Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 23.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 178 gaben de« Reichstage« zu hören. Hr. vr. G. entledigte sich seiner Ausgabe in glänzendster Weis«. Seine Red« wird, wie man hört, gedruckt werden. Die von mancher Seit« gehegte Befürchtung, daß die Versammlung durch die auch zahlreich erschienenen Locialdemotraten gestört werden würde, hat sich nicht bestätigt, obwohl Hr. Dr. Gseine Stellung gegen dies« Partei scharf zeichnete. Ans den BegrüßungSworten de« Vorsitzenden, Dr Gensel, theile ich Ihnen folgenden Passu« nach den „Leipz. lllachr." mit: Man habe dem Eomile der liberaler Partei den Vorwurf gemacht, daß auS ihren Reihen vorzugsweise daS Gründerthum hrrvorgegangen sei, und diesem Vorwürfe wolle er noch mit ein paar Worten erwidern. Gründen an und für sich sei nicht» Schlechtes, nur wenn man e« in dem Eime nevme, wie e« in letzter Zeit häufig geschehen sei, haste an dem Worte ein Mukel. Daß die liberale Partei aber ihrer großen Mehrzahl nach auS Kausieuken und Gewerbrreibenden bestehe, sei für sie kein Vorwurf; die Partei könne keinerlei Verantwortung dafür übernehmen, daß einzelne Mitglieder sich an schlechten Unternehmungen betheiligen. Grade di« Partei, vm welcher dieser Vorwurf ausgesprochen sei, habe wohl Ursache, sich die Sache genauer anzusehen. Es leide auf sie wohl das Sprichwort Anwendung: Wer im Glashause fitzt, soll nicht mi Steinen werfen. (Bravo!) ES sei femer Kapital geschlagen worden auS der R e l i g i o n des li eralen Eandidaten, man Hab« gesagt, durch Wahl eines israelitischen Eandidaten ruf« man die Gefahr hervor, die hundert- und tausendjährigen christlichen Grundlagen zu erschüttern. Wenn irgend etwas unchristlich gewesen ,ei, so sei das die geradezu unmenschliche Bedrückung, welch« den Israeliten Jahrhunderte hindurch widnffahreu sei. Jetzt, nachdem im deutschen Reiche die vollständige Gleichstellung des Israeliten ausgesprochen sei, gereiche e» ihm zur besonderen Freude, daß man durch di« Wahl de« Dr. Goldscdmidt öffentlich vor der Welt kund gegeben habe, wir haben mü diesen mittelalterlichen Borurrheilen gebrohen! (Lebhafter Beifall!) - Herr Dr. G. wurde beim Betreteir der Tribüne durch stürmischen Beifall der Versammlung begrüßt. Leipzig. Der Vorstand der dies. isr. Religionsgemeinde hat einen vcricht über daS BerwaltungSjahr 1874 durch den Druck veröffentlicht. Rach demselben zählt dt« Gemeinde 3S7 Mitglieder, darunter 15 Frauen 11 Auswärtige und 1 Ehrenmitglied. Es wurden im vor. Jahre geboren 7V Kinder (SS Knaben, 38 Mädchen), confirmirt 10, getraut 17 Paar«, beerdigt 28 aus der Gemeinde, 21 Fremde. Die ReligionSschule zählt 79 Knaben und 69 Mädchen, an derselben unterrichten der Rabbiner, beide Cantoren und 1 HülsSlehrer. — Tie JahreS-Einnahmen belicfen sich auf 11,811 Thlr. 19 L>gr. — An Wohlthätigkeits-Bereinen zählt die Gemeind« 6, Stiftungen 7 (darunter der isr. Studentenverein „tzumamtaS") und einen BeamtenpensionSfond«. — Bei der Localarmeupflege ist nunmehr auch daS System der einheitlichen Verwaltung — wie bei der Fremden-Abtheilung — vereindait. Ueber letzter» verbreitet sich ein besonderer Bericht d«S Ausführlichen, es ist zu conftatiren, daß in Folge der Bestrebungen der Gemeinde die geiverbSmähige Wanderbrttelei in stetiger Abnahme begriffen ist. Während in, Jahre 1873 712 Personen di« Gemeindehülfe» in Höh«'von SSO Thlr. beanspruchten, beläuft sich deren Zahl für daS Jahr 1871 nur auf 599 Personen. Für die hohen Feiertage ift vom Rabbinez der Gemeinde rin besonderes Gebetbuch edirt worden. Der B-rtauf de» KoscherfleischrS findet unter Aussicht der vom Vorstände dazu Verpflichteten täglich von 7—10 Uhr Vormittags xi 4 Fleischern stall. S. Kg Hauuber, im Mai. (Or.-Eorr.) Zu Ihrem Leitartike.