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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Schneidemühl. — Oesterreich: Wien. — Rußland: St.. Petertburg — »et«tscht« «»d ««««st« Machrtchte«: Leipzig. Earllruhe. Lemberg. Lengsfeld. Pari«. Philadelphia. — KeuilletftNt Die Juden in stbrsfinien. — Erklärung. — J«sernt«. Da» Herz-Deukmal tn Erlangen. Lm ö. Mai ist da« Herz-Denkmal in Erlange» feierlich enthüllt worden. E» ist da« erste Mal, daß einen, Juden auf freiem Platze «tn öffentliche« Denkmal, «ine Statue, errichtet wird;*) in aUe« Zeiten war e«, de« Religion«gesetze« wegen, unmöglich, in mittleren und neueren überhaupt undenkbar. Somit ist da« Factum wohl einer kurzen Erwä» guug werth. Der Gedanke an di« Veränderung der Zeiten liegt zu »ahe, al« daß darüber noch etwa« Weitere« zu sagen wäre. Di« Lendrrung tritt noch etwa« schärfet in« Licht, wenn wir bedenken, daß gerade Bayern unter den deutschen Staaten am längsten Au«nahm«gesetze und Beschränkungen jeglicher »rt gegen die Juden aufrecht erhalten und mehr al» irgend «in andpre« Land seine jüdischen Angehörigen in die Ferne getrieben hat, um dort die Existenz zu gründen, die ihnen die Heimath geradezu versagt«. Da« Wesentlichste aber ist un« hier di« Frage: wodurch hat Herz diese einzig dastehend« Lu»zeichn«ng verdient? Wir «erden dabei aus «in allerding« weder neue« noch überraschende«, immer aber charakteristische« und bemrrken«werthe» Moment gelangen. Zunächst werde« wir einzelnen, besonder« norddeutschen, Lesern wieder tn Erinnerung bringen müffen, wer Herz gewesen. Jacob Herz, geb. in Baireuth 8. Februar 1816 (gest. 87. Sept. 1871), ftudirte in Erlangen Medizin. Seine wissenschaftliche Begabung und Bedeutung wurde von seinen Lehrern erkannt, man wollte ihn an die Universität feffrln, d. h. ihn anftellen, aber Herz war Jude. Non poasumus, hieß t« damal« auch au« nichtprirsterlichem Mund«, während der Zumuthung de« Religionöwechsel« von Herz rin Non postum entgegengesetzt wurde Rach langem Mühen wurde er endlich' Prosektor, eine sozusagen halbamtlich« Stellung, ein Posten, der sonst tüchtigen Medizinern, die eben chr Studien *) Wir sehen dabei jedoch von de« Denkmal für Juda Dour» ab, »eil dabei gmt ander» Verhältnisse obwalten, «uch di« Dmckmäler he- «diaMscher Zeiten und Fürst«» kann««» htar nicht in Betracht. , beenden, z» Tb-:l wird. Im Jahre 1868, 4? Jahre alt, I wurde er dann außerordentlicher, und zuletzt, drei Jahre vor seinem Tode, ordentlicher Proseffor. Die Facultät hakte für ihn einen langen stampf geführt, die ganze liberale Partei in Bayern, zu deren hervorragenden Mitgliedern Herz gehörte, hatte seine Sache nnterstützt, und so war er wegen dieser um seine« Glauben» willen erlittenen, aber auch standhaft getragenen Zurücksetzung eine weithin genannte und gefeiert« Persönlichkeit, während feine wissenschaftlichen Fähigkeiten und Leistungcn doch nur von Fachmännern gewürdigt werden konnten. Wenn wir nun diese seine Bedeutung al« Proseffor und Arzt zu beurtheilen durchaus nicht im Stand« sind, so werden wir gleichwohl nicht irren, wenn wir meinen, daß e« gar viele Mediziner gegeben hat, die al« Theoretiker oder Praktiker größer gewesen sind, al« Herz, und denen doch kein öffentliche« Denknial gesetzt worden ist. Und so gilt da« Denkmal auch durchau» nicht dem Proseffor und praktischen Arzt Vr. Jakob Herz, e« gilt dem großen, edlen und guten Menschen. Wir hätten die Ueberschrift diese« Artikel« gern so abgefaßt: „Ein Denknial für rin jüdische» Herz" — wir fürchteten nur, daß e« so auf den ersten Blick wie ein bloße« Wortspiel au«sehe» und unpaffend erscheinen könnte. — Aber e« ist in Wahrheit so. Nicht daß einem Juden ein Denkmal gesetzt ist, ist bemeikcnLwerlh, sondern da« ist charakteristisch, daß die« Denknial dem Herzen eine« Juden gilt. Groß ist in Israel nur Derjenige, der fittenrein, edel, liebevoll, gut ist, nie der bio« durch Geist, Wissen und stönnen Hervorragende. E« hat ja tn neuerer Zeit viele Juden gegeben di« sich hervorgelhan und berühmt gemacht haben, Gelehrte, stünftler. Dichter, Politiker; Mit- und Nachwelt wird aber nur diejenigen recht ehre», die groß an Herz und Sharafter find. Wir nennen nur zwei: Rießrr und stosch. E« hat ja größer« Redner und bedeutendere Parlamentarier gegeben, aber daß sie da« personifieirte Gewissen ihrer Partei gewesen find, Männer, denen auch der heftigste Gegner keinen sittlichen Makel anheften konnte, keine« Schatten eine» solchen, da» Hot ihnen ihre vedeutuag verliehen. wir habe« dir« «un in Beziehung auf Herz näher zu

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