Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Handel«ftan!te, unter den Gewerbtreibenden und nicht minder unter dm Männern der Wissenschaft und der schönen Künste in unserer Stadt viele hochachtbare Namen, und statt der Betstub« ... wo die Jünger des alten Glaubens Mofis sich in der ersten Zeit an den Sabbathen zum Gebete versammelten, erhebt sich jetzt der stattliche Tenipelbait in den heute in der Mittagsstunde die Thorarollcn ihren feierlichen Einzug hielten, in dem heute beim Festgottcsdienst die heilige Lade zrm erste» Male geöffnet und wieder geschloffen und die ewige Lampe angezündet wurde. Im Jahre 1815 wurde in dem Hause die Bundestade errichtet, acht Jahre darauf hielt sie ihren Umzug nach einen andern Gruusitnck, doch auch dort sollte sie noch nicht zur Ruhe kommen; eine bleibende Stätte, wie man damals meinte — Dem man ahnte nicht, daß das Wachsthum der Gemeinde ein so stark«» sern würde, wie es sich nur zu bald wieder heraussrellte — tollte sie erst int Jahre 1834 finden, als das neue Gebaute Ende September des genannten Jahres dem gottesbrenstucheu Gebrauche übergeben wurde. Die erste Synagoge war für das damalige Bedürsniß und den Zuwachs, den man snztrch erwarten konnte, recht geräumig; doch vom Zahre 1848 ad wuchs die Zahl der Gemeiitsemitglreder in ungeahntem Maße." (Es fotzen wertere Angaben über die Vorbereitungen zu dem Bau, reffen Führung, die Kosten — etwa 100000 Thlr. u. s. w dann Einige» über das Gebäude): „Der Tempel ist von zwei Straßen zugänglich, und erreicht man den eigenttrcyen TempUrauat von Westen her vermittelst einer Vorhalle. Der innere Lenrpetraum umfaßt einen Ftächenraum von 24,16 M. tut Quadrat, die Decke des Raumes wird dürch 4 stäche Eükutipelit von 6,9 W. im Quadrat und einer flachen Mmetkuppe. von 10,35 M. im Quadrat mit dazwischen tiegenden geraden Äbtchtüffen gebildet, die Kuppeln sind mit Oberlicht vertehen, und beträgt vte Höhe vom Fußboden bis tu den Schestet der Mitteikuppel 23,7 Nt. Die Deckenconstruc- :ton wtro oan 4 jchlankeit etserneu Säulen getragen. Das Allerheiligfte liegt aus der Ostseite und ist durch gewundene Marmortreppen zugänglich. Der untere Tempeiranm enthält ca. 880 Manncrsitz«. Auf den Emporen und Logen befinden sich 670 Frauensitze. Die heute Mtttag abgehaltene EinweihungSseierlichkeil war eine äußerst glänzende. Die jüdischen Gemeiitdemitglied«r ntcht allein wallsahtteteu in dichten Reihen nach dem neuen Gotte rhause hm, auch viele ihrer christlichen Mitbürger waren der an sie ergangenen Einladung gefolgt, und die weiten Raume der Synagoge waren von einem grwählten Publikum gesul.t. Dte Spitzen der Behörden fehlten natürlich utcht, der Oderpräsident, der commandirenve General, die Vorsitzenden und Mttglieder der Berwaltungs-, Gerichts- und geistlichen Behörden, der Magistrat, die Stadtverordneten, die evangelrjche und die katholische Geistlichkeit, die Direktoren aller höheren Schulen. Alles war erschienen. Weltliche und Geistliche, E vtl und Militär schienen sich in dem neuen Gotteshause, utet dessen prächtige und gelungene Ausführung nur er ne Stimme der Anerkennung und Bewunderung zu vernehmen >var, ein Stelldichein gegeben zu haben. Die Ferer bestana aus Gesängen, welche von einem gentischten Chor von Dilettanten unter der Leitung deS Herrn Musikdirektor Lewaudowski aus Berlin, Dank der Mühe, welche sich der Organist der hiesigen Gemeinde, Herr Lehmann, Wochen lang vorher ntu dem Einstud'ren der Chöre gegeben hatte, executirt wurden, und aus einer Predigt des Herrn Rabbiner« Or. Treueitsels, welcher ein Dankgcbet vorausgegangen war und etn Weihegedet folgte. Der Predigt lag daS Wort de» Propheten Haggai, Cap 2, B. 10 zu Grunde: „Größer wird die Herlichkeit'dieses zw. ilen Hause» sein, denn die deS ersten, spricht der Herr der Heerschaaren, und an diesem Orte will ich Frieden geben!" Neben dreier Predigt, welche durch ihre Wärme und durch den maßhaltenden Ton, den der gefeierte Redner nie verließ, die Bekenner der anderen