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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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fürchtend« Erfahr }u verhindern, und so entfernt« sich dt« Mehrzahl der Anwesenden ruhig, während da» Häuslein der Zurückgebliebenen im Stande war, durch da« rasch herbeigelragen« Wasser bin Brand zu löschen; allerding« wurde der kostbare Vorhang — ein Meisterwerk der Goldstickereikunst (er hat, nach der „I. W" au 4000 fl. gekostet) — ein Staub der Flammen.* Warum ich die „Richtung* de» citirten Blatte» hier näher bezeichnet habe? Ihr« Leser mögen selbst urtheilen. Da« Blatt, welche« sich „JSraelit" betitelt, ergebt sich über de» Vorfall in nachstehender Auslassung: „Nürnberg Die EinwethunMeve für die hiesig« Orgel-Synagoge gipfelte bekanntlich in einem Sitar au« Schiller'« Lied an die Freude: „Diesen Nutz der ganzen Welt.* Am ersten Tage de« Pestachfefte» sollten die A»fang«wort« jene« schönen Liede«: „Freude, schöner Göllerf u n t«n" im Wortsinne wirksam werben. Der Rabbiner predigt« feurig, zündend! Plötzlich stand der Vorhang vor der heiligen Lade in Fla in m e n. Zwar gelang e« den zahlreich anwesenden Andächtigen, bald durch rasch herbeigetragene« Waflcr den Brand zu löschen, allein der kostbare Vorhang — ein Meisterstück der Äoldstickerkunst — wurde ein Raub der Flamntcn. So zündend hat wohl noch nie rin Redner gesprochen. — Skeptiker wolle» zwar behaupten, daß nicht da« Feuer der Rede den Schaden verursacht, sondern daß der Wind den Vorhang einer Ea-slanimc zu nahe gebracht habe.* Wie leuchtet die Helle Schadenfreude au« diesen boshaften Sätzen hervor! Eanz i» der Weise ullrainonianer Schinähblätter ist die Schilderung so gehalten, daß ei» fyr die Ein» gebungen de« Fanatismus empfänglicher Leserkreis „den Finger EotleS* erkennen soll. Die-mal zur Warnung «in gestickte« Parochelh, ein andermal, wenn nicht baldige Bekehrung erfolgt, mehr. - Warum ist da« nicht ausdrücklich gesagt? Der Sache wegen wäre e« sicherlich nicht «»«geblieben, aber «» würo« doch wohl selbst einem Leser beS „JSraelil* eingefallen sein, sich de» gräßlichen Unglück« zu erinnern, welche» am Jomkippur vor. Jahre» durch blinden Feuerlärm in einer Synagoge entstanden ist, die weder Reformen »och Orgel, noch einen Schiller citirendc» Rabbiner besitzt. — Welch eine Borstellung muß der Redakteur von seinem Publikum haben, wenn er r» durch solche Artikel für die Sache der (besser: feiner) Orthodoxie zu gewinne» glaubt? Bchistttik in Westpr., S. Mai. (Or.-Corr.) Sie bringen ln Rr. 17 und 18 der „J«raelilischen Wochenschrift" einen Artikel au« Kempen, der wahrhaft enipörend auf jede» glaubrnttreue israelitische Gemülh wirken muß; ich erlaube mir daher Ihnen folgende« Factum al« Gegenstück zu jenen, mitzutheilen und um gefällige Aufnahnie zu bitten. Bei der diesjährigen Einschätzung zu den städtische» Abgaben am hiesigen Ort« beantragte ei» Mitglied der EinschätzungScommisfion, Herr A. I. Herzberg, meine Befreiung von diesen Steuern, da auch di« beiden christlichen Geistlichen sowohl als dir Lehrer an der Stadtschule solche nicht zahle» Herr Stadtvrrordnetenoorstehrr, Fabrikbesitzer E. Hahn (Christ) stiminte, unter Anerkennung der angeführten Gründe, diesem Anträge bei, und so wurde derselbe unter Zustimmung sämmtlicher EiuschätzungS-Commisstonsmitglieder zum Beschlüsse erhoben. E« ist dieser Act der Toleranz um so mehr lodend anzuerkennen, al» der hiesige kleine und notorisch arme Ort durch Erhöhung der Gehälter für den Bürgermeister und die Sladlschullehrer, sowie durch Unterstützungen ariner Witt wen und Waisen au« der Eholerazeit de« Jahre» 187S schwere Derpstichlungen hat, und deshalb die Tommunalstener um SO erhöht werde» mußte. Möchten viele OrtSgenieinden diesem hnnianen Beispiele folgen und die Gleichstellung der christlichen und jüdischen Beamten immer allgemeiner eingeführt «erden. I. Lewinsohn, Eultu«dramter. Sch»eide«ühl, de« 28 April. (Or. Torr) Am verwiche««-Sonnabend <.T)"n rav) fand in der hiesigen Synagoge