Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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versität, da« Polytechnikum., die Akademie der Künste u. s. w. besuchen, ist in stetiger und erfreulicher Zunahme begriffen. Ein dedepteuder Bruchtheil der studirenden Jugend har mit der Noth de« Lebenzu kämpfen, und mancher talentvoll« und strebsame Jüngling müßte ohne die wirksame Unterstützung de« Verein« verkümmern oder gänzlich dem Studinm entsagen. Unbemittelte strebsame Jüngling der Wiffenschaft, den idealen Bestrebungen zuzuführen und denselben während ihrer langen und oft dornenvollen Studienzeit die drückendsten Sorgen abzunehmen, ist die vorzüglichste Aufgabe de« Vereine«. Karlsruhe 2öw geben zur Ergänzung der in voriger Rr. gebrachten kurzen Notiz über die hies. Synagogen - Einweihung im Nachfolgenden einen Auszug au« dem längeren Berichte der „Karlsruh. Zeit." vom 13. Mai. hierüber: „Die gestern Lbend staltgefundene Einweihung der neuen Synagoge gesta tet sich zu einer außerordentlichen erhebenden Feierlichkeit, zu welcher Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog, die Frau Großherzogin und der Erbgroßherzog, Ihre Kaiserl. Hoheit die Frau Prinzeffin Wilhelm, Ihre Großh. Hoheit die Fran Fürstin Hohenlohe Langenburg, die Mitglieder de« Gr. Staal-ministerium«, Vertreter der Generalität, die sonstigen Spitzen der Staatsbehörden, sowie die Leiter der städlisaikn Venoaliung, Vertreter der Geistlichkeit der andern Konfessionen und aller hervorragenden Kreise der hiesigen Slavt der ehrenden Einladung der hiesigen israelitischen Gemeinde Folge geleistet hallen. Von 6 Uhr'ab füllte sich da« in seinem herrlichen Schmuck und in glänzender Beleuchtung strahlende GotteShanS, welche« feine Weihe erhalten sollte. Beethoven'« erhabene Klänge der Hymne „Die Himmel rühmen de« Ewigen Ehre", au«- gefühn von dem durch hiesige Gesangvereine verstärkten Synagogenchor, gingen dem Eintritt der festlich geschmückten Träger der in kostbaren Hüllen befindlichen Thora-Rollen voran, worauf Oberralh W i l l st ä t t e r die rituellen Gebete hebräisch und deutsch oortrug und der Ehor responsorisch mehrfach cinfiel. Hieran schloß sich da« eigentliche Dank und Weibegebrl de« schon genannten Rabbiner«, welche« davon auSging, daß der das frühere Gotteshaus zerstörende Brand die Begeisterung der Gemeinde angrfacht und zur Errichtung eine« so reichen und kunstvollen Baue« geführt habe. Schwungvoll und markig war der Inhalt der Gebete«- und Weiheworte, und inbegriffen wurden in erster« mit den heißen Segenswünschen für die Gemeinde und ihren neuen Tenipcl oie Bitten für alle Völker und die Angehörigen jeden Glauben«. Auf eine größere Eantate al« Einweihun:'.Sl>ev folgte nun von der Kanzel herab die Festpredigt eine« jüngeren israelitischen Theologen, de« Hrn. Dr. Ad. Schwarz vom Breslauer Rabbinerfeminar. Rach >ehr anregender Einleitung, in welcher unter Anderen de« Opjerwillcii« so vieler Kreise gedacht wurde, weicher da« herrliche GoileShau« erstehen ließ, und dankvoll der Thatsache, daß im Lande Baden unter Großherzog riedrich zuerst den Israeliten tie volle Gleichberechtigung gewährt wurde, ging der mir war-- er Begeisterung uns sreimülhiger Klarheit begabte Redner zu seinem Hauptlhema, der Darlegung von „Zweck und Bedeutung de« Gotteshauses für unsere Zeit", über. Drei Säulen seien e«, auf denen die religiöse Gemeind« beruhe, da« Gebet, die Lehre und der Friede in der Gemeinde. Lebensvoll führte Redner diese Gruudanschauungen seine- Glauben« in ungemein feffelnder Rede durch, wobei besonder« der zweite Theil mit Würdigung jede« Fortschritt« der Menschheit und jeder Errungenschaft der Wiffenschaft von freisinnigstem Geiste getragen war. Ebenso wurde die Kraft -r« öffentlichen Gottesdienste«, da« Erhebende der gemeinsamen Andacht mir überzeugender Wärme und Begeisterung geschildert. Da« umfaffende Schlußgebet de« Oberrath« Millstätter, in welchem neben