Confesfionen eben so ansprechen mußte, wie die Semeindeglieder, conccntrirte sich ba*^ Interesse auf den Einzug der Thorarollen u. s. w. Die Ye- ' -i bäiige, mit welchen die Thorarollen versehen sind, sowie die Vorhänge und die ganze innere Ausstattung, find auS freiwilligen Gaben angeschafft worden; dafür, daß die Sammlun- .g«n zu diesem Zwecke recht glänzend uSfielen, sorgten be» , sonders die Domen der Gemeinde, und ihre Mühe fand einen : schönen Lohn Der innere Schmuck deS Tempels ist seine» schönen äußeren ebenbürtig, EineS ist deS Anderen werth. Nachdem die erhebenede Feier der Einweihung gegen 1 Uhr ihr Ende gefunden hatte, verließen die zahlreichen Theilnehmer reich erbaut das Gotteshaus. Möge sich an ihm da» Wort deS Propheten, welches vr. Treuenfels heute so ein- " gehend und anziehend erläuterte, erfülle», möge das neue Gotteshaus noch lange eine Stätte sein, in welcher der Friede wohnt für die jetzt Lebenden, für ihre Kinder und Kindeskiuder!" Wir fügen noch hinzu, daß der allergrö te Theil der hies Israeliten ihre Läden während der Einweihung geschlossen hatten, und daß an demselben Tage zum Minchagedete die Weihe der an die große Synagoge stoßenden kleinen, für die Wochentage bestimmten, abgehalten wurde. Es fand dabei Umzug und Gesang von Psalmen, kurz da» ganze Ceremoniell in sozusagen abgekürzten Verfahren itatt, und hielten wir dabei einen Vortrag über Ps. 30. Vorstand und Repräsentanten waren auch bei dieser Feier betheiligt. Zugleich haben wir begonnen, täglich, vorerst m'BDH "8'2- *'• dieser kleinen Synagoge zwilchen Mincha und uqj3 anjto die Zeit ausfulleitben Vortrag HUT137) zu halten, und hoffeit mit G. H. dafür weiter Anklang zu finden, so daß eS auch später an Betheiligung nicht fehlen wird. BreSlan (Or.-Corr.) Die Zeit ist zwar vorüber, wo in Deutschland Blätter, die von wirklich geblldeten Männern geleitet worden, den Judenhaß offen predigen. Aber so manchmal ein Bisch.it Verachtung des JudenthumS an den Tag zu legen, das scheint noch jetzt für manche Blätter eine besondere Luft zu sein. Wir haben hier den „Globus", herauSgeg. von Karl Andrer," im Sinne, der z. B. in Nr. 21 v. 1874 Folgendes enthält: „Wir wollen nicht nach Zion." In Kitzingen am Rhein hamirt ein stramm orthodoxer Rabbi, der zäh am Alten klebt; die in dem Städtchen Marktbreit lebenden Juden gehören zu seiner CultuSgemeinde. Unter diesen giedt es ganz verständige Leute, die nicht lügen wollen. Sie haben jenen Rof ersucht, diejenigen Gebete fallen znlaffen, in welchen die Juden als in der Verbannung lebend hingeftellt werden, und in welchen ihr Allah oder Jehova angefleht wird, in das gelobte Land, insbesondere aber nach Jeruschalaim zurückzusühren. Sie Ijaben den orthodoxen Ruf kund und zuwiffen get an, daß sie „ihren Gott fernerhin nicht mehr anlügen wollen" und die Erklärung abgegeben, daß sie sich da, wo sie sind, sehr wohl fühlen. Sie verspürten nicht im Mindesten Lust, in ein Land zu ziehen, „von woher nur Bettler und Hungerleider kommen, und sagen schließlich dem Rabbi: „Fragen Sie den <-aron Rothschild, fragen Sie unser» Herrn Benaria dahier, ob eS ihnen Ernst ist mit einer Auswanderung nach Zion? Wir wollen also nicht um etwas beten, was unserer Seele zuwider ist." — klebrigen» ist mit grimmig orthodoxen Rabbinen nicht zu spaßen. In Nordamerika erscheint eine jüdische Zeitschrift „Deborah." welche Folgendes erzählt: Rabbi der kleinen Judengemeinde zu Grand RapidS in Michigan ist Herr Weinstein; derselbe sungirt auch als Schächter, Circumcisor, Vorbeter uitd Schulmeister, und in seinem Hirn qualmt talmudischer Kram. Nun hat ein Jude eine Christin geheirathet, und diesem Ehepaar starb ein acht Monate alle Kind. Rof Weinstein verbot das Begräbniß auf dem Leichenacker der Juden, der nicht entweiht und nicht eMhelligt werden dürfe; das Grab wurde außerhalb des Zaune» gegraben. „Man hätte die Kinderleiche vor dem Hause des Rof verbrennen sollen, dann hätte er eine Fluchpredigt dabei halten können." '