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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 19.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 144 besonder« aber nicht ausschließlich und blo« gegen die Einwanderung der Juden; sondern die Regierung hält es i« Allgemeinen f ir nothwendig, die JnkolatSsrage durch ein Gesetz zu regeln, und sie wird diesbezüglich dem Reichstage einen Gesetzentwurf unterbreite». (Zuftnnmung.) Die zw«i:e Frage bezieht sich darauf, ob die Regierung einer auf socialem Gebiete gegen die aggressive Aaste der Juden sich entwickelnden friedlichen Selbstoeriheidigung Hindernisse in den Löeg legen würde? Lus diese Frage antworte ich: die Regierung ist keine Gegnerin welcher Bewegung imnier, die eine ersprießliche Tendenz verfolgt: st« sieht it Freuden da« Entstehen solcher Bewegungen i.nb deren Entwickelung in der Gesellschaft, und sie wird gewiss einer solchen socialen Bewegung, wenn sie eine ersprießlich« Tendenz verfolgt, keine Hindernisse in den Weg legen. (Zustimmung.) Wohl aber wäre sie gezwungen, eine feindliche Stellung jeder Bewegung gegenüber einzunehmen, welche daS friedliche Einvernehmen zwischen den im Laude befindlichen Kirchen und Eonfessionen, oder den zu denselben gehürenden Bürgern und die gegenseitige Achtung der bürgerlichen Rechte der Letzteren störte oder in welcher Richtung immer zu störin bestrebt wäre (Lebhafte Zustimmung.) Aus die dritte Frage, ob die Regierung, wie seit der Emancipation, auch sürder dieser Gefahr gegenüber ihre Po lilik deS JudifferentiSmuS befolgen werde, ist meine Antwort sehr einfach, weil die Regierung eben in Folge de« G-A. XVII. 1867, welcher die Gleichberechtigung der Israeliten mit allen übrigen Bürgern deS Landes auSjpricht, eine Jubeufrage nicht kennt, nicht kennen kann und daher ihr gegenüber keinerlei Stellung zu nehmen hat (Lebhafte Zusiunmung.) Ich weif, sehr wohl, daß diese meine Antwort den g. Herrn Abgeordneten hinsichtlich keine» einzigen Punktes seiner Interpellation befriedigen kann, weil diese Antwort im Gegensätze steht mu den Prinzipien und de» Wünschen de» Herrn Abgeordneten hinsichtlich der Haltung der Regierung, denen er in ieiner umfangreichen Red« Ausdruck gab, mit welcher er feine Interpellation motivirte. Aber die Regierung befolgt u nd kann, nicht bloS hinsichtlich de» israelitischen, sondern hinsic-llich welchen Elementeimmer keine andere Politik befolget, al« die ich hier zu skizziren so frei war, da sie sich sonst zegeil die Humanitär, dle Lwilisation und die Gerechtigkeit vergehen würden; ja sie würde sich vor Allem gegen jene LaadeSgesetz« oergehen, welche jedem Bewohner de» Lande« ohne Unterschied der Religion, Sprache und Abstammung, gleiche bürgerliche Rechte garantiren (Lebhafter Beifall.) Wa« Hcrr Jstüczy hierauf noch erwidern zu müssen glaubte, ist gleichgülttg. Da» Hau» nahm die Antwort de» Mlnifterpräsidmteu eiuftiiitmig zur Kenutniß. —r— frag/ den 15. April. Zu den schönsten Eigenschaften de« jt.bischen Bolle« gehört von jeder die Wolthätig» keit, welche >i,h besonder« am Passahfest« bewährt, wo jede jüdiiche Gemeinde mehr oder weniger ihr« Armen mit den Pasjabedürfuisse» versorgt. Ilm die» in der ausgiebigsten Weise thun zr können, hat sich in unserer Gemeiud« schon vor 29 Jahren ein Verein gebildet, der da» Mazzathbacken in eigene Regie nahm, die Gemeinde also mit echt koscheren Mazzolh vericrgt« und den beim Mazzothoerkaufe erzielten Gewinn zur r nentgeltlichen Berabfolgung der Paffabedurfniffe sür die Armen verwendete. Die gesteigerten Ansprüche ver» aulaßlen die Gemeinde-Repräsentanz vor zwei Jahren die Mazzolh backen i in Verwaltung zu nehmen, so daß durch Zuschüsse au« der Gememdetaffe und sonstige Spenden die Möglichkeit geboten wurde, der alten Vorschrift „wer die Hand ausstreckt, dem soll gegeben werden", zu entsprechen. So weist da« Spendenverzeichniß von diesenl Jahre, wie mir der Obmann der Eommiisio» für die Paffahbedürfniffe, Herr Lal. Kahn, mlttheilt, 700 Familien au«, welche unentgeltlich Mazzolh erholten, zuo«m kommen noch all« in hiesiger Garnison sich befinoeiiben jr bischen Soldaten, die auf Gemeiudekaften