Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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157 l. V r * frier gesung«« wurÄ, hielt S«. .Etzrwkldden Atvt SüabRner Dr. S. Frckikt eilte in Form und Inhalt gleich aU»gep>lch- «1« Gedächtnißrede, in weicher tt mit sichtbarer Rührung «ab inniger Empfindung dt« hohen Eigenschaften unv Tu» Jtnbnt, so wie di« großen Berdienste um da« Judenlhm» de» eimgegangenen großen Meister« un" Lehrer« in Israel schilderte. Pari«. Der vicepräsidenl der Alliance isr. univ, Herr S. H. Soldschmidt, hat sür da« Srziehung«werk derpoln.- ruff. Walsen-Kinder die »weite Annuität von 10.000 Frc« und filr die Ackerbauschule zu Jaffa wieder 5300 Frc« (Im vor. Jahre 17,000 Frc«.) dem Lentral-Eomite überwiesen. Im März und April sind der Alliance 518 neue Mit» glieder beigetreten. Aeailletou. SÖW Ük ÄkVesftKten (Fortsetzung.) Wären aber auch in-Wirklichkeit die Juden Abessinien« nicht da« Volk der jüdischen Sage und der G^mstand der heißen Sehnsucht und der Hoffnung für die «Gedrückten und gebeugten Gemeinden Israel« gewesen, so würden sie dennoch zu den merkwürdigsten GUedern de« jüdischen Volksstammes gehören und werlh sein, da« Interesse ihrer europäischen Brüder im höchsten Maaße zu erregen. Während katholische und evangelische Vereine und Genoffenschasten ihre Missionare und Reiseprediger in alle Theile und Winkel der Erde hinaurfchtckm, um da« Evangelium zu predigen und den entferntesten Gliedern der DiaSpora die Grüße ihrer Glauben-genoffen zu bringen und da» Gefühl der Zusammengehörigkeit mit ihnen wach zu erhalten, dürfen wir Juden nicht zurückbleiden und müffen e» al» eine heilig« Pflicht ansehen, auch unsererseit« den Brüdern im fernen Mohrenlande unsere Hand zu reichen.') Ich will e< nutt in der nachstehenden Schilderung versuchen, den Lesern diese« Blatte« eine kurze Darstellung von .der Existenz, der Geschichte, den Sitten und religiösen Einrichtungen der abessinischen Juden zu geben, und würde e« mir eine hohe Befriedigung gewähren, wenn ich hierdurch ein wenig dazu beitragen könnte, da« Jntereffe für den fernen Brüderftamm zu beleben. Abessinien, die afrikanische Schweiz, ist ein herrliche«, von der Natur reich gesegnete« Land. Von den tieseingeschnittenen, heißen Flußlhälern bi« zu den über 10,000 Fuß hoch sich erhebenden Hochplateau« seiner Gebirge sind alle Klimata der heißen und gemäßigten Zonen vertreten, die Gaben all«» fruchtbaren Erdstrich« ihm zugetheilt. Ein, wenn auch dunkelfarbiger, doch körperlich wohlgebildeter 'und geistig begabter, aber leider durch jahrhundertelange Anarchie verwilderter und sittlich verkommener Volk«stamm sind feine Bewohner. Unter diesen finden sich an 200,000 Juden, welche Falascha, da« heißt in der altäthiopischen (Ghe-ez) Sprache ^die Verbannten" genannt werden und sich selbst so nennen. Eie wohnen sehr zahlreich in den Provinzen Goara und Tschelga, t« Uebrigen aber, in größer« oder steinern Gemeinden vereinigt, zerstreut in den meisten Provinzen Abessinien«. In dem gewöhnlich zu diesem Land« gerechneten, aber «tu besondere« Königreich bildenden Lande Schoa gelten die über da« schoanische Reich zerstreuten Hirten der Königlichen ') Die Alliance Ieraetite Universell« hät bereit« hierin di« Jnitiatt»e ergriffen und zur Zeit de« engiisch-abesfinischen Kriege« den berühmten jüdischen Orientreisenden Halevi zu den Falascha geschickt. Dies« Misst»» ist geglückt. Halevi hat über dieselbe einen Bericht an di« Alliance erstattet, der iitlt »erthvalle Ausschlüsse enthält. Tat von ihm verkrache« anlführlich« Aeisemerk hat er leider bi« jetzt noch nicht ver- «ffMUlicht. Gr ha« übrige»« einen jungen Kalasch» mitgetvacht,' der t» Pari« »nägebllhet und fplte nach Atespnie» znrtickgeichlckt k»er»«» soll. » Bie-Heerdm (Abilam) und di« sogeuanuten Tablbam (weise 'Leute, Künstler) für besonder« Kasten, dir mch Ansicht der Missionar Krapff, eine« der besten der jetzt lebenden Kenn« Ostasrika'», gleichfall» zu den Falascha gehören. Rach den Mittheilunsien desselben Missionar« sollen übrigen« unter den südlich von Abessinien wohnenden ganz wilden Gallahorden sich noch einzelne jüdische Reste vorfindrn, die durch die Einfälle der Galla, bei denen die Judm Fast heißen, von der Verbindung mit Abessinien abgeschnitten, in schwer" zugänglichen Gebirgsgegenden noch heute ihre Unabhängigkeit behaupten. Die Falascha sind, wie die übrigen Abessinier, von dunkelbrauner Hautfarbe, jedoch ohne Siegertypu«, durchgehendkräftige, wohlgcwachsene Leute. Man findet allerdings auch völlig Schwarze mit mehr oder weniger Negertypu« unter ihnen, die» sind jedoch Negersklaven oder deren Abkömmlinge, welche von den Falascha erworben, zum Judenthusn bekehrt und al-dann in di« Gemeinde ausgenommen worden sind. Der Umstand, daß die Falascha von dunster Hautfarbe und von gleicher Körperbildung mit den übrigen Abessiniern sind, könnte an ibrer jüdischer Abstammung Zweifel erregen; allein solch« Zweifel sind nicht begründet. Sie selbst bezeichnen sich al« die Nachkommen der alten Juden, ihre christlichen Nachbarn halten sie gleichfalls für solche, die neueren Reisenden und Miffionäre sowie die Jesuiten de« 16. Jahrhundert« bezeichnen sie ausdrücklich als Juden und zwar sowohl der Religion al» der Abstammung nach. Ihre dunste Hautfarbe ist au« ihrem außerordentlich langen Aufenthalte in dem Lande, zumal d« sie wahrscheinlich Jahrhunderte lang in den tfefer gelegenen heißen Provinzen gewohnt haben, erklärlich, wie ja auch zum Beitpiel die Nachkommen der im 16. und 17. Jahrhundert nach Goa in Indien, Loanda und Mozambik in Afrika au«gewaitderten Portugiesen, eine dunste Hautfarbe haben. E« mögen auch zur Zeit, al« die Falascha die Herren dc« Lande« waren, manche Vermischungen mit dem ohnehin semitischen, also verwandten Vol.'Sstamme der dunkelfarbigen Aethiopier vorgekommen sein. Die GrsichtSzüge der Falascha sind durchgehende« intelligent und angenehm, wie die« auch, »ach der Versicherung de« Reisenden von Maltzabn bet den- Juden in dem benachbarten Jeinen und Hadramant der Fall sein soll. Die Frauen sind von etwa« hellerer Farbe al» die Männer. Da« Haar ist bei beiden Geschlechtern schwarz und gekräuselt. Sind nun die Falascha jüdischer Herkunft, so wirft sich zunächst die Frage auf, wann und wie sie in ihr« jetzige Heimath gekommen sind. Hierauf giebt die allerding« ganz unbeglaubigt« Sage, di« unter den christlichen und jüdischen Abefftniern verbreitet ist, eine ganz wundersame Antwort. Al» Makeda. die > ö« ntgin von Saba, worunter die Abeffinier nicht da« südarabische, sondern da« in der Näh« der allen äthiopischen Köntg«- stadt A um belegene Saba verstehen, *) bei dem Könige Salomo in Jerusalem zum Besuche war, lebte sie mit ihm in einem vertrauten Verbältniffe und gebar ihm einen Sohn, Namen« Menelek (mit dem Zunamen Elm Hakim, Sohn de« Weisen). Diesen seinen Sohn Und dessen Mutter habe Salomo durch eine groß« Anzahl Juden, worunter 12 Ahrontden. nach Ae thiopien zurück begleiten lasten Diese Judm hätten sich nun in Abessinien niedergelaffen und seien die Stammväter der Falascha. Nach einer andern Sage stammen die Letzter» von dm Juden ab, welche bei der ersten Temprlzerstörung nach Egypten geflüchtet wären. Dieselbm sollen nämlich von hier au« zum Theil den Nil aufwärts nach Abessinien gezogen und ihren ersten Wohnsitz in der Provinz Goara oder Quara genommen haben, welche noch jetzt den Hauptsttz der Falascha bildet. (Forts, folgt.) *) Auch fei« Dhoea kennt ein zwiefache« Sab», -in kuschMsches (äthiopische«) und «in jaktanidische« tsüdarabische«). vergleich» Genest« lapttel lit, Wrtf 7 und M.