den Bitte» für da» gesammte Leben de« Einzelnen und der Gevleiude unter Anderm auch in würdigster Weife den patriotischen Gefühlen für Kaiser und Reich und da« hohe Fürstenpaar unsere« Lande«, sowie für die Wohlfahrt de« letzteren Ausdruck gegeben war, verbunden mit dem gespendeten Segen, Gesang und Orgelspiel, schloffen «ine Feier, welche Jedem, der ihr beiwohnte, sowohl wegen de« erhebenden Inhalt», al« wegen der künstlerischen Abrundung unvergeffen bleiben wird." Araakretch. Paris. (Bericht der Alliance J«r. Univ. für April.) Reue Mitglieder: SSI. (Da« Bulletin für März wie« 288 nach, darunter 106 au« Amsterdam.) Tuni«. Die Affaire der beiden, unter dem Vorwand« ihreerfolgten Uebertritte« zum J«lam, ihren Eltern geraubten iSrael. Mädchen an« Elmeckenine scheint in ein etwa« bessere» Stadium «inzutreten Nach einer Mittheiiung de« Präsidenten de« dortigen Bezirk-comite«, H. Abraham v. Bocara, hat H. L. Elmilit von dort, Bicepräsident de« Eomite«, von Sr. Exc. dem Premierminister de« Bay, General Kher el Dine, da« Versprechen erhalten, da« jünger« der beiden Mädchen nach Tuni« kommen und hier vor Gerichtspersonen über die Umstände und die Aufrichtigkeit leine» Ueberlriil« ausfragen zu lassen; e« sind bereit« die nölhigen Anordnungen hierzu getroffeea worden. Mehr kann und darf für den Augenblick micht verlangt werden. In derselben Audienz hat H. L. Elmilikden Wunsch der Israeliten von Tuni« ausgesprochen, daß die Regierung zu der beabsichtigten Einrichtung einer israelitischen Schule in der Hauptstadt gütigst beitragen möge, und ist von Sr. Exc beauftragt worden, jedenfalls ein geeignete« Local für diese Anstalt zu suchen, die tunesische Regierung werde die Miethe desselben, wenigsten« theilweise auf Staatskosten übernehmen. Wir theilen ferner diesmal Einige« au« den Sch ul Nachrichten mit. Der Mädchenschule in Adrianopel, eine Subvention von 1800 Frc»., der Bericht sagt: Viele Eitern, die gegenwärtig sich noch nicht mit dem Schulunterrichte befreundet haben, werden sicher ihre Kinder in die Schule schicken, sobald diese nur erst im geordneten Gange sein w«rde, und wa« den Einfluß betrifft, der von dieser Anstalt zu erwanen sei. sa könne derselbe nicht hoch genug angeschlagen weroen; die Mädchen, die in Adrianopel gewöhnlich schön im Alter von 15 oder 16 Jahren verheiralhet werden, würden, wen» sie selbst unterrichtet wären, auch ihre Kinder dereinst unterrichten taffen und dadurch auf den Fortschritt der J-raelitea des Landeeine entscheidende Einwirkung mit auSüben. — Ba gd ao H^rr Joseph Motse, Präsident de« Aufsichl-coinites über di« Handwerkslehrlinge, berichtet Günstige« über die Fortschritte der Letzteren; der Abenduntericht läßt nichtzu wünschen übrig; da« AufsichtScomite hat neulich die Lehrlinge examinirt und mit Genugthuung die Fortschritte derselben constalirt. Herr Lnrion, Präsident de« Localcomike« daselbst, fügt diesen Bemerkungen einige Detail» über die gegenwärtige Lage der J-raeliten von Bagdad hinzu. Dieselben haben in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht; die jungen Leute suchen den Unterricht auf, Einige find bereit« in RegierungSdureaus angestellt, kurz, die Heranwachsende Generation berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. In gleiche« Maße bat sich auch die materielle Lage der JSkaelilen von Irak überhaupt verbessert, seitdem durch di« Durchstechung der Landenge von Suez ihren Unternehmungen ein weiterer Spielraum eröffnet worden ist. Endlich sind auch die Beziehungen derselben zu der muhamedanischen Bevölkerung sowie zu den städtischen Behörden im Allgemeinen freundlicher Art, und kommen jetzt Gehässigkeiten weit seltener zum Vorschein. Herr Defträe«, französischer Lonkul von Bagdad, de« da« L.-Eomite um sein Interesse für die dortige Schule der Alliance gebeten hatte, schlecht, daß dieselbe die beste sei, di« er bi« jetzt gesunden; er habe sich vorgenommen, sie recht oft zu besuchen.