Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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156 — 6t fieterllirg, 30. Lpril. Der »Selo«- veröffentllcht ei» Schrei!«» de« Präsidenten de« internationalen hebräischen Lunde« (alliauov iotaro»tlou»I« des lernSlit«), Herrn Eremieux, fra izSfischen Jujiizminister« a. D. und Mitglied«« der Rattonalversammlung, in «rlchem die Verdächtigungen, mit denen da« russisch« Blatt in einem Artikel vom 21. Oktober 187« über dle Thätigkeit der »Alliancesprach, zurückgewiesen werden. Der »Solo«- hatte die Haltung der russischen Juden gegenüber der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und andere Dinge, namentlich die von hier au« in den der russischen Srenz« benachbarten deutschen und österreichischen Provinzen organifirten HülfSvereine getadelt. Der Präsident der »Allianceweist die Beschuldigungen al« völlig unbegründet zurück Die Religion«gesetze der Israeliten enthielten keinerlei Bestimmungen gegen di« Ableistung de« Kriegsdienst;«, sie gewähren denen, welch« dem Staate dienen, Ereichterungen in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten. Der Talmud lehrt, das; »da« Staatsgesetz — da« oberste Rechtist, e« »steht übrr den Beboten der Religion- (d. h. Kirche) ®« wird nun au» der Syuodalerklärung der 1807 von Napoleon L?it» allen Rabbinaten de« damaligen Frankreich« und Italien« berufenen israelitischen Synode nachgewiesen (der Text ist n de« Schreiben mit enthalten), daß die Israeliten sich diesen Standpunkt gewahrt hätten, und ferner, daß sie sich ihm in allen Ländern nachzukommen, auch heute noch be- «frrten. »Di« Juden haben sich da, wo sie am Kriegsdienst theilnahuen, immer al» tapfere und ergebene Soldaten erwiesen. Da. wo sie da« Recht hatten, sich höhere Grade zu erwerben, sind sie in Friedenszeiten durch ihre Fähigkeiten, im Kriege durch ihre Tapferkeit dazu gelangt" ... »Die . russischer Juden gehorchen den Landesgesetze,, in demselben Maße, al« ihre Glaubensgenossen in anderen Ländern. Weshalb nun zeigen sie in Rustland weniger Neigung al« in oen andern Ländern Europa«, di« Opfer zu bringen, welche die Wehrpflichtgesetz« ihnen auferlegen? Wenn e» ihnen erlaubt sein wirr, frei in die Reihen de« Heere« rinzutreten, wenn ihnen auch die höheren Grad« zugänglich gemacht sein werden, wenn ihre Ergebenheit an da« Baterland und ihr« Tapfert«U dieselbe Anerkennung finden wird, wie diejenige der anderen Soldaten, so werden sie e« al« ciu Glück schätzen. Gelegenheit zu haben, unter den Fahnen zu stehen und dem Kaiser wie dem Vaterland ihre Anhänglichkeit zu beweisen." Herr Ecrmieux findet absolut gar keinen Anhalt dafür, die »Allianz" für den Widerstand verantwortlich zu machen, mit welchem die Inden in Rußland der Ableistung der Wehrpflicht gegenüberstehen. »Liegt diese Haltung denn in den Jltereffen der Israeliten? Im Gegeutheil! Sie fiuv imfür interessirt, daß durch den PalriotiSmu« der Anlaß zu den Boruriheilen, welche ihre Mitbürger ihnen gegenüber habe», beseitigt werde." Im klebrigen stehe di« »Alliance" jedem politische» Treiben fern. Man könne da« auch au« ihren SrtzungSprolokollen und Statuten ersehen. Im örntral-Eomite säßen Männer französischer, deutscher, italienischer, österreichischer und amerikanischer Rationalität, dir pklitisch auf sicher verschiedenem Boden ständen. Die Thütitkeit de« Bunde« richtete sich auf meuschenfreundluhe Werke und darauf, den Glaubensgenossen Erleichterungen zu verschc ffeu, auf die Emancipirung der Juden in staatlicher Beziehung, »lieberall haben die Regierungen sich unseren Bitte« willfährig gezeigt. Mehr al« einmal haben wir un« mit E rfolg auch an da« RechtSgrfühl und die Gnade Sr. Majestät de« Kaiser« von Rußland gewendet." ES wird nun auf die Thätigkeit der »Alliance" bezüglich der Errichtung von Schulen, namentlich in der mahomedanischen Welt, hingewiesen uad dann auf da«, wa« für die russischen Juden geleistet ist (lluterstützuug bei HungerSnöthen). Wahr sei e«, daß »einige Familien" auch die Mittel erha.ten hätten, auSzuwandern (dagegen hatte der »Solo»" sehr geeifert), und sich ander»»>o einen Lebensunterhalt p» erwerbe». »Gern hätten wir ihnen dazu oerholfeu, sich diesen innerhalb Rußland« zu erwerben, wen« «I ihnen nur erlaubt wäre, sich überall t« Reich« »iederzulaff««.