Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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begründen, und dakönnen wir am besten dadurch lhun, daß wir — in AuSzlligen aus dem uns vorlieHduden fefff umfangreichen Bericht 8kr „Fränkischen Zeitüll^*' — einzetü« Stellen au« den beider Feier gehalbtnechMeSe^ miflsseilen. Dn^ diese keire bioßchi PanegyriRn z^ie^sissb,-kmsür »IW'dinertheil« di,: Oeffentlichkeit, andcrnlheilS, denken wir, fühlt es sich fck«„- hfüinSe . Dii' «kgentlich« Astkede Prof^fsti: Ör: o<M' Brinz auS München. Sr wies darauf hin, daß der Mann, dessen Andenken heute gei eiert werde, in Bayreuth, wo feine Wiege gestanden, in Erlangen, wo seine Heimath war, in Fürth, in AnSbach, in ganz Franken und weil darüber hinaus rühmlich bekannt fei; wer ihn noch nicht kenne, werde ihn bald kennen lernen, denn ganz so wie er im Leben war, habe der Künstler ihn dargestellt. Daß man ihm ei» Denkmal gesetzt, werde der Rechtfertigung nicht bedürfen. Wenn in fernen Tagen Fremd« zu ihm »ufblicken, werde man sagen, daß er der Verehrung würdig roar, weil im hohen Maße Güte u»d Menschenfreundlichkeit sein ganzes Leben lang ihn beseelten. So wie er war, so einfach, schlicht, so edel tritt in diesem Denkmal seine Gestalt zu Tage. Wer den Jakob Herz vor vierzig Jahren kannte, der erinnert sich de» ärmlich gekleideten JünglingS, dem deS Lebens Annehmlichkeiten verschlossen waren, und der einer in großer Roth lebenden Familie angehörte. Sein Anblick mujne nichtdesto weniger in gute Zeiten versetzt haben, denn Güte und Menschenliebe leuchteten von seinem Antlitz, die Feinlnil uud der Adel seiner Züge gewannen die Herzen; er stand, durch lange» Studium mir ber Wissenschaft vertraut und Her-: der Materie, durchgeistigt vor un». Er war von ungemein hoher geistiger Begabung. Man braucht nicht Fachmann zu sein, um zu wissen, daß er die Gegenstände der Ratur und de« Leben» niil aller Schärfe auffaßte und aufnahm und daß er nicht wegen äußerer Erfolge, sondern au» wahrem inneren Triebe nachzuforschen gedrängt war. Wenn die Medizin wie die Jurisprudenz nicht dlos eine Wissenschaft, sondern auch ein«' Kunst ist, so war Herz auch ein Künstler. Er hatte da» Material zum Gelehrten und zum Literaten ersten RargeS in sich, und wie er als Lehrer unübertrefflich war, der sein Fach durch daS Wissen bemeistert, so war er auch Meister in der Kunst der Rede und in der Darstellung der Verwicklungen de» m« »schlichen Körper». Zur vollen Entfaltung 'einer literarischen Thätigkeit ist e» nicht gekommen, b-nn sein ganze» Leben war eine Transaktion entgegenwirkender Faktoren. Die Hemmnisse und Zurücksetzungen^»» er erfahren, konnten nirderdrückrnd für denjenigen sein, der von außen hn: seine Losung empfängt; Herz aber wurde nicht gebeugt, er nahm diese Dinge alS social-politische Phase hin, al» Erscheinungen, di« unabhängig von seiner Stellung waren. D:r wahre Grund seiner literarischen Bescheidung liegt in der Wissenschaft, in der Medici», die da Hilfe bedeutet. Können wir un» Herz denken, abseil» von Krankheit und Roth sei, Sludirzimmer hütend und Leidende ohne seine Hilfe lassend? Rein. Er mußte helfen, und er half Allen, die sich an ihu wendeten, er hatte für Alle die gleiche Sorgfalt, die gleicht L Hörigkeit, ob sie reich oder arm, vornehm oder gering waren, tie Erinnerung au die eigene Srmuth feiner Jugend bewahrt« ihn vor Einseitigkeit Herz war nicht bloß Dozent, sondern auch Arzt in de« Worte» vollster Bedeutung, und da zu der