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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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rschichtlichei Entwickelung, Kirche und Bolttthum einander mehr al« «nderßwo decken. Run kowqit^ein zweiter Umstand hinzu Dei! „(jjjlo«" kennt vornehmlich »ur zwei Klaffen von Judeu De Alttauften oder die dem JDeesthuÄ agut Entfremdete«, weicht ran au^ unMauft nicht mehr ÄS Inden betrachtet — dies« zusammen nennt der „GoloS" die „Gebildcten" — :znd hie Pfaffe, die Mir nicht g-ch aü» Ehpfsidim besteht, untir denen diese stch aber besonder» bemertiich machen, die Ri affe also, di« man al« jeder Bildung, jedem Anschluß an di» russische Holt aus« Tiefste abgeneigt bezeichnet. Zwischen diesen beiden steht allerdings auch in Rußland ein Häuflein, welche« Treue gegen da» Judenlhum und Eultur zu vereinigen strebt, aber e» ist eine an Zahl und an Einfluß vorerst noch kleine Zahl. Der „GoloS" glaubt nun, er muffe die A usfificirung der Juden mit Hülse der Erstgenannten, der Gelausten und der Indifferenten, Nihilisten wie man sie richtig bezeichnen muß. erreichen. Da kommen di« Männer bei' Alliance, sie möchten, wenn man es ihnen nun gestatten wollte, den russischen Juden Bildung, Schulen, In ouftrie, alle Segnungen wirklicher Eioilisation bringen oder doch r ermitteln, natürlich ohne die Religion anzutasten, sie zeigen schon durch ihr Beispiel, dnrch ihre Existenz, durch dm Be rein, daß auch die russischen Juden Juden bleiben und doch sich civilisiren und nationalifiren können — das ist den „GoloS" ein Dora im Auge, sein Russificirung-plan vird dadurch vereitelt. Dazu kommt für den „Goto»" noch ein Rebenumstand in Betracht. Man kennt die intimm Beziehungen Rußlands zu Rumänien, besonder» zu d e r Partei, welche dort die Judenverfolgungen zuerst angeregt hat. Da ärgert man sich natürlich darüber, daß die Aufmerksamkeit Europa'» auf diese» Land, auf da» Treiben jener Partei gelenkt wird; man denuncirt Diejenigen al» Unruhestifter und internationale Agitatoren, welche die Rumänen im Judenabfchlachtm zu stören versuchen. Wir haben aber noch nach einer anderen Seile bi» einen Blick zu werfen; der „GoloS" selbst und allein ist cs nicht, der unser« Unwillen wegen de» grundlosen und nicht-würdigen Angrif'S auf die Alliance verdient. Denn diese« Blatt gehört, wie schon bemerkt, nicht etwa zu den ordinären Judenfressern, e» weiß sehr wohl und erkennt e» z. B in dem oben erwähnten Artikel vom Oktober 18 6S an, daß die Juden im westlichen Europa „ihren christlichen Mitbürgern durch ihre Thäligkeit nur Borthril, und zwar enormen Bortheil bringen, dc.ß sie selbst in Posen, Hamburg und Frankfurt, so zahlreich si: auch dort sind, nicht allein nicht geschadet, sondern ungemein genützt haben, und, um die Wahrheit zu sagen, viel mehr gelhan haben, diese Provinzen und Städte reich zu machen, al» die deutschen und polnischen Bewohner derselben." Da ist e» doch wirtlich rächselhaft, daß der ^Solo»" — und wir meinen ja nicht gerade die Redakteure diese» Blatte», sondern di« gebildeten Altruffen. welche ganz gut wiffen, we e» im westlichen Europa auSfieht, und wo sie selber der Schuh drückt — wir sagen, e» ist rächselhaft, daß der „GoloS" nicht jedem Streben zustimmen sollte, welche» di« russischen Juden auf dm Weg leiten will, den ihre StammeSgenoffta im Westen gegangen find. Warum stößt man die Hand zurück, die ihnm von jenfeit» der Grenze gereicht werden soll, >ooz» die Verdächtigungen, di« zu plump find, al« daß ihre tzlnfä ligkrü nicht bei« Riederschreib«» gefühlt werden sollte? Ein ganz kleiner Rebensatz in dem jfttröc«, in unser« vorigen Blatte erwHnten GoloS-Atttke^giM iin» Aufschluß, deine» di» Hösustg Kt» Räthftl» an. „Aolfll" citirt da eine» rMkspruch (bän&uf ria# rnagitf!" 