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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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117 — in haben, wurden in einem der Judenquartiere Londons vier JhdSN t ik Strafe genommen, «eil sie am Sabbath Karten «Hielt hatten. Diesmal freilich nicht des Sabbath wegm, sowern wegen gtundiisg; (Hasardspiel.) 91ml »Vesfillo 3«r" spricht die Hoffnung aus, daß der Vorschlag, in Rom ein Rabbinerseminar zu gründen, Er- Ähaben werde. — Unter 16 Studenten der Universität,; Auszeichnungen erhielten, sind vier Juden. Dieselben erhalten nun von der Regierung Stipendien von' 1000—4000 Lire um im Ausland« ihre Spezialstudien fortzusetzen. Feuilleton. Der Zauberer. Eine Skizze ans dem jüdischen Volksleben. Bo« Earl Emil Fra»>«S. (Schluß.) So rietd denn auch der Rabbi gewiß mit Recht Nathan von solchem Studium ad, aber dieser verharrte dabei trotzig. Und als nun auch der Rabbi nngedudlig wurde und drohte, ihm di« Bücher wegzunehmen, da erwiderte ihm Nathan: »Ihr mü t mir di« Bücher lassen, denn ich brauche sie. um meine Pflicht gegen nieinen Vater zu erfüllen. Ich wachse heran und werde stärker, er aber wird allmälig schwach und hilflos und wird vielleicht der Hilfe seines Sohnes bedürfen. Wie aber kann ich ihm ein getreuer Sohn fein, wen» ich ihn nicht kenne? So muß ich ihn zu finden suchen, und da ich keinen Anhaltspunkt habe, so ist mein einziges Mittel die Kabbala. Durch die kann man Alles erfahren, dar brauche ich Euch, al» einem großen Gelehrten, nicht zu sagen Und ebenso wißt Ihr. daß die Wissenschaft zwei Wege weiß zur Ergtündung aller Räthsel, entweder durch Deutung und Berechuing der Buchstaben oder durch Durchforschung und AnSnutzüug der geheimen Kräfte, welche in Steine und Pflanzen gebannt sind. Den ersten Weg gehe ich jetzt — ich hoffe, er wird zum Ziele führen. Ihr aber — hindert mich immerhin, wenn Ihr et mit Eurem Gewissen vereinbaren könnt...." Der Rabbi schüttelte den Kopf, aber er erwiderte nichts und ließ den Jüngling fortab studiren, waS er wollte. So verging mancher Jahr. In dieser Zeit erhielt er seinen Beinamen. Entweder weil er sich so rief vergrub in die schwarze Wissenschaft, oder weil sich die tiefbunklen Locken so unheimlich abhoben von dem blaffen Gesichte, nannte man ihn in der »Gaffe" eben immer nur den »schwarzen Nathan". Als die Jahre kamen, wo dies unsere Sitte fordert, brangeu die Vorsteher in ihn, rin Weib zu nehmen; aber er verweigerte eS. »Ich habe ja meine Pflicht zn erfüllen" sagt« er. So ließ man ihn denn auch darin gewähren, aber man «ich ihm auS, und was früher verdeckt gewesen, ward nun offenbar; er gehörte doch eigentlich zu Niemandem. Darum war kaum Jemand betrübt, als er- —^ vierundzwanzig Jahre mochte er damals alt sein — auS dem Städtchen zog. „Ich glaube gefunden zu haben, was ich gesucht", sagte er dem Rabbi zum Abschiede; »ich gehe, meine Pflicht zu erfüllen". Und wieder verging manches Jqhr. " Man hörte nicht» von Nathan, man vergaß ihn. Nur znweilen erzählte man einem Fremden oder etwa den Kindern die seltsame Geschichte, wie ihn der Schulklopfer gefunden nnd was dann der alte Schnorrer erzählt. Da kam der seltsame Mensch nach sechs Jahren plötzlich wieder in unser Städtchen, aus seinem Wagen waren viele Kisten mit Büchern und Geräthen. Tr ging zum Rabbi und dal ihu um seine Verwendung bei der Gemeind«; man möge chm behilflich sein, hier ein Häuslein zu baue». Der Nabbi vttfflMh es und fragte, wo er so lange gewesen. »Ich bi« herumgewandert," sagte er, um meine Pflicht zu erfüllen. Aber ich habe die Menschen, zu denen''ich