Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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145- — trat Abschluß gekommen, daher ich mir ein ausführliche- Referat darüber für da» nächstem»! Vorbehalte. Besondere Erwähnung verdient auch die vom Tachauer Rabbiuer beim RrichSrathe «ingebrachte Petition zur Unterstützung der Rabbiner au» Staatsmittel». Rach dem Gesetze der Gleichberechtigung sollte e» nicht erst einer Petition bedürfen, da der Staat schon seit Jahren dem nieder» Eleru« »amhafte Beiträge als Unterstützung zukommen läßt, warum also dieselben nicht auch de« Rabbinen zuwenden, aber wir Juden muffe» un» noch immer in vielen Puitklen mit einer Gleichstellung in der Theorie begnügen, namentlich ist bieder Fall, wo irgend welche Ansprüche an den Staatssäckel vom jüdischen Eultu» gemacht werden. So wurde schon vor Zähren von der Regierung ein gewaltiger Anlauf zur Errichtung ein r jüdisch-theologischen Fakultät genommen, e« wurde» Gutachten von den Grobgemeinden uboerlangt, sogar eine Lommission von Fachmännern einberufen, seitdem weist jede« Jahr da» Budget für Lulruszwecke neben den riesig großen Summen für Katholiken und Protestanten die sehr beicheidene Summe von 4000 fl. zur Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät au», aber auch da» bleibt nur auf dem Papier. Hauptschuld tragen freilich die Juden selbst, da bisher noch .keine einzige Gemeinde bei der Regierung um Errichtung diese» wichtigen Institut» eingeschrilleu ist, die ReichSraihSadgevrvueleu jüdischer Eonsesstoil haben auch noch kein Wort darüber verloren, und doch sitzen mehr als fünfzehn im ReichSrathe. Welche» Erfolg dir Petüion de» Tachauer Rabbiner- Haben wird, läßt sich bisher nicht bestiinmen, da» Abgeordnetenhaus hat dieselbe der Regierung abgetreten, diese hat eine Begutachtung von der böhmischen LandeS-Judenschaft-Repräsrulanz, wohl auch von den jüdischen Borständei» der andern Kronländer abverlangt, und so ist die Sache noch in der Schwebe. Im Interesse der Rabbiner, die in den kleine» Gemelildrn sehr armselig bezahlt werden, wäre eine günstige Enticheivung zu wünschen, wünschenSwerther aber noch wäre rin Gesetz, welche« die Verhältnisse der Rabbiner zu den Gr- Uteinden regelt, da hier zu Lande nach beiden Seiten hitt vollständige Willkür herrscht. Ich werde ein andere» mal die Roidwendigkeit dieser Regeluiig durch Beispiele beleuchten. Bon Sam. W. Paschele» ist dieser Tage der Kalender für da» Jahr VSSS ausgegrbe« worben; fämmlliche bell.tristiichen Beigaben sind von dem auch den Lesern diese» Blatl>» rüymlichst bekannten Schriftsteller Sal. Kohn Schließlich will ich noch die Eorrespoubenz über die in unserer Geuieind« jür den sei. Dr. Frankel abgehallenen Gebachinißreden ergänzen; auch Herr Rabbiner l)r. Stein hielt zu Ehre» de» großen Todlen eine nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Gebächtnißrede, welche veröffentlicht werden wttb. Araukretch. Pari». Dem Allianz - Bericht pro März entnehmen wir Folgende»: Da» Eeniral-Lomir« giedt durch besondere Eintragung »n» Protokoll lernet riesen Lheilnahm«, mit der e» sich der Trauer um de» verstorbenen Semtnardirecior vr. Frankel ftMUM Schüler,», zahlreiche» Freunden und frommen Verehrer u anichlxßl, Au»drnck. Uever dre jungst vorgefallenen Morblhaten in der Umgegend von Mogador (Marokko) sind genauer« Mittheilung,.» «lng-gang-n. 5- Am 27. November begab sich ein Israelit au» Mogador, Namen» Meffod Brnjaffa, mit seinen zwei Kindern, einem anderen Jiraeiiten und einigen arabischen Kaipeeltreidern aus de» Weg »ach Marokko; bei einem Zollhaus« angekommen, letzten L-tziere ihre» Weg fort, während die Israeliten ihr Nachtquartier in einem maurischen Haus« nahmen, wo sie . geröbiel und hieraus rn einen Brunnen geworfen wurden. Ar» der Bruder de» M. Beitjaffa, der in Marokko wohnt, - dreien Boriall erfuhr, erhob er |osort bei dem Bruder de» > Kaiser», Muley Lilmann, Klage und erwirkte sich bei demr seiden «ui Empiehlungtschreiben an den