der Thora! Es ist un», dort so wenig wie in Ratur und Geschichte, Grund und Ursache angegeben für Gebot und Verbot; c« ist unsre Sache danach zu forschen; haben wir e« erkannt, ist uns trrr DTK» ms 1 711X2 „Gottes Befehl klar geworden, daß er unser Auge erleuchtet hat" — dann freue sich unser Herz, 2b TIÖÜO wo nicht — wird da« Offenbarte Recht haben oder unsre Meinung?! Das ist freilich der Unterschied, v»ß die Erscheiilungen der Natur sich von Tag zu Tage, oder doch in gemessenen Zeiträumen wiederholen, auch die Thatsachen der Geschichte wiederholen, sich, ewige Wahrheit bestätigend, von Jahr zu Jahr, von Geschlecht zu Geschlecht — aber „Etnmal nur hat Gott geredet", und wir haben Sem Wort „Wer da hören will, der höre, wer es lassen will, der taffe es!" — Wie aber die Zweifel und Einwenbungen in Beziehung auf Natur und Geschichte eben nicht durch Klügeln und apriorische» Düsteln zu lösen sind, sondern durch dir Erfahrung, so werben wir es auch hier erkennen. ES gilt auch hier auf der Warte stehen und sehen Wenn also vor sechszig, si.be„zig Jahren in Israel Mäuner auftraten, di« sprachen: sollte denn bas Ceremonialgefetz noch immer für uns Verbindlichkeit haben? müffe» wir nicht zwischen dem Kern und der Schale unterscheiden, können wir nicht jene bewahren, diese allmählig entfernen; die Lehre, das Wesen, behalten, die Form verwerfen? werden wir nicht Israeliten bleiben, gute Menschen sein, wenn wir gleich der besonderen Satzungen uns enläußern? — wenn alio gesprochen wurde in einer Zeit, die im gewaltigen Ringen um Neugestaltung de« ganzen Völkerl-ben« begriffen war, so ist da« wohl erklärlich. Wohl wurden jene Männer vielfach d» DTPyjTS D'OSTI „klug in ihren Augen" bezeichnet und getadelt — aber, wie de» sei, klug waren sie, «an kan» sie als eitel Thoren nicht beirachc

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