Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 17-18.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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138 digltch eine Sach« der religiSfett Gefühl», des individuellen Bedürfnisse«, so daß es jedem freisteht, ob er diesem Gefühl und Bedürfniß Rechnung tragen mag oder nicht? Nicht wahr? Da« sind inSgesammt keine Fragen für Herrn Hirsch. Mit aller Kraft seiner Ueberzeugung, mit dem letztem Athemzug« beantwortet er diese Fragen mit Nein! Run denn; die letzte der vorstehenden Fragen blldet, bejaht, die vast«, aus der alle die Erörterungen der liberalen und radikalen Literaten über die Etmagogen-Gemeinden beruhen: Religion ist Sache de« Individuum«, wer Lust hat, tritt einer Gemeind« bei. Welch« Kluft zwischen dieser Ansicht und der de» Hern» H , den Vorschriften de« jüdischen Religion«gesetze«! — Jahrtausende hat e« ferner al« Recht gegolten, daß jeder, der (30 Tage) in einem Orte wohnt, zur Synagogengemeinde beisteurr, dazu angehalten, gezwungen werde. Die« geschah früher durch Bann und Härtere«, welche« man über Renitente verhängte. Seitdem die« aufgehört hat, hat man die HülfSvollstreckung dc« Staat« gern angenommen, so hat Herr H. selbst, al« Landrabbiner, e« für durchaus recht und gesetzlich gefunden; jetzt weht ein anderer Wind, und nun soll «» unjüdisch, schändlich sein, wenn der Staat Synagogengemeinden bilden hilft und im Rothfall Steuern einkafsirl?! Jetzt macht Herr H. sich zum Wortführer de« BoluntariSm, de« vollsten Freiwilligker «prinzip«? Entspricht solch Thun dem Judenthum, seinem unabänderlichen Gesetze? Immer wieder wird man un« auf alle« diese« entgegnen: ja, r»nn die Gemeinden streng nach dem Schulchan- Aruch geleitet würden! Aber da« StaatSgefetz, wie e« die Orthodoxen haben wollen, wird erst recht keinen Unterschied zwischen Geineinden machen, die den Schulchan-Aruch al« Grundgesetz proelamiren, und solchen, di« da» nicht thun. Nicht um Schulchan-Aruch, nicht um Orthodoxie überhaupt handelt e« sch hier, sondern um die BundeSgeuoffeischaft mit den entschiedrasten Gegnern de« Judenthum«, wie jeder Religion. Da« ist die böse Saat, die der Kirchenkampf in unser Feld gestreut hat, da« ist'«, wa« unser religiöse« und sittliche« Gefüh verletzt, empört. Politische Parteien mögen mit ihren Gegen ätzen gelegentlich Bündnisse schließen, wenn «» ihrem Intel esse frommt, religiöse Männer müssen solche Taktik und Strategie vermeiden, verwerfen. Thun sie e« dennoch, so können sie sich nicht beschweren, wenn man in ihre Aufrichtigkeit Zweifel setzt, und al» ihr Motiv Selbst- und Herrschsucht erkennt. Oe-reich. Pest Die in Leitartikel erwähnte Interpellation Jstüczy'« : lautet. „In Anbetracht dessen, daß auch nach der vom sehr geehrten Herrn Kultus- und Unterrichtsminister in der Sitzung de« Abgeord relenhause« vom 4. Juli 1874 abgegebenen Erklärung, in;anz Europa kein Staat existirr, in welchem da« jüdische Eleinent einen größer» Einfluß und ein größere« Gewicht befitst, al« in Ungarn; in Anbetracht, daß diese« Element im Land« selbst, besonder« aber in Folge der Einwanderung sich sehr schnell vermehrt unt die Ueberichwemmung de» Lande« besonder« durch eingewanderie Juden schon wiederholt Gegenstand verschiedener Diskussionen in der Presse aller Parteischattirungen bildete, und sich da« Publikum mit dieser Frage seit Jahren lebhaft beschäftigt; in Anletracht, daß diese» Element seinem Innern nach und auch den äußerliche» Erscheinungen gemäß nicht so sehr ein« Konfession bildet, al« vielmehr den Eharakter de» im Al' terthume herrschenden und längst veralteten Kastensystem» hat, al« eine selbständige soziale Macht mit ihrem einheitlichen Auftreten, sowie mit den von ihnen verschafften, unter den jetzigen Verhältnissen