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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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trotz mehrmaliger Anzeige in sorgloser Freithett und rühmt sich offen seiner abscheulichen That So geschehen ihm Jahre de« Heil» 187V in der Stadt Galgocz nächst Tyrnau, kaum acht Stunden enfernt von Wien. Dieser Fall ist leider nur zu Cjnet, ein getreue« Bild unserer an« Romänische grenzrn- Zuständ« zu liefern." Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 1v. April. (Or.-Corr.) Am Sonntag, d. 7. April, fand im Borsaale de« hiesigen veth - Hamidrasch eine Gedächtnißfei-r für den verewigten Direktor Dr. Frankel statt. Hr. Or. David Laffel hielt auf den Wunsch de« Borstande« de« Beth-Hamidrasch die Gedächtnißrede. Lin zahlreiche« gewählte« Publikum war erschienen und füllte nicht nur den Dorsaal, sondern auch die Nrbenräume. Hr. vr. Cassel hob in der Einleitung hervor, daß, nachdem schon einige Zeit seit dem Hinscheiden de« berühmten Lehrer« vergangen, wir um so klarer und bewußter den großen Verlust ermessen können, er spielte darauf an. wie der Winter noch so viele Verluste an großen geistigen Capacitäten gebracht und verglich sich unter sinniger Anwendung de« Berse«: 132*? TT einem Härtner, der bei Beginn de« Frühling« in seinem Harten uachschaut, welche edle Pflanzen und Blumen der harte Winterfrost getödlet. Der Redner gab dann dem Redeorte angemessen eine Erklärung de» so schwer zu deutende» Spruche« T3J 21v und de-Rachsatze» 1'VV22 Vvvv' >02JirilW2in und deutete ihn dahin, daß wir durch Untersuchung de« Wirken« eine« Dahingeschiedenen zu einem Urtheile gelangen, ob r« beffer gewesen wäre, daß er nicht geboren worden. Bon einem Frankel wird man sagen: '121 ITT TPK Hierauf wandte der geistvolle Redner in ebenso sinniger wir gefühlvoller Weise die Berse an- Jesaj. 4L, Ber« 1—7 auf den Verewigten an, gab damit ein ebenso treffende« wie rührende« Bild der Wirksamkeit de« von allen, die ihn kannten, so verehrten Dahingeschiedenen. Die Feier machte auf alle Anwesenden den befriedigendsten Eindruck. A. Loscht»!», den 18. April (Orig-Corr.) (Begräbnißaffatre.) Die Wahrheit hat den Sieg davongetragen. Alle unsere Angeklagten sind frei gesprochen worden, da der Gerichtshof zu der in der Motivirung de« Unheil« ausgesprochenen lleberzeugung gelangt ist, daß der Commissarius sich nicht in rechtmäßiger AuSübuug seine« Amte« befunden hat. Nicht wenig hat zu diesem Resultate die lichtvolle, von warmem Mitgefühl getragme Bertheidigung de« Herrn RechtSanwalte« Orgler zu Posen beigetragen. Da« Judenthum darf stolz sein auf solche Söhne, die so warm für ihre Mutter fühlen. — Gegen den Commiffariu« wird nun hoffentlich die DiSciplinaruntersuchung eingeleitet — überhaupt weitere Schritte geschehen. Prenzla». Am 11. April wurde da« 25jährige AmtSjubiläum unsere« verehrten Rabbiner», Herrn vr. Lazaru« gefeiert. Die Betheiligung war sowohl von Seiten der Gemeinde, wie der Bürgerschaft eine große und freudige. Auch von auSwärt« waren viele Freunde, Verehrer und Verwandte de« Jubilar« erschienen; daß unter Letzterem die H H. Prof. LazaruS und Steinthal — Bruder und Schwager — nicht fehlten, versteht sich von selbst. Die Feier bestand, von den Gratulationen im Haufe abgesehen, in einem Festgottetdienst in der Synagoge bei dem Hr. Rabbiner vr. Rosenzweig au« Pasewalk die Rede hielt und einem Festmahle, an dem etwa 100 Personen sich betheiligten. Ein besonvere« Eomite halte die Anordnungen der ganzen Feier in di« Hand genommen und überreichte dem Jubilar »och ein werthvolle« Geschenk. (Der Red. dies. Bl. war zu seinem lebhafte» Bedauern durch Dienstgeschäfte verhindert, der Einladung zum Fest« Folge zu leisten.) In Hesse» traten im Jahr« 1874 zwei Israeliten zur evangel. «rche