2- Wer von de» MMeurest de» „GoloS" lieffvenn ein ickchbräischer Sprach« geschriebene» Blatt?! Die Personalien de« RedactiouSdurea« sind un» unbekannt; aber M ßr tat, wer ^auffigid" lieft, so fleißig liest und excerpirt, daß er heute den Jahrg. 18SS cüiren kann, sei er Redakteur, Mitarbeiter, Lorrespondeut, Eolporteur — der ist eben e»a I u d e, getauft oder noch nicht gerauft, sicherlich kein Rationairuff«! Wir citirm femer noch einen Satz au» dem älteren GoloS-Artikel. Da heit e»: „Zwischen den gebildetm Juden, die Ehristen geworden find, und ihren in taimudischer Uawiffeaheil dahinlebendm SlammeSgenoffea besteht eine Kluft, ... im westlichen Europa ifl der Unterschied zwischen den Berhältniffen der getauften und ungetauften Juden — vorausgesetzt, daß beide auf einer BlldungSstuse stehen — nicht so groß al« in Rußland." — Jetzt haben wir wohl Material genug, um un» zurecht finden zu können. Die Einbläser de» „GoloS" sind die „gebildeten" getaufte» und ungetauften Juden, d. h. die russischen! Unbeschadet deffen, wa» unlängst ei» Eorrespondent au» Warschau in diesem Blatte von der Stamme»liebe gelauster russischer Juden (oder polnischer — macht da» vielleicht einen Unterschied?) erzählt ha«, wiffen wir aus'» sicherste, welch' eine Bande von gelausten Juden von der Art de» alten Psefferkoru und Eons., die früheren GlaubenSgenoffen anschwärzend und auf» schwerste beschuldigend, in Rußland chr gräuliche» Unwesen treibt. E» ist da» chr Gewerbe, chr Brod, dafür sind sie übergrtreten. Zu diesen gesellt stch nun die Elaffe der nicht getauften „Aufgellütten," wie fi« sich selbst dort nennen Wir kennen auch diese, und habm selbst die»seit» der russischen Grenze, aber in deren Rühe, solche Subjette, die mit einem Sprung« aü» dem Bereiche der Talmudstude, de« Ehassidimstübel, der striarften Observanz, in die bodenlose Negation, den RihiliSmu» überspringen. „Bor dem Sklaven, wenn er die Kelle bricht —" heißt e» da. In Rußland mögen da n auf dem Boden de» Nihilismus, Ser oort so breit ist, allerlei schöne, getaufte, ungelausle, unter dem Scheine der Mesusa oder ve» Heiligenbilvchen» ursprünglich geborene Seelen sich zusammenfinden.. Diese Aufgeklärten, „Gebildeten" de» „GoloS", find die Männer, welche nicht» grimniiger Haffen, al» Diejenigen, wrlch« au» ganzem Herzen Juden bleiben, Bildung, Stellung, Anerkennung erworben haben unv, liebend und treu, den tiefer« stehenden Brüdern die Hand reichen wollen, »m sie zu sich empor zu heben. Denn diese Männer zeigen jenen, daß sie umsonst sich dem Abfall hingegeben haben, oder daß ihre Aufklärung hohl und taüb ist. Wir haben einen verdünnte« Aufguß auch in Deutschland an solchen (z. B. Redakteure „fortschrittlicher" Blätter), welche bei jeder Gelegenheit sage», daß sie zwar den „ehrlichen alten Orthodoxen", d. h. denjenigen, der nicht» al« den Talmud kennt und sonst nicht einmal sei-' aen Ramrn schreiben kann — höchlich achten, aber daß fi« denjenigen perhotte»ciren, der an allgemeiner Bildung, Wissenschaft und jeglicher Respectabilität ihnen mindesten» gleichsteht, dabei aber da» Judenthum ganz und voll gelten läßt. „Laßt euch taufen, oder wenn chr da» nicht gleich lhu» wollt, so gebt wenigsten» da» Judenlhum auf, ober — Meibt

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