Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 6 (1875)
- Issue
- 6. Jahrgang Nᵒ 16.
- Date
- 1875-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Kn bic Gelegenheit, um desto stürmischer seine Angriff« zu ren. Gr trat in einer andern Gestalt auf, nicht mehr in der hiesigen Zeitung, deren Redakteur hinterher erfahren hatte, daß er von dem Ä. hinter'« Licht geführt wurde, sondern in der „HilxSheimer Zeitung" al« «in Korrespondent au« Bütlingen. Hier machte er seinem Haffe und Groll gegen den Rabbiner vollkommen Lust, schimpfte über ihn und seine Bertheidiger, und fällt noch einmal über da, Judenthum her, indem er mit Stolz auSruft: „Wir möchten denjenigen jüdischen Ses'chgeber sehen, der zu beweisen vermöchte, daß Einer, der al« Jude geboren ist, nicht mehr dem Judenthuine angehört, so lange er weder Götzendienst treibt, noch dem Glau den an einen einzigen Gott entsagt hat" Um unsere Gemeindemitglieder mit seinem Judenthum ohne Mitzwoth vertraut zu machen, hielt er e« der Mühe werth, da die Hiloe«- heimer Zeitung hier gänzlich unbekannt ist, eine» Buchhändler zu gewinnen, der die Berdreitung seiner Ideen besorgen sollte. Die« hat gewirkt, da» Blatt wurde verbreitet, und aus diese Weise glaubte der verwandelte St. rin Meisterstück bewiesen zu haben. Wie wir vernehmen, soll auch diese« noch nicht geneigt haben, sondern ein ähnlicher Artikel auch dem „Hamagi»" zugeichickl sein, der ihn zu unserm Bedauern abgedruckt bat. Auf Rath de« König« Salomon (Spr. 26. 5) wollen wir dem großen Reformator und Befreier der Juden von allen Mitzwoth einige Bemerkungen entgegen halten. Sie, Herr «., sage», daß Sie und mir Ihnen alle denkenden Israeliten in alter wie in neuer Zeit immer die Verwerfung jede« Götzendienste» und d.e Verehrung eine» einzigen Botte» al« Grundgesetz de« Judenthum« angesehen haben; also alle Diejenigen, die von einem Juden fordern, er solle bei seiner Anhänglichkeit an den einzigen Gott auch die Mitz- «olh beotachten, sind Ihnen keine Denkende. Auf diele Gefahr hin will ich Ihnen bemerken, daß ich und mit mir alle J«raelilen in aller wie in neuer Zeit, die den Bestand de« Juventhum« nicht zu beseitigen wünschen, viele Mchwolh al» Grundges'tze de« Judenthnm» ansehen. Daß Sie und viele Israeliten neuerer Zeit anders denken, glaube ich wohl, aber wo siudea Sie. daß'man in alter Zeit sich ein solche« Judenthum gedacht, wie Sie, in welchem alten Buche haben Sie da» gesehen? Finden Sie da« etwa in der Bibel? Wir lesen da, daß David in seinem Testamente seincin Sohne, der noch sehr jung war, befahl zu halten „Satzungen, Gebote, Recht« und Zcuguiffe, wie geschrieben steht in der Thora Mose»." Wir leien, der Prophet Maleachi'S sagt: „Gedenket der Lehre Mose« meines Knechte», dem ich am Horeb geboten habe für ganz Israel Satzungen und Rechte." Es heißt also „für ganz Israel," je "»er Jude muß Gesetz und Gebote befolgen. Wir finden noch tansende solcher Ermahnungen in der Schrift, die jedes Kind Ihnen zeigen wird. Sind die Propbeten in Ihren Augen keine denkenden Menschen? — Aber aussen Sie, Herr St , was Sie und solche Denkende, wie Sie, irre geführt hat? einige Aussprüche im Talmud, di« von Ihnen und Ihren Gefinnungegenoffen mißverstanden worben. Sie meinen t>en Ausspruch *1», KBIIC? C"3X und TBT XipJ 1"V3 1013.1 bs ich will Ihnen noch mehr sagen, es heißt sogar -Hip mvn bss 11103 T2"3 1013.1 bs Ueber diese Entdeckung sind Sie so stolz und sagen. Sie möchten denjenigen jüdischen Gesetzeslehrer sehen, der zu beweisen vermöchte, vaß Einer, der al» Jude geboren ist, nicht mehr dem Judenlhume angehört, so lange er weder Götzendienst treibt noch dem Glauben an einen einzigen Gott entsagt hat. Ich will e« Ihnen beweisen. Schlagen Sie gefälligst den Maimonide», dem Sie den gebührenden Respekt nicht versagen werden, nach, der ausdrücklich sagt: H. Akkum ll, 5 Qj'KU O'ffX 1*?3) ^KISTO O'OlipOK.I 131 151 bs? bttnv'3 BJ'X (D“3 313V 3'131V Was man unter O'KlipCK versteht, erklärt Maimonide» an Ort und Stelle