über. Wie». Da« dem R«ich»tag« vorgelegt« Budget de« Eultu«- und Unterrichs-Minister« fordert für die Katholtke« v,800,000 fl, für die Protestanten 109,000 fl., für di« Griechisch-Katholischen 81,000 fl., für die Juden — nicht«. Daß der Reichstag beschlossen hat, die Regierung auszufordern, daß sie auch jüdischen Geistlichen Subventionen au«- werfe, ist in« vor. Bl. (Leitartikel) erwähnt. Racht-äglich müssen wir bemerken, daß die«, wenigsten» provisorische, Resultat den langjährige Bemühungen de« Rabbiner« zu Dachau zu verdanken ist. Die Regierung hat bereit« di« böhmische „Lanndjudenschast aufgefordert, bestimmte Anträge zu stellen, und so sieht ein saftische« günstige« Resultat in Aussicht. Przibra«, 5. April. Unter regster Theilnahme der hiesigen zahlreichen Einwohnerschaft und einer Menge von Gästen fand heut« die Einweihung de« neuen israelitischen Tempel« statt. Nach Absingung mehrerer Psalmenstellen bestieg der Festredner. Herr l)r. S I. Kämpf, Professor an der k. k. Universität zu Prag, die Kanzel, um die zahlreich« Bersanimlung zu begrüßen. Mit den üblichen patriotischen Gebeten schloß die allgemein beifällig ausgenommen« zündende Festrede. Nachmittag« veranstaltete der Vorsteher Herr Beständig für die zahlreichen Gäste «in Bankett. Turi». Vergangenen Montag, den ö. d, hat sich in Turin ein große« civilisatorische« Ereigniß zugelragen, invem an diesem Tage die Thdre de« dortigen Ghetto für immer geschloffen wurden und die wenigen J-raeiiten, die in demselben noch wohnte», nach der eigentlichen Stadt übersiedelten. E« ist rigenthünilich, daß in Turin, der ehemaligen Residenz Victor En»anuel'« und dem Wohnorte Eavour'«, da« Ghetto sich bi» auf den heutigen Tag erhalten konnte, während in den anderen Städten Italien«, niit Ausnahme Rom«, die Ghetti schon längst verschwunden sind oder nur noch den Namen nach existiren Da« Turiner Ghetto dürfte ein Alter von vollen fünfzehn Jahrhunderten erreicht haben, da schon zur Zeit de« Kaiser« Julianu« Apostata Juden iq Turin wohnten und blühende Geschäfte betrieben. Zürich, im März An der hiesigen Universität und dem Polytechnicuin ist der vr. Gustav Cohn zum Professor der Nationalökonomie erwählt worden. Warschau den 14. Februar. Man geht jetzt streng gegen die Juden vor. um sie anzuhalten, de» bestehenden Gesetzen zu gehorsamen. Der Moskauer Oberpolizeimeister hat seinen Untergebenen besohlen, aus da» strengste darauf zu achlten, daß jeder in Moskau wohnhafte Israelit jede in seiner Familie vorkommende Personalveränderung sofort bei der Polizei anmelde. Die Polizeibehörde wird ermächtigt, in den Behausungen der Israeliten sich persönlich von der Richtigkeit der betreffenden Stande«register zu überzeugen. Um den Israeliten, welche im Süd- und Weftrußland fast ausschließlich den Branntweinschank in Händen haben, da« Handwerk zu legen, gebietet eine Verordnung, daß nur der Eigenrhümer eine« Hause» Branntweinschank haben dürste. Da nun tausend« von Juden aushören sollen, da« von ihren Urältevu geführte Geschäft zu betreiben, so setzen sie alle Mittel in Bewegung, um da« Gesetz zu umgehen. Deshalb erließ der Generalgouverneur von Kijew an alle ihm nntrrgebenen Behörden den gemessenen Befehl, uuter persönlicher Berantworiung und sofortiger Absetzung darauf zu achten, daß kein Israelit e« wage jenem Gesetze zuwidrrzuhandeln. Da« leide« wir auch nicht. Zu Anfang de» 18. Jahrhundert« war der größte Theil der Judengasse zu Franksurt am M. durch Feuersbrunst etngeäschert worden. Die Zeiten waren mild« geworden; ma« konnte die obdachlosen Jude» nicht mehr au» der Stadt jagen, bei den Thirren de« Felde« ihnen Lagerstätte anweisrn, noch wentger hatte mau st«, wie wohl vordem geschehen, in die Flamme» ihrer brennerche» Häuser werfen könne«; Rath und

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