Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 181 — IDO 9titg(i(bctn'Writt»fcMke*9e4lAMgt*iinb%i bt^iW&Vgt&t die Sonn« m4ter, ohne bofr Ar€4io^fe riltg» nmher zwei« 9t§tn einberusenen Gemeindeversammlung fast einstimmig — 4 Mitglieder waren anderer Ansicht — beschlossen. Ebenso wurde die Aufstellung einet Harmoniunit in dem jetzigen Betlocale von dem Autjchuff« de» Synagogenchor», worin sich insbesondere L>hrer Löwensteiu und der frühere Lehrer Liebmann Strauß befinden, beschlossen und auf eine überraschend schnelle Weise am Lrere Possaotr vollführt. Ich schmeichele niir -war der.-Freundschaft sehr geachteter orthodoxer Rabbiner, deren Gutachten ich in besonderen Fallen mir schon erbeten habe, z B. im vorigen Jahre wegen einet wichtigen Schechita- Borfall» in hiesiger Gemeinde, bin aber allerdings ein ebenso entschiedrner Gegner jeder Heuchelei wie der sogeaunten Frommen, welch« trotz der Umhängung det Mantel» der Frömmigkeit und Heiligkeit am Sabbath Geschäfte machen, im Geheimen trepba effen u. vgl. Zur Ehre unserer Gemeinde sei übrigen» beigefügt, daß derartige 0'JN3J{. welche der Talmud mit den Worte» bezeichnet: '12t HVPO tSv DTUftS 12V Itfpai Gottlob hier sehr vereinzelt stehen. Heilbroirn SS. Mai 187V. Dr. M. Sngelbett. Feuilleton. . » - Dke Inden in Abessinien. (Fortsetzung.) In da« östlich« Thor de» Metgid dürfen nur die Priester «»trete», ebenso in da» Allerheiligste. In diesem befindet sich recht« 'von der Thür ein Tisch, auf welchem ein Gxtmplar de« Orik liegt, link» stehen zwei irdene Gefäße, da» eine mit der Asche der rothen Kuh, va» andere mit dem Reinigungtwaffer. Auch Und hier die heiligen Kleider der Priester aufgehängt. Durch da» südliche Thor des MeSgid 8den die Frauen ein »ud an«, sie haben südlich oou dem ukda» ihren Platz. Im Westeil stehen die Debtera'S (Gelehrten) und im Norden die Männer, Jünglinge und Knaben. Recht» von dem östlichen Thore, außerhalb de» MeSgid, befindet sich der Opferaltar, au» unbehauenen Steinen (2. Buch Ros. 20,22) erbaut, 5 Ellen lang, 5 Ellen breit und 1 Elle hoch, ringsum von einem starken Zaun umgeben, durch den er mit dem Meegid verbunden ist. Die Opfer werden alle auf dem Altar, aus dem sie geopfert werden sollen, geschlachtet. Diese Opfer haben aber mehr den Eharacter einer ErinnerungSseier, al» einer gottesdienstlichen Handlung*), und jucht man sie deshalb mit den mosaischen Borschristen nicht iü Einklang zu bringen. Am Sabbath und BersöhnungStag wird kein Opfer gebracht. „ Der Gottesdienst, bei dem sie übrigen» weder Täli») noch' Tephillin, noch Zizitb tanzen, welche drei Dinge sie überhaupt nicht kennen, besteht au« Gebeten, nieistenS AuStzügen au» der heiligen Schrift, theils i» der Ghe-ez, rheil» in der Agan-Sprache, und aus dem Absingen von Psalmen «ud Liedern in Begleitung von Musik und Tanz Dir Priester pflegen sich schon Freitag» nach Sonnenuntergang in den MeSgid zu begeben, wo sie des NachtS schlafen und mit dem ersten Hahnenschrei ihren Gottesdienst beginnen, der bald nach Sonnenaufgang beendet ist Halevy gibt folgende poetische Schilderung diese» Gottesdienste«: »Au» der Mitte des heiligen Bezirke» steigen die Gebete der Gläubigen zum Himmel empor. Bon Mitternacht an dört «an den hellen rythmische», melancholischen Ton der Borsäuger, denen dar eintönige Recitatio der Umstehenden antwortet. Da» Lob des Ewigen, da« Heil Israels, die Liebe Zu Jerusalem, die Hoffnitngen auf eine für die gestimmte Menschheit glücklichere Zukunft, da» sind die Ideen, welche ihnen Seufzer und Thränen, mit Hoffnung«- und Freudenrusen .gemischt, auSpreffen. Der Anbruch de» Tages unterbricht die Gruppen der eifrigen G»»»eSdiener nicht, und nie *) Die« est »erschitde»« eptfUiUUm, ) tuftant, mafr-ty bl« ich m Nntznnge ■iui »sich» um mtttkiUa werde. mal «achgrrufen nierden durch die Töne dieser unerwüdliche« veter. Da» Gebet! begiqM »chU de^Msse^Abbf, MbSVVader) und unter häufigen xmtdeugungen werden ütt Wort« Abiet, Adiek (Herr, Herr) mehrmals mit der höchsten Inbrunst ausgesprochen." Rach dem Sonnabeud»geb«le wird an» allen Häusern der Bemittelten Brvd, Pfeffersuppe und saure Milch i*i .hui MeSgid gebracht. Dort segnet der Priester da» Men, bricht au« der Mitte der Brodkuchen ein Stück für fich heraus und nimmt sich eia« Suppe. Da» klebrige wird gleichmäßig unter Arm und Reich vertheilt und im MeSgid verzehrt. Die» nennt man Makfalt oder Ja-endjera Maswaftt (Brodopfer). Sodann werden ei» oder mehrere Abschnitte au» der Thörä vorgeleien und zum Schluß folgende» Gebet von dem Priester und der Gemeinde gebetet, welche» ich (nach Flad) seine» ächt jüdischen Gepräge» halber wörtlich, mittheile. Prister: Bergieb unS, all« Menschen sind Sünder, vergieb un«. — Gemeind«: O Herr. . P r.: Vergieb un», so oft wir Dich beleidigest. — G e m: O Herr. Pr.: Um Deine» heiligen Worte», um Deine» heiligen Gesetze» willen, vergieb un». — Sem.: O Herr. Pr.: Sei un» gnädig, denn wir dienen Dir allein, Du bist der einige Gott, nnd außer Dir ist kein Gott. Gedenke unser in Gnaden und erbarme Dich über dein Bott. — Gern.: O Herr. Pr.: Segne dein Volk, daß Dir willig dient und hier vor Dir steht. Sei urt» tzüädlg und bewahre uti» sjar allein Bösen. Segne unsere Bäter und Mütter, Brüder und Schwestern, Verwandte, Freunde und Kinder. Tröste alle Kranken und Betrübten, versorge alle Hungernden, kleide alle Rockten. Erbarme Dich aller, o Herr, behüte und bewahre unser Eigenthum, segne un» wie Du unsere Bäter gesegnet hast. — Sem.: 0 Herr, erhöre un». , Pr.: Bergieb uns, o Herr. — Gern.: Vergieb un» P r.: Wir haben gesündigt, übel vor dir gelhan, vergieb un». — Gem.: Bergieb un», o Herr. Prst.: Deine Kraft wird nicht schwach, Dein Reich vergeht nicht, und Deine Herrschaft währt von Kind zu KindeSkindern. ja — von Ewigkeit zu Ewigkeit — Amen. — Gem.: Amen. , , , Der Sabbath wird sehr streng gefeiert. An demselben darf kein Feuer, kein Licht angezünd«, keinerlei Speise zubereitel (e» geschieht die» an, Freitag Bormittag), .kein Wasser geschüpst, kein Bach oder Fluß überschritten iverden. Ihr Bieh lassen die Falascha am Sonnabend von den Ehristen hüten u»h, geben diesen die a«^, Sabbath ^emolkzcke Mklkh, die'sie'selbst nicht brauchen'dürfen, äl» Hütcrlohn. Außer dem Säbbath (Kedainie Sambat) feiern sie folgende Feste: a. Faasika (Pesach) wird am 1b Tage nach dem Neumonde im April gefeiert. Drei Tage vorher wird außer 8okiind«ra (geröstete Gerste) nicht» gegessen. Vom Sonnenuntergang de» IS. bi» nach Sonnenuntergang de» 14 ist vollständiger Fastlag. Am 13 und 14 werden alle Häuser gereinigt, alle hölzernen, ledernen und eisernen Geräthe, sowie die Kleider werden in Flußwaffer auf da» Sorgfältigste gewaschen. Die irdenen Gefäße werden entweder an Ehristen verlaust oder neu ausgebrannt. Am 14. »ach Sonnenuntergang wird in dem MeSgid da» Pesachlamm geschlachtet. Während der 7 Tage Pesach», wovon der erste und der siebente Tag al» Festtage gefeiert werden, wird außer Kita (Mazzolh) Nicht» gegessen. Die Kita werden au» Weizen oder Schim- ' bera Mehl bereitet und find stark gesalzen. In dem MeSgid ' werden die Abschnitte 2. Mof. 12, 13 und 4. Mos. S vex» , lesen. . .... d. Magrer (Erntefest, Schabuoth), 50 Tage nach Peßach. E« werden verlesen: S'B. Mos. 2S. und Psalm 50, 48 . und , 32.-Di» traditianelle Bedeutung de» Tage» all» Ossendar«ng»fest schein«« sie nicht zn kennen. (Forts, folgt.)