eine Feier statt, die «» verdient, in weiteren Kreise« bekannt zu werden. E« wurde nämlich rin Zögling der hiesigen Provinzial- „Taubstummenanstalt* von unserem Rabbiner, der, wie schon früher in diesen Blätter» berichtet wurde, den jüdischen Reltaion»- Unterricht in der Anstalt erthetlt, eingesegnet. Der Knabe, Namen« Karminer au« Kempen, wurde zur Torah gerufen, und er sprach die 7112^2 deutlich und vernehmlich. Der Einsegnung«akl begann mit einer Prüfung in biblischer Geschichte und in der Religion»lehre. Die Antwort« waren alle sehr exakt und sichtlich auch mit Gefühl und verständniß. Die Zehngebote trug der Knabe hebräisch und deutsch vor. unv laS auch einige Stücke au» dem hebräischen Gebetbuch« und übersetzte sie deutsch. Darauf sprach er ein GlaubenSbekenntniß, dem sich ein Gelöbnis anschloß, und zum Schluß ertoeilt ihm der Rabbiner den üblichen Segen. Die Feier machte aus alle Anwesenden einen sehr erhebenden und rührenden Eindruck und erinnert« an da» Wo st de« Propheten (Jes. 35, 6.) „Dann wird die Zunge de» Stummen jubelit*. Oesterreich. Wie«. Die i«raelitische Allianz zu Men hielt am 25. d. MtS. ihre zweite ordentliche General-Versammlung. Der vom Präsidenten Josef Ritter v. Wertheimer vorgetragene Bericht über die Erfolge de» Vereins und die Wirksamkeit de» Vorstände» im zweiten FunctionSjahre theilt Eingang» mit, daß der Lorstand Beziehungen mtt den ältern Verbindungen gleicher Tendenz im Ausland«, nnd zwar mit der Alliunoe israelite universellem‘Pari«, btr Aaglo-Tewish- Association in London, den rumänischen Hilf»comite» in Berlin, Brüssel, Rewyort, Rotterdam und Turin, -»geknüpft habe und bestrebt war. in der Behandlung außerösterreichisch-ungarischer Angelegenheiten Hand!n Hand mit den genannten Eomtte» vorzugehru. Eine Sectio» zur Förderung jüdischer GeschichSt»- forjchung und Wissenschaft in Oesterreich-Ungarn wurde gebildet, deren Aufgabe e» sein soll, die auf die Geschichte der Juden in Oesterreich Ungarn bezüglichen Urkunden zu sammeln, zu sichten und in einem „Archive" zu veröffentlichen. Eine Reihe von Personen, zumeist Rabbiner in den Provinzen, die sich um den Verein verdient gemacht, wurden zu correspondirenden Mitgliedern ernannt. Die statutenmäßige Wirksamkeit de« Verein» erstreckt sich nach drei Richtungen: Hebung de» jüdischen Unterricht»- und Erziehungswesen», Förderung der Rechtsverhältnisse unterdrückter Glaubensgenossen und Unterstützung der Wissenschaft jüdischer Geschichte und Statistik. Zur Förderung de« jüdischen Schitlwesen» wurde im verflossenen ahre zum Beginn de» Jahre» 1875 neun inländischen Korporationen ein Betrag von zusammen 1350 fl. und der Musterschule in Botluschan (Rumänien! ein Betrag von 270 st. zugewendet. In Betreff der jüdischen Schulfrag« ha» der Vorstand den Bericht de» nach Rumänien entsendeten Herrn SmolenSky, begleitet mit seinen Bemerkungen, den rumänischen HllfScomiteS im Ausland« zukommen laffen; ein definitiver Beschluß in dieser Frage wurde noch nicht gefaßt. Auch im verflossenen Jahre haben die Rechtsverhältnisse der serbischen und rumänischen Israeliten den Vorstand vielfach beschäftigt. Der Bericht constatirt, daß trotz mannichfacher Bemühungen, eine Besserung herbeizusühren, die Lage der serbischen und rumänischen Israeliten und selbst die Berhäftnisse der dort lebenden israelitischen Angehörigen Oesterreich-Ungarn» noch keine erfreuliche Wendung genommen. Rach den Versicherungen, die dem Vorstande jedoch von hoher Seite auf die in einer Petition und in persönlicher Audienz dargelegten Vorstellung z» Theil wurden, dürfe man erwarten, daß mit dem Zustands kommen der Zoll- und Handel» - Uebereinkünfte zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien di« m der diesseitigen Monarchie verfassungsmäßig bestehende Rechtsgleichheit aller österreichischen Staatsbürger auch tu ihrem Handel«- und Verkehrsbetriebe in Rumänien in Zudmft tractätltch gesichert fein «eich«. Der Verein hat für zwei jüdisch literarische Unternehmungen

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