Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Die fast durchgehend« auch die hiesige Universität frequentirende i Hörer de« Seminar« sind nämlich meist in dem Alter jener Dienstpflicht, müssen daher zur Zeit und meist mehrere Jc hre nach einander ihre Studien durch eine im Ganzen immer mehrmonatliche Heimreise unterbrechen, wodurch mchi nur die empfindlichste Verzögerung des Fortschritte«, sondern durch die Organisation der Anstalt, resp. Continuität der Vorlesungen eine ganz uneinbringliche Lückenhaftigkeit in ihrem Studiengange hervorge-ufen wird. Dieser: großen Nachtheile konnte nur dadurch abgeholfen werden, wem den auf dem Rabbinerseminare Studirenden die Enthebung von der Präsenzpfiicht gewährt werden würde, wie solche Seiten« de« hohen Ministern*) auch dem Breslauer jüdtheol. Seminare gewährt, und dem Vernehmen nach auch einer hieroris befindlichen, principiell gegensätzlichen, und von den Jüngeren, ivelche das unter den Ampicien des Unterzeichneten flehende Se mnar besuchen, peryorrescirten, sogenannten »Hochschule für ine Wissenschaft des Judenthums" gewährt sein soll. Indem sich der Unterzeichnete auch mit einem gleichlautenden Gesuche an die hohen Ministerien-gewendet, ersucht er tochdieselben: Die elben wollen geneigtestens in Erwägung alles Obigen den Hörern des Rabbinerseminars aus Oesterreich-Ungarn die Enthebung von der Präsenzdieiistpflicht für die Zeit ihr«» Studiums an der Anstalt gewähren. Berlin, den 16. Juni 1874. Eines hohen Ministerii ganz ergebenst Dr. I. Hildesheimer. M. Hc «bürg, den 16. Mai. (Or.-Eorr.) Ich bin heute in ver Lag», Sie von einigen Vorgängen bei uns unterhalten zu tonnen. Unser EultuS-Vorstanv und unsere Genicinde-Bertretung sind kürzlich einmal wieder etwas hart aneinander gerathen. Es war Sitte, daß in unseren Synagogen, an einem der Sabbathe nach Absterben eines Gemeindevorstand-Mitgliede«. der Vorbeter bas bekannte D'öm K^S?K vor dem Mussaf-Ged< t vorgerragen hat. Ganz ohne irgend Veranlassung dazu zu haben, erhielt nun jüilgst der Vorsitzende unseres G.mcind« Vorstandes ein Schreiben von der Verwaltung unseres Synagogen-VerbandeS, worin chm zur Anzeige gebracht wird: daß man sich gemüßigt sehe, dem Gemeinde- Vorstand kund zu thun, daß in Zukunft bei' Sterbefällen, die eines der Mitglieder des Vorstandes treffe» sollte, das obige Gebet nur dann in den Synagoge» vorgetrageil werden dürfe, wcnr jenes Mttglied zugleich Mitglied des Synagogen- Verbandes gewesen sei; — eine Ausnahme hiervon mache allerdings auch ein Nichtmi-glied des Synagogen-VerbandeS, wenn e» bereits vor dem I. Januar 1868, dem Tage deS Jnkraftreters unserer neuen Gemeinde-Verfassung, alS Gemeinde-Vorf.eher in Wirksamkeit gewesen war. Vor obigem Zeitpunkt «ar der Eultus ein Zweig der Verwaltung de« Gesammr-Vorstandes. Der Vorsitzende veS Vorstandes, der zufällig auch Mitglied des Synagogen-VerbandeS war, sah sich in Folge der erhaltenen Zuichlifl veranlaßt, zugleich mit der Empfangsdesch-rnigung oes Briefes seine» Austritt aus den» Synagogenverband anzuzeigen; ein anderes Mitglied trat gleichfalls aus; es »oaren d es die einzigen Milglieder des aus sieben Personen befiel enden Vorstandes, die zugleich auch zu obigem Verband gehört haben — Enlzret ung von verariigen Ansprüchen über das Grab hinaus, jche neu indeß in unserer Zeit keine Erfolge mehr zu erzielen. Bei Gelegenheit der Revision der Statuten deS Deulfch Jsre eliltschen Waisen-JnftitutS Hierselbst (vorhanden seil 1766) soll daS schon seit sehr langer Zeit bei Beerdi- *) Soll»« am 4wx dieser LuSdruck eia Mißoerständniß her beige« fiivrt habe», indem man ihn aus da»vreu hische Minist, dr-ogen hätte, während da« jsterreichische gernemt iftk — Mit dem abschlSglichen Besch«»»« scher« ts übrigen» sein« Richtigkeit zu habe» Red. , gung von verstorbenen beitragenden Mitgliedern üblich gewesen