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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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lebhaft für die Eiaführung einer Ürgel in die hcm*r Synagoge (mm narr solchen wird jedoch in der neue» Synagoge «orläufia ganz Abstand genommen) und erbietet sich fdmmt* liche Loste» für dieselbe zu tragen. Nebenbei sei auch benitift, das» uiiser zweiter Eisenbahnentrepreneur, Herr Bloch, vor Lurz«m, am Sterbetag« seine» al» Jude verstorbenen Later», einige Hundert Nudel für jüdisch« Arme dem Gemeindevor lande übergab. E» scheint, daß diese Männer mit der Abschattelung der geistigen Last (U>») de» Judenthum» doch keineilweg» von den finanziellen Lasten fich zugleich haben lo»sazen wollen. Aber nicht bloß auf die finanziellen Lasten beschränkt sich die Theilnahme unserer hiesigen Apostaten, sondrru sie dehnt fich auch aus die «remoniellen Gebrauch« au». So sah ich am letzten Bersöhnuugttage «ine junge Dcme sehr lange im Tempel vrrwesten und bi» zu Lud« fasten, obgleich dieselbe schon seit uiehreren Jahre» getauft ist. In Deutschland ist ein solche» gemüthliche» Berhältnib »r den verlaffenea Brüser« nicht erhärl, aber hier bei un» ist r« leicht erklärlich. Die meisten unserer Adgefalleuen — und leider gehören zu denselben sehr namhafte Familien — find zu -einer Zeit übergetreten, wo unser« jüdischen B«-:hältniffe noch »ehr elend und gedrückt au»sah«n. Ihnen aber war durch finanzielle oder andere Verhältnisse der Zutritt zu den Salon» vornehmer Ehriften geöffnet worden, di« «Schmeicheleien derselben gegen di« seil Jahrhunderte» nur an niedrige Demüthigung «gewöhnten, der vergleich zwischen!xm Glanz« der Salon» und dem Elend in der jüdischen Hütte, di« Absperrung in Ghetto» und die entehrende Lopfsteuer, da» war der Anstoß, welcher sie zu Falle gebracht hat. Jh: Uebertritl geschah also weder au» Abneigung gegen ihr Volk, noch au» Urberzeugung, sondern einfach an» Schwäche. Dazu tarn noch, daß die jüdisch« Wiffenschaft hier zu Lande sehr niedrig stand, und daß diese Männer von der inneren Schönheii de» Judenthum» keine Ahnung hatten. Seit jener Zrü hat fich indeß hier Biele» geändert. Jüdische Jünglinge haben fich eiugeardeite« auf allen Gebieten der Wiffenschaft und der.'tunst und haben al» Aerzl« und Juristen, al» Schriftsteller uud Maler sich hohe Anerkennung erworben.*) Jüdisch« Männer haben am bürgerlichen Leben lheilgenommen und sich bei chreu christlichen Mitbürgern in Achtung zu setzen gewußt. Auch di« Außenseite feilte nicht, auch jüdische Salon» wu"deu schließlich Mode, welch« mit denen der hohen Artftotralie an Glanz uild Pracht wetteiferten. Die Blume von Saion, welche längst verwelkt und abgestorben schien, bekam mied«r frische» Leben und fing an iir wunderbarer Werse von Neuem zu blühen und zu duften lind während di« Verjüngung der alte» Mutter di« Linder, welche treu a«»geha>rl hatten, mit Stolz und Freude erfüllte, wird die Brust jener, welche chr in der Noih untreu wurden, bei diesem Anblick von den Gefühlen der Demuth und der Reu« gepeinigt. Sehen fi« ja heute, daß auch ihren ungetauslen Brüdern der Zutrül zu den ersten Salon», zu den höchsten Stelleu und Aemler» erfchloffen ist, und müffei» sich uiil Brschämunz sagen, daß, während sie selbst nur einer Lüge ihre Earriere verdanken, e« die Anderen au» eigene: Lrafl dahin gebracht habe», daß jene doch etwa» find, wenn auch nur Juden, daß sie selbst aber weder zu de» Juden noch zu den Ehristen sich zahle» dürfen. E» iit da» peinliche Gefühl de» Fahnenflüchtigen, e» lft die verzweifelt« Lage «>»e» vornehmen Drjerter.r», nachdem beide kriegführende Theile «inen ehrenvollen Frieden geschloffen haben. Auch «in Stück Romantik mischt sich noch hinein. E» ist die Lieb« zu der einstigen Geliebten, welche neue Schönheit gewinnt, nachdem sie eine Zeülanx krank und elend autsah, die Flamme, welche mächtig« Gewässer zu verlöschen nimmer im Stans« find. Ader nachdem einmal da» Band zerschnitten, und jede Wiederver- -r .. *) t m unser» Mater« nnmt ich hier de» Herr« ». Leffer, au«- ««zeichaet all HistorienWaler, und Herrn Hormoitz, unsem «orza-lichfte» Portrait« «Uer. Derselbe har