(Rr. 16) über die zwei. Untentützungscafftn fürjüdische Lehrer gestatten Eie mir einen kleinen Nachtrag zu liefern und über eine dritte Saffr. die dieselben hohe» Ziele verfolgt wie di« dort hervorgehobenen, und die Sie nur mit weuigeu Worten abgelhan habe«, zu bericht,». Di« „UatrrftützuugSraffe für jüdische Lehrer, deren Dittwen und Waisen in der Provinz Hannover" ist zwar die jüngst« unter ihre« Sch«- stern und diejenige, die am ieltesten in die Oeffentlichkeit getreten ist — welcher Platz ihr aber schon heul« gebührt, und welchen Platz sie mit göttlicher Hülfe einst einnehm«» wird, daS mögen Zahlen sagen, die ja bekanntlich am meisten beweisen. Ueber die Einrichtung einer solchen Eaff« war in früheren Lehrer-Versammlungen der Hannöoerschen Lehrer «tu Langes und Breitet diSeutirt, ohne daß man der AuSführung näher rückte, diS endlich im Jahre 1870 Hr. Landrabbiuer Dr. Meyer die Sach« energisch in die Hand »ahm. DaS entworfene Statut erlangt« am 12. Mai 1870 die Genehmigung de« Königl. Oberpräsidium», und eS sollt« nun sofort zur Errichtung geschritten werden, als der deutsch-französisch« Krieg störend dazwischen trat, und die Ungunst der Zeit«« die Gründung verjchob. Diese «folgte dann am 1. Juli 1871, so daß wir heule nur aus einen vierjährigen Bestand zurückblicke»; nichtSsestowcniger schoß die Erste an Al. D ce«ber 1874 mit einem Vermögen von 8800 Thlr. - 26400 Mart ab, die in sicheren zlnStragenoen Papieren belegt sind. DaS ift unsere« Erachten« ein Erfolg, der nur mtt Freud« erfülle» kann, und beit wir zum größten Theile dem so oft bewährten Wohlthätigkeitssinn der Gemeinde Hannover zu danken haben. Eine erste Sammlung zum unangc.ifdaren FondS ergab die Summe von 5000 Thalern, die, rechnen wir einzeln« hochherzig« Gaben von auswäcrS wohnendeir Hannoveranern ad, in hiesiger Stadl aufgebracht wurden Das Zntereffe für dies« Laste erhielt sich stet« rege, wie da« der demnächst zu veröffentlrchenb« zweite Rechenschaftsbericht, auS dem ich hier nur einzelne Zahlen aufführen will, erweisen wird. Während dir Beiträge der Mitglieder sich nur auf 123 Thlr. belaufen, zeigen die Spenden in hiesiger Synagoge 200 Thlr. auf, trotzdem unsre Gemeinde in der allgemeinen Ealamität der letzten Jahre besonders gelitten und schwer« Einbußen an Vermöge» erfahren hat — Die Beiträge auS Gemetndecaffen betrugen 161 Thaler, wovon die hies. Gemetndecaffe 100 Thaler zahue; an jährlichen Beiträgen von Privaten in Hanuooer erhielt der Verein 224 Thaler. An» Frankfurt a Mai» wird un« Folgende« zur Veröffentlichung »tngesandt: „Ein Fall, weicher sich in der hiesige» iSraelitrschen Gemeind« zugelragen hat, dürft« seiner Adsonverlichkeit wegen geeignet sei», weiter« verdeituag in jüdischen Kreisen zu finden. Ein hiesiger Bürger und Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeutve, Julius Gustav Steffen«, früher den Familiennamen Stiebet führend, ledigen Stande», gefiel sich feit langen Jahren darin, dem Gemeindevorftande, besonder« bei Zahlung der Gemeindesteuer, Schwierigkeiten zu bereiten; bald schickt« er unter nichtigen Vorwänden den Steuererheber, ohne Zahlung zu leiste,», zurück, bald gab er vor, der israelitischen Gemrlnde nicht mehr anzuhören und Mohammedaner geworden zu feiu u. dergl m Da« Ende solcher Allotria war alljärlich die execuionsche Beitreibung der Gemeindesteuern. Run hat Steffen« am 3. Februar d. I. versucht,' auf Grund de« Gesetze« vom 14. Mai 1873, au» der israelitischen Gemeinde auszulreten, und da er dieser nach Maß-' gäbe eben dieses Gesetzes nicht erlangte, so erklärte er seine» Austritt au» ber israelitischen Religionsgemeinschaft da« iftauSdemJubenlhum! Berausch» durch di« Freude, an dem Ziel seiner Wünsche angekommen zu sei», veröffentlich, St. in der 6. Beilage de« Frankfurter Jntelligeuzdlall Rr. 93, vom 22. April d. I. wa« folgt: „Rach jahrlangem Bemühen ist e« mir endlich gelungen, au» der Judengemeinde auszutreten, ohne «ich zu einer anderen Religion bekennen zu müssen. Ich bi» dadurch einer despotischen und lästige» Steuer eudtich und glücklich überhoben." Und um da« Unwahre der Angabe, daß e» ihm gelungen sei, au« der „Judengemeinde" auszutreten» \