Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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I , tfelrr gewiß übertreff«». Aber «4 gibt audrerselt« auch eiue jtzauz» »«zahl solcher, di« i« mündlicher und schriftlicher Red« »»glaubliche Tollheiten vom Napel laffen. Gewiß, e« wird Auch im alten Europa viel Schund zu Markt gebracht; doch aber ist dt« Versicherung nicht gewagt, daß in dieser Beziehung Amerika Euch da drüben die Palme abringt. Ihrem Lorrespondenten lüge et nun allerding» ob, diese sein« Behauptung durch Beispiele und.Thatsachen zu belegen. Da mürbe er aber i» ein schöne» Wespennest stechen. Ich »ill mir dt« Hache einmal überlegen, und wenn ich'» sür thunlich find«, werdr ich vielleicht später einmal eine Reihe von Bildern Ihnen zeichnen, die da» Thun und Treiben Vieler »«ferer »minist«,'' und unserer Gemeinden illusiriren sollen. Für heule muß die Bemerkung genügen, daß die schran« Anlosrste und bodenloseste subjektive Willkür fast überall da» bestimmende Motiv ist im amerikanischen Jubenthuin, und daß tu Folg« davon eine Zerfahrenheit und Zerklüftung in unser« Zuständen herrscht, die auf da» Judenthum im Ganzen nur höchst nachthrilig zurückwirken kann. Allerdings ist da» Srlbsthestimmungörecht der Gemeinden und Genoffenschaftcn ein gar bohr» Gut, und Ihr Correspondent wäre der letzte, der da«, selb« auch nur im Geringsten beeinträchtigt sehen möchte. Allein diese» schließt dt« Möglichkeit und Zweckmäßigkeit von gegenseitiger Verständigung unter denen nicht au», die in Ihren Oruudanschauungen sich einander nahe'stehen. Wenn diejenigen unserer Rabdinen, welche gründliche theologische Bildung mit inniger Lied« zum Judenthum und mit ernstem und wahrhaft religiöse«! Sinne in sich vereinige», in regelmäßig i-iedertehrenden Eonferenzeu sich begegnen und zu harmonischem Zusammenwirken sich verstehen würden, — wie Müßte da» selbst auf weitere Kreise hinau» wohtlhätig infiniren! Da ist T. Adler in New Dort, ausgezeichnet durch »mfaffende» jüdische» Wissen, reiche L.ben»erfat»ui>g und maßhallend« B.joanenheit; da ist Dr. Emhorn in Rew Aork, der begeistert und begeisternd in u,»geschwächter Kraft für die Oätie»i«hre de» Judenthum» allezeit euilriu; da ist M. Jastrow in Philadelphia, dem der Väterglaube eine HerzenSangelegen- Sit ist, sür M« er wirkt mit den reichen Mitteln seiner gron Gelehrsamkeit und in unermüdlicher Thärigteü; da ist S. Hirsch edeuoajeldst, beste» klarer Geist durchdrungen ist von der Ueberzengung, daß selbst dem conseqaenteften philo sophischen Denker ein geläuterte« Judenthum volle Genüge thun müsse; da ist B. Szoid in Baltimore, „one of natura’s nobleinen*, der in selvst.ojer Hlagevung tha.ig »t, wo er nur kann, für alle» Gute üoerhaupt und für ate reiig.Ssen Interessen de» Judenthum» in-oesonbere, u. > >o u. i. w. Wen« sie und andere au» ihrer Jio.irtheit hec>u«lreten und geutemjam oorangehea wurden, so könnte e« nicht fehlen, daß st« weitreichenden fegrn»reichen Einfluß geivinne» mügten. Vermischte uud aeueste Nachrichie». In Dreöde» hat am 14. April der Seminurbiriktor Kühn zwei Kinder de» Dr vendan, weil »e „mosaiichen Glauben»" au» der. Schule gewiesen. Dr. B. Hai sieh des halb beschwerdefuhrrnd au den Eultusminister g.w.noei; die Entscheidung steht noch ult» (Die detr. Kino.r beiuchlii, seit einem Jahre die Kühn'sche. Eeminarschule, ohne daß der Dlreklor wußte, daß sie Israeliten seien) In Nürnberg verbrannte am eriten Peßachlage im neu- - erbauten Tempel währ-nd der Predigt der (oitbare Bor .airg vor der Bundeslade. Sohra» (O.