Begleiten der Leiche von Seiten der Waisenknaben bi« zum Friedhose und da« Recitire» des 91. Psalm« daselbst unterbleiben, weil der Schulunterricht, den die Waisenknabe», ’ solange da« Institut keine eigene Lehranstalt hat, in der Talinud-Tora-Schule genießen, durch die dadurch entstehend« Zeitversäumniß Abbruch erleidet, und diese Einrichtung bei der in nicht sehr langer Zeit bevorstehenden Verlegung de« Friedhöfe« in größere Entfernung von der Stadt ohn-hin würde aufhören müffen. — Dieser Gebrauch scheint zu fallen, ohne daß sich Jemand für Beibehaltung desselben erwärmen will. (Die« ist aber doch mit dem Vorerwähnten lischt zu vergleichen. Red.) In Folge einer erlaffenen Aufforderung traten hier im' Monate April der Alliance universelle 20 neu« Mitglieder bei. Die in Nr. 19 der Israelitischen Wochenschrift und auch vielfach anderweitig gebrachte Nachricht, das der hier eine Zeit lang schon al» Privatmann lebende Rabbiner Dr. Jsaacjohn zur Bekleidung eine« Rabbinats nach Utrecht berufen sei, entbehrt sicherem Vernehmen nach jeder Begründung. — Im vorigen Monate fand die öffentliche Prüfung der Schüler der israelitischen Gemeindeschule in Altona statt. Nach de«» einstimmigen Urtheile aller Anwesenden hat di« Schule, seil den wenigen Jahren, di« sie neu orgauisirt worben, bedeutende Forlschrill« gemacht ui»d berechtigt zu den besten Hoff» ungen. In solchcm Sinne hat sich auch, wie man hört, der der Prüfung mit beiwohnende Schuldirektor Andresen * ausgesprochen. Aus Veranlassung des Oberrabdiners Dr. Lüb hat sich bereits im Jahre 1873 ei» „Verein zur Förderung der Jsr. Gemeindeschule in Altona" gebildet, deffe» Zweck die Erhaltung der Geiueindeschule, sowie die allgenieine Förderung de« Jugendunlerricht« in der Gemeinde ist. Zur Erreichung diese» Zweckes soll der Verein der Schule nach Kräften die Mitte» ganz oder theilweise zur Verfügung stelle», welche zur Ergäuzung oer Lehrmittel erforderlich sind, und wird er ferner da« Schulgeld für Sühne unbemittelter rcjpecliv« wenig bemittelter Ellern ganz oder theilweise bezahlen, da der Anspruch auf unentgeltliche Benutzung der Schule, seit Uebernahvie des jüdischen Armenweseil« von Seilen der Stadt, aufgehör' hat — Schon seit längerer Zett war in dem Serbao«-Orl Rordern e y die Errichtung einer Synagoge zum Bedürsniß geworden, da das bisher zum Gottesdienst benutzte Local int Hause deS Restaurateur» van oer Wall sehr wenig den Ansprüchen der Besuchenden entsprach. Jü biesenl Jahre nun hat sich hier in unserer Vaterstadt uno in Hannover ein Eomitä gebildet, um dezeichuetem Beoürsuiß aözuhelsen. Zum Eomilee gehören anßer dem Lanvraddlner Dr. Meyer eine Anzahl geachteter jüdischer Herren tii Havlburg und in Hannover. Es ist bereits eine namhaft - Summe durch Beiträge von Badegästen schon früher zusame mengebrachl. Die OrlSoorsteher haben sich auch bereit erklärt, einen geeigneten Platz zur Synagoge uneittgeltlich herzugeden.. - München Bericht des Studien- und ArbeitS Beförderungs- Vereines für Israeliten in Bayern (1. Mai 1874 bi« 31. L ecember 1874). Dieser Verein begann seine Wirksamkeit anküpfend an den ehemaligen Handwerker- und Ackerbau-Verein für ^»raeliten in Bayern auf Grundlage der neuen Statuten - am 1. Mai 1874 und kann schon jetzt, trotz jeine« kurzen Bestandes, erfreuliche Resultate verzeichnen. Das Verzeichniß der Einnahmen, weist schon eiue beträchtliche Zahl ansehnlicher Spenden — darunter anonyme von 560 st, 100 fl., 87 fl. 30 fr.- nach. Der Verein Hai in den wenigen Monaten^seines Bestehens bereits Gelegcnhett gehabt, 25 Studirende der oerscheidensten Kategorien (und zwar 12 Studirende an der k. Uni- - versität, 8 Polytechniker, 3 Eleven der Akademie der Künste, 1 Lehrer, 1 Gymnasiast) in Beträgen von SO, 35, 25, 20 und 10 st. zu unterstützen. $ Die Zahl der iSraeliüschen Studirende», welche die Uni-