unwiderstehlichen Waffen sowohl auf politischem al» auf sozialem und volkSwirthschaftlichem Gebiet« von Tag zu Tag in größeren Dimensionen Errungenschaften macht und die nichljüdischen Elemente nicht nur überflügelt, sondern sogar zu unterdrücken droht; in Anbetracht ferner dessen, daß die Judenschaft einen unter der Führung einer internationalen Äitung stehenden, sich über die Interessen de« Staate« und der Nationalität erhebenden kosmopolitischen Organismus bildet, welcher, wie er e« auch bet un« in den fünfziger Jahren zur Genüge bewiese» hat, zur nationalen Sache nur so lange Anhänglichkeit zu bezeugen pflegt, al« die vorhandenen oder bevorstehenden politischen Verhältnisse derselben die Macht oder die Aussicht der Macht sichern und auf diese Weise dieselbe zu den Zwecken der eigenen Kaste auSnützen; in Anbetracht, daß e« nicht der Beruf Ungarn» sei» kann, noch auch nach den in jün fter Vergangenheit gemachten Erfahrungen in seinem Interesse liegen kann, al« Versuch»- terrilorium für diese wirthschaftliche Oligarchie und für die durch dieselbe zur Feststellung ihrer politischen Herrschaft strebende Kaste zu dienen, und in Anbetracht jene» analogen Standpunkte«, welchen nach dem Beispiele der übrigen europäische» Regierungen auch unsere Regierungen dem wenigsten« bei un« relativ weniger gefährlichen Ultrauto»lani«mu« und der Internationale, respektive der Sozialdemokratie gegenüber einnehmea, frage ich da« geehrt« Ministerium: 1. Hat e« die Absicht, durch Einbringung de« von den bisherigen Regierungen bei mehreren Gelegenheiten versprochenen, bi« jetzt aber noch immer nicht eingeführlen. da« Jnkoiat regelnden Gesetzentwürfe« der Einwanderung der »o« AuSlanve kommenden, Ungar» überschwemmenden Juden einen Damm entgegenzusetzen? 2. Würde di« Regierung einer auf sozialen Gebiete gegen diese aggressive Kaste seilen« der nichljüdischen Elemente eoenluell zu unternehmenden friedlichen Bewegung zur Selbstvertheiviguung Hindernisse in den Wegen legen? 3. Gedenkt sie überhaupt dieser Frage gegenüber einen entschiedenen Standpunkt einzunehmen oder ihre, bisher durch die seit Erlheilung der Emanzipation im StaatSleden und auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung aufgetauchte» Erscheinungen nich gerechtfertigte vollständige Neutralität und gleichgilrige Politik auch fortzusetzen? — Eine Frucht der Jstüczy'sche» Judeninterpellationint Ungarischen Abgeordnerenhause! Au« Galgacz nächst Tyrnau wird der„D. Ztg." berichtet: „Am 11. d. Abend« durchschritt ein hiesiger Bürger, Ranien» Kacsinccz. angeregt dnrch genossenen Wein und die allgemein, besprochene Judenfrage, mit folgendem Ausrufe den Markplatz: „Heute muß ich noch «inen Juden umbringen, und zwar den Ersten, der mir unter d»e Hände kommt." Unglücklicherweise kam ihm ein solcher in Gestalt d.S HandlungScoinmi« L. Kohn entgegen, welchen er nun mit Schlägen tractirle. Ein vorübergehender Glaubensgenosse wollte drvi Bedrängten zu Hülfe kommen; ein nach ihm geworfener Stein veranlaßt« ihn jedoch, der eigenen Sicherheit wegen den entgegengesetzten Weg einzujchlagen. Er rief nun den Bruder des Mißhandelten, den Kellermeister Samuel Kohn, herbei, welcher in energischen Worten die Freilassung seine» Bruderforderte. Hierdurch noch mehr gereizt, warf sich der Wülhende auf den Bertheidiger, stieß ihm ein große« Messer in die Seile und brachte ihm damit eine 3 Zoll tiefe und 2 Zoll breite Wunde bei. Al« mehrere herbeieilend« Juden sich de« Verwundeten annehmen und den Altrnthäter festhalten wollten, nahmen die anwesendeu christlichen Einwohner eine drohende Haltung an, welche es Jenem möglich macht«, ruhig seine« Wege« zu ziehen. Während der Verwundete in Lebensgefahr schwebt, befindet Hch der Thäter , Tirrti rl-T' - rir fr iti iTMfitifflMfl