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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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—1— E»be>, im April. (Or.-Eorr.) Die seit 4—5 Jahre« die Juden de» hiesigen Sprengel» in Spannung er» ballend« Rabbinerfrag,, hochwichtig in ihrer Erledigung für die gesammte Judeuheit Preußen«, da sie unserer Ansicht nach im eugs en Zusammenhänge init der LaSker'jchen Resolution steht, und die Intention der Behörden kundgicbl, den Austritt au-» den, Gemeinde-Berbande nicht zu sehr erleichtern zu wollen,*» — hat endlich ihren befriedigenden Abschluß gefunden. Der verwaiste Rabbinerstubl ist. Gottlob! wieder besetzt, und wc« sie au« nachstehendem Berichte ersehen wollen, durch einen Mann, der geeignet und befähigt ist, den Anforderungen zu mlsprechen, welche würdige Borgänger dein Rachfolger auferlegen, und welche der ausgedehnte, vi.l umfassende Wirkunx «kreis eine» hannooer'ichen Landrabbiner« erheischt Der zweimal einstimmig erwählte, so sehnlich erwartete Herr Dr. Buchholz au« Slargard, seil Monaten durch schwere Erkrankung einelheüren Familiengliede« zurückgehalten, wa, endlich am 31. v. M. im Stand«, den vielfach an ihn gerichteten Bitten zn entsprechen. Der Gesammt-Borstand war demselben dt« Leer entgegen gereift, um ihn einzuholen, und am Bahnhofe 'erwartete ihn ein großer Theil der Gemeinde. Schon an, 2. d. M. fand vor versnmmeller Gemeindevertretung die Bereivigung und Jnstallirung durch den von Rönigl. Landdrostei hierzu al« Tomiuiffariu» designirten Herrn Lber-BürgcrmeisterHantelmann statt, und Samstag den den 3., hielt der neue Landrabbiner seine Antrittsrede. In Folge de« Rufe«, welchen vr. B durch die f. Z in Geger wart vieler christlichen Zuhörer gehaltene Probe-Predigt sich bereits hier erworben, jo wie auch, und vielleicht noch mehr aus Veranlassung eine» Artikel«, der. derselbe vor einige« Woch-n von Stargard au« der Oftiriesischen Zeitung eingeiandt, zur Abwehr und Bertheidigung für Judenthum und Judrnheit, gegen einen Schmäh - Artikel in einem seit Reujahr hier erscheinenden anderen Blatte, hatten sich außer dem Herrn Ober-Bürgermeister, den meisten Senator,», Bürgervorstetern und dem LandlagS-Deputirten auch viele christliche Bürger unserer Stadt und der Umgegend, Herren und Damen c u« der Knut« vol6e, wie au« dem Mittelstände, eingefunden, um den Mann zu hören, der fo meisterhaft Wort und Feder zu handhaben wisse. Wir erinnern un« nicht, in den letzten 20 Jahren di« weite» Räume der große» Synagoge f» gedrängt voll gesehen zu haben; da war kein Plätzchen — nraschenleer. Nachdem der Landrabbiner in der Einleitung in bescheidener. anspruchsloser Weise sich über di« Bedenkeir ausgesprochen, die seine Annahme verzögen halten, entwickelte derselbe in »insiündigem, freiem Bonrag« da» Programm seiner künftigen Wirksamkeit. Der Raum diese» Blattes gestattet un« nicht, den Inhalt der Predigt auch nur in Umriffen wiederzugeben; dieselbe wird jedoch auf vielfache» Verlangen demnächst im Druck erscheinen, und werden wir dann nicht verfehlen. Ihnen, Her Redakteur, ein Exemplar einzusenden. Rur sooiil sei hier gesagt, daß diese Antrittsrede die Probe- Predigt weit überstrahlte und die kühusten Erwartungen de« Auditorium» übertroffen wurden. Die Disposition war klar und durchsichtig, verständlich auch für den minder Gebildeten; di« Sprache edel und gewählt, an vielen Stellen hochpoetisch; »eben reicher Gedankenfülle — hinreißend«, zündend« veredsamleit; Bibelverse und Midrasch-Stellen ohne Ueberladung und sorgsam vertheilt; Haltung und Testen dem norddeutschen Geschmack« entsprechend. Der Eindruck auf da» hiesig« seit 38 Jahren an deutsche Predigt gewöhnte und daher nicht« weniger al« anspruchslose Publikum, — auch der verstorbene Landrabbiner, vr. ») D«r He. Lorresp. meint, und »war mit Recht: di« Regierung »iird« die »iesetzung de« Landrabbinat« Lmden (und HUdelhei«) nicht betrieb«» und definitiv voltz-gen haben, wen» st« norh»t»e. die Zugehd. rigtei» »er .)u»e» |B dem NabdinatSverband«, geschweige Ms» zur Ort». Sunagogen-Semem»«, rem in da« veiiebe» der