Fülle seiner Erfahrung eine ebenso taktvolle al« entschiedene PersönAchkeit hinzutrat^ swtzdaDWüberall begehrt. SÄbrtft bifltnchMs iATT« in efllbringkRhe^WWe daS Wese» und dN ^erhaKtn dt»''gestiertist SRatflft# ist Ansicht der confesfAiiS^en BsthälistiA. SeOe^neiAnUittziMil und Rechtschaffenheit waren allenthalben bekannt. Wollte er der Welt be- .nfliseü^daman,-ohne Ehrist'«l festst am Matkmon Vorbeigehen könne? Dastti hätke in seintr HaudlungScktise eist' heroischer Charakter gelegen, aber dann würden an der Errichtung deS Denkmals sich nur Juden bethestigt haben. Man braucht! ihn nur oberflächlich gekannt, ihn nur am Krankenbette gesehen zu haben, um der herrschende« hohen Meinung über ihn zuzustimmen. Die Tugend der Selbstsuchtlostgkeit schien sich bei ihm wie von selbst zu verstehen. Redner verbreitet sich dann de» Weiteren über die religiöse UeberzeugungStreue der Berwigtrn und hob die Heiligkeit seiner Gefühle in der Religion hervor. Mit kurze» Worten gedacht« er der politischen Thätigkeit de» Gefeierten, der stet» für di« Größe und Einheit de» deutschen Vaterland«» begeistert war; doch wolle er nicht von Erfolgen in dieser Richtung sprechen. Dagegen wäre von seinen Erfolgen in der Wissenschaft Großes zu berichten, wenn man sich hir in Erlangen, unter wissenschaftlich so bedeutenden Männern, könnte beigehen lassen, ihn vor allen andern auSzuzeichnen. Wenn e» aber gilt, eia Ideal der Güte, Reinheit und Gerechtigkeit zu verwirüichen, so sehe man auf ihn, der in der Uebung diese« allgemeine» MenschenberusrS einzig daftand. Vor ihm zerfloß in Nicht« ein mittelalterliche« Borurthril, in ihm kam da» Problem, daß wir arnien Erdgebornen in Frieden neben einander leben können, zur Lösung. Er selbst wäre, lebte er noch, sicher der entschiedenste Gegner seine« Monument». Wenn ihn irgend etwa« au« Erlangen hätte vertreiben können, so wäre e« der Gedanke gewesen, daß er aus ewig sollte festgrhalten werden in so rücksichtsloser unbescheidener Oeffentlichkeit. Wenn Andere Fürsten, Generalen, KünstlrrnMonumentr setzen, wir setze« den in Herz vereinigt gewesenen Lugenden, wir setzendem Menschen ein Denkmal. Sein Leib ist in Staub zerfallen, aber er ist wieder erstanden vor unfern Blicken für die Ewigkeit. Sein Andenken bleib« in Segen. — (Rach diesen Worten fiel die Hülle, festlich gekleidet«, ring« u.n da» Denkmal stehende Mädchen streuten Blumen, die Fahnen wurden zum Gruße geschwenst, und unter den schmetternden Tönen der drei Musikcorp» brausten di« Hochrufe der Tausend« von Menschen dahin, welche den Platz umstanden. — Hierauf übergab Herr Professor vr. v. Sbrinz Namen« de» Comite'« nebst der Urkunde über die Herz-Slipendienstiftung und einem Grundstock von 2000 fl. da» Denkmal der Stadt al» Schenkung, und empfahl dasselbe dem Schutz« dersrlbenl; Herr Bürgenneister Reichold dankt« dem Eomite mit kräftigen, werthin ' schallenden Worten, hervorhrbend, wa« Herz der Stadt Erlangen war, und betonend, daß, wie er der HumanitLt seine Kräfte geweiht, da» Denkmal al» der Humanität gesetzt bettachtet werden möge. — Hier möge ein« flüchtig« Beschreibung de» Denkmal« Platz finden. Auf einer au» gewöhnlichem Sandstein bestehenden Grundlage erhebt sich über zwei Stufen da» schön profilirt« Piedestal von grauem Marmot. Da« erzene Slandbstd selbst ist über lebensgroß." SRrtäQft Fuß ist etwa» vorgrsetzt, der Körper kaum merklich'in die linke Hüst« gesunken, der Kopf etwa» gegen die Brust geneigt ,... .. .-.w’1.. a «i ^f-, y,>„. -•