-Sch) Um mehrere dringend nöthige Bauten auf dem hiesigen jüd. Fri dhofe vornehmen zu können, ist ein Eomile zur Beschaffung der nüthigen, die Krät.e der kleinen Gemeinde weit übersteigenden Baugelder zusammenqetreten, das «inen -Ausruf" erlassenau» dem wir zur wei.eren Verbreitung de» "folgenden Satz hierherstellen: »Darum richten wir « WU, len» (Hteni, Gwßelteru, Sefchtoister, Kinder Angegehörige und vermaudte» hier ruhe«, die drstyend« und innige Bitte, unser humane», pietätvolle» Borhab« durch milde Spenden und «eitere Anrraung im Kreise ihrer Bekannten nach Kräften zu unterstützen? Die Spenden sind an de» Rabiner der Gemeind« Herrn vr. I. Deutsch etnzusenden. Vrrnbnr». Der »Anhalt. Staats-Anzeiger" v. 26. April bringt ein« öffentlich«Danksagung anHerm Samson Her» in Jeßnitz für einen von demselben der hies. Synagoge geschenkten werthvollen silbernen Thorafchmuck. von». Seit dem ersten April erscheint hier unter-der Redaktion de» Herrn Ror. Baum eine Wochenschrift „Der Israelitische Bote". Lemberg. Der al» sehr gewandter Hebräist WM» jüd. Literat vorihttlhaft dkkannte Hr. AhronDornzwetg hierselbst, b«rbfichtigt eine Sammlung guter jüd. Predigten in hebr. Uebersetzung herau-zugeben, zunächst sind einige von Dr. Zeütnek und Dr. Rahmer (au» dessen „Predigt-Magazin") dazu bestimmt, L»llbon. Da» (lomtte für die Mos. Montesiore-Stiftung („Ein Andenken für Sir. M. M"), deren Programm in diesen Blättern abgedruckt und besprochm worden ist, versendet an die Gemeindevorsteher und die Rabbiner in Deutschland eine Auffordemng zur Sammlung von Beiträgen. (Wir habe« in der Predigt, am letzten Tage de» PeßachfesteS Gelegenhett genommen, die Sache zu empfehlen.) — Die Jllustrirt« Zeitschrift „The. Ptetorial World" vom S April dringt ein Porträt de» Sir. Mos. Montesiore, nach einer Photographie in Holz geschnitten. Da» Bild ist 18 Lentiineter hoch, und die Ausführung scheint sehr gelungen zu sein. Da da» ganze Blatt einzeln zu S Pence (etwa 27 Pfennig) zu haben ist, so bietet e« Gelegenhett, «in Bild de« verehrten Manne» zu erwerben, welche« eine Photographie ersetzt, wenn e« auch nicht schön genug ist, um etwa al» Zimmerschmuck verwendet zu werben. Lo»b»o. Wie weit die Frechheit oder bornirte Dreistigkeit der Missionäre geht, zeigte sich dieser Tag«, al» an einem Sonnabend rin ältliche« Frauenzimmer in oer Nord- London - Synagoge erschien und daselbst Traktätchen äu»- theilte. — „Jew. Ebr." fragt, ob denn kein Polizei-Bureau in der Nähe da sei, mit mau der Person da» Handwerk hätte können legen lasten. — Aber braucht man dazu Polizei?! In Wilna fand vor einiger Zeit rin Leichenzug statt, an dem sich fast die ganze Bevölkerung der lühauische» Hauptstadt betheiligte. Der Mann war seinem Glauben nach «in Jude, seinem Stande nach Bettler. Sein Name war Mose» Sl'gzol. Dreißig Jahre lang zog er Tag für Tag bei Kälte und Hitze in der elendesten Kleidung durch die Straßen Wilna'». Mit dem Ruse: „Denket der Armen, der Wittwen und Waisen!" hielt er jedem Begegnenden seine Sammelbüchse entgegen. Der Mann hatte in dieser Zeit 90,000 Silberrubel & 1 Thlr. 2'/, Sgr. gesammelt. Für arme Schulkinder bezahlte er da» Schulgeld, kauft« die Schulbücher und kleidete sie. Für arme Wittwen zahlte er die Mielh«, kaufte Holz, honoririe in Krankheitsfällen den Arzt und den Apotheker. Für die Waisen besorgte er die Kleidung, zahlte Lehr- und Kostgeld. Wo No.h^var, wirkliche, da war tmch Mose» mü seiner Hülfe. Sein ganze» Sinnen und Denken war ohne Unterschied der ReUgion auf die leidend« Menschheit gerichtet. Von den geschenkten Geldern nahm er nicht «inen Pfennig für sich. Abend» ging er nich. mehr au», da arbettete er bi» spät für seine» Leben» Noihdurft und Nahrung, da fabrizirte er Eigarre» und Schnupftaback. Da der Männ bei einfachen Ansprüchen gesund war und keine Famsii« hatte, so brauchte er weuig. Er war arm sür sich, reich für Andere. Rußland. Gin intereffanter Prozeß wird vor dm Schranken de» Ostrogo'schen Kreiögerichte» im russischem Gouvernkr ment Ehortow verhandelt werden. In einigen Dörfern de» Pawlower Bezirke« -wurden 400 Leute feßgenom-ue», »eiche der Sekte der sogenannt» Audeuchristm angetzör,«. Diese