- Al« »un in Rußland dir allgemejn« Wehrpflicht «ingesührt worden, da hat die „Alliance" für di« Glauden«genvffen nur «inen Lortbeil in ihr begrüßt Gleich«. Pflichte» mußte» auch gleiche Rechte zur Folge haben. (Schluß folgt.) Vermischte mid aeaeste Nachrichte«. Magdeburg. (Or.-Lorr.) Am letzten Paffahtage benutzte unser Rabbiner die durch die Todteufeier geboten« Gelegen» heit, um die Gemeind« auf die große» Verlust« aufmerksam zu machen, die da» deutsch« Judenchum im letzten halben Jahre betroffen, indem den verschiedenen Richtungen — die in scharfer Zeichnung vorgeführt wurden — die Führer und Häupter genommen wurden. Daß nicht nur Frankel'«, Ra» thailion'r (Lemberg), Elia Gutmacher» und Hirsch Kalischers (in Thor», dem früheren Radbinat»b«zirk de« vr. Rahmer), sondern in unpartheiischer Weise auch Abraham Geiger« auf der Kanzel mit Name» gedacht worden, hat auf die viele« Zuhörer einen recht wohlthnenden Eindruck gemacht. Güttingen. Professor vr. Heinrich Ewald, der durch seine zlhlreichen, die hebräische Grammatik, Exegese, Misch« Geschichte und Literatur bedeutend fördernden Werke, auch in den jüdisch-wissenschaftlichen Kreisen sich einen berühmten Namen erworben, ist am 4. Mai hier oerstorben. Eine der letzte« literarischen Erzeugnisse seiner productiven Feder war eine geharnischte Recension de« neuesten Zunz'schen Buche« »Bi» belkritische«," dessen Schwächen er schonungslos darlegte, und jüdische Schriftsteller eindringlich davor warnte, dem Nestor der jüd Wissenschaft auf dieser abschüssigen Bahn bodenloser Kritik zu folgen. Kattowitz. Der jüdisch« Religionsunterricht am hiesigen Gymnasium ist in Folg« eine« Erlasse« der königlichen Re» gierung vom April d. I. an obligatorisch geworden, ein Fortschritt, dessen sich di« jetzt nicht viel« preußisch« Gymnasienerfreuen. (Jüd. Pr.) Erlangen. Da« au« Erz gegossene Denkmal für un» seren, der Wissenschaft sowohl, wie der Menschheit allzu früh entrissenen GlanbenSgenoffen und Ehrenbürger der hiesigen Slavt, Professor vr. Jacob Herz, soll, wie da« Eomit« nunmehr öffentlich bekannt macht, am 5. Mai c. feierlich enthüllt werde». (Das) Wien. Dem soeben au»gegebenen Geschästtberichle de« »israelitischen Waisenoerein«" entnehmen wir folgend« Date»: Am Schluffe de« Jahre« 1874 verblieben 17ö Waisen in Versorgung, von welchen lüö bei ihren Müttern oder anderen Personen in Verpflegung waren, während IS Mädchen im Mävchen-Waisenhause u,Hergebracht waren Di« Kosten der gesamnuen Weisrnversorgung bezifferte sich im Jahr« 1874 auf 19,252 fl. 47 kr. Da« unter der Leitung der Frau Flora Bruck stehende Mädchen-Waisenhau» ist am 14' Juni 1874 eingeweihl worden und liefert bereit« «rfreuliche Resulate. Die General Versammlung findet Donnerstag den S. Mat statt. . l. Wie» Ein hiesiger Sastwirth entsagt« seiner angetrauten Gattin, trat zum Judenthume über und ehelichte nach » jüdischem Rilu« rin Mädchen, welchem er verschwiegen hatte, daß er al« Katholik bereit« durch da» Sakrament der Eh« gebunden sei. Anläßlich einer von ihm später nachgesucht«» Scheidung von der ersten Gattin wurde di« zweite Ehe bekannt und dem Strafgerichte angezeigt. Der Bigamist wurde zu einem Jahre schweren Kerker» oeruttheilt. Wie», 7. Mai Heute Abend ist der Rabbiner der hiesigen sefardtschen Gemeinde, Ehacham Baruch, gestorben. Linz, den 28. Aprll. Sestern fand im hiesigen isr. Tempel ein Requiem für de» verewigten Oberrabbiner und .' Semiuardireklor vr. Zacharia« Frankel statt. Nachdem dchtz AnleitungSchoral« der gleichzeitig abgehaltene» Üblichen Letzten. i