Nugelne» zu stellen, »»durch »i« ganz« Organisation und Sriste», der Landrabbinat« illusorisch »erd«» müht«. Hamburger, galt al« auSgezeichnrter Ranzelredner — Mt daher ein so bewältigender, daß wir ihn kaum zn schildern vermögen. Unsere Glaubensgenossen fühlte» sich mächtig erhoben und begeistert, und die christlichen Zuhörer schienen förmlich von einem Rausche und EnIhusiaSmu« befangen, der, wie wir glauben, noch lange, lange anhalten wird. Der „jüdische Pastor" bildet da» Tagesgespräch in allen Eirteln und Gesellschaften, und noch heute, wenn un« ein Bekannter steh», eilt er auf un« zu, schüttelt un« die Hand und beglückwüanbt un« und der ganzen Stadt zu solcher Akquisition. Ebenso sagt die Ostfr. Zeitung am Schluffe ihre« Referat« in Rr. 78: „Die israelitische Gemeind« kann sich zu solcher Wahl von ganzem Herzen gratuliren, und uusere Stadt, an di« Redner sich schließlich wandte und versprach, ihr eia treuer Bürger sein zu wollen, während er bat, auch ihn und die Seinen mit werkthäti;er Menschenliebe auszunehmen — wird gewiß diese Bitte stet« und gern berücksichtigen " Schon am folgenden Tage, nachdem bereit« die Mitglieder de» Gemeindevorstande« ihre Freud« durch ein werthvolle« Geschenk Ausdruck gegeben, veranstalteten die Repräsentanten zu Ehren de« Herrn Landrabbiner« ein schnell improvisirte« Festesten, zu welchem sämmtlich« Mitglieder der Gemeindeverwaltung und der Schulcommission, die Borstände der wohlthätigen Vereine und die Beamten eingeladen wurde». Di« Räume de« sonst nur ernsten Berathungen dienende» Gemeindesaale«, in aller Eile reich decorirt, schauten für diesmal ein heitere«, gemüthliche» Publikum, und nachdem der Präses de« BorstandeS in längerer, herzlicher Red« den Gefühlen der Gemeinde innigen LuSdruck gegeben, reihte sich 5r,nkspruch an Trinkspruch, deren Mittelpunkt meisten» der gefeierte Gast war, der übrigen« bei dieser Gelegenheit, indem er jeden Toast sofort in längerer Rede «, wiederte, ent illlprovislltorische« Talent entfaltete, da» die Berrhrung nnr zu steigern vermochte. Erst in später Mitternachtstund« trennt« man sich, Rabbiner und Gemeind«, sicherlich in der Ueberz.uguug, daß beide einander vertrauen dürfen u»d ihr gemeinsame« Wirken eia einträchige« und segensreiche« sei» werde. Oefterreteh. Pest. Wir entnehme» dem polltischen Tageblatte „Neuer Pester Journal" Rr 66. ddo. 21 v. M folgende Geschichte. Bor etwa zehn Jahren wanderte ein JSraelit au« Siebenbürgen nach Amerika au«, da er daheim beständig mit Roth und Elend zu kämpfen halte. Er ließ eine Frau und mehrere Rinder zurück, welchen er versprech, wenn e« ihm nur inöglich, zu ihrem Unterhalte Geld aus Anierika zu senden. In diese angenehme Lage kam rr auch jenseit« de« Oceans, und bald ging eS ihm so gut, daß er ein reicher Mann war. Al« er sich 60,000 fl. erworben hatte, beschloß er, nach Hause zu reisen nnd seine Familie, welche wohl Rennlniß davon harte, daß er in Amerika sein vrod find«, die aber nicht wußte, daß er sich Tluiende von Gulden erworben, mit dem vielen Geld« zu überraschen. In Europa angekommen, erkrankte rr aber in Hamburg gefährlich, so daß er ein Testament niachte. Er vernlachte sei» Bermögen natürlich seiner Familie, doch befferte sich bald sein Zustand, und nach mehrwöchentlicher Pflege konnte er da« veil wieder vrrlaffen. Run endeckte er aber, daß ihm der Röster, in welchem er sein Geld sowohl, wie da« Testament verwahrt hatte, gestohlen worden sei. Ein Rrankenwärter war damit durchgebrannt. Einige gute Leute in Hamburg, welch« sein Unglück rührte, schaffen nun sür ihn 100 fl. zusammen, so daß rr wieder nach Amerika reisei» tonnte, um sich dort durch neue Arbeit ei» neu« Beru'ögen zu erwerben. Der Rrankenwärter halte indeß seinen Weg auch nach Amerika genommen, starb aber plötzlich nach seiner Ankunft daselbst. Die amerikanischen Bedörden sandten nun den gestohlenen Raffer mit de» 60,000 fl. an die Berwaudtrn de« Bestohlenen nach Siedenbürge», und da sie besten Testament im Raffer. oorfande^ so zeigten sie seiner Familie den Tod de« Erblasser« an. Dt«

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