an den Peßachtagen ganz« Beköstigung erhalten» an ganz Unbemittelte wird auch Fleisch und Dein vertheilt. Angesicht« dieser bedeutenden Bedürfnisse sollt« jede« Gemein de« italied di« Paffahcommission in ihrem tbätigen Dirken wenigsten« dadurch unterstütz.'», daß e< seinen Mazzothbedarf von ihr bezieht, und nicht, wie e» »iele thun, bei den Mazzothhänd» lern vom Lande, wo nicht einmal di« Garantie de« Kaschruth geboten wird, taufen DaS alte Wort im Talmud: '2NUk findet »och in der Gegenwart seine Anwendung, aber nur durch einheitliche« Zusammenwirken wird e« möglich, diesen Bedürfnissen zu genügen. Auch die Landgemeinden werden gewiß ihrer Pflicht bezüglich de« TJDtl 'nap entsprechen, die Gemeind« zn Mühlhausen aber wird wieder eine neue Verlegenheit haben E» haben sich dort nämlich vergangenen Sommer wegen einer Streitigkeit mit dem Rabbiner sämmtliche steuerzahlenden Mitglieder bi« auf drei auf Rath eines Advokaten als „conseiiionSlo»" erklärt. Die naiven Leute ahnten nicht die Folgen ihre» Schritte«, sie sind in Wirklichkeit gejetzeSlreue Juden, glaubten nur zum Schein der Behörde gegenüber al» konieision-lo» zu gelten. Da« geht aber nicht ganz, die Versammlungen zum Gebete im Haus« deS Vorsteherwurden behördlich nicht gestattet, ihre EonfessionSlosigkeit wird ihnen sehr oft zur Klippe, wenn e« gilt, den jüd.-religiösen Pflichten zu genügen, eS tauchen für sie mit jedem Tage neue Fragen aus, sie gelangen zum Bewußtsein. daß confeisionSloS zu seiit für gesetzeStreue Juden ganz und gar unbequem ist. D>S pater peccavi erkennen sie schon jetzt, ihr Advokat hat ihnen mit seinem Rath« einen schlimmen Streich gespielt, und offenbar werden sie bald da« harte Joch der EonfessionSlosigkeit abjchütteln. Vorläufig werden sie durch die Feier de« „Festeder Freiheit" belehrt werden, daß EonfessionSlosigkeit eben leine Freiheit ist. ES ist nicht recht begreiflich, warum di« Repräsentanz der LandeSjudenschaft in dieser leidigen Affaire keine Schrüte thut, als Berrreteriil der Juden in den Landgemeinden dürfte e» ihr bald gelingen, diesen faux paa der Mühlhausen« wieder gut zu machen. Die Repräsentanz der LandeSjudenschrst hat vor einigen Wochen selbst einen faux pas gemr ht. Ewurde von der Statthalterei ihre Wohlmeinung über die Jnstitu ion der KcriSrabbiner eingeholt, und zugleich Auskunft über die Funktionen der Rabbiner im Allgemeinen aboerlangt. Die Antwort lautete: Die Funktionen des Rabbiner» bestehen in Trauungen und Ehescheidungen. Wir sind nun neugierig, wa» die Gemeinden dazu sagen würden, w nn die Rabbiner dies« Ansicht zu der ihrigen machen sollten, und gestützt auf da« Gutachten der LandeSiudenschaft - .Repräsentanz ihre amtlich« Thätigkeit nur aus Traulmgen und Ehescheidungen beschränken möchten? Wa» aber die jüdischen LandeSoäter zu. dieser gelinde gesagt einseitigen Aeußerung veranlaßt hat, ist leicht zu errathen; eS ist in den letzten ,'ähren soviel darüber gefasrlt worden, daß da» Judenthum keine Geistlichkeit kennt, daß man reaktionär zu sein vermeint, wenn man zugeben sollte, man müff« Führer und Lehrer de« Judenlhum» anerkennen. So gibt sich in den meisten jüdischen Versammlungen, wo über da» Wesen de» Rabbiner» verhandelt wird, da» Bestreben kund, nicht einmal dessen lehrende Thätigkeit zuzugestehen. Man denk« nur an den ungarisch-jüdiichen Eongreß, wo gerade von fortschrittlicher Seile Sturm gegen da» Radbtnerthum gelaufen wurde, und gcwtffe Herren sich Stolz in die Brust schl gen, al» sie mit der Behauptung auftralen, die jüd. Gemeind« könne ganz und gar de» Rabbiner» entrathen Wir wollen hier un« nicht eine« Weitern darüber auSlaffen, da» ein« Wort genügt: Solche Extemporationen, nur so können sie genannt werden, fließen nicht au« — Religion. Doch nicht blo» der Tadel soll i.ier laut werden, e« gibt auch etwa» zu loben. Die LandeSjudenschaft Repräsentanz hat die Summe von 5000 fl. zur Gründung eine« Pension-fond« für di« jüdischen Lehrer im Land« bestimmt und die Lehrer eingeladen, einen Entwurf über di« Ereirung de« Penfionssond» auSzuarbeiten. Die Angelegenheit ist aber noch nicht

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