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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 23. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 23.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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W v. 179 — weifen, fftgt Steffen den Wortlaut de« Stadtgericht»-Dekret« vom 1» LprU d. I. bei, worin e» heißt, .daß derselbe au« der israelitischen Religion«gemeinschoflau«getreten ist." Daß St., nachdem derselbe nicht mehr zur i«raelitischen Religion«gein einschaft gehört, solgerichtigt auch nicht «ehr Mitglied irgend einer Judenge-meinde sein kann, ist nicht «u bestreiten. Dieser Umstand har nun aber zu folgendem Nachspiel Veranlassung gegeben. St, welcher wohl in Folge seine« ehestand»losen Leben« seit längerer Zeit hinfällig ist, und selbst an seinen baldigen Tod glauben mag, ist in der Voraussetzung, daß sein Leichnam auf dem hiesigen itraeliti' scheu Friedhöfe eine Ruhestätte nicht finden möchte, mit verschiedenen Vorständen israelitischer Gemeinden der Umgegend wegen Erwerbung einer Grabstätte in Verhandlung getreten, aber überall in anerke»nen«iverthe, Welse, weil man eiueni solche» Verfahren keinen Vorschub le ften mag, abschläglich beschieden worden; man zweifelt nicht, dag die Miktheilung diese« Falle« auch entferuur von Frankfurt am Main liegendem Gemeinden, oeranlaffen wird, dem Exjnde» Steffen« die Erwerbung einer Grabstä'.te auf ihreni Friebhoje zu versagen. Oesterreich. Lu« Lenttttg vom 15. Mai: wird der „31. F. P." geschrieben: In dem zumeist von Israeliten bewohnten Städtchen Suiatyn (stolomeaer strei«) war schon seit Jahren unter den Mitgliedern der israelitischen Eul.u«gemeinde eine Spaltung eingetreten, die bei jeder Gelegenheit ihre nachtheiligen Wirkungen äußerte und auch in der verflossenen Woche anläßlich der bevorstehenden Rabbtnerwahl aus eine bedrohliche Art zum Luäbruche gelangte. Ueber die die«dezüglichen Eandidaturen konnte näntÜch zwischen der fortgeschrittenen und der orthodoxen Partei kein Änoernehmen erzielt werden, denn während die erstere den Rabbiner von Jaworow zu ihrem Eandidaten ausstttlte, Katen die Anhänger der zweiten Partei für den Rabbiner von Tluste ein; jede Partei suchte nun die andern an Agitation»milteln zu überbieten, und ungeachtet der Wahltermtn noch lange nicht herangenaht war, wurde in der abgelaufenen Woche der Jaworower Rabbiner nach Sniatyn berufen und daselbst bei seiner Ankunjl von der FortschiittSpartei Sm Rabbiner von Sniatyn proclaiuiri. Die orthodoxe Partei mühte sich hierauf, ihrem llnmuth über eine derartige Gewaltmaßregel durch verschiedenartige Straßen-Demonstrationen, bet denen da» Fensteretnschlagen auch nicht vernachlässig« wurde, Lust zu machen, und berief schließlich ihren Eandidaten ebensall« nach Sniatyn. Kaum >var nun derselbe dort eingetroffen, al« die fortgeschrittenen Gemeindemitglieder ihrem Gegner und Mfen Anhängern denselben liebevollen Empfang bereiteten, welch« früher dem Jaworower Rabbiner zu Theil geworden ist. In Folge dessen kam e« nun zwischen beiden Parteien zu einem Handgei >> enge, bei welchem der Führer der Fortschrittspartei getüdtet und mehrere andere Personen schwer verwundet wurden. Diese Straßentumulte hätten aber einen noch bedenklicheren AuSgang genommen, wenn nicht inzwischen in Folge Requifitioir de« BezirkShauplmanne« eine Abtheilung Gendarmen zur Wiederherstellung der Ruhe auf den stampfplatz abgeschickt worden wäre. Wie der „Üemb. J«r." erzählt, hat jetzt keiner der beiden Eandidalen AuSflcht auf die Sniaryner Rabbinalswürde, «lnd der Jaivorow'er soll sogar seine» gegenwärtigen Posten» auch verlustig gehen Die Bezeichnung der beiden Parteien als „FortschrittSmänner und Orthodoxe" sei hierbei durchaus nicht am Platze. — Die in Lemberg erscheinende „Jüo. Pr." stlgt noch hinzu: „Mehrere gemäßigte Gemeindelunglieder begaben sich, al« sie sahen, daß der Tumult immer größer wurde, .zum dortigen BezirkShauptmaun und baten um polizeilichen Schutz. Dieser hatte aber keine andere Antwort al« die, daß er abwarte» «olle, bi« einige Juden erst tovl aus der Gaffe liegen würde». Da« sind bei un« die Wächter der öffentlichen Ruhe und Ordnung." t LetMeritz. Der in unserem vorigen Blatte kurz er» wähnte Borfall wird von der v. Bürs.