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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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133 Ara» bei iMmanbereti hatte nun nichts Eiligereszu thua alß eine zweite Ehe etnzugehen. Bald darauf hatte sich aber unser Man« wieder aufgeholsen, und mit 5000 ff. in der Tasche traf er dieser Lage bei de» Seinen in Siebenbürgen ein, gerade als die Hochzeit seiner älteste» Tochter gefeien wurde. Niemand wuße von seiner Ankunft, und als er iu den Saal trat, in welchem die HochzeitSfeier üattfand, wurde eben verkündet, was die junge Frau an Aussteuer bekommen hatte. „Der Stiefvater hat seiner Tochter 100 ff. zum Braut-?>eschenk gemacht!" verkündet der Man» am Tische. — „Nun, o darf wohl der rechte Baker 1000 ff. schenken," sagte der Wiederhgekehne und legte eine 1000 Gulden-- Note auf den Tisch. — Die Sensation, welche der Fall in der ganze» Gegend macht, ist eine begreifliche. Wie es heißt, wird deninächst in Esaj eine Rabbinerkonferenz stallfinden, in welcher darüber berathen werden füll, wem nun die Krau gebärt; dem ersten Gatten oder dem zweiten? (Die zweite Alternative ist Unfinn: ob der erste Mann fie behalten darf, ist die Frage, vielleicht in diesem Falle nicht allzuschwer.) Grotzbrttannten. Ans London, 25. März, wird der Franks. Zeit. geschrieben: Gestern Abend fand in der London Tavern ein Banquett für das jüdische Hospital statt, bei welchem Sir George Jeffel, Master, of the Roll», zugegen war. Diese Stelle ist die höchste richterliche in England nach den, Lordkanzler und der jetzige Inhaber derselben gehört der jüdischen Religion an. Im Verlaufe seiner Antwort auf den Toast „die Richter Englands" deutete Sir George Jeffel auf dje ganz gewaltigen Unterschiede zwischen heul und vor zwanzig Zähren in der geietzlichen und socialen Stellung der Zuden hin; damals, so behauptete der Redner," konnte eigentlich ein Jude nach strengem Rechte nicht einmal ein Adoocat in England werden, und nur durch die Duldung der verschiedenen Inn» wurden sie zur PraiiS zugelaffen, aus welcher fie jedoch durch irgend eine Motion verjagt «erden konnte. Mann möge daher nicht übersehen, welche Vorurtheile Gladswne zu besiegen hatte, als er nach Hinwegräumung aller gesetzlichen Hindernisse ihn, den Redner, zur zweithöchsten judicielleu Stellung in England erhoben hatte. Er war dies durchaus ein freiwilliger spontaner Act des früheren Premirs, da keine beuimmte Regeln für diese Ernennung vorgeschrteden sind, und er (Redner) auch nicht etwa an der Reihe war, da eS für diese Stelle gar ketne Reihenfolge gäbe. Um so mehr Lob verdiene die Anerkennung des PrinzipeS der Gleichheit aller Religionsangehörigen zu allen, auch den höchsten StaatSämlern, da sehr bedeutender Einfluß sich gegen seine Ernennung damals geltend gemacht hätte, welcher aber von Gladstone gänzlich unbeachtet gelassen wurde." Dir fügen noch hinzu, daß die Tischrede des Master of the Roll» von „Dailey News" in einem Leitarttkel besprochen wird, der danil wieder „Zewish World" Anlaß zu längeren Bemerkungen giedt. Wir theilen au» beiden einige Sätze mü, welche zugleich beit Hauptinhalt zusammenfasse« Dir Worte des Sir George beweisen, daß Rang und Popularität sein Herz nicht seinem Volke abwendig gemacht haben, daß er sich noch eins mit ihm und mit seinem weltlichen und religösen Interessen weiß. ES warm bei dem Bankett gar manche Zsraelitm anwesend, welche sich noch wohl der Zeit zu erinnern wissen, als fie einst einmal als Bürger anerkannt waren, geschweige denn zu irgend welchen Ehren gelangen konnten. Seit Zudm zur Advocatur zugelassen wurden, habm wir tüchtige jüdische Juristm auszuweisen: Sir George Jessel, Professor Walley, Judah Benjamin Q. C. (vormals als Senator u. s. w. in dm Südstaaten der Union vielgenannt), Sir F. G. Goldsmit Bart; Arthur Lohen Q. (£., Sergeant Simon und Andere. Das gemahnt an den Wahlspruch in dem Wappen de» Sir Moses Montefiore: „Think and thank“ (denke und danke) denke, was wir Juden waren, laßt uns Gott dankm für das, «aS wir sind. Aber es muß auch hinzugefügt werden, daß das Englische Volt jetzt die Ernennung de« Sir George zu de« hohe« Rtchteramte