Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Tet tan. E« hat sich wieder ein Rabbiner daselbst, Herr Lbrcham Levi, mit 48 Schüler» der dortigen Alliance'Schul: augeschloffen, während ein anderer, Herr Jacob Levi, ein Gleiche« mit SS Zöglingen zu thun gedenkt. Herr Gogman hat di« Schulstunden so geregelt, daß alle Schüler Platz haben werden. Die Sesammtzahl der Schüler wird »ach Aufnahme der Elaff« de« Herrn Jacob Levi 4S3 und di« der Rabbinen 7 betragen. Vermischte und neueste Nachrichten. Thvni. Der hiesige Gemeindevorstand hat soeben den (vierten gedruckten) Jahresbericht über den Haushalt und sämmrliche Zweige der Verwaltung au«gegeben, der ein so erfreuliche« BUd über die gedeihliche Entwickelung dieser Gemeind« in klarer, übersichtlicher Weise vorführt, daß wir Einzelne« daraus in nächster Nr. mittheilen wollen. Der Bericht ist in gar mancher Beziehung für viele Gemeinden mustergültig. Au« (-mner-hei» (bayer. Pfalz), den 9. Mai, wird ein Act der Humanität gemeldet, der in weiteren streifen bekannt zu werden verdienl. Die dortige israelitische Genieind«, welche ihre Todte» in dem 2 Stunden entfernten Rülzheim begraben mußte, war bei dem Stadtrath dahin vorstellig geworden, ihr auf Gaind de« neuen Gemeindegesetze« eine eigene Begräbnisstätte am Platz« zu überweisen. Diese« Gesuch wurde vom Slad-ralh zwar abgelehnt, dagegen den Petenten die Mitbenutzung de« christlichen Friedhöfe« gestattet, und zwar nicht etwa bloß eine besondere Stelle deffelben, sondern in der Reihenfolge auf „geweihtem" Boden. Da« zu hoffen hatte die israelitische Gemeinde nicht gewagt, und die Freude ist darum um so größer. Hainb. R. Au« Mecklenburg, 4. Mai. Durch den Dr. Donath, Prediger der israelitischen Gemeinde in Güstrow, ist in Erinnerung gebracht, daß in Mecklenburg noch immer ein besonderer Jtdeneid existirt, und daß deffen Ablegung eine gerichtliche MeineidSoerwarnung durch den betreffenden jüdischen Geistlichen vorausgehen muß, während Ehriften einer geistlichen Berwl.rnung nur dann unterzogen werden, wenn da« Gericht aui> bewegenden Gründen solche angeordnel hat. Äe- . wiß hat e« Grund, wenn Herr 0r. Donath in dieser Maßregel eine Seleidigung der Juden erkennt und meint, daß sie dem Geist t«r ReichSverfaffung widerspreche, anderntheil» wird aber auch nicht bestritten werden können, daß sie ganz zu allen übrigen specisisch mecklenburgischen Eigenihümlichkeiten paßt. (Ref.) Elsaß. Rabbiner Levy von Riederhagenthal ist mit dem Tode abgegangen. Er war eia treuer Diener de« Herrn unl, gehörte der streng-orthodoxen Richtung an. Er war erst 60 Jahre alt. Die Rabbiner von Bolveiler, Thann, Hegenheim und lstelfort sprachen an der Bahre. Htaburg. Hr. I. Levy hat der Stadt 6000 Mark geschenkt. Die Zinsen sollen zur Bestreitung der stoste« für «ine bester« Verpflegung armer unheilbarer Lranken im Slechenhause verwendet werde«. Hürde». Der hiesige Rabbiner, Hr. H. Schwarz, ist seinem vor drei Monaten so plötzlich verstorbenen Sohne (Rabbiner M Köln) in die Ewigkeit gefolgt. Beider Andenken sei gesegnet I In Leimeritz sungirr seit 15 Jahren ein gewisser St. al« Santoi und Schächter. Jetzt stellt sich heran«, daß derselbe vor 20 Jahren di« Taufe empfangen!? Au« Trient wird berichtet, daß daselbst „großartige Vorbereitungen getroffen werden, um in wenigen Monaten dieviene Säkularfeier dn in Trient durch di« Juden im Jahre 1475 vollzogenen Marterung (?) de« „unschuldigen Linde« Simon von Trient", da« damals erst 29 Monate alt war, „würdig" zu begehen. Den Anstoß zu dieser merkwürdigen Säkularfeier hat der bischöflich, Eoadjutor, Herr