- Zeit, ausführlicher folgendermaßen erzählt: „Die israelitische Gemeinde dahier befindet sich fest einigen Tagen in nicht geringer Aufregung, heroorgerufen durch die plötzliche Entlaffung de« dortigen vor» derer« und Teinpelsänger« st. Die Geschichte dieser Entlassung ist folgende: st , der seit beiläufig 16 Jahren da» ziemlich gut dotirte Anit eine« Vorbeter« (Ehasan) und Bibel-Erklärer« in der Gemeinde Leitmeritz versieht, bewarb sich vor einiger Zeit um eine frei gewordene StiftSftelle, die ein entfernter Angehöriger feiner Familie gegründet hatte. Da« mit den nöthigen Zeugnissen versehene Gesuch ging an die Sattbalterei nach Prag al» kompetente Behörde, und diese ließ sich hierauf näheren Bericht über da« Vorleben de« Petenten erstatten Dabei stellte sich nun heraus, daß st. bereit« vor etwa SV Jahren in einem kleinen mährischen Slädcheir die Taufe genommen und zur katholischen Religio» übergetreten war, um seine materiellen -Verhältnisse zu verbessern. Da jedoch nach fünf Jahren die erhofften finanziellen Erfolge nicht einlraten, verließ er Mähre« und ivandte sich wieder seinem Heimathlanbe Böhmen zu, wo er sich um die, vacante Stelle eine« vorderer« der Leitmeritzer Gemeinde bewarb und dieselbe auch erhielt. Seit dieser Zeit versah er da« mit rituellen Gebräuchen verbunden-- Amt zur vollen Zufrieden - der Gemeinde. Man kan» daher die Aufregung begreifen, die unter den Gemeinde-Mitgliedern herrschte, al« die stunde diese« Ereignisse» durch den Statthalterelberichr an den Äenleindevorstand gelangte. Die sofortige Entlaffung de« Uebellhäter« war die nächste Folge. Ueberdie« ist die gerichtliche Untersuchung gegen denselben wegen unbefugter Ausübung kirchlicher Gebräuche bereit« eingeleitel." Etwa« ander« lautet ein im Pest. Lloyd enthaltener Bericht: „Der in L seit Jahren angeftellte Schächter und Eau» toc hatte früher eine Reihe von Jahrei im Militärdienste gestanden. Da geschah e», daß in den öffentlichen Blätter« ein Stipendium für jüdische Invaliden ausgeschrieben wurde. Der liebe Mann al« gewesener Soldat hatte nicht« Eiligere« zu thun, al« uni dasselbe einzureichen, wurde jedoch von der Slatihalterei im Wege seiner Gemeinde au« dem kleinlichen Grunde abgewiesen, weil er fich vor 22 Jahren t a u f e n l i e ß!" Großbritauwie«. Ob. Belfast, Mai. (Or.-Eorr) England ist da« Land d<r Extreme. Ein solche« Urtbeil muß sich Jeder darüber bilden, der dem Thun und Treiben, wie e« hier zu Lande auf jedem Gebiete menschlicher Thätigkeit zu Tage tritt, einige üusmerksämkett zugewendet hat. E« würde zu weit führe», wollte ich durch Beispiele und Skizzen au« dem Alltagsleben de» britische» Volke« diese Behauptung zu bekräftigen suchen, wa« übrigen« in« Bereich dieser Blätter nicht gehört. Gestatten Sie mir aber, ein Gebiet zu berühren, da« auch für Ihren Leserkreis einige« Interesse haben düifte, nämlich da« Gebiet der' Religion. In keinem Lande der Welt wird vielleicht so viel Humbug damit getrieben, rofe hier bei un« Während einerseits Prof. Tynoall und Eonsorlen jede Spur von Religion im Herzen de« Bolle« beseitigt und weggewischt wissen wollen, entfalten anderseit« unwissende und haldgelehrte Geistliche eine Thätigkeit, die Bolt-maffen für den Glauben wieder zu gewinnen, die an Raserei grenzt Besonder« zeichnen sich zwei amerikanische Abenteurer, Moode und Sankey mit Name», hierin au», die vor einige» Monaten al« Mijstonäre de» Glauben« herübergekommen und durch ihr eigenlhümeiche« Wesen zu einer solchen Serühintheit gelangt find, »>>ß ihre Rameu in Prosa und Liedern gefeiert und ihre Vorstellungen — die« »ft die passendste Benennung — von ungeheuren Menschenmaffen dreimal de« Tage« in London besucht werden. Wer ist aber Moody und wer ist Sankey? Der Eine ist, wie viele nichtjüdische Plätter behaupte», Schuster und der Andere Bänkelsänger von Profession, deren allgemeine« Wijsen, wie wiederum von obigen Organen versichert wird, in .-olge vernachlässigter Erziehung auf Rull reoucirt »erde» kann. Und doch wirten diese Wunder, und Mooov's vulgäre Erklärungen von Vibelsteltt a — sei» einzige« Steckenpferd —

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