ohne jegliche» Erftaunm oder irgend welch« Unwtllm aufgenommm hat. Petersburg. Am 21. Februar starb hier in jugendlichem Alter vr. Lipmann Lipkin. Er war der Sohn eine» der gefeiertesten Rabbiner Polen», des Rabb. Israel iu Salant, Gouv. Kowno. Bon Jugend aus dem eingehendst« Talmud - studium hingegeben, saß!e er eine große Vorliebe für mathematische Studien und trieb dieselbm mit ausgezeichnetem Erfolge zunächst au» hebräisch geschrieben« Lehrbüchern, da er keine andere Sprache verstand, dann ging er nach Dmtschland und studirte in Königsberg und Berlin, schrieb eine Dissertation „über die räumlichen Astrophoidm" und erlangte den Doctortitel. Dann kehrte er nach Rußland zurück, um a« der Universität Petersburg fein Examen als „Magister" zu machen. Dies war mit Schwierigkeiten verknüpft, weil Lipkin nicht in Rußland studirt hatte und nur unvollkommen russisch verstand. Die Professorm erkannten jedoch seine wiffmschastliche Bedeutung; die Hindernisse wurden beseitigt, und er war eben im Begriff, sein Ziel zu erreichen, nachdem er eine Dissertation au» dem Gebiete der Triangullrung und Kartographie beendet hatte, als ihn die Pocken hinwegrafften. Schon vor fünf Jahren hatte er eine sowohl für die Wiffmschast wie für die praktische Mechanik außerordentlich wichttge Erfindung gemacht, eine Maschine zur Verwandlung gradliniger Bewegung in die kreisförmige. Er beschrieb diese in den Schriften der Petersburger Akademie 1870 „über eine Gelenkgradeführung" Collignnn berichtete darüber in feinem traitö ds mSoauiqus 1873 und nannte die Erfindung nach dem Namen des jung« Mannes ^paralldlogramw« ou nidoanisme Lipkin.“1 Desgleichen ist die Erfindung in den „proceedings of the Royal Institution“ April 1874 auf'» höchste gepriesen, und es heißt dort über dieselbe: „der Erfinder hat sich unsterblich gemacht und wird unter den Wohlthätern der Menschheit genannt werden." Leider ist die Erfindung dort einem Franzosen Poucelier zugeschrieben, die Priorität ist jedoch für Lipkin durch die erwähnte Abhandlung von 1870 gewahrt. Mit Hunger und Kummer hat der junge Gelehrte sein Leben lang gekämpft, in Petersburg mußte er, als Jude, erst um die Erlaubniß de» Aufenthalt» daselbst betteln — erst al» sein Werth erkannt war, erwirkt« die Professor« für ihn ein Mnisterialstipendium; schon hatte man in Kiew das Auge auf ihn geworsm, um ihn nach Absolvirung de» Examen» dorthin als Professor der Mathematik zu berufen. Er starb im SO. Lebensjahre! (Rach Hazephira.) Warschau, im Mäq. (Or.-Eorr.) Bor etwa einem Jahre schrieb ich Jhneit von hier aus, daß mit dem kommenden Frühjahr (1874) der Bau der neuen Synagoge angef,ingen werde» sollte. Da» lag damals freilich im Plane, aber der Pmu selbst, ich meine den des Baumeister», hatte vielfache Mängel und Anfechtungen und konnte nicht acceptirt werden. Man sah sich nach vielen Debatten gezwungen, um eine so große Arbeit nicht zu überstürzen, den Plan gänzlich fallen zu lassen, und einen anderen Baumeister mit Entwerfung eine» neuen zu beauftrage». Darüber verstrichen natürlich viele Monate, und erst vor einigen Wochen legte der Baumeister, Herr Markoni, seinen Plan vor, welcher mit un« getheiltem Beifall angenommen wurde. So wurde denn endgültig beschlossen, mit nächstem Frühling ven Synagogenbau u beginnen. Und schon diese Vorarbeiten machen einen tieen Eindruck und üben einen mächtigen Reiz auf unser Volk au». ES ist wunderbar zu sehen, wie nicht nur die Kinder, welche der ehrwürdigen Mutter noch tr-u anhängen, sondern auch jene Söhne, welche von ihr längst abgesallen sind und „sreniben Ehren und Genüssen nachgejagt," sich zum neue« Heiligthume herandrängen und ihm ihre Theilnahine in jeder Weise bezeugen. So ist jüngst einer unserer ehemaligen Glaubensgenossen, Herr Lcou Epstein, mit einer Bitte einge» kommen, ihn im Synagogenbaucomite als Mitglied aufzunehmen, wobei et natürlich jeden zu fordernden finanziellen Beitrag zu leisten sich erbietet. Ei« anderer unserer Getauften, der Eisenbahuenkünig Herr von Kronenderg, Schwiegervater zweier der vornehmsten polnisch« Aristokraten, intrresfirt sich is«4

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