gehöre, nicht finden können. Eiawa( glaubte ich schon, auf dem richtigen Wege zu sein, ja sogt» am' richtigen Ziele. Aber er war doch nicht daß» Richtige. Alle Zeichen, welche mir die Kabbala aiigab, stimmten, aber eines war doch nicht so. Nämlich in Leipzig. —" Hier brach er ab und hat auch nie wieder darüber geredet. Die Gemeinde war hilfreich gegen ihn; er baute sich sein Hau« — nicht wie die andern, sondern nach eigenem Plane, ein sehr große» Gemach ohne Fenster' und daneben ein kleine«, dürftige» Kämmerlein zum Wohnen und Schlafen. Man verwunderte sich sehr darüber und am Sabbathnachmittage zog die ganz« Gemeinde auf den Bauplatz und alle besahen sich neugierig da» seltsame Gebäude und zerbrachen sich den Kopf, wozu da» taugen könne.' Aber di« Meisten getrauten sich nicht den „schwarzen Nathan" zu fragen, und wer den Muth dazu hatte, erfuhr auch nicht», der blaffe Bocher verweigerte die Antwort. Nur dem Rabbi sagte er einmal: »Erinnert Ihr Euch noch, waS ich Euch einst alS Jüngling von den beiden Wegen der Kabbala gesprochen? Nun — folge diesem Wort« noch heute. De» ersten Weg bin ich fruchtlos gegangen — nun will ich den zweiten versuchen. Vielleicht sagen mir ble* Pflanzen und oie-Steine, waS mir die Buchstaben und die Zahlen nicht gecffenbart.." Als diese Worte im Städtchen ruchbar wurden, wunderte man sich noch mehr über den seltsamen Menschen, und man sah mit verdoppelter Neugier zu, wie drinnen im dunklen Saale ein mächtiger Schmelzofen gebaut wurde mit einem langen, thurmähnlichen Kanün. Man zerbrach sich den Kopf, was Alles darin geschehen wü.de, aber al» da» Haus fertig war und der »schwarze Nathan" an seine seltsame Arbeit ging, da erfuhr Niemand, war darin geschah. Denn er lebte ganz abgeschlossen, eine alte Nachbarin bereitete ihm sein Mahl, und brachte eS in die (teilte Wohnstube, aber keine» fremden Menschen Aug' hat je Vas Innere de» Saales erblickt. Da er sich dort so hartnäckig verschanzte und das einzige Anzeichen, welches von seiner geheiinen Arbeit an da» Licht der Sonne drang, der Rauch auS dem Kamine nämlich, oft überaus merkwürdig, grünlich gelblich, violett und meist übelduf» lig war, so glaubte inan endlich steif und fest, er beschwöre da Dämonen uild Todle, utib eS wurden schon Stimme« in der Gemeinde laut, den Hexenmeister, der ja doch zu Pierpand gehöre, sortzujagen Auch Nash an kam' das zu "Ohren. " Da machte ein furchtbares Ereigniß der Sache ein Ende. Jäh und dunkel wie diese» Leben i» untere Mitte hineingeschneit worden war, wurde e» auch au» unserer Gemeinde gerissen. Eines Nacht» hörten wir einen furchtbaren Knall, der Boden erziele, zu Tode erschrocken stürzten wir hinaus — am Himmtt war eine feurige Lohe— das Haus des »schwarzen Nathan" war in die Luft geflogen. Al» man am nächsten Morgen die Trüinmer hinwegräumle, um seine Leiche zu begraben, da fand man sie nicht. Vielleicht war sie i r lausend Stücke zerrissen worden und bi« zur Unkenullichkeit verbrannt. Vielleicht — Hallen ihn jene dunklen Mächte, die er angerufen, lebendigen Leibe» zur Hölle gerissen... ES wird nienials aufgeklärt werden. Der Doctor von Boroczstxe, ein Freigeist, der iveder Christ noch Jude war, hat einmal erzählt, er habe den Nathan frisch und gesundOn Pari» gesehen, als einen Greis, der wegen seiner Wissenschaften sehr geehrt war. Brauch' ich Such erst zu sagen, daß dar gewiß eine Lüge vom Doctor war? So erzählte die alte Frau. Ihre Zuhörer gaben ihr Recht und fanden gleichfalls den Bericht des DoctorS sehr unglaubwürdig. Findest Du daS auch, mein Leser?! r _

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