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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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' VlfSP' /■ v£v ■: s - 24' 1875. Itltaflilittl» #. Jahrgang. Wochen-Lchrrfl f|f die religiösen und focialeit Interessen deS IndenthumS. Wöchentlich et«« Re.! ttrtU öei tflni P»Bö«ttr« m. Vi»chöa»vl«»a«n r fUrt »i PL. .Mtrett«Z»fend»n,: t«Dn«fchl«»d 10Mart.! «ch VeAerreich < ß, FriRLrelch 1« Fr<4.. n. WUGioö, 6Hnk 1» Mt. «. >«ertta 1» ML ILYrl. »rS»»«er«»»».? riuiiiivs.lsjSlcr :Krts\t\<ux und Rabbiner l)r, A. Ereueiifrls in Stettin. 3nf«r«te werden «tt?n BL fflr di« dreißetp»lte»e Berit»eUe rver deren «.rum berechnet. Die dtdSsnntag «rLI» dei der.Sxpedtti«n in Magdedurß* etntreftenden staden «och in der nächsten Nummer Ansnnh««. Ot»,einummern i u ff. M südliche Sit«r«t«r»Utt* mird Gr«t1ß Mfirkn. Magdeburg, IO. Juni. -LP«diti»n der tlr Wochenschrift tu Mckßdednrß. »od«rt Friese, Sei»giß. Inhalt: Kettend« «rttselr Ratur, Seschichi«, Lffmbarung — »«dichte tut» Veutschiano: Stettin. Serti». Frank,urt «. Ai. Ottweilrr. Laupheini. — Oesterreich: VSHmen. Lemberg. — Frankreich: Pari». — Rußland: Petersburg. — Großbritannien: Sei,oft — vennischt« tm» «rnefle Unchrichte«! Magdeburg. Lien. Prag. Raab. Trieft. — Ment Net «<r Di« Juden in »besstnirn. — Inserat«. Matur, Geschichte, Offenbarung. „Lut meiner Warte steh« ich und harre >u sehen, wa« Sr zu mir reden wir»." Itzab. 2. 1.) Da» Fest der Offenbarung unserer Thora naht heran; »tr feiern «», wie unser» Borsahren seit Jahrtausenden, aber «» würde eitel sein, wenn wir verkennen oder un« verh-h!en wollten, daß di« Stellung, welche viele Tausend« von Israelin« im Lbendland« zu dem Grundgedanken de» Feste» einnehmen, «in« andere geworden ist. Wird die Thalsache der Offenbarung noch von ganz Israel, namentlich von dem jüngeren - Geschlecht« in den s. g. gebildeten Ständen, al« -rundlegende, an sich feststehende, gar keine» Beweise« bedürfende angenommen, geglaubt? Da» ist nichl der Fall! Wir brauchen hier nichl aus die Frage einjugelien, wa« diesen Unglauben, oder mindesten» diese» Anzwetftln, diesen Mangel a» fester Ueberzeugung berbeigesübrt hat Die Ursache ist i« Allgemeinen hinlänglich dekannl: e» sind hauptsächlich Einslüffe von außen, e» ist die dem Glauben an Ueberstnnlichr« abgtwendete Richtung der Zetl. L« gilt also den Glauben an die Thalsachlichkeit der Offenbarung zu befestigen; eine Aufgabe, an der wohl viele jüdisch« Theologen'und Prediger heut viel zu leicht und schnell, oder gar mit geschloffenen Rügen vorüber gehen, indem sie weiter und weiter so lehren und predigen — resp. poltern oder declamiren — al» ob der Glaube an Offenbarung, an di« Göltlichkeit der Thora »och wie vor 106, ja vor 40 Jahren bei der großen Mehrzahl der Gebildeten fest stände. Wir kännen hier kein Buch über diese Dinge schreiben, ein solch«« wäre ja näthig; aber einige Gedanken mögen hier riue Stellt finden. Thora heißt und ist Lehre und Gesetz. Mose» Mendelssohn hat bekanntlich in seinem für seine Zeit epochemachenden »Jerusalemden Satz aufgestellt: di« Thora giebt nicht -«offenbarte Lehren, sonder» geoffeubart« Gesetz,. Man hat diese» Satz vielfach angefochtrn, und zwar von entgegengesetzte» Sette» und Richtungen her. Die Recht-läubtgtett i hat geweiut, die Offenbarung der Reltgton«lehre» dürfe nicht > preisgegeben werden, da» Judenthum Hab« eben so gut wie da« Ehristenthum Dogmen, offenbarte unverbrüchliche Klau» bentlehre». Bo» Seiten der Reformbestrebungen hat man, noch natürlicher, die Offenbarung unverbrüchlicher Gesetz«, da» vorzug«weise Offenbartsein solcher, bestreiken wollen, weil man ja daraus ausging, mit den Gesetze« der Thora nach Belieben zu versahre» und fie nach Gutfinben, eigner Einsicht oder — wie man am liebsten und bequemste» sich ausdrückt — nach dem Zeitgeist« gelten zu laffen oder nicht. I« länger wir über diese große und wichtige Frage Nachdenken, desto fester wird in un» di« Ueberzeugung, daß Mendelssohn in der Hauptsache ganz Recht hat, und wie gerade der heutigen Zeit« strömung gegenüber sein« Ansicht un* die sicherste Position gewährt. In einem Punkte hat er geirrt (nach unserer Meinung), nämlich wenn er glaubt, di« Lehren de» Judenthum» beruhen nicht auf Offenbarung, seien auch ohne dies« selbstverständlich. Da« ist nicht der Fall, di« Menschen haben diese Lehren nicht au» eignem Geist« erkannt; aber wenn, und da sie nunmehr dem gesunden verstand« und dem unverdorbenen und unverschrobene« Gemüth entsprechen, so daß e« scheinen mag, der Mensch Hab« sie auch au» sich selber schöpf.'» können, so ist die Krag« nach der Offenbarung derselben von keiner praktische» Wichtigkeit; stehen sie fest, werden sie geglaubt, herzlich angenommen, so ist es gut. Ferner steht e« geschichtlich fest, daß keine Glaubenslehre de» Judenthum», mit Ausnahme der Grundlehre von dem Dasein eine« einig-einzigen Gotte», je eine dogmatisch« Formulirung gefunden hat. im Ganzen oder in den Einzelheiten zu alle» Zeiten und von Allen gleichmäßig gelehrt, aufgefaßt, vorgetragen worden, und daß hierin jede wün» schenewenh« Freiheit gewahrt ist. Hierin liegt nun zugleich «in gewaltiger Borsprung, den da« Judenthum gegenüber den verschiedenen Kirchen hat. Denn e« ist offenkundig, daß di« Oppofition gegen den Offenbarung«glauben an sich au« de« Widerwillen gegen dt« christlichen Dogmen entspring»; mau ist gedrängt, di« Offenbarung zu läugnen, «eil «an di« angeblich göttlichen Dogmen nicht «U der Vernunft vereinbaren kann, und w4)i länger gewillt ist, die Vernunft ge-

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