Haller, gegeben. Herr Jstoczy wird eingeladen werden, die Feier durch sein« Anwesenheit zu verherrlichen. (Hoffentlich wird diese Rischuß» Feier noch vereitelt.) Tholey, de» 16. April. Wie sehr der Fanatismus auch hier — in einem sonst friedlichen Orte — in Folg« de« Eulturkamps« um sich zu greifen beginnt, beweiset folgende wiederholt vorgekommene rode Thal. Schon vor einig, >l Wochen wurde in den hiesigen, schönangelegten israelitische» Friedhof, der nur rinkge Minute» von Tholey entfernt liegt und stet« geschloffen ist, ringedrungen, eine Grabiäule »m Gewalt vmgestürzt und theilweise i^rstümmelt. Man schwieg, um keinen weiteren Scandal zu veranlassen Doch umsonst; denn in voriger Woche (am 6. oder 7. d Ä ) wurde, melleichl von derselben verruchten Hand, an einem andern, in schöner gothischer Arbeit ausgeführte« Monumente, da« eine Zierde der Friedensstätte war, eia wahrer BandaliSmu« anSg.übt. Leine einzige Verzierung an dem ganzen Denkmile verschonte die rohe Zerstörung-sucht de« jedenfalls erwachse,teil Vösewicht«. Bin dritter Grabstein bekam im heiligen (!) Eifer ebenfall« seine» Denkzettel. Jeder Beffergesinnle hier ist Über diese Schandthat aufgebracht; aus die Entdeckung de« Thäter« ist «ine Belohnung gesetzt worden. (I. V.) I» Vavar-ka (Ungarn), starb der dortige Synagogen» dieuer Mojes Frinkel tut Alker von 105 Jahren, nachdem er noch a,n letzten Sabbalh vor seinem Tode seinen Dienst versehen Halle. Er hatte »n österreichischen Heere gedient und mehrere Schlachten gegen Napoleon mitgemacht. (Hamag.) Pari«. Herr Bedarrives ist zum ersten General-Advo» caten am EaffationSvof ernannt worden. Die „Gazette des Tribunaux“ bemerkt, daß diese Ernennung, al« Lohn hervorragender langjähriger Dienste und bedeutender Lenntniff«, in allen betheiligten «reisen sehr wohlgefällig aufgenommen worden sei Aber (fragt Umo JSr.) warum bemerkt die G. d. Tr., die sonst nie versäumt zu berichten, daß der und jener Angeklagte oder Berurtheilte „Juis" sei, hier nicht, daß Bedarride« J-eaelit und Mitglied de» i-rael. Eenlral-Tonfistorium« ist? — Moritz Heß, ein einst vielgenannter socialiftischer Publicift, der auch ein warnte« Herz für seine GlanbenSgenoffen hatte und eine Brochüre über die Eolonisation Palästina'« geschrieben hat, ist in Pari« gestorben. Seinem Wunsche gemäß ist die Leiche nach seiner Vaterstadt E ö l n gebracht worden Algier. Da« Journal osficiell veröffentlicht eine Statistik, woran« sich ergibt, daß von 57,200 Lindern, welche die Elementarschulen besuchen, 50,073 Europäer, 5646 eingeborene Israeliten und nur 1481 Mohamcdaner sind Die jüv Bevölkerung Algerien« beträgt nur 33,102 Seelen. (U. I.) Cair». Auf Befehl de« Lhedive wurde am 17. April i« großen Opernhause eine Vorstellung „zum Besten der israelitische» Frrischuleu" gegeben. (Arch. J«r.) Melbourne Lei der Ankunft de« nach der Gemeind« zu Dunedin berufenen Rev. Dr Lichtenstein in Melbourne wurde ein interessante« (wohl noch nicht dagewesene«) Familienereigniß bekannt. Demselben wurde an Bord de« „Great Britain" unterweg« ein Sohn geboren, und e« fand deuinach eine Brith-Milah aus dem Schiffe statt. Alle Umstände vereinigten sich, um dir« Ereigniß zu einem freudigen zu machen. Die Keremonie fand gerade an Purim statt. Die Zuvorkommenheit de« Lapitän« und di« unermüdliche Freundlichkeit de« Schiffsarzte« Dr. Ascher, eine« Israeliten, ermöglichte« e«, den Akt so feierlich wie möglich zu machen. Der Damensalon wurde zu demseiden eingeräuml und war von Zuschaner» angefüllt. Reo Lichtenstei« fungirte selbst al« Mohel. (I. World.)