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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1875-01-01 · 6. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
6 (1875)
Issue
6. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Dreifache ihrer Höhe ist Jahre 1871. — Boa Wesenheit ist sodann die im verachte zum Ausdruck gebrachte RechtSanschamrrg de» CuratoriumS über die BerpfÜchtung zur Kostenb^streiiung de« iSr. Religionsunterrichte» an Bürgerschulen. Da» Kuratorium hält sich nämlich in Folge einer diesbezüglich mit der h. k. I mähr. Landesschulbehörde gepflogenen Verhandlung zwar für verpstiHet, den i»r. Religionsunterricht an Volkswie an Bürgerschulen zn subventioniren, jedoch nur im W:ge der Suboentiousgewährung an Gemeinden und nicht durch Gewährung einer Remuneration an irgend einen RellgiouLlehrer. Das Euratorium hielt e» für nothwendig, diesen seinen principiellm Standpunkt in dieser Frage zu betonen und dm Fond datmrch gegm jede» Präjudiz in Schutz zu nehmen, das für etwaige ktimstige Ansprüche von Außen von entsckeideuder Bedeutung sein könnte. Ueber dm Bericht mtspinnt sich eine kurze Debatte hinsichtlich der letzterwähnten RechlSanschauung, welche Debatte von Hm. Bramer (Ung.-Brod) veranlaßt wurde und an der sich insbesondere der Präsident Hr. Gomperz, der der Anschauung Lusdruck verleiht, daß das Euratorium sich gegen die Ansprüche der Gemeinden auf Honorirung der Lehrer aus dem Fmde verwahren und betonen mußte, daß Letzterer nur im Wege der Perfonalunterstützung in Anspruch genommm werden kann, dann Eurator Wohlmuth und endlich der Secretär vi. Oppenheim bethelligten, der da» ganze RechtSverhältnitz de» Delegieren nochmals präcise erläuterte. — Der Präs. Hr. Gnnperz bemerkt, daß die Aufgabe deS CuratoriumS immer dahin gerichtet sein wird, mit Sorgfalt und Eifer dm Geschäslm desselben obzuli«. en und dadurch die Anerkennung der Delegirieu und der Regierung sich auch weiter zu erhaltm (Bravo!) Der Voranschlag des mähr. jüd. Landesmassafondes pro 1875 mit dm Einnahmen pr. 43,538 fl., den Ausgaben pro 41,855 sl. und dem der weiterm statutenmäßigen Verwendung vorbeholtenm Ueberschuß pr. 1684 fl. wird ohne Debatte nach dm Ansätzm de» Euratoriums genehmigt. — In Erledigung der der Generalversammlung vorbehaltenen Gegenstände werden oerr mähr. M. Waisenhllfsverein in Brünn auch pro 1875 200 fl. und der Direction des Earlsbader Hospitals in Prag 30 fl. iro Jahr für die nächsten 3 Jahre nach den Anträgen des Euratoriums bewilligt. — Selgiea. Brüssel. Der Oberrabbiner Astruc hat wieder einmal durch «inen öffentlichen Bortrag in vorthellhastester Weise die Ausineiksamkeil »uf sich gezogen. Er sprach im Ovrole urtistiquo «über die biblische Idee in der alten Welk." Dar „Echo in Parlament" giebt einen kurzen lleberblick über den Inhalt, an»- welchem hervorgebt, daß Astruc sich zunächst gegen die seit Voltaire so ost ausgesprochene Herabsetzung der Bibel cnf Kosten der egyptischen, altindischen und anderer orientalischen ReligionSsysteme wendete »ad nachwieS, daß die Ideen xr Bidet mit Nichten au» jenen geschöpft seien, sondern hoch über chnen stehen Ebenso verglich er sie dann mit dem Hllenismut, und wies dann nach, daß die mode.ae Eimlisatil n ihre Wurzel in der Bibel habe. Die „Ehronique" ergebt stch in einigm kritischen Bemerkungen gegen den Inhalt de» Vortrag», der -iesem Blatte zu religiös, zu bibelfreundl ch'ist; noch eiu anderes Blatt giebt einen längeren anerkennenden Bericht; alle aber find voll d«S Lobe« über die geistreiche Art de» Bortrag», die glänzende, aamuthige und doch «irdige Sprache. Das zweilgeuannte Blatt sagt: „WaS K'.r.i jedoch ohne Rückhalt an Herrn Astruc lobm kann, da» ist sein: Sprache, seine Beredsamkeit, die gar nicht» gemein -hat mi: der Sprache deS Herrn DrchampS, de» PriniaS von Belgier,' welcher auch zuweilen „auf der Bibel spielt," so ungefähr wie einer, der die türkische Trommel schlägt, Violin spielen würde." „ Inrv. ISr." setzt dm Auszügen aus den belgischm Blättern folgende Bemerkung hinzu: Herr O. R Astruc übt enlschiex» in de« sehr katholische» Belgien eine israelitisch« Mission an», welche von unberechmbarm Folgm sein ta».