auch in letzter Zeit «ini-e Genrebilder a»« Um st» sche» »Estebe» in Oppenheim« Manier schaffen, di« mit «ietem v eisall a^ttaomaun wurde». einigung unmöglich gemacht ist, möchte« fi«, selbst fernstehend/ ihre Sympathien bezeugen und in irgend einer Art sich helsend beweisen. Auch stehen unser« Apostaten thatsächlich nicht so ganz außerhalb ihre» ehemalige» Lreise», wie mau glan» den möchte. Wie ein Zweig, der fich lo»bricht, aber vän dem Lstereichen Baume immer noch sestgehalten wird, so find unser« hiesigen Getauften von einer zahlreichen Verwandtschaft, von Vätern und Lindern, Oheimen, Vetter» und selbst Gatten ring» umgeben, mit denen sie nach wie vor im intimen und ungezwungenen Verkehr stehen. Daher kommt e», daß K« trotz ihre» Abfalle» fich dem Judenthum« nahe fühle», und in der oben gesagte» Weis« an seinen Lasten zu participiren sich geneigt zeigen, liebrigen» hat diese noch vor wenigen Decennien grasfirende wegraffend« WaffersuchtSkrankheit in der letzten Zeit fast ganz abgenonlmrn, und in den zwei Jahren meine» hiesigen Aufenthalte» ist trotz der großen jüdischen Bevölkerung, di« etwa den« dritten Theil der Gesaminljudenheit Deutschland» gleichkommt, nur ein einziger solcher bedauerlicher Fall oorgetommen. (Schluß folgt.) 9ta«iai(n. Bttkarrst. Da» Echo de lvrient schreibt: Die rumänisch« Regierung hat «ine neue Au»schließung»maßregel gegen jüdisch« Aerzt« getroffen. Wir, sagen: Dir Regierung, weil sie für di« in der Lainmer beschlossenen Gesetz« verantwortlich ist, da sie in jener eine starke Majorität besitzt. Man weiß, däß seit längerer Zeit die b rut a l«Verfolgung der Juden fich in perfid« Gesetze umgewandelt hat, w«lche, ohne die Inden direkt zu dezeichen, ihnen die Existenzmirtel rauben. So btt dem Tabak»- und bei dem Spirituosengeietz, da»«lbe gilt von dea, neuen Gesetzen über da« Medicinalwesen. Man hat flch wohl gehütet, die Jüdischen Aerzte direkt au»z»schlirßea, dies geschieht vielinehr auf eine ebenio cynische wie perfide Weis«. Art. ü sagt: «zu Prrmiärärzten in den Dristrikten find nur rumänisch« Doetoren der Medicin zuzulaffen * Da»selb« ist in den 88 32, öl,57, in variirenden, aber immer dieselbe Beschränkung auf Rumänien enthaltenden Au»drücken in Betreff der Ltaotärzte, Hoepit ilärzte nur Thierärz» verordnet, den Verträgen zum Trotz werden di« Jtraeliten nicht al» Rumänen betrachtet, find demnach autgeschloffen. Im tiefsten Mittelaller hat man jüdische Aerzte zur Praxi» zugelaffen. Da» ist nun die rumänische Regierung, welche durch ihr« Preff« den Juden immer ihren niedrigen Bilbungögrad vorwerfen und die Zurücksetzung durch diesen molivire» oder entschuldigen läßt, während fi« hier die Studirten eben so schnöde tu handelt wie die Ungebildete», Häitdler und Braimtoetnschänk-r. Und diese Rumänen machen den Juden Mangel an Schulbildung zum Borwurf, während unter ihnen selbst kaum einer unter fiÄusend lesen und schreiben kann. Die Rumänen wolleil aber durch.,u» nicht intolerant sein. De» offieiell« Journal de Boucarest' liest dem (in Amsterdam erscheinenden) Echo de l'Oriend den Text, weil sein Herausgeber fonfahre, die rumänische Regierung anzuklagen und über chr« Intoleranz zu schreien! Natürlich, e» wäre der Regierung lieber, wenn niemand ein Wort verlauten ließ«. Ader ihrem Elend« zum Trotz, wollen diese Inden nicht auösterben, im Gegentheil sie mehren sich (vgl. 2 Mos. 1, 12.) und da» ärgert die Rumänen. Da» Jounal de Bouc. schreibt darüber: Im Jahre 1874 kamen in Jassy vor: 2742 Geburt»- und 3934 Todrtfälle, davon Geburten bei Ehristen 1091, bei Juden 1701, Todesfälle bei Ehristen 2149, bei Jude« 1185. Folglich bei den Juden Geburt-fälle mehr 610, Todesfälle weniger 364. — In demselben Jahre wurden 788 Ehen geschloffen, 414, christliche. 374 jüdische. Im Ganzen betrug von 1870—74 in Jassy die Zahl der Geburten het Ehristen 5340, 9092 bei Juden, Todesfälle bet Ehristen 9471, 8908 bei Juden. »Diese Zahlen haben nur traurige Bered samkeit/ setzt da» ministeriell« Blatt hinzu. — Oha« Zweifel! Wer ein,» Funken von Meascheavrrstaad besitzt, d«r erkenne daran», daß die Rumänen tine verkommene und verkomtnde

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