Gouverneuer von Mogador. Inzwischen, schreibt der Lorrespoadent, hatte» wir. gleichfalls von der Ermordung dieser unglücklichen SlanbenSgenoffen Keuatniß bekommen und frstqestellt, daß dieselbe zu Enaga, im Bezirk Schiedm-i, stallgefundrn, deffen Souoerneuer El Jach Jamed de» S-irsii ist — Fast gleichzeitig erfuhren wir noch, daß auch drei Israeliten vom Sa« in einer Ortschaft Namen« El-rio Titzi, znm Reffort de« Regierungsbezirke- Jaja gehörig, ermordet und' aller ihrer Habe beraubt worden seien Ja Begleitung von Soldaten und lltotaren, die un» der Gouverneur dehuf» Einholung der Leichname mitgegeben halte, tonnten ivtr diese drei unglücklichen Opfer zur letzten Ruhe bestatte« und machten un« sodann auf den Weg, um die Leichname der anderen, in Enaga ermordeten Israeliten auszusuchen, wozu un« der Gouverneur gleichfalls militärische Bgeuung und einige Notarezur Feststelluug de« Thatbestande« mitgab. sRach längerem Suchen fanden wir endlich einen R inren, den die Mörder, gezwungen hatten, die.Leichnaaie au» dem Brunnen, in welchem sie lagen, herau-zunehmen und nach einem etwa« entfernter gelegenen Orte, genannt Hain von Qued, zu tragen, wo sie verbrannt wurden Den Brunnen selbst, der zugeschültel, besäet und vollständig unk-,i»lllch gemacht worden war, mußten wir wieder ansgrabe,i iaffen und fanden endlich in ihm blutbeflecki« Stücke von Bekleidung-gegenständen, Leinwand, Schuhzeug und anderen Dingen, die den Ermordeten gehört hatten und die wir »iiinihaie»; ebenso fanden wir auch noch an den Orte, wo die B rbrennung staltgefunden, einige halbverbrannte Knochen. Nach Mogador zurückgekehrt, begaben wir un« mit allen den Person, n, die un« begleitet hatten, zum Gouverneur, der de» Notare» aufgad, über den festgestellten Thatbestand ei» Proiotoll ausznnevinen und un« die nöthigen Schriftstücke zul Verfolgung der Mörder zu übergeben. Wir wandte» un» sodann mil -iaer Petition, in der wir die genannten Thatsachen auseinandersetzten und die Bestrafung der Schuldigen forderten, an Se. Maj. den Kaiser nach Fez, und werden Ihnen, soda'd wie eine Antwort erhalten. von derselben Miiheilung machen Au« den» Bericht über den Sland der von der Allianz unterhaltenen Schulen im Orient hebe» wir zwei lntereffant« Notizen hervor: Se.Excellenz Hamdy-Pascha, Gouverneur von Smyrna, hat dem Präsidenten det Lokalcomiie'» versprochen, 20 «Sraelit Zöglinge in die Handwerksschul« der Regierung aufzunehmen und auf Kosten der A.istall koscher ipeljeu zu lassen. Der genannte Beanlte ist zwar inzwuchen aus ein-» andern Pasten berufen worden» aber e« ist anzuiiehmen, daß sein Nachso-ger da» Beriprechen beffelden erfülle» wird Sir John Drummouo Hay, der englische Gesandte in Tanger, der jüilgst bei Gelegenheit eine» van ihm der dortigen Schule gemachten Besuche« den besten Schülern derselben Geschenke versprochen harte, hat Herrn Lohe» al« Prämie für Fortschritte im Englische» eine Prachtausgabe oe« Shakespeare und außerdem die zur Anschaffung einer ahn lichen Prämie für Fortschritte im F-anzäsischen nöthige Geldsumme übersandt und hierbei de» Ausdruck seiner Sympathie» für die Wirksamkeit der Alliance, sowie, für den ma» ralischen Fortschritt der i-rael. Jugend van langer erneuert. Außerdem erklärt derselbe, der genanntn Schule jährlich -ine Summe von ö0 Fici, zur Aufmuiuerung der Zöglinge derselben gewähren zu wollen. Nutzlaud. Warschau. (Schluß.) Noch über ein zweite«, interess antes Thema will ich Ihnen heule einige Mil-Hellangen machen. In der zweiten hiesigen Synagogengemeinde aus Stalewki fand vor einigen Wochen sine Veriaminlitng stall, welche die Beraioung über die Einlührung einer Orgel zum Zweck hatte. Rach vielen Deda-ten, welch« sich um nebensächliche Punkie der Möglichkeit dewegten, ergriff Herr Klüger, der Prediger dieser Gemeinde, da« Wort, und bekämpfte in der beredtesten Weise die Einführung einer solchen Reform. Sein« Red« hatte zur Folge, daß die «ei,ten Stimmen in dieser Frag« «nur» ausfielen, und daß man vor-