Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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HettttkitötL Di« J«de« t» Abessinien. (Fortsetzung.) Sie glauben selbstredend an den einig einzigen Gott, den Gott ihrer Väter Abraham, Isar und Jakob, den sie in ihren Tempel« (MeSgid) und in ihrer händlichen Andacht anrufen. Leider soll, neben so manchem Aberglaube», der sich unter de» Juhen, wie unter den -hristen Abessiniens in hohem Grad« eingebürgert hat, auch ein Rest der altm Lboda Sara (Götzendienst) zurückgeblieben sein. Der Missionar Flad, der l2 Jahre in Abessinien als Jndenbekehrer gelebt hat, erzählt nämlich, daß die Falascha di« Sambat (Göttin de» Eadbalh) verehren, ihr Speise- und Trank-Opfer, die au» vrodkuchen und Bier bestehen, sowie verschiedene Brandopfer darbringen unv ihr Weihrauch räuchern. Flad glaubt, daß diese Sambut identisch sei mit der M'lechrt Haschamasim (Astarle), gegen deren Dienst bet den nach Aegypten auSgewandrrten Juden der Prophet Jeremias vergeblich geeifert hat. (Irrem. Cap. 44.) Ein Falafcha-Debtera (Gelehrter), den Flad über diese Berletzung des zweiten Gebots zur Rede gestellt hatte, antwortete ihm, ähnlich wie die ägypttschen Juden dem JeremiaS: »Wir fürchten, daß, sobald wir aushören, der Sambat zu dienen, sie uns ihren Segen entzöge, denn sie ist Herrin über Sonnenschein und Regen und alle» leidlichen SmznS." Der Dedtera stellte sie ferner als Ml Göttin bk» Schicksal» bat, welcher kinderlose Frauen und Kranke sowie überhaupt Rothleidende Gelübde weihen. Halevy hat, obgleich er von dem Gottesdienste der Falascha spricht, von einer Verehrung dieser Göttin, oder überhaupt von irgend einem Götzendienste nichts mitgetheilt. Flad ist nun zwar ein bigotter, fanatischer Misnonar, allein, nach dem Inhalte seiner Schriften zu urtheilen und nach dem Zeugntsie de» durchaus vorurtheilslosen, berühmten Afrikareisenden von Heuglin, ein redlicher Mann, von dem man nicht annehmen darf, daß er, um den Juden zu schaden, absichtlich eine Unwahrheit vorbringt.*) Die hebräische Sprache ist, wie bereit» angedeutet, den Falascha nicht bekannt. Eie besitzen da» ganze alte Testament nebst den »ach von den.christÜchen Abessiniern heilig gehaltenen apokryphischen Schriften in der alt-äthiopischen (Ghe-ez) Sprache, welche zu dem semitischen Sprachsramme gehört. In derselben Sprache ist auch ihre übrige religiöse Literatur und zwar sind sämmtliche Bücher, auf Pergament geschrieben. Diese Bücher find nach Flad: 1) Kusalie, ein Auszug aus der Thora nebst beigefügten Erklärungen, die Moses von Gott auf dem Sinai erhalten haben soll.**) 2) Teesäsa Sambat (Sabbathgesetze). 3) Da» Buch Henoch. 4) Arbid, ein mystische» Buch, dar gegen allerlei Krankheften getragen wird. 8) Gadala Abraham (Geschichte Abrahams). 6) Gadala Möse (Geschichte MofeS). 7) Gadala Adam (Geschichte AdamS). 8) Ludit (der Inhalt ist nicht mftgetheilt). 5) Siöna Aihud (Geschichte der Juden), eine Uebersetzung de» JosephuS. *1 tt ist übrigen« undenkbar, daß di« Aalascha, welch« so schön« Seiet« haben, von denen ich weiterhin einige Proben gebe» werde, wirk, ltche» Götzendienst treib«« sollen C* ist wohl möglich, daß hier irgend ei» mystischer Unsinn »der vielleicht ein« verwechtluug vorliegt. Wird doch auch von den abendländischen Inden »er Sabbath al« Braut personifhüt und in de» »«bete »Lecha MM" sogar -postroxhirt. »ei einige»,Mihyerständnisse könnt« auch hier «in Uaeingnorihter an eine nn^hörige Beretzrung de« yersonift^rte» Sabbath« denken. **) «nch MM stimmt «il den «NM»« «MM, td Daniten. io) Mazhafa astasertt, (in Auszug aü» dem altm Testament (ohne Apokryphen). Von den mystisch-kabbalistischen Schriften, die Halevy bei den Falascha gefunden hat, bemertt derselbe, daß sie deutlich den Stempel des außerjüdischen Ursprung« trugen. Sanz Abefsinien ist übrigen» voll von MyftictSmu» und Aberglauben. Die Falascha sprechen die Landessprache, da» Amharische, unter sich bedienen sie sich einer besonder», ihrem Charakter nach noch nicht näher festgestellten Sprache, de» sogenannte» Agau. ,chre Namen sind nur zum Theil Mische, in diesem Falle sind sie der Bibel entnommen und werden nach abessintscher Weise ausgesprochen. Der Handel wird von ihnen durchaus gemieden, weft er, wie sie sagen, ihnen an der strengm Handhabung der Religionsvorschriften hinderlich fein würde. Sie treiben nur Ackerbau und Gewerbe, namentlich findet man unter ihnen Maurer, Zimmrrleute, Schmied«, Töpfer und Weber. Die Frauen, welche im Allgemeinen eine freie, gleichberechtigte Stellung den Männern gegenüber haben, Helsen diesen in ihrer Arbeft, sie gelten besonders als tüchiige Töpferinnen. Das Kriegshandwerk haben die Falascha nicht verlernt, sie sind sehr patriotisch gesinnt und haben dem letzten Könige Theodoru», obgleich dieser ihnen nicht geneigt war, Tausende von Kriegern gestellt. Sie wohnen meisten» in besonder» Dörfern. Wo sie mft andern Abessiniern in einer Stobt oder einem Dorfe zusammenwohnen, suiyen sie sich ein abgesondertes Quartier aus, welches sie durch Gehege und Hecken umgeben. Die» geschieht nicht etwa aus Zwang, wie bei den europäischen Ghetto'», sondern weil sie sich gegen Verunreinigung durch den Verkehr mft Andersgläubigen schützen wollen. Ihre Häuser, die übrigen» keim Mesusoth haben, zeichnen sich vor denen der übrigen LandeSbewohmr durch größere Reinlichkeit im Innern aus. In der Nähe deS Hause» befindet sich eine Hütte zur Aufnahme der nur leicht Verunreinigten, Me sich durch ein de» AbestdS genommme» Bad lM' reinigen müssen. In größerer Entfernung befindet sich Me Hütte für die in höher« Graden Berunreinigtm, sowie für Framn während der Nidda und de» Wochenbette«. Tie Aussätzigen werden noch vollstänMger abgesondert. Wer nur mit Andersgläubigen in Verbindung gekommen iss, mjtj}' schon für den Tag fasten und, bevor er wieder seine Wohstung betritt, ein Bad nehmen. Wegen der vielen Waschungen und Bäder, welche übrigen» zu jeder Jahreszeit und bei jeder Temperatur genommen werdey, Hgen sie ihre Dörfer und Quarttere nur in der Näh« von fließenvem Wasser an. Sie haben übrigen» auch di« Asch« der rolhen Kuh und da» Reinigungswasser. (4. Buch Mos. Kap. IS.) In jedem Dorfe befindet sich ein MeSgid (Tempel), der zum Versammlungsort und zum Gottesdienst dient. Wen« ein MeSgid errichtet werden soll, so werden zunächst die Fundamente fvi dar Heilige (MakdaS) und da« Allerheiligfte (Kedufa Kedufan) auSgegraben und zur Weihe derselben der Oberpriester der Provinz herbeigerufen. Sodann bilden die Priester und Me Männer des betreffenden Dorfe» eim Prozession, ein Priester, der den Orit trägt, leitet den Zug, ihm folgen die Andern, den Bauplatz umziehend, während die Frauen ihren Freudenrus „Jll, Jll" ertönen lasten. Hierauf wird der Bauplatz nach allen Richtungen, onrchkreutt, und stellen sich alsdann Me Priester auf da» Qmwrat, b&’fftr dar Allerheiligste bestimmt ist, von wo der Oderpriester nach einer kurzen Anrede den Platz einsegnet. Demnächst werden von de» Maurermeistern die 4 unbehauenen Ecksteine für das Allerheiligste unter Segenssprüchen de» Oberpriester» gelegt. Sobald der Bau fertig ist, werden Dankopser gebracht und der Tag als allgemeines Fest der Gemeinde gefeiert. (Fortsetzung folgt.)