* Da» scheint un» aber nur die Hälft« der Wahrheit auSzusprechen. Wir glauben, daß dem Judmthum zwischen dm, besonder» i» Belgim parteimäßig ausgeprägten schroffen Gegensätzen zwischen lllttcunontaniSmu» und Atheismus, t« deren Mitte e»i gerade dort schon gar kein Dritte» mehr giebt, ein-: wichtige Rolle beschickten ist, und daß Herr Astruc ganz der geeignete Mann ist, in diesem Sinn« zu wirten, wie diese „Conference," die früher über da» Buch Jona und sei» Gutachten in der Friedhofsfrage zeige». Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Wie e» scheint, will der Vorstand die Stelle des Dr. Geiger demnächst wieder besetzen. Am Sabb. Hacho- - desch hat Dr. Wolf aus Gothenburg in der ntuen Synagoge eine „Gastpredigl" gehalten, der man im Publikum wohl mit Recht den Charakter einer Probepredigt zuschreibt. — Trauriges Aufsehen machte dieser Tage da» Verschwinden eines jüdischen Gymnasiasten, Sohne» eines Cultusbeamten in dem benachbarten Städtchen N. E. Der junge Mann war soeben mit einem guten Zeugniß nach Prima versetzt und genoß hier mannigfache Unterstützung. Man fand seine Leiche im Wasser. Spuren eines Verbrechens sind nicht vorhanden, ein Verunglücken ist schwer anzunehmen, und doch fehlt auch für einen Selbstmord jeder Erklärungsgrund. HtUwover, 2. April. Die Gemeinde-Versammlung hat den Schulbau, über den in vor. Rr. berichtet worden, beschlossen. Die Kämpfe für und wider sind nicht ohne Erbitterung geführt worden; nachdem die Sache formell erledigt, wird die gewohnte Ruhe und Einmüthigkeit sich hoffentlich wieder einstellen. v. Hamburg, im März. Der iSraellttsche Verein zur Unterstützung armer Greise, genaimt D'JpT DJPSTO,. veröffentlicht seine Abrechnung für das verfloffene Jahr, aus dery wir Folgendes entnehmen. Die Einnahme betrug aus den Betträgen, Geschenken, Legaten, Zinsen u. s. w. Et. M. 7422. 3 Schillinge, wozu an erhobenen Capitalien Et. M. 1125 und an Saldo , aus dem Jahre 1873 Et. M. 1082. 9 Sch. kommen. Bon dieser Summe find Et. M. 4059. 10 Sch. zu Unterstützivgeu bewilligt. Et. M. 1875 neu belegt, und die Unkosten betrugen Et. M. 263. 4 Sch., zusammen Et. M. 6197. 4 Sch. Der ' Rest Et. M. 1224. 5 Sch. ist als Saldo für die UMerstützuuge» für das Jahr 1875 reservirt. — Die unter separater Verwaltung des Vorstandes stehende, von einem Menschenfreund 1863 errichtete Stiftung für alte Eheleute ergab im Jahre 1874 an Zinseinnahmen und Unterstützungen Et. M. 450. Altvuu, im März. Gegenwärtig befindet sich hier ein Herr David Rosenfeld au» Minsk, welcher, nach-dem Zeug-- niß zuständiger Autoritäten, im Besitze eines' kolossalen GedächtnißvermögenS ist. Derselbe weiß nämlich den ganzen umfangreichen Talmud auswendig; zugleich find ihm die typographischen Verhältnisse dieses Werke» derart gegenwärtig, daß er bei Nennung eine» jeden im Talmud vorkommendea Endwortes einer Seite die Zahl und den Text dieser letzter« anzuführen im Stande ist. JÄenfallS eine äußerst merkwürdige Erscheinung. London Ein Gerichtshof in der Provinz hat eüren Juden zu 20 Schilling verurthellt, weil er in seinem Hause am Sonntag Karten gespielt hat. Es war einfache» Kartenspiel, kein an sich verbotenes. Da» betreffende Provinzialblatt spricht sich sehr entrüstet über eine solch« Strafe au» und deutet an, daß sie um so gehässiger sei. well der Zeuge und Angeber ein getaufter Jude war; der Richter habe vielleicht deswege» . nur ans ein Pf. St. erkannt, während das Maximum 500 - Pfund beträgt. Bor einiger Zeit dagegen, so erinnern wir un» gelesen <

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