pp nT5 3121X1 - .Tlin 013 bv 3131V1X2ÖJ3P Sagt da« nicht deutlich genüg, daß, wenn einer n^a unterläßt. weil er e« nicht al« Grundgesetz anerkennt, er kein Israelit ist. Genügt Ihnen diese« noch nicht, lesen Sie H. Mamrim Hl. 2, dort heißt e« 1013 X11D OOIOJW 1TM bmv' bbsz bjk ■tot $3 ... onv miro. *“* diele» beiden Stellen ersehen Sie, daß der große Maimonide«, de« auch Ihre Gesinnung»genoff«n al« „denkenden J»raeliten" anerkennen werden, ausdrücklich erklärt, daß auch ein solcher, der al« Jude geboren,keinen Götzendienst treibt, einen einzigen Gon verehrt, aber manche Mitzwoth verwirft, kein Israelit mehr ist. Wie di« obenerwähnten Stellende« Talmud zu verstehen find, werde ich Ihnen nächste n« schreiben. Frankfntt a. M-, 2V. Mär, (Or.-Eorr.) Rach Ablauf de« ersten Dezenium« chre» Bestehen« veröffentlicht die „A» chawa", der Verein zur Unterstützung israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen und Waisen in Deutschland, den zehnten Rechenschaftsbericht. In de« Vorwort zu demselben wirft die Verwaltung zuerst einen Rückblick auf die segen»volle Wirkiamkeit de» Verein« während de» ersten Jahrzehnt» ferne» Bestände«, in welchem Zeitraum e» ihr möglich war, die beträchtliche Summe von fl. 13,757. 18 Kr. (Mart 23583. 80 Pf) al« Unterstützungen zu verausgaben. Mir Hilfe der auch im oerfloffenen Jahre dein Verein« zugewendeten Geschenke war derselbe im Stand«, bei Beginn diese« Jahre» unter 80 Unlerstützungbedürftig« (36 Theile) Mark 4608 zu vrrtheilen, nachdem iin Lause de« Jahre» noch Mark 470 57 Pf verabreicht worden waren. I» gleicher Weise hatte sich da« Gesammtevermögen de« Verein«, welche» am Ende de« Jahre« 1865 sich nur auf fl. 2339 15 Kr. beziffert bereit» auf die Höhe von fl. 32376 84, (Mk. 55502 68 Pf.) gehoben. Im Hinblick auf dies« Zahlen, welche dem Verein ein sprechende« Zevgniß für die Dauerhaftigkeit seine« Bestände« und die Kraft seiner Leistungen geben, sagt die Verwaltung ihren Dank Allen, welche den Verein bisher Wohlwollen bewiesen haben, und spricht vertrauensvoll die Hoffnung au», daß diese» auch fernerhin demselben zu deffen wachsenden Ge-' deihen gesichert bleiben möge. Vielmals — heißt e« in Berichten — waren wir im Stande, bei Erkrankungen von Lehrern oder ihrer Familirnglieder, in Fälle» der Invalidität oder de« Ableben» eine« Mitgliedes mit Unterstützung»geldern, Pensionen, Willwengehäliern und Waisengeldern helfeitd und tröstend einzutrele». Waren indeß die Leistungen bi» jetzt schon ziemlich beträchtlich, so müßten dieselben noch viel ansehnlicher werden, wen« dem Verein eine allseitig« Anerkennung neuer Kräftigung seiten» der i-raelirifchen Lehrer und Gemeinden Drutschlaua» zu Theil wurde." — In dem Jahresberichte wendet sich daher die Verwaltung mir dem Hinweis auf die immer mehr hervortretende WirkfamkeU der Leistungen de« Benin« und unter der besonder» Hervorhebung de» allgemein gefühlten Bedürfuiffe» an sämintliche israelitische Lehrer und Gemeinden in Deutschland mit der Aufmunterung zu verstärkter Bctheiligung an der „Achawa" Dem Berichte liegt zugleich eine in diesem Sinne abgefaßte Aufforderung, bez. Bitte an die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden bei. Wir hoffen und wünsche«, daß diese« Rundschreiben die geeignete Berücksichtigung finde» und für die „Achawa" von erfreulichstem Erfolge sein möge! — Exemplare des Rechenschaftsberichte« sind auf gefällig« Anfragen von dem Vorsitzenden der Achawa, Herrn Adolf Tcbl4e, Lehrer a. d. iSr. Realschule in Frankfurt a. Main, zu erhalten, welcher auch zu jeder weiteren Lurkunft, so wie zur Empfangnahme von Beitrittserklärungen und Gaden für den Verein jederzeit bereit ist. — (Wir reihen hieran einen Auszug au« dem Bericht einer ähnlichen UnlerstützungSkaffe für da» Jahr 1874.) An» Weftphale». Die UnterstützungScaff« de« Verein« israeluifcher Elementarlehrer für Weftphalen und die Rheinprovinz (Vorsitzender, Lehrer Blumenau in Bielefeld) hat im Jahre 1874 gewonnen: Von 23 Gemeinde», welche der Eaffe